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Miese Stimmung (TF+3)

Der Transfer am Mittwoch verlief unspektakulär. Wie vermutet blieben von den 4 Blastozysten zwei brauchbare übrig. Eine wurde mir eingesetzt, die andere auf Eis gelegt. Ein wenig Blut-Utrogest-Geschmiere hatte ich danach im Schlüppi. Wahrscheinlich von der Ektopie. Die geringste Störung reicht aus, dass mein Gebärmuttermund zu bluten beginnt.

Am nächsten Tag begleitete mich mein Chef zu meiner großen Freude mit auf meine Ärzte-Tour (kurz zur Erklärung: Ich arbeite als Pharmareferentin). Obwohl wir uns gut verstehen, bedeutet das für mich immer Stress pur. Schließlich möchte ich keine schlafenden Hunde wecken durch auffällig schlechtes Arbeiten. Über meinen „ärztlichen Eingriff“ von Freitag hat er kein Wort verloren. Zum Glück. Und ich war auch froh, nicht geflunkert zu haben. Vor einem Jahr war das Krankmelden wegen der Punktion noch eine der größten Hürden, die mich davon abgehalten hat, einen Schritt weiter zu gehen. Was ist, wenn er zwei Tage vorher anruft und Bescheid sagt, dass er mitkommen will? Einfach am Morgen der Punktion krank melden wegen Magen-Darm-Infekt? Aber auf der Krankmeldung steht ja eine gynäkologische Praxis drauf…Ich hab´s im Kopf tausendfach hin und her gedreht und gewendet. Als ich den genauen Termin für die Punktion hatte, habe ich dann einfach eine Mail geschrieben. Ärztlicher Eingriff am Freitag, Nachkontrolle am Mittwoch. Innerlich habe ich mich auf Nachfragen eingestellt. Es kam aber glücklicher Weise keine. Falls doch, hätte ich ihm von Zystenpunktion erzählt. Falls er irgendwann Mal im Laufe unseres gemeinsamen Arbeitslebens danach fragen sollte, wäre ich doch bereit, mit der ganzen Geschichte rauszurücken. Aber erst, wenn das Thema entweder für uns abgeschlossen ist oder wir mit Kind nach Hause gehen.

Tja…und mein schlechtes Gefühl sagt mir, dass es noch ne Weile dauern wird…oder sogar nie mehr passiert. Bis gestern hatte ich noch ein wenig Ziehen im Bauch und auch meine gewaltigen Eierstöcke haben sich bemerkbar gemacht. Heute ist gar nichts mehr. Die Utrogest-Sauerei ist seit heute auch gelblich verfärbt, was nichts Gutes verheißt. Brüste werden weicher. Temperatur heute ein wenig geringer als gestern. Und Nachts wird mir extrem heiß. Und meine Stimmung ist einfach sehr, sehr schlecht. Das hat all die Jahre immer bedeutet, dass ich in einer Woche meine Mens bekomme. Wirklich verwunderlich wäre es nicht. Es muss ja schließlich eine Ursache für unsere Sterilität geben. Und womöglich ist es dann doch die Einnistung. Dass es beim kleenen Froillein damals mit der ersten IUI geklappt hat, war vielleicht und ja eigentlich sowieso ein großes Wunder….obwohl, wer sie kennt, der wundert sich über gar nichts mehr. Wahrscheinlich hat sie meine Gebärmutter so lange angebrüllt, bis sie sie einfach dort hat wohnen lassen: „ICH! WILL! JETZT! HIER! EINZIEHEN! SOFORT!“

Die KiWu-Ärzte und Angestellten scheinen da allerdings optimistischer zu sein. Am Mittwoch haben wir schon einen Termin für Ultraschall und Schwangerschaftstest ausgemacht. Ich dachte mir nur, ähm ok…können wir ja machen, aber ich irgendwie glaube ich nicht, dass wir das brauchen. Morgen werde ich einen Urintest machen. Am Donnerstag Abend (PU+5) habe ich einen zum Vergleich gemacht. Vom Brevactid 5000 war nichts mehr zu erkennen. Nun ja, wenn aber morgen nichts zwickt und zwackt, dann wird es sich erledigt haben….

