Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Boak Boak Boak

Beim Kontrollultraschall am 9. Zyklustag wurden zwei Eier von ca. 16 mm Größe gesichtet. Morgen früh muss ich dann wieder zur Blutentnahme und dann wird wohl anhand meiner Werte entschieden, ob morgen die Besamung stattfindet. Ich bin die letzten Tage extra mit Sitzheizung gefahren, damit mein Unterleib auf ordentiche Bruttemperaturen kommt. Trotzdem könnte es sein, dass die Insemination erst am Wochenende stattfindet. Nun ja, das Huhn legt bekanntlich jeden Tag ein Ei und Sonntags sogar zwei, nicht wahr?

Im übrigen war ich gestern ein wenig verunsichert, da ich schon so massenhaft, fast spinnbaren Zervikalschleim hatte, ein Ziehen im Bauch und meine Basaltempertur so niedrig ist. Die Ärztin meinte jedoch, dass es bei den hohen Östrogenwerten oft zu solchen körperlichen Überreaktionen kommen kann. Der LH-Wert war nämlich noch unspektakulär niedrig. Also bräuchte ich mir keine Gedanken zu machen, dass sich das Ei ungefragt auf den Weg macht. Eigentlich müsste man doch meinen, ich hätte Erfahrung im ärztlich gesteuerten Reproduzieren…tatsächlich weiß ich überhaupt nichts mehr von „damals“. War ich 2013 auch so müde durch die Hormonspritzen? Hat es im Bauch auch so gezogen und gedrückt? Vielleicht konnte ich das zu der Zeit besser wegstecken, weil ich mich noch im gechillten Studentenleben befunden habe. Eine Temperaturkurve zu führen, war, bedingt durch die siebentägige Wochenend-Aufstehzeit, in jedem Fall einfacher als jetzt. Nun liegen die Werte von Samstag und Sonntag immer deutlich über denen der Arbeitstage. Und das, obwohl ich nicht das Gefühl habe, gegen 7 ausgeschlafen zu haben. Was die Organisation der Termine in der Kiwu betrifft, ist es jetzt als Berufstätige wirklich eine Herausforderung. Keine Ahnung, wie das Frauen machen, die sich den invasiven Eingriffen für IVF und ICSI unterziehen müssen. Jedenfalls könnte ich mir nicht vorstellen, meinen Vorgesetzten einzuweihen. Schon allein, weil jede schwangere Mitarbeiterin ja für die meisten Firmen eine Zumutung darstellt.

Nun denn, mal sehen, was der Freitag so bringt.

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1. Stimu-Zyklus Realoaded

Es ist Januar und der erste Stimu-Zyklus für Kind Nummer 2 hat begonnen. Eigentlich hatten wir vorgesehen, damit im Dezember zu beginnen. Meine Periode kam jedoch einen Tag später als erwartet, sodass mein Eisprung vermutlich mit den Betriebsferien unseres Reproduktionszentrums kollidiert wäre. Den Stress wollte ich mir kurz vor Weihnachten dann doch nicht geben. Und vielleicht ist es auch ganz gut im neuen Jahr mit neuen Vorhaben zu starten.

Weihnachten war dann noch mal ne harte Nummer mit der Familie und der ständig schwangeren Schwägerin. Kind Nummer vier soll dann auch das ersehnte Mädchen werden. So viel Glück, dass man  vor Freude nur noch kotzen möchte. Manchmal verstehe ich mich selbst nicht, warum es für mich immernoch schmerzhaft ist, wenn andere Frauen schwanger werden. Ich habe gehofft, durch die Geburt meiner Tochter würde ich von diesem Gefühl der Unzulänglichkeit geheilt werden. In Wahrheit sitzt diese Infertilität wie ein böser Stachel in meiner Seele. Nur eine spontane Schwangerschaft hätte mir mein Gefühl eine vollwertige Frau zu sein, zurück geben können. Es fällt mir lediglich leichter, mit der Kinderwunschbehandlung umzugehen. Ich versuche nicht groß über die Nebenwirkungen der Medikamente nachzudenken, über die Endlichkeit der Versuche und das, was danach kommt. Alles sehr rational. Spritzen, Termine machen, zu den Untersuchungen hetzen, dazwischen arbeiten. Ach ja, und dann gibt es ja noch meine Beziehung. Die letzten Jahre haben deutliche Spuren an der Beziehung zwischen mir und meinem Mann hinterlassen. Die Kinderwunschstory, die Umzüge, das Schreikind. Und nein, wir gehören nicht zu denen, die sich grinsend in den Armen liegen und behaupten, das alles hätte uns zusammengeschweißt. Ganz im Gegenteil. Diese -im Motivationstrainer-Sprech als Herausforderungen bezeichnete- Kackscheiße, hat uns zermürbt und kaputt gemacht. Es gab nur einen Grund, weshalb ich meine Sachen nicht gepackt habe und das waren weder mein Kind noch die schönen grünen Wälder. Nur wegen meines Jobs bin ich noch hier. Aber ich habe mich nun entschieden zu bleiben, wegen meines Mannes und meines Kindes. Und wir haben uns entschieden, noch ein zweites gemeinsames Kind zu haben. Wenn sich fertile Paare nicht verstehen und ein weiteres Kind bekommen, dann ist das halt passiert. Wenn sich infertile Paare nicht verstehen und zur Kinderwunschbehandlung gehen, dann schüttelt vermutlich jeder den Kopf drüber. Ich habe Anfang des vergangenen Jahres noch gehofft, wir würden zu denen gehören, bei denen es einfach so passiert. Leider war dem nicht so und ich habe den Anruf in der Kinderwunschklinik lange herausgezögert, da es zwischendurch immer wieder Tiefs gab, in denen es mir lächerlich vorkam, all die Zeit und das Geld in eine Schwangerschaft von einem Mann zu investieren, mit dem ich vielleicht gar nicht mehr zusammen sein möchte. Im Sommer sind wir dann zur Eheberatung gegangen. Schließlich wollte ich mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte es nicht versucht. Ein wenig hat sich unsere Beziehung dadurch stabilisiert und ich konnte guten Gewissens den Termin in der Repro machen. In den drei Monaten Wartezeit konnten wir dann noch viele Streitigkeiten ausfechten und ich habe nicht nur einmal überlegt, das Erstgespräch abzusagen. Momentan läuft es ganz gut zwischen uns und ich denke, wir sind zumindest genauso bereit für ein zweites Kind, wie ein kriselndes fertiles Paar 🙂 Mit Sicherheit werden wir uns früher oder später wieder in der Wolle haben, wir werden uns aber auch wieder vertragen und vielleicht werden wir irgendwann auch mal auseinander gehen, vielleicht bleiben wir aber auch für den Rest unseres Lebens zusammen. Und ich nehme mir jetzt mal das Recht einer fertilen Frau raus und lass es einfach passieren…die Stimu, die Insemination und so 😀

Der Nerv mit dem C*RF

Was ist schwieriger, als unerfüllter Kinderwunsch im Studium in der Millionenmetropole Hamburg? Wisst ihr nicht? Ich kann es euch sagen: Unerfüllter Kinderwunsch als vollberufstätige Mutter im Provinz-Nest Freiburg.

