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Wenn Mutti früh zur Arbeit geht

Mein Bewerbungsmarathon ist vorerst beendet. Ich habe nun eine Jobzusage. Anfang August geht es los. Dann werde ich als Pharmareferentin tätig sein und euch hier im Blog von den Präparaten meiner Firma versuchen zu überzeugen. Dafür gibt es dann Extra-Prämien für mich. Nein Quatsch. Natürlich nicht. Wahrscheinlich werde ich überhaupt nicht mehr zum Schreiben kommen. Um meine Chancen auf eine Stelle zu erhöhen habe ich mich nämlich maximal verfügbar gegeben. Für mich als Super-Mami kommen geht unter 40-Stunden gar nichts. Kita-Schließzeiten gibt es nicht und das Kind wird natürlich nicht krank. Es hat ja schließlich meine Gene und ich werde ja auch nicht krank. Alles funktioniert und wenn das noch nicht genug ist, dann werden halt die Großeltern eingeflogen. Alles kein Problem.

Also nun mal im Ernst. Ich habe seit Abschluss meines Studiums 24 Bewerbungen geschrieben. Das ist wahrlich nicht viel, wenn man bedenkt, dass Freunde von mir mit ähnlicher Ausbildung um die 80 Bettelbriefe verfassen mussten, um eine Zusage zu erhaschen. Insgesamt hatte ich fünf Telefoninterviews, sieben persönliche Gespräche und am Schluss zwei Zusagen. Wobei es ich für meinen neuen Job allein drei Vorstellungsgespräche und zwei Telefoninterviews hatte. In der nun rückblickend kurzen Bewerbungsphase habe ich nicht wenig Kurioses erlebt. Kaum an Peinlichkeit zu übertreffen war mein Gespräch am ZBSA hier in Freiburg. Die Stellenausschreibung versprach eine umfangreiche Einarbeitung und nur wenig Vorerfahrung auf dem Gebiet. Nur deshalb hatte ich mich beworben und war zu meinem Erstaunen auch tatsächlich eingeladen worden. Obwohl ich meine Unterlagen sogar als Papier zum Anfassen eingereicht hatte, schien sich niemand die Mühe gemacht zu haben einen Blick auf meinen Lebenslauf zu werfen. Keiner hatte die Vorlage dabei und es wurde ins Blaue hinein gefragt. Als ich dann meinte, dass ich nur hier und da mal ein wenig Erfahrung in den gefragten Techniken gesammelt hätte, schien man sich zu wundern und das enttäuschte Gesicht der Arbeitsgruppenleiterin wurde immer länger. Den weiteren Verlauf möchte ich kurz als Dialog wiedergeben:

Mann aus der Verwaltung: „Sie wissen aber schon, dass es sich nur um eine 50 % Stelle handelt…?“

Ich: „Ja, (das habe ich gelesen). Ist doch super, dann fällt es mir leichter meinen Alltag mit Kind usw. zu organisieren und erst mal ins Arbeitsleben rein zu kommen.“

Mann aus der Verwaltung: „Und wer sagt uns, dass Sie sich nach vier Monaten nicht wieder weg bewerben?“

Ich: „(Es handelt sich doch eh um eine Elternzeitvertretung befristet auf 3 Monate mit Verlängerung bis zu einem Jahr?) Nun, ich kann mir kaum vorstellen, dass bis dahin die Einarbeitung schon abgeschlossen ist. Ich möchte die Zeit hier bei Ihnen intensiv nutzen, um zu lernen und weitere Erfahrungen auf dem Gebiet machen um meine Jobchancen zu verbessern.

AG-Leiterin: „Ach wissen Sie, nach zwei Wochen haben Sie die Techniken drauf. Sie werden eh immer nur das selbe machen.“ Dann endlich ein Einwurf von der Frauenbeauftragten, die mich danach fragt, wie ich von Hamburg nach Freiburg kam. Die Einzige an diesem Tag, die Interesse an meiner Person hat.

AG-Leiterin: „Haben Sie nun noch irgendwelche Fragen?“

Ich: „Ja, ich würde mir gerne die Räumlichkeiten mal ansehen. Sie arbeiten im Labor ja mit verschiedenen Techniken. Das möchte ich mir gerne anschauen.

