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Dem Hamster sei Dank

So, jetzt wird es ernst.  Heute habe ich meinen ersten Zyklustag in der Kiwu-Klinik angemeldet und zack -keine halbe Stunde später- kam der Anruf von einer mindest ebenso zackigen Sprechstundenhilfe. Noch ehe ich irgendwas sagen konnte, hagelte es schon Anweisungen. „Ab morgen spritzen Sie bitte 50 IE Puregon bis Freitag, 9.7. und kommen dann am Samstag in unsere Sprechstunde.“ Bitte was? Ich soll also neun Tage lang ein Hormon spritzen, das meine Eierstöcke auf Fußballgröße anschwellen und meine Lungen voll Wasser laufen lassen kann, ohne zwischendurch von einem Arzt auf meine Funktionstüchtigkeit überprüft zu werden? Die Telefontante war mit meinen Ängsten vor Thrombose und Co. leicht überfordert und tat so, als hätte sie noch nie was von Überstimulation mit Puregon gehört. Außerdem hätte ich das ja sicher alles mit meiner Ärztin geklärt und die hätte doch sicher alle Risiken mit mir besprochen und das wird sicher alles seine Richtigkeit haben. Sicher! Sicher! Sicher habe ich mich in diesem Repro-Betrieb noch nie gefühlt. Und seit der Clomifen-Pleite im September letzten Jahres fühle ich mein Leben schon fast bedroht, wenn sie mir wieder irgendein Medikament andrehen wollen, um mich dann damit über Wochen ohne Ultraschall zu Hause sitzen lassen. Und ganz ehrlich: Bis gestern hatte ich noch ein Fünkchen Hoffnung in mir, den Kelch an mir vorüber ziehen zu sehen. Immerhin hatte ich am 15. Zyklustag meinen Eisprung. Das bekomme mal eine hin, mit so wunderschönen Perlenketten-Ovarien!

Morgen soll es also losgehen. Ich soll mir eine Spritze in meinen unversehrten Bauch jagen. Eines der wenigen Körperteile, auf das ich einigermaßen Stolz bin und in das ich viel Schweiß und Arbeit investiert habe. Heute habe ich mir bereits die Anleitung zum Puregon-Pen vorgenommen und die Foren durchgegoogelt, was ich beachten muss. Zum Beispiel würde mich interessieren, ob die Tageszeit, zu der gespritzt wird, die Nebenwirkungen beeinflusst. Angeblich spielt das wohl keine Rolle. Also denke ich mir, werde ich es morgens spritzen, da ich die nächsten Tage abends eher nicht zu Hause sein werde. Obwohl es natürlich schon witzig wäre, das Bolzenschussgerät mitten in der Kneipe auszupacken, um sich erst mal Hamster-Hormone zu fixen. Das sorgt mit Sicherheit für Gesprächsstoff in der Runde. Morgens ist gut…bestimmt. Und dann werde ich wieder stundenlang auf eine Hautfalte zwischen meinen Fingern starren, die schon ganz weiß gequetscht ist und mich nicht überwinden können, hinein zu stechen.  Das sind zumindest meine Erfahrungen von den Thrombosespritzen. Witzig ist auch, dass die findige Pharmafirma nur sechs Nadeln in eine Packung gesteckt hat, die für maximal 12 Anwendungen gedacht ist. Merck hat seine Millionen schließlich nicht verdient, indem es Dinge verschenkt hat. Für 330€ darf man nicht zu viel erwarten.  Da es ein Versuch ohne Insemination ist, bekommen wir das Medikament jedoch von der Kasse spendiert. Wenn wir später mit einer IUI mit Stimulation weitermachen, wird die Kasse die Hälfte der Kosten übernehmen…auch nur die Hälfte der Medikamente. Sie tragen also die vollen Kosten für eine Behandlung, die in unserem Fall mit Sicherheit nicht zum Erfolg führen wird. Nach Logik sollte an dieser Stelle nicht gefragt werden.

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