Dabei habe ich mir alles so schön ausgedacht. Im Sommer wurde mein Arbeitsvertrag entfristet. Bis dahin haben mein Mann und ich, wenn wir überhaupt dazu kamen, nicht verhütet. Und es passierte, was passieren musste, nämlich rein gar nichts. Im August war ich immernoch nicht schwanger. Obwohl meine Unfruchtbarkeit eines meiner Lebenstraumata bleiben wird, habe ich mir fest vorgenommen diesmal ganz pragmatisch an die Sache zu gehen. Ohne Drama, ohne Experimente. Nicht lang Fackeln. Auch wenn manche Paare auf wundersame Weise von Ihrer Infertilität durch das erste Kind geheilt werden, war mir spätestens nach dem dritten Übungs-Zyklus klar, dass es bei uns niemals ohne Unterstützung klappen wird. Also habe ich im im Frühsommer ein wenig recherchiert, welche Kinderwunschklinik wir hier im Südwesten wohl ansteuern sollten. Überall las ich nur gutes über das sogenannte C*RF. C*RF hier, C*RF da. Das muss ne gute Adresse sein! Also war klar, dass wir uns ebenfalls dorthin wenden werden. Kurz vorm Sommerurlaub rief ich an, voller Enthusiasmus mich nach dem Urlaub besamen zu lassen. Als endlich mal jemand ans Telefon ging, wurde ich gleich auf den Boden der Tatsachen katapultiert. Sie könnten mir einen Termin Ende November anbieten. Bitte was? Es ist jetzt Mitte August. Dennoch habe ich den Termin gemacht. Erst mal festmachen und einfach schauen, welche alternativen Kinderwunschkliniken es in der Umgebung noch so gibt. Wenn die Umgebung einen Radius von 2-4 Stunden Fahrtzeit umfasst, dann könnten wir auch nach Stuttgart….oder Ulm….Karlsruhe gäbe es dann auch noch. Ach, die Uni-Klinik in Freiburg macht ebenfalls in Kinderwunschbehandlung. Leider betrug die Wartezeit dort ebenfalls zwölf Wochen. Also blieb uns nichts anderes übrig als zu warten. Eigentlich wollten wir die Zeit damit überbrücken, selbst Sperma aufzubereiten. Kann ja für zwei gestandene Naturwissenschaftler wie uns nicht das Problem sein…und tatsächlich finden sich im Internet Lehrbücher, die das sehr schön erklären. Zum Glück hielt sich die Langeweile dann aber doch in Grenzen und wir haben uns in Geduld geübt. Immerhin durfte mein Mann bereits drei Wochen vorm Erstgespräch seine Schwimmer untersuchen lassen und Blut abgeben. Mit dem Ergebnis des Spermiogramms haben sie´s dann aber noch mal richtig spannend gemacht und uns bis zum ersten Termin zappeln lassen. Sehr viel Wert wurde von Seiten der Klinik darauf gelegt, die Anamnesesbögen zwei Wochen vorm Erstgespräch vorbei zu bringen. Artig, wie ich bin, habe ich alles zusammengetragen und mir die alte Akte aus Hamburg schicken lassen.

Endlich war er da, der Tag an dem wir unsere Behandlung im hoch gepriesenen C*RF beginnen durften. Wir saßen also vor einer sehr netten, gelassenen Ärztin, die über uns rein gar nichts wusste. Die alte Akte und die Anamnesebögen hat sie bis dahin nämlich noch gar nicht zu Gesicht bekommen. So richtig was machen wollte sie wohl auch erst mal nicht. Schließlich ist ja bald Weihnachten und da hat die Klinik geschlossen…bis in die erste Januar-Woche hinein. Als ich ihr dann vorgerechnet habe, an welchem Zyklus-Tag ich bin, hat sie sich dann doch überreden lassen, mir ein Rezept für Puregon und Brevactid auszustellen.

Hier erst mal die Ergebnisse vom Erstgespräch:

Das Spermiogramm ist ok. Für eine Insemination reichts, eine spontane Schwangerschaft ist damit vielleicht für Katholiken möglich. Es mangelt wie immer an schnell progressiv beweglichen Spermien. Von Agglutinationen war im Befund nicht die Rede.

Mein Zyklus funktioniert seit Beginn des Jahres ausgesprochen gut *toi toi toi*. Ich habe einen 28-30 Tage Zyklus. Meines Erachtens nach, konnte auf dem Ultraschall ein polyzystisches Ovar dargestellt werden. Die Ärztin meinte jedoch, PCO sei ein „so böses Wort“. Nach männlichen Hormonen ist nicht geschaut worden. Da ich aber nach wie vor behaart wie ein Affe bin und eine Geheimratseckenneigung besteht, gehe ich davon aus, dass meine männliche Seite noch sehr aktiv ist. Mein Gewicht ist stabil bei 56 kg auf 170 cm. Der TSH-Wert liegt bei 1,4. Das Gestagen in der zweiten Zyklushälfte sah angeblich „gut“ aus.

Der Plan ist, dass wir diesen Zyklus menstruativ beenden. Das sollte am Donnerstag oder Freitag der Fall sein. Vorausgesetzt meine Mens verspätet sich nicht, soll ich am dritten Zyklustag mit Puregon beginnen. Sollte noch vor den heiligen Feiertagen ein schöner Follikel heranreifen, werde ich mit Brevactid auslösen und dann wird inseminiert. Wenn nicht, machen wir´s halt einfach so. Bringt zwar nix, aber vielleicht macht´s ja wenigstens Spaß.

Heute habe ich im NERF angerufen, um zu fragen, wie meine Blutwerte aussahen. Die Telefon-Tante hatte richtig Bock auf Konversation. „Sieht alles gut aus.“ Nachdem ich mich erdreistet habe, noch mal genauer nach zu haken, wie  hoch der TSH war, wurde die Gute ein wenig gereizt: „Wie soll denn das jetzt bei Ihnen weitergehen?“ Ich so: „Ich melde mich am ersten Zyklustag und am dritten beginnen wir mit Puregon.“ Sie so: „Eins kann ich Ihnen aber gleich sagen, am 23. macht Ihnen KEINER mehr eine Insemination!“ Puh, da hatte aber jemand richtig Angst um seine Feiertage! Wäre ja auch echt ne Katastrophe, wenn jemand aus dem medizinischen Bereich auch noch einen Tag VOR WEIHNACHTEN arbeiten müsste. Ja, wir scheiß anstrengenden Kinderwunsch-Frauen. Kriegen auch echt nix geschissen. Zu blöd zum Kinderkriegen und dann muss das die Sprechstundentante auch noch ausbaden und für uns unfähige Kühe arbeiten.

Mein Eindruck von dieser Einrichtung ist niederschmetternd. Als ob unsere Situation nicht schon schlimm genug ist, müssen wir uns auch noch Patzigkeiten und Schlampereien gefallen lassen. Ganz eindeutig lebt diese Zentrum lediglich von der Provinzialität Freiburgs und der damit verbundenen Monopolstellung. In Hamburg hätten die keine Chance. Irgendwie habe ich kein gutes Gefühl. Wer weiß mit welcher veralteten Methode das Sperma aufbereitet wird? Und wieso ist ein TSH-Wert von 1,4 bei einer Kinderwunschbehandlung ok? Sollte der nicht unter 1 liegen?

Bin gespannt….