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Pu+3

Gestern Abend saßen mein Mann und ich beim Tatort und spekulierten über unseren höchst persönlichen Krimi. Wie viele Eizellen werden wohl reif gewesen sein? Ob sich überhaupt was befruchten ließ? Sind schon alle abgestorben? Wir überlegten, ob wir nicht hätten einen Anruf bekommen sollen. Hatte die Ärztin gesagt, wir würden nur dann informiert werden, wenn der Transfer am Mittwoch nicht stattfindet? Wirklich? Seltsam….dann googelte ich noch eine Weile „Anruf von Kiwu nach Punktion“ und offensichtlich rufen die meisten Kliniken einen Tag nach Pu an und geben einen kurzen Bericht durch. Also fasste er den Entschluss, heute zum Telefonhörer zu greifen (gibt es eigentlich noch Telefonhörer?). Vorher bekam er die Anweisung, mich nicht während der Arbeit mit schlechten Nachrichten zu konfrontieren. Macht so gar keinen Spaß beim Kunden mit verheulten Augen und Schniefnase zu sitzen. Trotzdem rief er mich an und berichtete folgendes: Von 15 Eizellen ließen sich 11 befruchten, sieben 2-PN-Zellen (pro-nucleus-Zellen) wurden bereits gefrostet, vier werden nun zu Blastozysten weiterkultiviert. Zwei davon sollen sich angeblich recht gut machen, während die anderen beiden etwas lahm daher kommen. Das sind -würde ich alter Pessimist sagen- doch erst mal ganz gute Nachrichten. Nun müssen wir nur noch bangen, dass am Mittwoch noch etwas zum transferieren übrig ist. Eine Statistik, die besagt, wenn es die „Viel“-Zeller bis dahin geschafft haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit so und so hoch, dass eine Blastozyste entsteht, würde mich an dieser Stelle beruhigen. Kenn aber grad keine. Ich habe mich gefragt, ob es Sinn macht, nur eine eintźige Blastozyste einzufrieren. In Forenbeiträgen vergangener Jahre sprechen viele Frauen davon, dass ihnen davon abgeraten worden sei, da die Chance auf Weiterentwicklung für eine Blastozyste relativ gering sei. Zwei sollten es schon sein. In unserer Kiwu wurde dagegen von keiner Einschränkung gesprochen.

Körperliche Beschwerden habe ich übrigens kaum welche. Gestern Morgen hatte ich eine Migräne-Attacke mit Aura, die sich aber schnell wieder verkrümelt hat. Irgendwie hatte ich schon damit gerechnet, da die Basal-Temperatur hoch gegangen ist, was ich als Östrogenabfall interpretiert habe (nicht zu verwechseln mit „Östrogenabsacker“, der in der zweiten Zyklushälfte auftritt). Auf schwankende Östrogenwerte reagiere ich oft mit Migräne. Eine Ibuprofen hat gute Dienste getan und mir auch die Bauchbeschwerden bis zum Mittag genommen. Abends werden die Bauchschmerzen stärker, sind aber tendenziell eher rückläufig. Ich trinke weiterhin, wie ein Kamel Wasser und zwei Mal täglich eine Proteinshake. Am Ende der Woche werde ich wohl jede Arzt-Toilette in ganz Südbaden kennen. Mein Bauch ist zum Glück nicht auffällig geschwollen. Für mich sieht er zwar etwas deformiert aus, bisher hat mich aber niemand gefragt, ich welchem Monat ich bin.

Hier noch mein Zyklusblatt:

Erster IVF-Zyklus

 

Weißes Rauschen

Nun liegt es nicht mehr in meiner Hand. 15 Eizellen konnten am Freitag entnommen werden. Einige davon werden mit Sicherheit unreif sein und sich nicht befruchten lassen, da die Follikel noch sehr klein waren (ich nehme an, unter 16 mm).

