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Milchstau

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte über den gefürchteten Milchstau verlieren. Mich hat es bereits zwei Mal im Abstand von einer Woche erwischt. Das erste Mal entwickelte sich eine knotig harte, schmerzende Brust während der Nacht, als die Kleine ca. 8 Wochen alt war und das erste Mal vier Stunden am Stück geschlafen hat. Laut Frau Stadelmann findet zu dieser Zeit ein zweiter Milcheinschuss statt, der dann schon mal, wie eine Reise auf der Autobahn zu Ferienbeginn, in einem Stau enden kann. Das zweite Mal trat dieses Problem auf, als der gutmeinende Besuch zum Babygucken kam. Wenn eure Brust knotig, gerötet, heiß und schmerzend ist, ruft am besten immer bei eurer Hebamme an. Tritt dazu noch Fieber auf, wendet euch bitte sofort an einen Arzt und/oder eine Hebamme. Ich möchte an dieser Stelle nur von meinen Erfahrungen berichten und was mir geholfen hat.

Das beste ist natürlich, der Milchstau tritt gar nicht erst auf. Vorbeugend sollte frau sich alles vom Hals halten, was noch mehr Arbeit macht. Ein Besuch, der Essen kocht, einkaufen geht, die Wohnung saugt und morgen um Sechs aufsteht, um das Kind bis 9 zu beschäftigen, ist gerne gesehen. Besuch, der das Kind betatscht, es der Mutter ungefragt aus den Armen reist und rumzerrt, sollte dagegen ausgeladen und mit einem Anne-Geddes-Kalender vertröstet werden, wenn er so auf putzige Babys abfährt. Natürlich kann auch ohne die liebe Ver- und Bekanntschaft ein Milchstau vorkommen. Das Kind sollte daher regelmäßig im Wechsel jede Brust leer trinken. Enge Oberteile und BHs können ebenfalls die Milchgänge abdrücken und so den Fluss behindern.

Manchmal reicht aber schon eine durchgeschlafene Nacht, dass frau mit einer knotigen, steinharten Brust aufwacht. Manchmal ist nur ein Quadrant der Brust am Fluss gehindert, manchmal kommt aus einer oder beiden Brüsten kein Tropfen Milch mehr. Ist die Brust also bereits in den Brunnen gefallen, hilft es, die betroffene Seite vorm Anlegen zu wärmen. Bei mir erwies sich dabei die Rotlichtlampe als effektivsten. Andere Möglichkeiten sind ein Kirschkernkissen, eine Wärmflasche, eine warme Dusche, am besten mit Massagestrahl, oder einfach ein warmer Waschlappen. Während des Trinkens oder davor kann die Brust massiert werden. Anleitungen dafür finden sich im Internet, zum Bsp hier Brustmassage. Ein kleiner Geheimtipp ist die Verwendung eines Vibrators, um die knotigen Stellen direkt auszumassieren. Wer so etwas nicht in der Nachttischschublade findet, sollte sich ersten einen zulegen und kann zweitens auch andere vibrierende Dinge verwenden, die sich im Haushalt finden. (Aber besser nur für die Brustmassage) Manche Rasierapparate vibrieren beispielsweise, oder eine elektrische Zahnbürste tut es zur Not auch. Dann solltet ihr das Kind so anlegen, dass der Unterkiefer des Babys die gestaute Stelle ausmassieren kann. Am besten funktioniert das im Vierfüßlerstand, während euer Kind auf dem Rücken liegt. So könnt ihr beliebig in jede Richtung anlegen. Das sieht verdammt komisch aus und ist nicht gerade Öffentlichkeitstauglich. Danach könnt ihr eure Brust mit Kohlblättern, Quarkwickeln, TK-Kost oder Kühlakkus erfrischen. Manche Hebammen empfehlen, die betroffene Brust zu kühlen, während an der anderen getrunken wird. Ich habe jedoch die böse Seite abgepumpt, während das Kind die andere bearbeitet hat. Bei Frauen, die sehr viel Milch haben, kann das jedoch die Problematik verschlimmern.

Manchmal kann es auch vorkommen, dass ein Milchkanal durch ein Häutchen blockiert ist. In diesem Fall bildet sich ein gelblich, weißer Punkt auf der Brustwarze. Diese „Saugbläschen“ (so nennt es Frau Stadelmann) kann eure Hebamme mit einer sterilen Kanüle aufpieksen.