AG-Leiterin: „Ach ja, genau, das Labor…das wollten wir Ihnen noch zeigen…“ Auf dem Weg zum Labor:

AG-Leiterin: „Sie müssen wissen, es ist da unten sehr laut….wirklich sehr unangenehm….durch die vielen Geräte. Sie könne gerne Gehörschutz bekommen.“ Im Labor:

AG-Leiterin: „Das ist eine Clean-Bench…“ (Ah, ist nicht wahr?! Eine CLEAN-BENCH! Wat es nich allet jibt!) „Da kommt ein Luftstrom raus…das ist sehr unangenehm…wirklich sehr unangenehm…aber man gewöhnt sich dran.“

So langsam fällt mir nichts mehr ein. Mir wird noch der PC-Raum gezeigt. Dann verabschiedet sich die AG-Leiterin mit den Worten: „Wir melden uns diese Woche….vielleicht…“ Und ich bin beruhigt, dass ich dort zum Glück nicht arbeiten muss. Ärgere mich allerdings über die 2,50€ Parkgebühren und die Arbeit, die ich mir in Vorbereitung auf das Gespräch gemacht habe. Keiner wollte irgendwas von mir wissen. Am Schluss habe ich mich nur blamiert, als ich versucht habe auf Informationen einzugehen, die auf der Website der Einrichtung angepriesen werden, aber offenbar nicht stimmen. Tatsächlich kam erst sechs Wochen später eine Absage.

Zum Glück müssen nicht alle Vorstellungsgespräche so würdelos verlaufen. Wenn im Gespräch bereits Zweifel aufkommen und man das Gefühl hat, man würde den Tag lieber allein in einer Höhle verbringen als mit diesen Menschen in einem Raum, dann ist es für alle Beteiligten das Beste, die Zusage trifft einen anderen.

Wie ich bereits oben erwähnt habe, bekam ich ja urplötzlich zwei Zusagen, allerdings im Abstand von ca. anderthalb Wochen. Ende Juni bewarb ich mich bei einem Elektro-Versandhandel als technische Redakteurin. Schnell wurde ich zum Gespräch mit anschließenden Probearbeiten eingeladen. Im Gespräch wurde u.a. folgendes vom Personaler erzählt:

„Also Ihre Gehaltsvorstellungen von 32 000€….das können wir Ihnen nicht zahlen. Bei uns bekommen Sie für Vollzeit 26 000€…da haben Sie also je nach Steuerklasse so um die 2000€ raus im Monat. Dann gibt es bei uns noch Weihnachtsgeld. Der Vertrag ist außerdem für ein Jahr befristet. Die Stelle ist unbefristet, es handelt sich also nicht um eine Elternzeitvertretung, aber der Vertrag ist es. Wir nutzen da halt alle Möglichkeiten, die uns der Gesetzgeber da einräumt. Das heißt auch, dass Ihr Vertrag nach einem Jahr noch mal um ein weiteres Jahr befristet verlängert wird.“

Sehr schön. Ich liebe es ja, wenn Menschen ehrlich sind. Was er allerdings unterschlagen hat, war, was nach den zwei Jahren mit mir passieren würde. Denn da müssten Sie mich ja unbefristet einstellen. Aber ich ahne es….Trotz der grottigen Konditionen absolvierte ich die drei Stunden Probearbeiten. Das Team war zum Glück sehr nett und ich fühlte mich wohl, weshalb ich es mir notfalls hätte vorstellen können, dort anzufangen. Es war Freitag und ich wurde mit den Worten nach Hause entlassen, dass man sich zu Beginn der kommenden Woche mit einer Entscheidung melden würde. Die Woche verging ohne eine Nachricht. Ich war verärgert, weil ich das Gefühl hatte, die Firma liese den Job durch kostenlose Probearbeiter erledigen. Am Dienstag Abend fischte ich dann einen Umschlag aus meinen Briefkasten. Er enthielt einen Arbeitsvertrag, geschrieben am 3.7., mit Poststempel vom 6.7., postalisch und unterschrieben abzugeben am 8.7. Anfangen sollte ich am 13.7. Kaum hatte ich die ersten Vertragsklauseln gelesen, war mir klar, weshalb hier von Seiten der Firma so ein Druck gemacht wurde. Das Gehalt lag deutlich unter dem mir genannten. Nämlich bei 2100€ Brutto. Von Weihnachtsgeld war nicht die Rede, stattdessen fiel häufiger das Wort Vertragsstrafen und Schadensersatz. Am meisten musste ich über die Passage lachen, dass man Fortbildungsmaßnahmen im Falle einer Kündigung durch den ArbeitGEBER zurückzahlen muss. Ach ja, und über das Gehalt sprechen darf man auch nicht. Das finde ich besonders paradox, da ja der Bewerber in beinahe jeder Stellenausschreibung seine Gehaltsvorstellungen formulieren soll. Spricht jedoch keiner über sein Gehalt, kann der Bewerber nur seine realitätsfernen Wünsche äußern. Ich hätte gerne eine Million Dollar!