Vielleicht stolpert ja die eine oder andere über diesen Blog, die wissen möchte, wie eine Punktion abläuft. Daher hier meine Schilderung des Prozederes:

Sechs Stunden vorher darf nichts gegessen oder getrunken werden. Sogar Kaugummi kauen und das benutzen parfümierter Cremes oder Parfum war untersagt. Eine halbe Stunde vor der eigentlichen Punktion sollten wir spätestens im Kinderwunschzentrum sein. Das Sperma durfte in unserem Fall von zu Hause mitgebracht werden. Mein Mann entschied sich allerdings für die Gewinnung vor Ort. Nach Anmeldung an der Rezeption, wird man in den OP-Bereich vorgelassen. Dort durfte ich mich umziehen. Empfohlen wurde, ein Nachthemd oder langes T-Shirt zu tragen. Hauptsächlich geht es wohl darum, etwas zu haben, was den Hintern bedeckt und den Zugang zu den weiblichen Kronjuwelen trotzdem ohne Umstände zulässt. Nach der Umzieh-Schleuse durfte ich mich in mein Bett begeben. Die Betten stehen in unserer KiWu-Klinik nebeneinander, durch Vorhänge voneinander getrennt, aufgereiht. Es waren auch etliche Männer zugange, weshalb sich ein langes T-Shirt tatsächlich als angenehmer erwies. Ein wenig erinnerte mich die ganze Situation an eine Legebatterie im Hühnerstall. Platzmäßig und was die Intimsphäre betrifft, war es aber schon besser, als Käfighaltung. Kurz darauf kam die Anästhesistin, legte einen venösen Zugang und fragte nach Allergien und Vorerkrankungen. Dann wurde ich mitsamt Bett in den OP-Raum geschoben. Dort verabschiedete ich mich kurz von meinem Mann, der seine Schuldigkeit während meiner Wartezeit in seinem Wichs-Verlies bereits getan hatte. Mann müsste frau sein. Die bekommen irgendwie immer die leichteren Aufgaben im Leben…Danach musste ich auf den üblichen Gyn-Stuhl klettern. Die Schwester klemmte mir ein Puls-Oxy-Meter an den Zeigefinger und setzte im nächsten Moment schon eine Spritze an den Zugang. Weil ich noch nix merkte, fragte ich, was das war. Sie sprach von Schmerzmittel und zückte danach die große, weiße Propofol-Spritze. Kaum angesetzt, wurde ich auch schon ganz matschig im Kopf. Das letzte woran ich mich erinnere ist, dass ich fragte, was da so komisch riecht und die Anästhesistin meinte, das käme vom Propofol, das schmecke wohl so komisch. Danach hörte ich meinen Puls noch schneller werden piep–piep-piep-pieppeiepepiepiep—-und dann lag ich wieder in meinem Bett und ich hatte die Zahl 15 im Kopf. Und es überkam mich plötzlich Traurigkeit und mir liefen die Tränen. Und dann war ich auch schon fast ganz da. Ich kenne diese Propofol-Narkosen von etlichen Darmspiegelungen und frage mich jedesmal, was Michael Jackson daran so super fand, dass er dafür sogar gestorben ist. Beim Aufwachen muss man tierisch aufpassen, nicht viel zu reden. Am besten hält man die Fresse, bis man wieder aufrecht sitzen kann. Denn sonst läuft man Gefahr in Endlosschleife immer wieder dieselben Dinge zu erzählen, die gerade eben im weißen Rauschen der propofol-umnebelten Gehirnwindungen noch mega viel Sinn gemacht haben. Gerade bei der ersten Propofol-Narkose kommt mitunter dieses euphorische Gefühl und ein starker Mitteilungsdrang auf. Ich muss wohl mitlerweile diesen Stoff so rapide abbauen, dass ich nach kurzer Zeit schon wieder -nach meinen Möglichkeiten- normal war und mir alles gemerkt habe, was mir nach dem Aufwachen erzählt wurde. Die Ärztin sagte mir, dass es also tatsächlich 15 Eizellen waren, einige jedoch wahrscheinich unreif sind. Außerdem bekam ich als zusätzliches Schmerzmittel Diclofenac als Zäpfchen.  Ich solle mich nicht wundern, wenn am Abend ein wenig Blut mit Schleim vermischt im Schlüpfer wäre. Das sei normal. Dann durfte ich endlich Essen und Trinken. Insgesamt sollte ich nach der Punktion noch zwei Stunden zur Beobachtung dort bleiben. In der Zeit schaffte ich es sogar auf Toilette zu gehen. Darauf wurde viel Wert gelegt, um zu schauen, wie der Kreislauf reagiert und wie stark die Blutung ist. Beim Pullern kam dann ein wenig hellrotes Blut. Das wurde als normal eingestuft und ich durfte dann bald mit einem Rezept für Utrogest 200 nach Hause. Auto- und Fahrradfahren sind für 24 Stunden nicht erlaubt. (Tatsächlich schaffte ich es, 25 Stunden später mein Auto rückwärts gegen die Plastikbeleuchtung eines Baumarktes zu setzen.)