Der ganz normale Wahnsinn

„allerdings waren meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht so geordnet wie deine. Hut ab! Das Tagebuch und die Art wie ihr mit der Situation umgeht finde ich klasse!“

Liebe Nadja, dass meine Gedanken so geordnet erscheinen, kommt nicht von ungefähr. Wir ich bereits erwähnt hatte, haben wir uns auf Empfehlung meiner Hebamme an das Zentrum für frühe Interaktionsstörungen gewandt. Diese Einrichtung ermöglicht Müttern, sich mit ihren Kindern in einer Tagesklinik betreuen zu lassen, sofern eine Interaktionsstörung vorliegt. Bei uns war das jedoch so eindeutig nicht der Fall. Wir haben nun schon einige Gesprächstermine mit einer Psychologin hinter uns und sind zu dem Schluss gelangt, dass ich wohl einfach mit dem Schlafentzug und der Anpassung an einen Mutti-Tagesablauf Schwierigkeiten habe. Eine gestörte Bindung zu meiner Tochter liegt jedoch nicht vor. Bestärkt wurde unser „Fazit“ durch ein Gespräch mit einer Psychiaterin. Diese, selbst Mutter, kennt den ganz normalen Wahnsinn, den eine Frau beim ersten Kind durchlebt. Ich habe ihr geschildert, wie es mir so geht und mit welchen Gedanken und Gefühlen ich mich so konfrontiert sehe. Sie hörte sich das alles an und meinte schließlich, aber das ist doch ganz normal!

Es ist schon erstaunlich, wie ein Kind das Leben von heute auf morgen umkrempelt. Dabei habe ich doch gedacht, mir bzw. uns würde es am allerwenigsten schwer fallen, uns auf ein Leben mit Kind einzustellen. Wir gehen selten abends aus, Treffen mit Freunden finden in einem familiären Rahmen statt, unsere Hobbys und Freizeitaktivitäten schienen mir ebenfalls kinderfreundlich zu sein. Und dann ist das Kleine auf der Welt und plötzlich muss ich feststellen, dass ich selbst zu meinem Langweilerdasein nicht mehr komme. Das Kind schreit natürlich genau dann, wenn etwas interessanten in der Glotze läuft. Es kotzt in dem Moment, wenn man mal kein Spucktuch über der Schulter trägt. Es wird urplötzlich wach, wenn man mit seinem Partner „kuscheln“ will. Meine Hände sind von nun an dazu da, das Kind zu halten, zu streicheln, zu trösten, anstatt Staub zu wischen oder was Kleines zu nähen. Meine Brüste sind keine erogene Zone mehr -sofern sie das je waren, sondern die Nahrungsquelle meiner Tochter. Statt Rockhymnen auf der Gitarre zu schmettern, singt meine Stimme leise Lieder zur Nacht und formt Brabbellaute um die Kleine bei Laune zu halten. Ganz klar, an so eine Umstellung muss sich wohl jede(r) erst einmal gewöhnen. Die Eine ist darin schneller, die andere, so wie ich, tut sich an manchen Tagen damit schwerer. Und letztlich haben wir ja auch viel Zeit uns aufeinander einzustellen.

Zum Thema schlaflose Nächte, kann ich mich heute nur lobend über unsere Kronprinzessin äußern. Diese Nacht hat sie zum ersten mal von 22Uhr bis 6Uhr morgens geschlafen. Acht Stunden dürften ja dann als durchgeschlafen gelten! Nun bin ich mir allerdings nicht sicher, ob ihr Schlafverhalten eine Folge der gestrigen Sechsfach-Impfung oder schon ein erster Schritt weg von den „dummen 3 Monaten“ ist. Sollte es nur eine Impfreaktion sein, nehme ich sie gerne, statt des angedrohten Fiebers und der Unruhe. Tatsächlich sind die vergangenen Tage wirklich sehr ruhig und angenehm verlaufen, nachdem die Hübsche vor etwa zwei Wochen begann, uns wieder mit viel Geschrei und lebhaften Nächten zu quälen. Zu der Zeit hatten wir Besuch und waren viel unterwegs, was die Kleine total aufgerieben hat. Nach ein paar Tagen war der Besuch von Dannen gezogen, aber das schreiende Kind und ein fetter Milchstau blieben. Bis dahin schlief die kleine Madame übrigens immernoch in meinem Bett. Nach einer Nacht mit einer Pobacke auf 10 cm Matratze und der anderen auf dem Holz, habe ich sie dann einfach in ihr eigenes Bett gelegt. Und seit dem sind wir beide viel zufriedener. Sie kann sich jetzt des Nachts austoben, ohne mich ständig anzustupsen. Wenn sie grunzt wie ein kleines Schweinchen, mach ich mir einfach Ohropax rein.

Manchmal,aber nur manchmal kann es so einfach sein 🙂

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