Ich habe den Vertrag also nicht unterschrieben. Durch die Vertragsstrafe, die ich bei Nichtantritt der Arbeit oder nicht Einhalten der Kündigungsfrist hätte zahlen müssen, wäre ich einfach nicht dazu gekommen, mich für andere Jobs zu bewerben. Nach ein paar Tagen meldete ich mich bei der Firma und teilte denen meine Entscheidung mit. Beim abgesprochenen Gehalt muss ich den Personaler missverstanden haben und alle weiteren Klauseln sind vollkommen üblich. Abschließend meinte er noch, es sei also das Gehalt, was mich abschreckt. Ja, so ist es. Ich bin ein geldgieriges Arschloch und möchte gerne, dass sich meine fünf Jahre Studium, die Investitionen meiner Eltern, die Jahre, die ich nicht in die Altersvorsorge gesteckt habe, rentieren. Gut, mein Mann und ich werden uns trotz akademischen Werdegangs nie ein Eigenheim leisten können, die Pflege unserer Eltern wird uns finanziell ruinieren und im Gegensatz zu ihnen werden wir unserem Kind wohl niemals mit ein paar Scheinen unter die Armen greifen können. Aber deshalb muss man sich nicht in einer der teuersten Gegenden Deutschlands mit ein paar Kröten abspeisen lassen, die dann gerade einmal die Mehrausgaben für Kita und PKW decken. Respekt gegenüber Mitarbeitern fängt beim Gehalt an.

„Ihr Baby ist so groß wie ein Ingwer“

Das kleine Wesen in meinem Bauch hat -wenn man der App Glauben schenken soll, in dieser Woche eine Transformation von der Avocado zum Ingwer hingelegt! Viel spannender als diese Gemüsevergleiche finde ich jedoch, dass ich das Menschlein seit ein paar Tagen von außen, wie von innen spüre. Nun ist der Unterschied zwischen Pups im Darm und Kindsbewegungen eindeutig auszumachen. Am besten merke ich es, wenn ich mich flach auf den Rücken lege und beide Hände unterhalb des Bauchnabels platziere. Meist liegt es dann gebettet auf meiner Harnblase und tritt mich in die Leisten. Jetzt weiß ich auch, was da unten immer mal so ziept. Mit dem Holzstethoskop konnte mein Mann allerdings bisher noch nichts hören. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass seine Festival-geschädigten Ohren so ein zartes Herzchen blubbern hören können. Mit dem handelsüblichen Onkel-Doktor-Stethoskop, was ich ja aufgrund seiner Flexibilität selbst zum Aushorchen benutzen kann, waren unsere Bemühungen auch nicht von Erfolg gekrönt. Die Dinger sind viel zu empfindlich und lassen einen alles mögliche Hören, nur das Herzchen nicht. Zumindest nicht in dieser Schwangerschaftswoche.

Der Bauch nimmt nun auch so langsam Form und Größe an. Allerdings ist er noch nicht eindeutig als Schwangerschaftsmurmel zu erkennen, sodass noch nicht eingeweihte Freundinnen wohl überlegen: „Ist sie einfach nur fett oder schwanger?“. Nachdem ich sie aufgeklärt habe, macht die Kugel dann in deren Augen eine Verwandlung vom Schmer- zum Babybauch durch. Wieder ein Beweis, wie Erfahrung und Wissen unsere Wahrnehmung beeinflussen. Und es gibt mir einen Hinweis darauf, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, einen Job zu finden. Ab Ende Januar wird es vermutlich schwierig werden, den Bauch unter einem bewerbungstauglichen Blazer zu verstecken. Auf dem Arbeitsamt wollte man mir übrigens erzählen, dass ich sowieso gekündigt werden würde, sobald der Arbeitgeber von der Schwangerschaft erfährt. Schließlich sei ich dann noch in der Probezeit und eine Kündigung ohne Angabe von Gründen möglich. Nun, ein kurzer Blick in die Google Suchergebnisse liefert ja schon die Antwort: „Wenn es in einem Unternehmen zu betrieblichen Kündigungen kommt, müssen laut dem Gesetzgeber die Mitarbeiter auf Probezeit zuerst entlassen werden. Geschützt werden nur Schwangere – diese sind bis einen Monat nach der Geburt des Kindes unkündbar.“ (Quelle: absolventa.de) Wie das Ganze jedoch in der Praxis umgesetzt wird, ist mir natürlich nicht bekannt. Im schlimmsten Fall muss man wohl sein Recht vor Gericht erstreiten. Nun gut, morgen ist erst mal Weihnachten und bis zum Ende des Jahres wird sich von Seiten der potentiellen Arbeitgeber nicht mehr viel tun.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein frohes Fest und besinnliche Feiertage!

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