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Das CTG

Das Baby sitzt im wahrsten Sinne des Wortes in den Startlöchern. Ein paar Senkwehen vergangene Woche haben das kleine Froillein mit dem Kopf voran ins Becken rutschen lassen. Nun warten wir -mal mehr, mal weniger geduldig- ab und harren der Dinge, die da kommen.

Als kleinen Zeitvertreib möchte ich euch heute ein paar Fakten über das Gerät näher bringen, mit dem die meisten Schwangeren mehr Zeit verbringen, als mit ihrem Toaster: Dem CTG-Gerät! Die Abkürzung CTG steht für Cardiotokografie, was nichts anderes bedeutet, als dass Herzfrequenz (cardio) und Wehentätigkeit (toko) aufgezeichnet werden. Während für das Verständnis der Herzfrerquenzregistrierung ein paar Physikkenntnisse erforderlich sind, lässt sich der Wehenschreiber recht einfach erklären. Es handelt sich dabei nämlich lediglich um einen Druckmesser, der die Spannung der Bauchdecke registriert und in ein schreibbares Signal umwandelt. Bei der Interpretation ist jedoch Vorsicht geboten, da der Tokoknopf nur relative Werte ausspuckt. Es wird also immer nur die Abweichung zum Grundtonus der Bauchdecke registriert, weshalb Hebamme oder Arzt nach Anlegen immer diesen Eichknopf am Gerät drücken, wodurch auf dem Display bei ruhiger Gebärmutter meist Zahlen um die 20 erscheinen. Die wahre Intensität und Auswirkungen einer Wehentätigkeit bleiben also trotz aller technischer Errungenschaften mehr oder weniger der Einschätzung der Frau vorbehalten. Gerade bei Frauen, die viel Unterhautfettgewebe besitzen, zeichnet der Wehenschreiber nichts oder nur kleine Hügelchen auf. Wohingegen schlanke Damen selbst bei Übungskontraktionen schon ein ordentliches Hochgebirge vorweisen können. Wer den Wehenschreiber richtig anlegen möchte, platziert ihn rechts oben auf dem höchsten Punkt der Gebärmutter, auch Fundus uteri genannt. Von dort starten die Wehen nämlich ihre wallende Reise durch den Bauch. Eine fertig geschriebene Wehe sieht dann in aller Regel wie ein Hügel aus. Und das entspricht ja auch meist der Wahrnehmung. Sie fängt langsam an, steigert sich stetig bis zu einem Höhepunkt und fällt dann in der selben Intensität ab, wie sie gekommen ist. Kleine Zacken auf dem Tokogramm- was sich übrigens fast immer im unteren Bereich des aus dem Gerät herausquellenden Papiers  befindet- stammen hingegen meist von Boxkämpfen und Tritten eures Kindes mit der Gebärmutterwand.

Die Aufzeichnung und Interpretation der kindlichen Herztöne ist schon weitaus komplexer und erfolgt mittels Ultraschall-Doppler-Verfahren. Dabei werden nicht nur die Bewegungen der kindlichen Herzklappen registriert und damit die Geschwindigkeit des Herzschlags ermittelt, sondern auch Kindsbewegungen aufgezeichnet. Für eine realistische Interpretation des CTGs ist es wichtig, einen Ausschnitt von mindestens 30 Minuten zu erfassen. Zudem sollte die Aufzeichnung von guter Qualität sein. Gerade in frühen Schwangerschaftswochen schwimmen die Kleinen den Ultraschallwellen davon und es entstehen Lücken im CTG. Am vielen Geräten könnt ihr dann beobachten wie das Lämpchen von grün auf gelb und dann auf rot springt und häufig hört ihr dann statt der beruhigenden Lokomotive nur noch ein kosmisches Rauschen. Das ist kein Grund zur Sorge! Das Herz eures Kindes schlägt trotzdem noch, nur nicht im Erfassungsbereich des Ultraschallkopfes. Damit jedes CTG vergleichbar ist, wurde für CTG-Schreibungen vor der Geburt ein Punktesystem zur Interpretation geschaffen. Tja, noch nicht einmal auf der Welt, müssen unsere Kinder schon ordentliche Punktzahlen nach Hause bringen. Dieses Bewertungsschema wird „Fischer-Score“ genannt und zieht 5 verschiedene Kriterien in Betracht, die jeweils mit bis zu 2 Punkten bewertet werden können:

  • Baseline oder Niveau: Hierbei wird der Mittelwert der Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum beobachtet. Praktisch gesehen legt man also eine gedachtes Lineal durch die geschriebene Kurve. Der Norm entsprechen Werte zwischen 110-150 Schläge pro Minute (spm), wofür es 2 Punkte geben würde. Nun erschreckt aber bitte nicht, wenn euer im Mutterleib tobendes Kind Zahlen von 170 o.ä. am Gerät produziert. Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Akzelerationen, die meist durch Kindsbewegungen oder manchmal durch Wehentätigkeit verursacht werden. Von einer erhöhten Herzfrequenz (Tachykardie) spricht man, wenn das Herz über 10 Minuten schneller rast als 150 spm. Bei verlangsamter Herzfrequenz (Bradykardie) ist man da meist strenger. Nicht länger als 5-10 Minuten sollte das Grundniveau auf unter 110 spm abfallen. Wird eine Bradykardie beobachtet, sollte kontrolliert werden, ob die Frau auf dem Rücken liegt. Gerade in der fortgeschrittenen Schwangerschaft drückt das Gewicht von Uterus und Kind auf die Bauchvene und führt zum Vena-Cava-Kompressionssyndrom, was nichts anderes heißt, als dass die Blutversorgung des Feten verschlechtert wird. Auch ein Seitenwechsel der liegenden Frau kann mitunter helfen.
  • Oszillationsamplitude (Bandbreite) und Oszillationsfrequenz (Nulldurchgänge): Nun wird es wirklich kompliziert! Ohne ein Bild lässt sich das kaum erklären, aber ich versuche es einmal. Vielleicht hat euer Kind schon einmal während des CTGs geschlafen. Dann dürfte euch aufgefallen sein, dass auf dem Display immer wieder die selben Zahlen erschienen sind: 125, 124, 126, 123, 125, 124….usw. Die geschriebene Kurve sieht dann sehr eingeengt aus, mit kleinen Zacken, bei denen sich Berg und Tal kaum in der Höhe unterscheiden. Wenn dies so ist, spricht man vom eingeengt undulatorischen oder silenten Oszillationstyp. Die Bandbreite variiert also in Bereichen von maximal 10 bis unter 5 spm. Auch das ist nicht weiter schlimm, solange es auf den Schlaf- oder Ruhezustand des Kindes zurückzuführen ist. Obwohl wir unseren Bauchzwergen gerne eine Mütze Schlaf gönnen, sollte ein Weckreiz erfolgen. Dazu könnt ihr euch entweder mit ordentlich Schwung auf die andere Seite drehen oder mal ein klingelndes Handy an den Bauch halten oder an selbigen wackeln. Wenn alles in Ordnung ist, reagiert das Kind auf den Weckreiz mit einer kurzen Beschleunigung des Herzschlages und Kindsbewegungen bzw. einem ordentlichen Tritt in die Leber. Völlig anders zeigt sich das Bild eines saltatorischen CTGs. In diesem Fall springt die Herzfrequenz über 25 spm von oben nach unten. In diesem Fall befindet sich das Herz-Kreislaufsystem in einem „Zustand der Kompensation“, d.h. nach Anstrengungen, wie Uterus-Karate, also heftigen Kindsbewegungen muss das Herzchen erstmal die Anstrengung verarbeiten und sich langsam runterfahren.
  • Akzelerationen: Diese bis zu 10 Minuten andauernde Beschleunigung der Herzfrequenz von über 15 spm sind in aller Regel ein gutes Zeichen und durchaus gewünscht. Gerade die sporadisch auftretenden Akzelerationen während Kindsbewegungen oder Anstupsen der Kleinen, sind gewünschte Reaktionen auf Stress und machen ein schönes CTG aus. Etwas skeptisch werden hingegen periodische Akzelerationen gesehen, die im Zusammenhang mit der Wehentätigkeit auftreten. In diesem Fall versucht das kindliche Herz einen Sauerstoffmangel durch Beschleunigung der Frequenz zu kompensieren.
  • Dezelerationen: Alles in allem ist ein Abfall der kindlichen Herzfrequenz um mehr als 15 spm immer als Obacht-Zeichen zu sehen. Das einzige, was man euch noch durchgehen lassen wird, sind sporadisch auftretende Dezelerationen, die nicht länger als 30 sec andauern. Diese „Spikes“ oder „Dip 0“ sehen in der Kurve aus, wie lange, dünne Speerspitzen nach unten. Die Ursachen sind häufig harmloser Natur, wie das Spiel eures Kindes mit der Nabelschnur oder Schluckauf. Ungünstiger sind Dezelerationen, die im Aussehen einer Badewanne ähneln.  Hier fallen die Herztöne, wegen einer Dauerkontraktion des Uterus, Rückenlage der Mutter oder einer vollständigen Nabelschnurkompression für mehr als 3 min ab. Periodische Dezelerationen hingegen haben ihre Ursache immer in der Wehentätigkeit und sind daher fast immer unter der Geburt zu beobachten. Inwiefern sie als Zeichen für eine Gefährdung eures Kindes zu sehen sind, werden Hebamme oder Arzt entscheiden.

