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Präeklampsie und Vitamin D

Kein Angst ihr Lieben, bisher verläuft meine Schwangerschaft komplikationslos. Blutdruck, Pipi und Allgemeinbefinden sind im grünen Bereich und dennoch möchte ich mich heute einem Thema widmen, was ich lange aufgeschoben habe: Dem Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und dem Risiko an einer Präeklampsie zu erkranken.

Mein Gerinnungsspezialist hat mich bereits zu Beginn der Schwangerschaft darauf hingewiesen, dass meine Vitamin-D-Werte im Keller sind und mir nahe gelegt, von nun an jeden Tag 1000 mg Vitamin D zu mir zu nehmen. An dieser Stelle komme ich nicht umhin, darauf hin zu weisen, in welchem Monat es bei uns geschnackselt hat. Der September wars! Und da sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass die Speicher dank frischer Luft und Sonnenlicht aufgefüllt sind. Doch allem Anschein nach, ist mein Vitamin-D-Metabolismus nicht gerade der Fleißigste und so musste ich eben wieder mit künstlichen Mittelchen aufstocken, wie ich es bereits während der Kinderwunschbehandlung getan habe.

Früher nannte man die Präeklampsie „Schwangerschaftsvergiftung“, da die typischen, krankhaften Symptome Bluthochdruck und Eiweißausscheidung erst während der Schwangerschaft auftreten und man daher schlussfolgerte die Schwangerschaft würde vom Körper nicht verkraftet werden und führte zu „Vergiftungserscheinungen“. Obwohl die Präeklampsie mit einem Auftreten von 3-10% weltweit zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen gehört,  ist die tatsächliche Ursache für das Auftreten einer Präeklampsie bis heute unklar. Sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Forscher wurde in den vergangenen Jahren dem Vitamin-D-Status der Schwangeren gewidmet. Gerade in den USA sind zahlreiche Studien erschienen, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Serum-Vitamin-D und Präeklampsie herstellen konnten. So wird der Verdacht gehegt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Präeklampsie zunimmt, wenn der 25 (OH)D-Gehalt im Blutserum ein Level von 50 nmol/L  unterschreitet. Dabei ist noch nicht geklärt, in welchem Stadium der Schwangerschaft die niedrigen Vitamin-D-Werte von Bedeutung sind. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung vorallem im zweiten Trimester von Bedeutung ist.

Inwiefern nun Vitamin-D die Entstehung einer Präeklampsie verhindern kann, ist zwar bisher nicht dargelegt, dennoch scheint die Aufgabe des Vitamins für das Aufrechterhalten einer gesunde Schwangerschaft logisch. Denn zum Einen greift es in die Regulation unseres Blutdruckes ein, indem es das in der Niere gebildete und blutdrucksteigernde Renin unterdrückt und die glatte Muskulatur der Blutgefäße beeinflusst. Daneben wirkt es auf Insulinhaushalt und  Blutgerinnung.

Die Entstehung einer Präeklampsie erfolgt in zwei Phasen. Zuerst zeigt sich an der Plazenta eine unzureichende Durchblutung, die mitunter durch fehlerhafte Einnistung der Eizelle zu Beginn der Schwangerschaft zustande kommen kann. Um diesem pathologischen Zustand entgegen zu wirken, werden daraufhin in der zweiten Phase  Stoffe produziert, die das Signal für weitere Maßnahmen des Organismus geben, diesem pathologischen Zustand entgegen zu wirken. So werden die Nierengefäße zu Veränderungen veranlasst, die sich letztlich in einer Ausscheidung von Eiweißen (Proteinurie) äußert. Häufig kommen aufgrund der veränderten Nierenfunktion Ödeme hinzu, die allerdings im Vergleich zu den immens hohen Blutdrücken, die Betroffene entwickeln, das geringste Problem darstellen. Da die aktivierte Form des Vitamins 1,25 (OH)2D auf molekularer Ebene zur Regulation gewisser Gene beiträgt, die maßgeblich an einer normalen Plazentation und Entwicklung des Mutterkuchens beteiligt sind, liegt die Vermutung nahe, dass unzureichende Vitamin-D-Level einen negativen Einfluss auf die gesunde Entwicklung einer Schwangerschaft haben können.

Gerade für Frauen, die sich aufgrund des PCO-Syndroms oder anderweitiger hormoneller Störungen einer Kinderwunschbehandlung unterzogen haben, halte ich es für wichtig, die Vitamin-D-Versorgung auch bei Eintreten einer Schwangerschaft im Auge zu behalten. Das selbe würde ich Frauen empfehlen, die ein erhöhtes Risiko haben, eine Präeklampsie zu entwickeln. Vorallem Hebammen stehen der Versorgung mit künstlichen Vitaminpräparaten -mitunter zu Recht- kritisch gegenüber. Immer wieder wird zum Thema Vitamin-D argumentiert, dass es ausreichen würde, den Unterarm 20 Minuten in die Sonne zu halten, um seinen Tagesbedarf zu decken und wahrscheinlich trifft das auf die Mehrheit der Bevölkerung auch zu. Bei wem die Werte jedoch wiederholt, trotz ausgiebiger Spaziergänge an der frischen Luft zu niedrig waren, sollte mit seinem Arzt über die zusätzliche Einnahme von Vitamin-D während Kinderwunsch und Schwangerschaft sprechen.