Ich soll nun viel trinken, proteinreich essen und mich möglichst schonen. Eigentlich wollte mich die Ärztin bis nächsten Mittwoch krankschreiben. Ich meinte aber, dass ich am Montag wieder los muss. Termine! Termine! Termine! Schmerzmäßig hält es sich derzeit in Grenzen. Ich merke halt jede Bewegung, die sich in mir zwischen Zwerchfell und Becken abspielt. Sei es nun das Entleeren der Blase oder ihres großen, stinkenden Bruders. Alles ziept und drückt ein bisschen. Der Bauch ist nur mäßig angeschwollen. Morgens habe ich noch meine Biki-Figur, zum Abend hin entwickelt sich dann eine kleine Blähkugel. Meinen Alltag kann ich derzeit normal bestreiten. Heute Morgen fühlte ich mich noch ein wenig müde und gereizt. Aber auch das kenne ich von anderen Propofol-Narkosen. Tagsdrauf bekommt man meist so einen Durchhänger mit leicht depressiver Grundstimmung.

Meine Temperaturkurve sieht derzeit noch stark nach Östrogen-Dominanz aus. Trotz der 15 Follikel ist die Temperatur null angestiegen. Bin gespannt, ob das Utrogest ausreicht, den Östrogenabfall abzupuffern.

Nun heißt es warten…

Heute Punktion

Großartig kreative Ergüsse erwartet heute hoffentlich keiner von mir. Seit gestern Abend nüchtern mit einem Gelege Follikel im Bauch. Die letzte Frage, die sich mir stellt: Warum gehört zum Nüchternsein auch das Weglassen von Parfüm und parfümierten Cremes? Stört das den Maiglöckchenduft der Eizellen? Kein Plan.

Diese Nacht bin ich jedes Horroszenerio durchgegangen: 10+ Follikel und alle leer; keine Eizelle lässt sich befruchten; am Montag der Anruf, dass sich nichts weiternetwickelt hat. Hach, ich liebe meinen Realismus. Ein Schelm, der dabei an Pessimismus denkt!

Auf in den Kampf!