Zika zacke Hühnerkacke

Seltsam, man hört seit einigen Tagen nur wenig über das Zika-Virus. Ab und an gibt es eine Meldung über den einen oder anderen, der sich per Geschlechtsverkehr damit angesteckt haben soll. Herzlichen Glückwunsch. Immerhin hatten Sie Verkehr. Sonst: Stille.

Als das Thema Anfang des Jahres aufkam, nutzen viele Wissenschaftler mal wieder die Gelegenheit eine Petrischale vor laufenden Kameras ins Gegenlicht zu halten. Sie erklärten uns, was der Zika-Virus für einer ist, wo er vorkommt, in welchem Mückendarm er gerne Rast macht. Und im Nebensatz fiel dann häufig die Bemerkung: „…und noch können wir nicht sagen, ob die Häufung der Mikrozephalie in Brasilien mit diesem Erreger in Zusammenhang steht.“ Das habe ich mir gemerkt. Ich hab ja selber mal im Labor gestanden, Daten erhoben und dann eine Linie durch die Punktewolke gelegt. Eine grafische Darstellung der Stricknadel im Misthaufen, dachte ich mir dann manchmal. Wenn man großes Glück hatte, konnte man dann im Protokoll schreiben, dass ein Zusammenhang zwischen Vorkommnis A und Vorkommnis B bestehen könnte…vorausgesetzt, es lag nicht an Vorkommnis C, das darin bestand, dass ein Rest vom Mittagessen in das Reagenzglas gefallen ist.

Was ich damit sagen will ist: Der Storch ist es nicht, der die Kinder bringt. Auch wenn auf dem Land mehr Kinder geboren werden und es mehr Störche als anderswo gibt.

Es kann viele verschiedene Ursachen für die Missbildungshäufung in Brasilien geben. Worüber hierzulande jedoch so gut wie gar nicht berichtet wurde, ist der Zusammenhang zwischen dem Einspeisen eines Larvizides in das Trinkwasser der brasilianischen Bevölkerung und dem Auftreten der Mikrozephalie. Da die Trinkwasserversorgung weiter Teile der brasilianischen Bevölkerung über Wassertanks erfolgt, in denen Mückenlarven eine perfekte Brutstätte vorfinden, wurde dort das Insektengift Pyriproxyfen eingeleitet. Das verhindert die Metamorphose zum Moskito. Eine Gruppe argentinischer Wissenschaftler wies darauf bereits Anfang Februar hin. Sie begründen ihren Verdacht u.a. damit, dass bei anderen Zika-Epidemien, bei denen es zu einer Durchseuchung von bis zu 75 % der Bevölkerung kam, kein Anstieg der Missbildungsrate bei Neugeborenen  zu beobachten war.

Unsere Leitmedien berichten jedoch munter drauf los, in welchen Körperflüssigkeiten Zika-Erbgut gefunden wurde. Mich würde viel mehr interessieren, wieviel Mikrozephaliefälle es in Kolumbien, Mexiko, Argentinien, Costa Rica usw. gibt, also überall dort, wo Zika ebenfalls vorkommt. „Mirkozephaliefälle wurden bisher nur in einem einzigen Land dokumentiert“ schreibt die SZ zum Beispiel am 26. Januar 2016. Ist das immernoch so? Wenn ja, dann können wir zumindest in Erwägung ziehen, dass der Storch die Kinder nicht gebracht hat.

Das „Ungeziefer“ sitzt nicht im Bus

Der Beitrag passt nicht ganz zum Thema „Muddi, Babykaka und Co“, aber letzten  Endes tangieren gesellschaftliche Themen immer auch die Zukunft unserer Kinder. Und ich frage mich dieser Tage mehr denn je, wie diese wohl aussehen wird. In den letzten Monaten hat sich hier im Land soviel geändert. Ich fühle mich als würde ich in einer geschüttelten Cola-Flasche leben. Es fehlt nur noch ein Mentos und alles fliegt in die Luft.

Die Flüchtlingskrise spaltet die Nation. Und nicht nur das, sie spaltet sogar mich. In eine Nazi-Frau und eine Gutmensch-Frau. Zumindest, wenn es nach der Einteilung geht, die derzeit von Politikern und Presse vorgenommen wird. Ich werde also zweigeteilt und versuche jeden Tag auf Neues die beiden Hälften wieder zu etwas Vernünftigen zusammen zu fügen. Hört sich im ersten Moment ziemlich shizo an. Im Endeffekt ist es jedoch ein normaler Zustand, wenn es um Meinungsbildung zu komplexen Themen in Gehirnen intelligenter Menschen geht. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, gut oder böse, hopp oder topp.

Ich versuche das Ganze nun ganz rational zu analysieren:

Dass die Menschen vor Gewalt oder Armut fliehen, ist ein Produkt jahrelanger imperialistischer Machtbestrebungen durch verschiedene Großmächte. Dazu zählen die USA genauso, wie Europäische Staaten und Russland. Da wir Bürger dieser Staaten sind, hätten wir dagegen schon längst aufbegehren müssen, damit es eben nicht zu Ausbeutung und Unterdrückung dortiger Bevölkerung kommt. Haben wir aber nicht, weil wir die Konsequenzen nicht absehen konnten, über das Ausmaß der Katastrophe nicht richtig informiert wurden oder einfach keinen Bock auf die Probleme anderer hatten. Denn häufig schleicht sich auch das Gefühl ein, eh nichts ändern zu können. Nun kommen sie jedoch zu uns. Klettern über Zäune. Schwimmen durchs Meer. Viele mit dem Gesicht nach unten. Und sie wollen von unseren Tellerchen essen und in unseren Bettchen schlafen. Das macht vielen Angst. Andererseits ist Deutschland ein reiches Land. Es konnte ja auch schon massig Banken retten. Mit einer Summe, die wahrscheinlich alle Violinen-Kästen der Welt sprengen würde. Unvorstellbar viel Geld war das. Warum soll dann das Geld nicht reichen, um aus ein paar Millionen Menschen Facharbeiter zu machen, ihnen Wohnungen zu bauen und ihren Omas gemütliches Plätzchen auf der Ofenbank zu finanzieren? Ich befürchte jedoch, dass an dieser Stelle plötzlich kein Geld mehr da sein wird. Da es nämlich nicht dazu dienen würde, die Reichen noch reicher zu machen, sondern lediglich dazu, aus armen Menschen eine Mittelschicht zu generieren. Dabei hat man doch jahrelang von ganz Oben daran gearbeitet eben jene Mittelschicht nach unten abzubauen. Man nennt das auch Präkarisierung. Wie man das Problem lösen kann und dabei die Reichen noch reicher machen und die letzten Hanseln der Mittelschicht noch weiter abrutschen lassen kann, ist einfach, die Mittelschicht die Violinen-Kästen füllen zu lassen. Die Bevölkerung bekommt also in Folge der Flüchtlingswelle steigende Krankenkassenbeiträge, Steuererhöhungen und prekäre Arbeitsbedingungen. Die Wirtschaftselite hingegen bekommt massenhaft Arbeitermaterial, die den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen, sodass der Mindestlohn endlich (!!!) gekippt werden kann. Vielleicht gibt es dann endlich einen Maxilohn. Mehr als 8,50€ sollte nun wirklich niemand verdienen dürfen. Es sei denn er sitzt im Aufsichtsrat von Ausbeuter u. CoKG

Trotzdem stehen diese Menschen nun vor unseren Türen und brauchen Hilfe. Und tatsächlich sind wir ihnen diese Hilfe schuldig. Doch nicht nur ich als Bürgerin bin ihnen diese Hilfe schuldig, sondern erst recht jene, die sich jahrzehntelang an der Armut, Not und Pein dieser Leute gelabt haben, die es mit ihrer rücksichtslosen Gier zu unvorstellbaren Reichtum gebracht haben. Und damit meine ich nicht den Angestellten, der mit 60 Jahren 50.000€ gespart hat.