Hier habe ich mal ein Zusammenfassung über die CTG-Auswertung als pdf erstellt: Punktesystem CTG Alle Angaben habe ich aus dem Lehrbuch „Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf“, Geist, Harder, Stiefel, 3. Auflage, 2005, Hippokrates Verlag, Stuttgart nach bestem Wissen zusammengefasst. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die Richtlinien zur Auswertung und Interpretation ständig ändern und dem neusten Stand der Wissenschaft angepasst werden. Es soll euch nur einen kleinen Einblick in das Bewertungssystem geben, falls ihr euch über die Punktzahlen wundert.

Wie ihr seht, ist die Auswertung der kindlichen Herztöne eine Wissenschaft für sich und bedarf sehr viel Erfahrung. Angehende Hebammen und Ärzte müssen meist hunderte Cardiotokogramme zur Hand nehmen, um sich einen groben Überblick über Grenzen und Möglichkeiten dieser Kurven zu verschaffen. Und selbst erfahrenen Geburtshelfern gelingt es nicht immer eindeutige Rückschlüsse auf das Wohlergehen des Kindes zu ziehen. Daher halte ich die Anschaffung von Geräten, wie dem Angelsound für sehr fragwürdig. Sobald man das Kind spürt, ist es völlig unnütz für den Laien, die Herzfrequenz des Ungeborenen abzuleiten. Wenn ihr euer Kind zu lange nicht gespürt habt, dann wackelt ein wenig am Bauch, kitzelt an den Spitzen Teilen, die sich gegen die Bauchdecke drücken oder lasst die Hüften kreisen. Kommt eine Antwort, könnt ihr erst mal beruhigt sein und dann immer noch zu den Profis fahren, wenn euch der Nachwuchs zu träge erscheint.

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9., 10. und 11. SSW

Hier habe ich noch zwei Ultraschallaufnahmen aus der 9. und 10. SSW für euch. Bei 8+5 war die Perle 21 mm groß und hat während des Schallens mit dem Kopf gewackelt und gewunken. Wahrscheinlich wird es ein Headbanger, wie sein Vater. Eine Woche später ist es bei 10+5 schon 29 mm lang. Bei den Bildern wird deutlich, wie verschieden die Qualität bei unterschiedlichen Ärzten ist. Seit vergangener Woche darf ich zu meiner Gynäkologin gehen und wurde mit den besten Wünschen aus der Kiwu entlassen. Ich hoffe, ich sehe die Leute dort so schnell nicht wieder! 

SSW 8+5; SSL ca 21 mm

SSW 8+5; SSL ca 21 mm

SSW 9+5, SSL 29 mm

SSW 9+5, SSL 29 mm

10. SSW: Einen Tag bevor ich den Termin bei meiner Gyn hatte, waren plötzlich alle Anzeichen verschwunden. Keine Übelkeit, kein Brustspannen. Mir ging es blendend. Wiedereinmal habe ich Panik geschoben und mir die schlimmsten Szenarien ausgemalt. Mein Mann hat mir vorgeschlagen, die Ärztin zu bitten, mich einen Tag früher dran zu nehmen, wenn ich mir solche Sorgen mache. Ich habe mich dann erst mal gesammelt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es vollkommen sinnlos ist, den Ultraschall vorzuziehen. Wenn etwas mit dem Kind nicht in Ordnung ist, das Herz also aufgehört hat zu schlagen, dann kann kein Arzt der Welt mehr etwas retten. So ist es nun mal. Vielmehr sollte ich lernen mich selbst zu beruhigen, statt auf Sicherheit durch ein technisches Gerät zu setzen. Ich weiß auch nicht, was es bringt, sich ein Herztonempfänger (Angel Sound u.ä.) für zu Hause zu besorgen. Was macht man denn, wenn man keine Herztöne findet? Als ich noch im Kreißsaal gearbeitet habe, hatten wir in so einem Fall drei Minuten Zeit das Kind zu holen. Unmöglich das von zu Hause zu schaffen. 

11. SSW: Am Sonntag wurde ich doch tatsächlich von einer Migräneattacke heimgesucht. Volles Programm mit Augenflimmern und Kopfschmerzen. Ich war total geschockt, weil ich geglaubt habe, in der Schwangerschaft würde ich davon verschont bleiben. Schließlich war bei mir meist der Eisprung mit seinem Östrogenpeak oft ein Garant für einen Kotztag. Tatsächlich ist es aber so, dass während des 1. Trimenons dahingehend kaum eine Verbesserung zu erwarten ist. Eher im zweiten und letzten Drittel dürfen Migränikerinnen auf Besserung hoffen. Ansonsten lassen die anderen Schwangerschafts“beschwerden“ – das flaue Gefühl und der Dauerhunger mit Unterzuckerung, langsam nach. Nachts muss ich nach wie vor auf Toilette und mein gesamtes Muskelskelett fühl sich an, als hätte jemand zu viel Gelatine reingerührt. Ich bin ein Qualle auf zwei Beinen.

Nächste Woche, wenn alles gut ausschaut gibt´s endlich den Mutterpass. Wird ja auch mal Zeit! 🙂

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