Meine Literaturquelle: M. Tabesh, A. Salehi-Abargouei, M. Tabesh, A. Esmaillzadeh: „Maternal Vitamin D Status and Risk of Pre-Eclampsia: A Systemic Review and Meta-Analysis“ J Clin Endocrinol Metab 98: 3165-3173, 2013

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Mit dem Herzen sieht´s sich besser

Die vergangene Woche muss meinem Untermieter vorgekommen sein, wie ein Ausflug auf den Düsenjet-Übungsplatz. Zwei Mal hat es die volle Dröhnung Ultraschall abbekommen, was in der Fruchtblase eine Lärmbelastung  von ca. 100 dB erzeugt. Wahrscheinlich hat es sich die Ohren mit Käseschmiere zugestopft! Der zweite Ultraschall wurde im Rahmen der von der Krankenkasse seit Neustem bezahlten „erweiterten Basisdiagnostik“ von den Profis der Pränataldiagnostik durchgeführt. Obwohl es hinsichtlich Fehlbildungen keinen Anlass zur Sorge gibt, wollte ich doch Klarheit haben, ob zumindest keine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder andere Fehlbildungen zu sehen sind, die es nahe legen würden, die Entbindung in einer Klinik mit optimaler Neugeborenen Versorgung anzugehen. Außerdem hat mir mein Haemo…äh…stasio…äh… also Gerinnungsspezialist empfohlen, die Durchblutung in meinen und den plazentaren Gefäßen checken zu lassen. Damit war die Ärztin noch nicht gänzlich zufrieden. Bei der Doppler-Untersuchung meiner Uterus Arterien zeigte sich ein sogenanntes „Notching“, was sich mit einer Einkerbung nach dem Pulsschlag bemerkbar macht.

Angedeutetes Notching in der Uterus Arterie

Angedeutetes Notching in der Uterus Arterie

Das deute wohl nach Aussage der Ärztin bisher auf noch nichts dramatisches hin. Wenn sich eine Schwangerschaft einstellt, dann müssen sich die Gefäße der Mutter weit stellen, um die Plazenta und die Gebärmutter optimal zu versorgen. Dafür haben sie allerdings bis zur 27. SSW Zeit. Ich bin gerade in der 21. SSW und daher liegt dieser erhöhte Gefäßwiderstand noch im Bereich des Akzeptablen. Allerdings muss das Ganze nach vier Wochen kontrolliert werde, da sich damit auch eine Präeklampsie ankündigen kann. Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, weist mein Blut sehr hohe Lipoprotein A-Werte auf. Das ist eine angeborene „Fettstoffwechselstörung“ gegen die man bisher nicht viel machen kann. Bei einer ungünstigen Konstellation von „guten“ (HDL-)  und „bösen“ (LDL-) Cholesterin und anderen, unbekannten Faktoren kann das Gefäßverschlüsse begünstigen. Das ist auch der Grund, weshalb ich Heparin spritze. Denn an einer verkrusteten Gefäßwand bleiben Thromben besser hängen. Zudem gibt es wohl auch einen Zusammenhang zwischen hohen Lipoprotein A-Werten und Präeklampsie. Ich versuche mich von diesen unheilvollen Prognosen jetzt nicht allzu nervös machen zu lassen. Auch wenn die Pharmaindustrie bisher noch nichts auf den Markt geworfen hat, was uns gestörten Fettverstoffwechslern helfen könnte, kann man es mal mit weißen oder grünen Tee probieren. Gerade in der Schwangerschaft eignet sich weißer Tee, da er weniger Koffein enthält als seine grünen und schwarzen Verwandten. Daneben sollte man auf gesunde, also mehrfach ungesättigte Fette, wie Leinöl setzen. Das kann dazu beitragen, dem guten Cholesterin den nötigen Aufschwung zu verpassen.

Auch wenn all diese Untersuchungsmethoden, mit denen Fehlbildungen oder pathologische Schwangerschaftsverläufe frühzeitig erkannt werden können, mitunter dazu beitragen, Leben zu retten oder einfach nur Sicherheit zu vermitteln, bleibt mir bei der ganzen Vertechnisierung das Gefühl auf der Strecke. Jedes Mal, wenn mein Kind von Kopf bis Fuß durchgeschallt, von da nach dort geschoben wurde, gehe ich mit schlechter Laune nach Hause. Am Morgen lag ich noch als glücklichster Mensch der Welt mit beiden Händen auf dem Bauch im Bett und habe mich über jedes Zucken und Blubbern gefreut. Nach dem Ultraschall halte ich zwar irgendein 2D- oder 3D-Bild in den Händen, das Gefühl dafür, wie es meinem Baby geht, ist stattdessen abhanden gekommen. Gerade von meiner Frauenärztin erwarte ich, dass sie sich nicht allein auf die technischen Details meiner Schwangerschaft konzentriert. Mittlerweile glaube ich, es liegt an der Anwesenheit meines Mannes. Seit er dabei ist, sind zwar die kuriosen Regelungen der Krankenkassen Thema, wie es mir geht, scheint aber niemanden zu interessieren. Folglich werde ich ihn in Zukunft nicht mehr zu jeden Termin mitnehmen. Anfangs war er mir wegen meiner Ängste eine echte Stütze und ich dachte, wenn er sein Kind auf dem Bildschirm sieht, fühlt er sich stärker involviert. Mittlerweile habe ich jedoch begriffen, dass man Bindung nicht über Fernsehen aufbauen kann. Am Abend auf der Couch liegen und gemeinsam dem Blubbern unter meiner Bauchdecken mit den Händen lauschen – das ist wahres Babykino!

 

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