Statt den arabischen Raum zu befrieden, werden weiterhin Waffen geliefert. „Wer Bomben sät wird Flüchtlinge ernten.“ Und die Super-Eliten machen den doppelten und dreifachen Reibach: Für Waffen Geld kassieren, Druck auf den Arbeitsmarkt durch noch mehr Flüchtlinge mit Einsparungen beim Lohn, die Bürger zahlen den Unterhalt, alles, was aufgestockt werden muss, zahlt der Staat und somit wieder der Bürger.

Was den Verantwortlichen für die Misere zusätzlich zu Gute kommt, ist die Spaltung der Bevölkerung, die durch die Dummheit Einiger noch weiter angeheizt wird. Die Flüchtlinge sind das falsche Feindbild! Diese armen Menschen als Ungeziefer zu bezeichnen und Heime anzuzünden ist absolut verurteilungswürdig. Das Ungeziefer sitzt nicht im Bus, sondern in der Limousine. Und dagegen sollten wir alle gemeinsam vorgehen. Gemeinsam für Frieden, gegen Ausbeutung und Raubbau! Bis es soweit ist, sollten weltweit alle Großunternehmen für die menschenwürdige Unterbringung dieser Leute bezahlen. Und nicht der kleine Pophans. Weltrevolution starten! Jetzt!

 

 

Back in the Business

Seit 1. August habe ich zwei Jobs. Ich bin Vollzeit Mutter und den übrigen Tag gehe ich acht (ein halb) Stunden arbeiten. Die ersten Wochen waren, trotz Unterstützung durch die Schwiegermutter, hart. Mittlerweile hat sich mein Mann weitestgehend an die Situation gewöhnt. Für ihn war die Umstellung am schwersten. Auf einmal musste er das Kind morgens anziehen. Wirklich eine Herausforderung. Aber man wächst ja bekanntlich damit.

Die Arbeit macht mir wirklich großen Spaß. Meistens jedenfalls. Obwohl ich nach meiner furchtbaren Arbeitserfahrung als Hebammenschülerin im Kreißsaal niemals mehr damit gerechnet hätte, mich auf einen Arbeitstag zu freuen. Wahrscheinlich macht es tatsächlich einen Unterschied, ob einem tagtäglich gesagt wird, wie dämlich man sich anstellt oder ob einem ein gewisses Vertrauen entgegen gebracht wird.

Was mich tatsächlich richtig anstrengt, ist das nach Hause kommen. Dort wartet dann ein nicht abgeräumter Frühstückstisch auf mich, die Dreckwäsche, das schmutzige Geschirr, der durchweichte Biomüll, der Hund und nicht zuletzt das Kind, was 100 Prozent meiner Aufmerksamkeit einfordert. Und wehe, die bekommt sie nicht.  Dann ist eine Eskalation vorprogrammiert. Zur Zeit verbringt sie wieder mehr Zeit damit, sich schreiend auf den Boden zu winden, als spielend mit Büchern und Bauklötzen. Nichts hilft in solchen Momenten. Meine Zuneigung á la „die haltende Umarmung“ lässt sie nur noch mehr ausrasten. Gehe ich aus dem Zimmer raus, dann wird sie richtig wütend und verzweifelt, schlägt ihren Kopf auf den Boden. Ich kann eigentlich nur still daneben sitzen. Wenn dann noch mein Mann dazu kommt und mich anmault, was ich denn mit dem Kind veranstalte, dann frage ich mich, ob Mütter eigentlich auch Zigaretten holen gehen dürfen.

Jedenfalls verstehe ich meine Mutter mittlerweile sehr gut, dass sie während meiner Kindheit so viele Dienstreise gemacht hat. Vielleicht sollte ich mal beim Chef anfragen, ob es nicht irgendwo ganz weit weg was zu tun für mich gibt.

Im Übrigen hätte ich nicht gedacht, wie viel Erstaunen, ja beinahe Entsetzen, die Vorstellung bei anderen auslöst, mit Kind Vollzeit arbeiten zu gehen. Ich scheine hier im südwestdeutschen Niemandsland eine wahre Exotin mit meinem „Lebensmodell“ zu sein. Damit möchte ich nicht behaupten, dass es bei uns funktioniert. Wie im Text heraus zu lesen ist, scheint es nicht perfekt zu laufen. Das Problem sehe ich jedoch dabei nicht im Aufwand, dem Vollzeitjob nachzugehen, sondern einfach im Unwillen meines Partners 50% meiner alten Aufgaben zu übernehmen. Ich kann es also jeder Frau nur nahe legen, es zumindest mal  mit der 100% Stelle zu versuchen. Kündigen bzw. reduzieren kann man schließlich jederzeit. Das höhere Gehalt, die besseren Zukunftsaussichten und Rentenbeträge sind es m.E. wert. Und vielleicht habt ihr ja sogar einen Mann an eurer Seite, für den Gleichberechtigung nicht dabei aufhört, sich an den Wohnkosten zu beteiligen.

TV-Tipp Kinderwunsch

Seit Samstag bin ich für ganze neun Tage allein mit dem Froillein hier am badischen Wurmfortsatz der Welt. Und da wir Meister im perfekten Timing sind, bekam ich prompt am Sonntag einen Magen-Darm-Infekt. Weniger Magen, dafür ganz viel Darm. Ich weiß nicht, ob es dem umwelt- und keimfreundlichen Wiederverwenden der Trinkhalme einer Lokalität geschuldet ist, dass ich von diesem abscheulichen Dämon heimgesucht wurde…Ein Tipp an besagte Gastwirte: Lieber einmal weniger das Auto benutzen, als Trinkröhrchen mehrmals. Danke.

Nun  lag ich also mit Kopf-und Gliederschmerzen in der Nähe einer Toilette rum und hab ein wenig fern geschaut, sofern es Madame zuließ. Dabei bin ich auf folgende Sendung gestoßen: Gewissensbisse auf dem MDR, mit dem Thema Todsünden, heute mit dabei: Neid. Mir war schnell klar, dass es sich zum Sonntag bei solch einer Sendung um Kirchenprogramm handeln muss. In der Hoffnung der liebe Gott möge Erbarmen mit mir und meinen Darmzotten haben, zappte ich trotz der pseudoreflektierten Moderatorin (Sabine Heinrich) nicht weg. Interessant wurde es, als eine Kinderwunsch-Frau vorgestellt wurde, die zugab schon einige Freundschaften auf Eis gelegt zu haben, weil sie deren Familienglück nicht ertragen konnte. Trotz der wirklich geschickten Argumentation der von Gott gesandten Moderationstante, a la: „Sei froh Mensch, du hast n Haus und n Mann.“ und „Genießt das Leben.“ Ließ sich die ungewollt Kinderlose irgendwie nicht so Recht vom linken Wege abbringen mit ihrem Neid und so. Einzig der Vorschlag Sabine Heinrichs, sich in Therapie zu begeben, stieß bei mir auf Zustimmung. Der Rest ließ mir einfach nur die Galle hochkommen. Selten so etwas Plattes und gezwungen Lockeres im Zusammenhang mit unerfüllten Kinderwunsch gesehen.