Endometritis

Wie gerade geschrieben, wurde bei mir eine chronische Entzündung der Gebärmutterschleimhaut festgestellt. Wie ich zu der Ehre komme, weiß ich selbst nicht genau. Fakt ist, dass Scheide und After nun mal sehr nah beieinander liegen und Frauen daher prinzipiell für alle Arten bakterieller oder pilzlicher Infektionen Untenrum prädestiniert sind. Auch eine Geburt oder Ausschabung kann sowas begünstigen. Inwiefern nun eine Insemination dazu beitragen kann, weiß ich nicht genau. Es erscheint mir allerdings logisch, dass jede Form von Manipulation, sei es nun eine Routineuntersuchung beim Frauenarzt oder das Benutzen eines Dildos Keime von außen nach Innen „schieben“ kann. Als erste Abwehrbastion treffen die Eindringlinge auf das saure Milieu unserer Scheidenflora, weiter oben dann auf den Zervikalschleim. Je „invasiver“ ein Eingriff erfolgt, desto wahrscheinlicher ist es natürlich auch, dass Keime bis in die Gebärmutterhöhle verschleppt werden. Auch wenn die Scheide beispielsweise beim Echovist desinfiziert wird, ist es nahezu unmöglich, sie „steril“ zu bekommen. Daher besteht also immer eine gewisse Infektionsgefahr.

Von dieser leichten chronischen Endometritis habe ich nichts gemerkt. Erst als ich mich darüber belesen habe, sind mir ein paar Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Manche Frauen spüren diese Entzündung als Schmerzen oder Druck im Unterbauch, haben komisch riechenden Ausfluss oder ähnliches, in schweren Fällen sogar Fieber. Das hatte ich alles nicht. Allerdings fand ich es schon immer eigenartig, dass meine Periode so ewig lange andauert. Unter 6-7 Tage bin ich nie davon gekommen. Vor der Diagnose hatte ich sogar 9 Tage lang Blutungen. Das kann ein Hinweis sein. Nach der ersten Woche Antibiose stoppte die Mens bereits nach 6 Tagen. Vielleicht nur ein Zufall?

Auf die Idee, dass hinter unserer Infertilität auch eine Endometritis stecken könnte, ist mein Mann gekommen. Während ich nach jedem erfolglosen Zyklus heulend in der Ecke sitze, schmeißt er die Suchmaschine an und forstet sich weltweit durch den Djungel medizinischer Publikationen. In einer Studie konnte sogar bei 75% der Frauen eine Endometritis gefunden weren, die unter einer idiopatischen Sterilität litten. Davon wurden ca. 80% innerhalb eines halben Jahres nach Behandlung ihrer chronischen Infektion schwanger. Die meisten davon allerdings per IVF/ICSI. In der KiWu-Klinik hatte die Ärztin für unser Anliegen ein offenes Ohr und hielt uns sofort einen Flyer unter die Nase, in dem für diese Selbstzahlerleistung „geworben“ wurde. Nun kann man sich wieder fragen, warum uns von Seiten der Ärzte niemand darauf aufmerksam gemacht hat, wenn doch die Studienlage recht vielversprechend klingt. Unter dem Aspekt, dass bei Vorliegen einer chronischen Endometritis jedwede Bemühung hisichtlich künstlicher Befruchtung wahrscheinlich für umsonst bzw. ein Erfolg unwahrscheinlicher ist, wäre es doch sinnvoll vor Beginn eines teuren IVF-Zyklus zumindest darüber aufzuklären.

Die Entnahme der Gebärmutterschleimhaut erfolgte spontan direkt im Anschluss ann das IVF-Aufklärungsgespräch, da ich mich sowieso gerade in der zweiten Zyklushälfte befand. Dabei wird ein Katheter durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und eine kleine Stanzung der Schleimhaut vorgenommen. Das Ganze tat mir absolut nicht weh und war innerhalb von zwei Minuten erledigt. Die Gewebeprobe wird dann in ein spezielles Labor geschickt. Dort wird die Probe aufbereitet und präpariert. Unter dem Mikroskop werden dann NK- (natürliche Killerzellen) und Plasmazellen gezählt. Die Anzahl der uterinen NK-Zellen gibt Aufschluss über das Vorliegen einer immunologischen Abwehrreaktion, die die Einnistung erschwert oder verhindert. Das Vorhandensein bestimmter uteriner Plasmazellen hingegen weist auf eine Entzündung hin. Bis der Befund auf dem Tisch liegt, vergehen 10-14 Tage. Danach folgen 14 Tage Antibiose mit 200 mg Doxicyclin bei auffälligen Plasmazellen. Erhöhten NK-Zellen versucht man mit Intralipid-Infusionen habhaft zu werden. Das traf bei uns jedoch nicht zu.