Obwohl wir das Glück hatten, bei der ersten IUI einen Volltreffer zu landen, den ich heute trotz aller Eskalationen liebe, kann ich solche Gefühle vollkommen nachvollziehen. Mich sticht es nach wie vor, wenn die Frauen um mich herum schwanger werden. Nichts kann ein (eigenes?) Kind ersetzen, wenn man sich dieses so innig wünscht. Kein Haus. Kein Job. Kein Mann. Und in meinem Fall muss ich sogar zugeben, dass mein kleenes Froillein die furchtbare Kinderwunschzeit nicht vergessen machen kann. Es ist halt einfach ein beschissenes Gefühl zu wissen, dass auf den eigene Körper kein Verlass ist. Auf „normalen“ Wege nicht schwanger werden zu können, stellt meine Weiblichkeit in Frage und lässt mich sogar an meinen mütterlichen Fähigkeiten zweifeln. So ist es immernoch.

Ich hasse Hunde…besitzer

Inspiriert durch die Ausführungen des Herrn mit dem Bart, hier meine eigenen Erfahrungen zum Thema Hunde. Um eines Vorweg zu nehmen: Ich habe selbst einen Hund, was mich schon seit jeher auf den schmalen Grad zwischen Hundefanatikern und -hassern wandeln lässt. Denn am liebsten würde ich selbst gerne Giftköder im Park auslegen. Mit Schneckenkorn und Rasierklingen gespickte Hot Dogs und Hamburger, damit dieses lästige Plage der Hundebesitzer endlich ein Ende nimmt. Meine jahrelanges  Dasein als Frauchen hat mich eins gelehrt: Das Problem lauert immer am oberen Ende der Leine.

Als ich Zehn war suchte mich der innige Wunsch nach einem Vierbeinigen Begleiter heim. Katzen, Meerschweinchen, Enten und Hühner habe ich alles schon gehabt und ihnen mit mehr oder minderen Erfolg Kunststücke beigebracht. Ich wollte endlich jemanden, der niemals von meiner Seite weicht, kuschelig ist, mit dem man spielen kann und der sich meine präpubertären Probleme anhört ohne Widerworte zu geben. Nach etlichen Jahren des Flehens und tausendmaligen Aufsagens der Phrase: Krieg ich n Hund? Krieg ich n Hund? Krieg ich n Hund?, war es endlich soweit. Meine Eltern erbarmten sich meiner und wir bestellten bei einer Züchterin aus der Nähe einen Golden Retriever Welpen. Im heimischen Garten wurde zu diesem Zweck extra ein abgezäuntes kleines Grundstück mit Hundehütte errichtet, denn der Hund -so einigte ich mich mit meinen Eltern, sollte nur draußen sein. Nun ja, nach der ersten durchheulten Nacht, schlief der Hund drinnen, auf dem Sofa, um die Nerven unserer Nachbarn zu schonen. Nach dem ersten Silvesterfeuerwerk, schlief sie (es war eine Hündin) am liebsten im Bett, genauso bei Gewitter oder wenn im Nachbardorf Schützenfest war oder wenn ein Auto eine Fehlzündung hatte…also fast den ganzen Sommer über. Anfangs war ich noch hoch ambitioniert meiner Hündin gutes Benehmen bei zu bringen. Leider waren es meine Eltern weniger und so gewöhnte sich das Tier immer mehr lästige Verhaltensweisen an oder besser: es wurde gewöhnt. Da sie von meiner Mutter bei Tisch mit Leberwurst-Enden versorgt wurde, bettelte sie am Tisch. Im Garten brachte sie mir den Ball niemals wieder, sondern zerpflückte ihn genüsslich auf der Wiese vorm Haus. Stattdessen war es zu ihrem Lieblingsspiel avanciert, sich von drinnen oder draußen vor die Haustüre zu stellen und zu kläffen, bis ihr jemand die Tür öffnete. Dabei ging es ihr gar nicht darum, drinnen zu trinken oder draußen zu machen, sondern sie wollte ihre Menschen springen sehen. Später lernte sie, die Türklinken selbstständig zu betätigen und brauchte uns nur noch zum Schließen der Tür. Einmal bekam sie im Garten einen Anfall und vom Tierarzt eine Adrenalinspritze ins Herz. Seit dem war es auch nicht mehr möglich, den Hund zu einer Gassirunde zu zwingen. Viel zu anstrengend für das herzkranke Tier. Wenn überhaupt, konnte man nur noch in die Richtung laufen, in die sie wollte. Ansonsten legte sie sich hin und ließ sich wie ein störrischer Esel am Halsband ziehen. Der Tierarzt hatte außerdem festgestellt, dass der Hund zu wenig trinkt. Da ihr Napf jedoch stets randvoll mit Wasser gefüllt war, schlussfolgerte meine Mutter, das harte Wasser würde ihr einfach nicht schmecken. Von da an stand bei uns immer eine Kiste Vitell in der Speisekammer. Es war wirklich ein außergewöhnliches Tier…Eine zeit lang versuchte ich noch der Sozialkontakte wegen, mit ihr auf den örtlichen Hundeplatz zu gehen. Dort herrschte noch die alte Schule der Hundeerziehung. Damals gab es noch keine Homepage solcher Einrichtungen, trotzdem wusste jeder aus unserem Ort, wann Hundetraining ist. Denn das militante Geschrei der Besitzer hallte durch die ganze Stadt. Der Ablauf gestaltete sich so, dass die Hunde gleich nach Ankunft auf dem Platz in die „Box“ mussten. Ein Zementverschlag mit Eisengitter. Danach gab es erst mal Bier für die alten Herren. Nach einer Stunde wurden die Hunde rausgeholt und man lief im Kreis und stellte sich an einer Linie auf. Der Führrrrerrr gab Anweisungen, welchen Befehl die Hunde zu erfüllen hatten und dann musste man so laut man nur konnte diesen Befehl brüllen. Plaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaatz! Und wer nicht laut genug brüllte, wurde ermahnt und gefragt, ob man nicht noch ein Bitte Bitte hinten dran stellen möchte….Irgendwann ersparte ich mir die Militärakademie für Vierbeiner. Nicht etwa, weil ich zu leise brüllte, sondern weil mein Hund aufgrund seiner Leberwurströllchen ständig als zu dick bemängelt wurde. 2009 starb die Hündin mit 11 Jahren an einem Hirntumor.

Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos, dachte ich mir und schaffte mir wieder einen Hund an. Diesmal sollte alles anders werden, schwor ich mir. Und es war auch so. Mein Hund ist definitiv gesellschaftsfähig. Sie kann die wichtigsten Kommandos, ist sozialverträglich, bettelt nicht, öffnet keine Türen, liegt nicht im Bett oder auf dem Sofa und trinkt Leitungswasser. Sie hat eine super Figur und bringt mir den Ball, wenn ich ihn werfe. Das liegt natürlich zum  einen daran, dass ich mich für eine Rasse entschieden habe, die sehr gut zu meinem Leben und meinen Ansprüchen passt. Niemals würde ich es mir zutrauen, mir ein traumatisiertes Opfer aus dem Tierheim zuzulegen. Obwohl ich bereits seit 17 Jahren mit einem eigenen Hund zu tun habe, würde ich mich niemals als so Hundeerfahren einschätzen, mir so ein Problemfall ins Haus zu holen. Viele Leute schaffen sich Hunde an, die mit ihren Eigenschaften, Erlebnissen, Hintergründen und ihrer körperlichen Kraft nicht zu ihnen passen. Dann hängen sie schwitzend und schnaufend an einem Schäferhund, der leider als Wurfmaschine missbraucht wurde und nun alles kalt macht, was ihm unter die Schnauze kommt. Oder die Omi mit ihrem Terrier. Die es noch nicht mal geschafft hat, ihrem Mann beizubringen seine Socken in den Wäschekorb zu legen. Was soll sie nun bitteschön einem so charakterstarken Tier entgegen setzen? Oder der Jackrussel, der seinen unbändigen Bewegungsdrang an einer Flexileine ausleben darf, während Frauchen vor der Haustüre eine qualmt. Wenn mir jemand mit Flexi- oder Laufleine entgegen kommt, bin ich schon mal in Habacht-Stellung. Letztere sind eigentlich dazu gedacht, mit seinem Hund Kommandos, wie „komm“ und „hol“ zu trainieren oder eine Fährte zu legen. Die Leute die da im 45 ° Winkel hinten dran hängen, haben von so einem Sport wahrscheinlich noch nie was gehört. Bei solchen Leinen, weiß ich nie, was der Besitzer eigentlich will. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Hund an der Leine nicht spielen darf. Kommt mir also ein angeleinter Hund entgegen, nehme ich meinen Hund zur Seite oder leine ihn ebenfalls an. Schließlich könnte der andere Hund krank, bissig oder läufig sein oder der Mensch hat es gerade eilig. Nicht so bei diesen elendigen langen Leinen. Die Besitzer lassen ihre Hunde obwohl angeleint zu meinem nun auch angeleinten Hund ran kommen und dann wollen die beiden natürlich spielen, die Leinen verfitzen sich und ich könnte ausrasten. So wird meine Erziehung wieder von anderen untergraben. Weist man die Personen dann freundlich auf sein Anliegen hin, habe ich es schon oft erlebt, patzige Kommentare zu ernten. Super auch, wenn die fast unsichtbaren Flexileinen über den gesamten Weg gespannt werden und so zur Falle für Radfahrer und Fußgänger werden. Trotz aller Fahrlässigkeit wähnen sich viele Hundebesitzer im Recht. Ich erlebe es hier sogar oft, dass die Hunde auf einem vielbefahrenen Radweg frei spielen gelassen werden. Vielen ist wohl nicht bewusst, dass keine Versicherung der Welt für Schäden haftet, die ein unangeleinter Hund verursacht.

Auch ein Unding, was mir vorallem in Hamburg und Leipzig auffiel: Hundekacke im Kotbeutel in die Landschaft schmeißen. Wie bekloppt ist das denn? Es ist ja wohl selbstverständlich die Ausscheidungen seines Hundes von Wegen, dessen Rändern und Rasenflächen zu entfernen. Und ihr habt verdammt noch mal kein Recht dazu, dass neben dem Kackplatz ein Mülleimer steht. Ich kann eigentlich nur noch den Kopf schütteln und spöttisch lachen, wenn ich hier am Flugplatz die Hundebesitzer beobachte, wie sie ihre tagtäglich genutzte Ausflauffläche von ihren Tieren zuscheißen lassen. Da kann man keinen Fuß mehr vor den anderen setzen, weil eine Tretmine der anderen folgt. Abgesehen davon verbreiten sich Krankheiten wie Giardien und Rota Viren wie ein Lauffeuer unter den armen Hunden. Wie würde es uns gefallen, durch Straßen zu laufen, die links und rechts von überlaufenden Plumpsklos gesäumt sind? Bei einer solchen Hundedichte, wie sie in Städten herrscht, gehört es einfach zur täglichen Hygiene, die Kacke wegzuräumen. Alles andere verursacht mittelalterliche Zustände.

Hundebesitzer scheinen es jedoch darauf anzulegen, gehasst zu werden. Es gibt nun mal auch Menschen, die mögen lieber Katzen oder Nacktmulle. Trotzdem verlangen viele Besitzer, dass ihre Hundeliebe von der ganzen Welt geteilt wird. Manche haben sogar krankhafte Ängste vor Hunden und ich frage mich ernsthaft, wie sie ihren Alltag in einer Großstadt voller Ignoranten meistern. Für mich ist es selbstverständlich meinen Hund bei Fuß gehen zu lassen, wenn mir jemand entgegen kommt. Ich möchte ja schließlich auch nicht von einer Vogelspinne inspiziert werden.

Für mich bleibt ein Hund ein Hund. Er ist kein Ehe-Partner und kein Kind. Trotzdem ist er Bestandteil unseres Rudels, aber mitnichten das Alpha-Tier 🙂

Das Geld zum Fenster

Bevor ich in meinem Vollzeitjob versumpfe, versuche ich zu Hause noch einmal klar Schiff zu machen. Da hab ich mir für die letzten zwei Wochen Hausfrauenzeit so einiges vorgenommen. Obwohl ich dieses Jahr bereits zwei (!!!) Mal Fenster geputzt habe, müsste ich es eigentlich schon wieder tun. Denn so wie es sich für Hausfrauenarbeiten gehört, wird auch diese von meinen beiden menschlichen Mitbewohnern korrumpiert. Statt über Streifenfreiheit und kristallklare Sicht zu staunen, hebt mein Mann das kleene Froillein ans frisch geputzte Fenster und lässt sie mit ihren speichelfeuchten Händen die Scheiben zu schmieren. An den Balkontüren braucht sie den Papalift nicht, da kann sie auch vom Boden aus Scheibenknutscher spielen. Sehen die Fenster dann aus, als hätten die Stubenfliegen eine wilde Orgie darauf gefeiert, interessiert dann plötzlich niemanden mehr die Fernsicht. Außer vielleicht das in die Jahre gekommene Nachbarsvolk, was ja eh nix anderes zu tun  hat, als den jungen Frauen Schlamperei vorzuwerfen. Also widme ich mich lieber dem Verstauen und Archivieren nicht mehr genutzter Sachen, allen voran Dinge, die sich während Froilleins Babyzeit angesammelt haben. Dabei fiel mir auf, wie hoch der Anteil an sinnlosen Investionen ist, die ich im vergangenen Jahr getätigt habe. Es ist also an der Zeit sich kurz zurück zu entsinnen, um andere werdende und frisch gebackene Mütter vor derlei Geldvernichtung zu warnen.