Zwei Tage nach der letzten Doxicyclin-Pille hatte ich meinen Eisprung. Heute ist Zyklustag 10 und natürlich blieb der SST blütenweiß. Zu einer natürlichen Empfängnis wird es also auch in meinem -hoffentlich- nun keimfreien Uterus nicht mehr kommen. Hätte mich auch gewundert, wenn es so einfach gewesen wäre.

 

Guckuck, da bin ich…mal wieder

Ein schlafender Blog, ist kein toter Blog. Und das Leben, was dahinter steckt, geht sowieso weiter. 2017, das Jahr, das mit soviel Hoffnung begann und mit soviel Ernüchterung geendet ist, liegt nun hinter uns. Meine private Statistik sieht folgender Maßen aus: 3+1 stimulierte IUIs auf Kassenkosten, davon eine biochemische Schwangerschaft, eine „Überstimulation“ ohne Durchführung der IUI, der Rest negativ. Eine stimulierte selbstzahler IUI und eine selbstzahler IUI im Spontanzyklus, alle erfolglos. Hinzu kommen noch drei Do-it-yourself IUIs, worauf ich irgendwann einmal in einem seperaten Post eingehen werde. Nichts von alldem hat -im wahrsten Sinne- gefruchtet. Zum Ende des Jahres habe ich dann darauf bestanden, doch noch ein wenig Diagnostik zu machen. So begannen wir das Jahr mit einer Durchgängigkeitsprüfung der Eileiter mittels Kontrastmittel und Sono und einer Entnahme von Gebärmutterschleimhaut zur Bestimmung von NK- und Plasmazellen. Ersteres wurde von der Kasse übernommen und war unauffällig. Letzteres hingegen mussten wir selbst zahlen und erhärtete den Verdacht einer chronischen Gebärmutterentzündung (Endometritis, nicht zu verwechseln mit Endometriose). Daher habe ich diesen Zyklus damit verbracht zwei Wochen lang 200mg Doxicyclin zu nehmen.

Am Donnerstag sollte ein neuer Zyklus starten und dann geht es ab Zyklustag 3 mit Spritzen los für eine IVF. Wir starten mit 75 I.E. Puregon, dann kommt noch ein zweites Medikament dazu, was einen vorzeitigen Eisprung unterdrücken soll. (Der Name ist mit gerade entfallen…sorry). Wir wollen eine Ausbeute von 8-10 Eizellen erreichen, in der Hoffnung, eine einsetzen zu können und den Rest einzufrieren. Wir haben uns gemeinsam mit der Ärztin für diesen Weg entschieden, um mir einerseits die Hormon-Prozedur für einen weiteren Versuch weitestgehen zu ersparen und, weil ich es vermeiden möchte, Mehrlinge zu bekommen. Ja, auch nach 8 Jahren Kinderwunsch sehe ich es immernoch nicht ein, was an Zwillingen so toll sein soll. Soweit zumindest zur Theorie. Wie meine crazy Gonaden nun tatsächlich reagieren werden, weiß ja kein Mensch. Vielleicht sind die Eizellen auch von grottiger Qualität und lassen sich gar nicht befruchten. Immerhin weiß ich dann endlich, woran es liegt. Für mich ist das aber auch das Einzige, was für eine IVF spricht. Hätte man mir mit Anfang 20 gesagt, dass ich niemals auf normalen Wege würde Kinder bekommen können, hätte ich mich wahrscheinlich umgebracht. Ja, ich habe noch immer keinen Frieden mit der Unfruchtbarkeit geschlossen und werde es auch nie. Der Kinderwunsch hat mein Leben ruiniert. Er hat meine Partnerschaft zerfressen, mein Karriere verdorben, das Verhältnis zu meiner Tochter stand von Anbeginn immer im Schatten dieses Monstrums. Eine Diagnose: wieso, weshalb, warum? Warum Ich? Würde helfen. Vielleicht bringt die IVF, wenn auch kein zweites Kind, dann wenigstens endlisch Aufschluss.