Auf Platz eins der verschwendeten Moneten und Hoffnung steht eindeutig die Babyhängematte. In der Hoffnung das Kind möge darin seinen Schlaf finden von einem anderen Elternpaar erstanden,  wurde sie von unserer Tochter alsbald mit vehementen Geschrei als mangelhaft befunden. Tatsächlich hätte man ein Kind wie unseres darin niemals unbeaufsichtigt lassen können. Bereits mit wenigen Wochen hätte sie sich damit überschlagen. Außerdem eignet sich solch eine Hängematte wirklich nur für sehr warme Gefilde. Gut, die letzten Wochen hätte man sie tatsächlich gut einsetzen können. In jedem anderen deutschen Sommer, würden die Kleinen in dem Ding jedoch zu schnell auskühlen.

Dann habe ich die Schnullersammlung weggepackt. Mindestens zehn Stück umfasste sie zuletzt. Kein einziger davon, ob mit oder Silikon, zahnfreundlich, öko oder nicht, konnte unserem Kind genügen. Nur Mamas Nippel gelang es, ihr den Mund zu stopfen. Die Schnullerfee konnten wir jedoch getrost vor der Türe stehen lassen. Wer nie abhängig war, braucht auch keine Entziehung.

Aus der Heilwolle wollte ich schon längst irgendwelche Filzmännchen gebastelt haben, bevor die Motten rein gehen. Die hat uns nämlich nie sonderlich viel genützt. Vielleicht hätte sie vorbeugend gute Dienste getan, wer weiß. War das Kind jedoch erst einmal in den Brunnen gefallen und der Po puderrot und pustelig, half nur noch föhnen, warten, Linola und Bebanthen. Ich mochte die Heilwolle nie besonders, weil sie überall in der Rosette wie bleiches A***haar hing und….ach lassen wir das…ich mag sie einfach nicht. Nur zum basteln.

Der Lauflernwagen kann eigentlich auch in die Garage. Damit laufen gelernt hat das Froillein jedenfalls nicht. Stattdessen ist sie damit mehrmals umgekippt und hat ihn als Toilette benutzt. Vielleicht kommt sie später noch auf den Geschmack eine Puppenmutti sein zu wollen und schiebt damit meine Platikenkel rum. Bisher geht sein Nutzen jedoch gen null.

Ein ebenso unbeliebtes Spielzeug ist die Schaukel-Biene. Sie war ein lieb gemeintes Geschenk unserer Nachbarn. Jetzt wo dieses platzraubende Monstrum auf dem Schrank steht, zweifle ich daran, ob es wirklich lieb gemeint war…Das Froillein hat sich gerne darauf gesetzt. Statt zu wippen, nahm sie jedoch die Fühler der Riesen-Maja in den Mund und ketschte den Speichel zahlloser Nachbarkind-Generationen aus den Knubbeln heraus.

Kinderstühle haben wir nun bereits vier gekauft. Noch in der Schwangerschaft, als wir ahnungslos kindlicher Bedürfnisse gegenüber waren, erstanden wir einen ranzigen Stokke-Verschnitt, der nun als der Weisheit letzter Stuhl dient. Wenn ein Baby jedoch noch nicht sitzen kann, Mama sich aber gerne wieder ein Brötchen zum Frühstück schmieren möchte, braucht man etwas mit verstellbarer Rückenlehne. Für diesen Zweck kauften wir erst eine Babywippe und später den Polly Magic. In der Babywippe liegt nun der Kater meiner Eltern. Der Polly Magic musste aus Platz- und Saubermachgründen einem IKEA-Stuhl weichen. Der hätte es eigentlich auch noch eine Weile getan, wenn sich das Froillein daran nicht wie verrückt geraupt hätte (Siehe Eintrag „Die Raupe“).

Aus meinem kranken Ehrgeiz heraus, das Kind mit 12 Monaten trocken zu legen, kaufte ich einst einen Plätscher-Topf zur Konditionierung. Nachdem das Froillein ihm jedoch durch Fußtritte in seine Hartplastikteile den Gar ausgemacht hat, war kein Geplätscher mehr zu hören und das Ding ging zurück ins Versandhaus. Nun macht sie ihr Geschäft am Morgen in einen weniger intelligenten Topf, dessen Erfinder jedoch schlau genug war, sich auch um die tropffreie Entleerung Gedanken zu machen.

to be continued…

 

Wenn Mutti früh zur Arbeit geht

Mein Bewerbungsmarathon ist vorerst beendet. Ich habe nun eine Jobzusage. Anfang August geht es los. Dann werde ich als Pharmareferentin tätig sein und euch hier im Blog von den Präparaten meiner Firma versuchen zu überzeugen. Dafür gibt es dann Extra-Prämien für mich. Nein Quatsch. Natürlich nicht. Wahrscheinlich werde ich überhaupt nicht mehr zum Schreiben kommen. Um meine Chancen auf eine Stelle zu erhöhen habe ich mich nämlich maximal verfügbar gegeben. Für mich als Super-Mami kommen geht unter 40-Stunden gar nichts. Kita-Schließzeiten gibt es nicht und das Kind wird natürlich nicht krank. Es hat ja schließlich meine Gene und ich werde ja auch nicht krank. Alles funktioniert und wenn das noch nicht genug ist, dann werden halt die Großeltern eingeflogen. Alles kein Problem.

Also nun mal im Ernst. Ich habe seit Abschluss meines Studiums 24 Bewerbungen geschrieben. Das ist wahrlich nicht viel, wenn man bedenkt, dass Freunde von mir mit ähnlicher Ausbildung um die 80 Bettelbriefe verfassen mussten, um eine Zusage zu erhaschen. Insgesamt hatte ich fünf Telefoninterviews, sieben persönliche Gespräche und am Schluss zwei Zusagen. Wobei es ich für meinen neuen Job allein drei Vorstellungsgespräche und zwei Telefoninterviews hatte. In der nun rückblickend kurzen Bewerbungsphase habe ich nicht wenig Kurioses erlebt. Kaum an Peinlichkeit zu übertreffen war mein Gespräch am ZBSA hier in Freiburg. Die Stellenausschreibung versprach eine umfangreiche Einarbeitung und nur wenig Vorerfahrung auf dem Gebiet. Nur deshalb hatte ich mich beworben und war zu meinem Erstaunen auch tatsächlich eingeladen worden. Obwohl ich meine Unterlagen sogar als Papier zum Anfassen eingereicht hatte, schien sich niemand die Mühe gemacht zu haben einen Blick auf meinen Lebenslauf zu werfen. Keiner hatte die Vorlage dabei und es wurde ins Blaue hinein gefragt. Als ich dann meinte, dass ich nur hier und da mal ein wenig Erfahrung in den gefragten Techniken gesammelt hätte, schien man sich zu wundern und das enttäuschte Gesicht der Arbeitsgruppenleiterin wurde immer länger. Den weiteren Verlauf möchte ich kurz als Dialog wiedergeben:

Mann aus der Verwaltung: „Sie wissen aber schon, dass es sich nur um eine 50 % Stelle handelt…?“

Ich: „Ja, (das habe ich gelesen). Ist doch super, dann fällt es mir leichter meinen Alltag mit Kind usw. zu organisieren und erst mal ins Arbeitsleben rein zu kommen.“

Mann aus der Verwaltung: „Und wer sagt uns, dass Sie sich nach vier Monaten nicht wieder weg bewerben?“

Ich: „(Es handelt sich doch eh um eine Elternzeitvertretung befristet auf 3 Monate mit Verlängerung bis zu einem Jahr?) Nun, ich kann mir kaum vorstellen, dass bis dahin die Einarbeitung schon abgeschlossen ist. Ich möchte die Zeit hier bei Ihnen intensiv nutzen, um zu lernen und weitere Erfahrungen auf dem Gebiet machen um meine Jobchancen zu verbessern.

AG-Leiterin: „Ach wissen Sie, nach zwei Wochen haben Sie die Techniken drauf. Sie werden eh immer nur das selbe machen.“ Dann endlich ein Einwurf von der Frauenbeauftragten, die mich danach fragt, wie ich von Hamburg nach Freiburg kam. Die Einzige an diesem Tag, die Interesse an meiner Person hat.

AG-Leiterin: „Haben Sie nun noch irgendwelche Fragen?“

Ich: „Ja, ich würde mir gerne die Räumlichkeiten mal ansehen. Sie arbeiten im Labor ja mit verschiedenen Techniken. Das möchte ich mir gerne anschauen.

AG-Leiterin: „Ach ja, genau, das Labor…das wollten wir Ihnen noch zeigen…“ Auf dem Weg zum Labor:

AG-Leiterin: „Sie müssen wissen, es ist da unten sehr laut….wirklich sehr unangenehm….durch die vielen Geräte. Sie könne gerne Gehörschutz bekommen.“ Im Labor:

AG-Leiterin: „Das ist eine Clean-Bench…“ (Ah, ist nicht wahr?! Eine CLEAN-BENCH! Wat es nich allet jibt!) „Da kommt ein Luftstrom raus…das ist sehr unangenehm…wirklich sehr unangenehm…aber man gewöhnt sich dran.“

So langsam fällt mir nichts mehr ein. Mir wird noch der PC-Raum gezeigt. Dann verabschiedet sich die AG-Leiterin mit den Worten: „Wir melden uns diese Woche….vielleicht…“ Und ich bin beruhigt, dass ich dort zum Glück nicht arbeiten muss. Ärgere mich allerdings über die 2,50€ Parkgebühren und die Arbeit, die ich mir in Vorbereitung auf das Gespräch gemacht habe. Keiner wollte irgendwas von mir wissen. Am Schluss habe ich mich nur blamiert, als ich versucht habe auf Informationen einzugehen, die auf der Website der Einrichtung angepriesen werden, aber offenbar nicht stimmen. Tatsächlich kam erst sechs Wochen später eine Absage.

Zum Glück müssen nicht alle Vorstellungsgespräche so würdelos verlaufen. Wenn im Gespräch bereits Zweifel aufkommen und man das Gefühl hat, man würde den Tag lieber allein in einer Höhle verbringen als mit diesen Menschen in einem Raum, dann ist es für alle Beteiligten das Beste, die Zusage trifft einen anderen.

Wie ich bereits oben erwähnt habe, bekam ich ja urplötzlich zwei Zusagen, allerdings im Abstand von ca. anderthalb Wochen. Ende Juni bewarb ich mich bei einem Elektro-Versandhandel als technische Redakteurin. Schnell wurde ich zum Gespräch mit anschließenden Probearbeiten eingeladen. Im Gespräch wurde u.a. folgendes vom Personaler erzählt:

„Also Ihre Gehaltsvorstellungen von 32 000€….das können wir Ihnen nicht zahlen. Bei uns bekommen Sie für Vollzeit 26 000€…da haben Sie also je nach Steuerklasse so um die 2000€ raus im Monat. Dann gibt es bei uns noch Weihnachtsgeld. Der Vertrag ist außerdem für ein Jahr befristet. Die Stelle ist unbefristet, es handelt sich also nicht um eine Elternzeitvertretung, aber der Vertrag ist es. Wir nutzen da halt alle Möglichkeiten, die uns der Gesetzgeber da einräumt. Das heißt auch, dass Ihr Vertrag nach einem Jahr noch mal um ein weiteres Jahr befristet verlängert wird.“

Sehr schön. Ich liebe es ja, wenn Menschen ehrlich sind. Was er allerdings unterschlagen hat, war, was nach den zwei Jahren mit mir passieren würde. Denn da müssten Sie mich ja unbefristet einstellen. Aber ich ahne es….Trotz der grottigen Konditionen absolvierte ich die drei Stunden Probearbeiten. Das Team war zum Glück sehr nett und ich fühlte mich wohl, weshalb ich es mir notfalls hätte vorstellen können, dort anzufangen. Es war Freitag und ich wurde mit den Worten nach Hause entlassen, dass man sich zu Beginn der kommenden Woche mit einer Entscheidung melden würde. Die Woche verging ohne eine Nachricht. Ich war verärgert, weil ich das Gefühl hatte, die Firma liese den Job durch kostenlose Probearbeiter erledigen. Am Dienstag Abend fischte ich dann einen Umschlag aus meinen Briefkasten. Er enthielt einen Arbeitsvertrag, geschrieben am 3.7., mit Poststempel vom 6.7., postalisch und unterschrieben abzugeben am 8.7. Anfangen sollte ich am 13.7. Kaum hatte ich die ersten Vertragsklauseln gelesen, war mir klar, weshalb hier von Seiten der Firma so ein Druck gemacht wurde. Das Gehalt lag deutlich unter dem mir genannten. Nämlich bei 2100€ Brutto. Von Weihnachtsgeld war nicht die Rede, stattdessen fiel häufiger das Wort Vertragsstrafen und Schadensersatz. Am meisten musste ich über die Passage lachen, dass man Fortbildungsmaßnahmen im Falle einer Kündigung durch den ArbeitGEBER zurückzahlen muss. Ach ja, und über das Gehalt sprechen darf man auch nicht. Das finde ich besonders paradox, da ja der Bewerber in beinahe jeder Stellenausschreibung seine Gehaltsvorstellungen formulieren soll. Spricht jedoch keiner über sein Gehalt, kann der Bewerber nur seine realitätsfernen Wünsche äußern. Ich hätte gerne eine Million Dollar!

Ich habe den Vertrag also nicht unterschrieben. Durch die Vertragsstrafe, die ich bei Nichtantritt der Arbeit oder nicht Einhalten der Kündigungsfrist hätte zahlen müssen, wäre ich einfach nicht dazu gekommen, mich für andere Jobs zu bewerben. Nach ein paar Tagen meldete ich mich bei der Firma und teilte denen meine Entscheidung mit. Beim abgesprochenen Gehalt muss ich den Personaler missverstanden haben und alle weiteren Klauseln sind vollkommen üblich. Abschließend meinte er noch, es sei also das Gehalt, was mich abschreckt. Ja, so ist es. Ich bin ein geldgieriges Arschloch und möchte gerne, dass sich meine fünf Jahre Studium, die Investitionen meiner Eltern, die Jahre, die ich nicht in die Altersvorsorge gesteckt habe, rentieren. Gut, mein Mann und ich werden uns trotz akademischen Werdegangs nie ein Eigenheim leisten können, die Pflege unserer Eltern wird uns finanziell ruinieren und im Gegensatz zu ihnen werden wir unserem Kind wohl niemals mit ein paar Scheinen unter die Armen greifen können. Aber deshalb muss man sich nicht in einer der teuersten Gegenden Deutschlands mit ein paar Kröten abspeisen lassen, die dann gerade einmal die Mehrausgaben für Kita und PKW decken. Respekt gegenüber Mitarbeitern fängt beim Gehalt an.

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