Tatsächlich gehören wir nun fast zu den mystriösen Kinderwunschpaaren ohne eindeutige Ursache. PCO-Syndrom, aber Zyklen von 29-34 Tagen mit nachgewiesenen Ovulationen. Spermiogramm mittlerweile normal, aber mit schlechter Überlebensrate nach 24 Stunden. Vedacht auf chronische Endometritis mit geringer Erhöhung der Plasmazellen, die aber nun hoffentlich behandelt ist. Reicht das alles schon aus, um innerhalb von 8 Jahren niemals auf natürlichem Wege schwanger zu werden? Ich kenne Frauen, die wiegen über hundert Kilo, haben vielleicht ein Mal im Jahr einen Eisprung und zwei normal-gezeugte Kinder. Liegt es doch an den kraftlosen Schwimmern, die es nicht schaffen, in die Eizelle einzudringen? Oder hat die chronische Entzündung einen Abwehrmechanismus in Gang gesetzt, der die Spermien angreift?

Keiner weiß das. Die Antwort auf alle Fragen in der Reproduktionsmdizin lauet: IVF oder ICSI….

 

Wechseln lohnt sich

Vergangene Woche habe ich mich aufgerafft und mich wieder in der Kinderwunschklinik gemeldet. Mein letzter Besuch liegt nun schon etliche Monate zurück und ich hatte eigentlich vor, nie wieder einen Fuß in diese Praxis zu setzen. Im Detail möchte ich nicht von meinen vergangenen Erfahrungen berichten. Letztlich kam ich mit der Art und Weise unseres behandelten Arztes nicht zurecht. Obwohl zum damaligen Zeitpunkt nichts weiter untersucht worden war, fielen seinerseits immer wieder die Worte IVF und ICSI, dabei war bis dahin gerade einmal ein Spermiogramm gemacht worden und bis auf meine PC-Ovarien und erhöhte männliche Hormone, gab es nicht viel an mir auszusetzen. Während der Gespräche überhäufte er mich und meinen Mann mit allerlei fachlichen Blabla und wir verließen jedes Mal völlig verwirrt den Behandlungsraum. Anstatt schrittweise alle erforderlichen Voruntersuchungen machen zu lassen, verschrieb er mir Clomifen mit den Worten: „Wir schauen mal, was passiert!“. Wirklich geschaut hat er aber nach gar nichts. Ohne meine Eierstöcke regelmäßig unter der Clomifenbehandlung zu kontrollieren, wurde meine Dosis erhöht und ich entwickelte eine fette Ovarialzyste. Dazu meldete sich mein altes „Laster“ -der Morbus Crohn wieder. Inwiefern das Aufflackern der Darmerkrankung mit der Hormongabe zu tun hatte, bleibt unklar. Einige Ärzte, die ich danach gefragt habe, können sich einen Zusammenhang vorstellen und rieten mir von einer weiteren Einnahme ab. Auto-immun Erkrankungen unterliegen mitunter dem Einfluss schwankender Östrogenspiegel. Nach dieser Aktion hatte ich die Nase jedenfalls gestrichen voll und wendete mich an eine Endokrinologin, um der Ursache meines PCO-Syndroms auf die Schliche zu kommen. Nach einem ACTH-Test und einem oralen Glucosetoleranztest (OGTT) stand fest: Alles in Ordnung! Ich habe weder eine Vorstufe zur Diabetes, noch eine Form des adrenogenitalen Syndroms. Beides können Auslöser für erhöhte männliche Hormone sein und ein PCO-Syndrom begünstigen. Mein Mann machte in der Zeit noch zwei weitere Spermiogramme, die beide eher ernüchternd ausfielen: Genug waren es diesmal, allerdings waren seine Schwimmer zu lethargisch um den hohen Anforderungen der Befruchtung gerecht werden zu können.

Ein Puzzleteil fehlte noch im Bild der Erkenntnis und das war für mich der Anlass wieder in der KiWu-Praxis anzurufen. Wie es um die Durchgängigkeit meiner Eileiter bestellt war, hat bisher keiner in Erfahrung gebracht. Natürlich sind die Bedingungen bei uns beiden schlecht genug, damit der Eintritt einer Schwangerschaft auf sich warten lässt. Völlig aussichtslos ist unsere Situation allerdings nicht!

Ein Anruf genügte und ich hatte wenige Tage später einen Termin zum Gespräch. Bei einer anderen Ärztin. Ohne Rückfragen hat die Sprechstundenhilfe meinen Wunsch nach einem neuen Behandler stattgegeben. Im Gespräch fasste ich kurz die Lage zusammen und prompt fragte sie mich, ob meine Eileiter durchgängig seien. Als ich mir mitteilte, dass diese Untersuchung noch aus stand, hätte sie am liebsten sofort losgelegt. Zwei Tage später wusste ich dann Bescheid. Bei der Eileiterdurchgängigkeitsprüfung, wird ein Kontrastmittel in die Gebärmutter gespritzt. Der Vorgang und der Fluss des Mittels durch die Eileiter wird life – aber nicht in Farbe- per Ultraschall auf dem Monitor verfolgt. Die Untersuchung wird ohne Narkose und ambulant, innerhalb von wenigen Minuten durchgeführt. Dabei verschafft sich die Ärztin zuerst Sicht, indem sie mit einem Spekulum den Muttermund freilegt. Das ist das gleiche Prozedere, wie bei einer jährlichen Krebsvorsorge. Der Muttermund wird auch hier mit einer Jod-Lösung desinfiziert. Dann wird durch die Öffnung des Muttermundes ein dünner Schlauch eingeführt. Damit die Kontrastflüssigkeit nicht sofort wieder heraus läuft, wird im Uterus ein kleiner Ballon mit Flüssigkeit gefüllt. Es wäre gelogen, wenn ich behauptete, ich hätte keinerlei Schmerzen gehabt. Wie im Aufklärungsbogen beschrieben, fühlt es sich an wie plötzlich einsetzende Regelschmerzen. Ist aber alles halb so wild und wirklich schnell vorbei. Zum Glück brauchte es bei mir gerade einmal 2 ml um die Eileiter darzustellen. Das heißt sie sind frei! Bei manchen Frauen kann damit auch eine Öffnung der Eileiter erreicht werden, indem die Blockade einfach weggespült wird. Daher geht die Schwangerschaftsrate nach einem solchen Eingriff häufig nach oben. Das verwendete Mittel ist übrigens spermienfreundlich. Somit kann direkt nach dem Eingriff weiter nach Herzenslust geschnackselt werden.  Allerdings sollte die „Spülung“ möglichst in der ersten Zykluswoche durchgeführt werden, um das Wegspülen einer potentiell befruchteten Eizelle auszuschließen. Früher benutzte man wohl das Mittel Echovist, was allerdings vom Pharmakonzern Bayer vom Markt genommen wurde. Meine Praxis verwendet Gynemed, wobei es sich eigentlich um eine Infusionslösung handelt, die für diese Verwendung nicht zugelassen ist und dem Einsatz von Patientinnenseite aus zugestimmt werden muss.

Wenn ich gewusst hätte, wie schnell und einfach eine Eileiterdurchgängigkeitsprüfung ist, hätte ich das viel früher machen lassen. Aber vielleicht brauchte ich auch meine Zeit um mich mit einer neuen Diagnose konfrontieren zu können. Wir haben Glück gehabt und sind froh darüber. Ein Verschluss hätte ohne Umschweife für uns eine künstliche Befruchtung oder lebenslange Kinderlosigkeit bedeute. Und ob ich wirklich bereit bin, die enormen Risiken und möglichen Spätfolgen der Stimulation in Kauf zu nehmen, bin ich mir noch nicht sicher.

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