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Muschi out of control

Obwohl wir in einer aufgeklärten Welt leben, in der es scheinbar kein Thema gibt, das indiskret genug wäre, um es tot zu schweigen, hinterlässt eine Schwangerschaft am weiblichen Körper Veränderungen, die weder im Mutter-Tochter-Gespräch noch im Geburtsvorbereitungskurs erwähnt worden sind. Dass die Brüste eine Etage tiefer rutschen, anschwellen bis die Haut zu reißen beginnt, die Brustwarzen zu Salamischeiben mutieren, die Hosen nach Entbindung nicht mehr zu gehen sind ja weitestgehend bekannte Tatsachen und werden auch gemeinhin akzeptiert. Schließlich diente unser Körper erst als Vollpension für den kleinen Bauchzwerg, später dann als externe Nahrungsquelle. Was jedoch im Untergeschoss so los ist, davon redet keiner.

Was ich bereits nach den ersten, schmerzhaften Versuchen meinem Mann wieder näher zu kommen, geahnt habe, brachte mein Gynäkologe bei der Abschlussuntersuchung (6 Wochen nach Entbindung) auf den Punkt: „Tja, das sieht hier alles….ich würde sagen, ein wenig runtergewirtschaftet aus. Ihre Schleimhaut befindet sich wegen des Östrogenmangels derzeit auf dem Stand einer 70 Jährigen.“ Nun, wo er recht hat….

Machen könne man da recht wenig, meinte er. Da ich voll stille, wird das Östrogen durch Prolaktin unterdrückt. Selbst Milchsäurebakterien von außen zu zu führen würde wenig bringen, da diese ohne Östrogen nicht wachsen können. Also schrieb er mir ein Gleitgel auf, mit dem ich mich untenrum ein wenig erfrischen und es auch beim Verkehr anwenden könne. Wenn es mich sehr stören würde, dann solle ich noch mal wieder kommen, denn Notfalls könne er mir auch ein östrogenhaltiges Gel aufschreiben, was lokal wirkt und daher auch bei stillenden Frauen verwendet werden darf.

Bis jetzt liegt das Rezept immer noch hier rum, denn da unten ist noch so einiges mehr im Argen, als nur eine abgegraste Fauna. Mein Beckenboden muss ebenfalls enorm gelitten haben. Kurz nach der Geburt hatte ich schon das Gefühl, mein Uterus würde herauskatapultiert werden, sobald ich niesen musste. Eine Physiotherapeutin gab mir daraufhin den Tipp über die Schulter zu niesen. Für husten sollte das Gleiche gelten. Also habe ich nicht lange gefackelt und bereits wenige Tage nachdem wir zu Hause waren mit Rückbildungsübungen begonnen. Dabei habe ich mich vorher mit meiner Hebamme besprochen, was ich denn alles machen darf. Beim durchturnen des Yoga-Zoos, wie wir es im Schwangeren-Yoga gemacht haben, wurde mir dann bewusst, dass nichts mehr ist, wie es mal war. Ich bin mir sicher, dass jede Frau mindestens einmal in ihrem Leben davon heimgesucht wurde: Muschipüpse! Dass dieses Phänomen keine Seltenheit sein kann, beweist die Existenz eines Wikipedia Eintrags zum Flatus vaginalis.

Das erste Mal Opfer dieser ungeahnten Körperfunktion wurde ich beim Sex mit meinem ersten Freund. Wie das kommt, wird sich jede/r denken können. Falls nicht, lest in oben erwähnten Artikel nach. Ich sag nur Pumpe-Kolben-Prinzip. Seit der Entbindung sucht mich der fiese Muschipups jedoch bei allen erdenklichen sportlichen Übungen heim. Selbst wenn ich einfach nur im Bett auf der Seite liege und ein Bein anziehe, merke ich, wie sich das Gewölbe im Souterrain öffnet und Luft reingesogen wird. Da das Entweichen unwillkürlich bei der nächsten Bewegung ein Geräusch verursacht, brauch ich ja nicht zu erklären in welch prekäre Lage einen das bei sportlichen Aktivitäten in aller Öffentlichkeit bringen kann! Nun habe ich ein wenig recherchiert und obwohl es bisher noch an wissenschaftlichen Untersuchungen zum Flatus vaginalis mangelt, ist sich die Internetgemeinde einig: Ein verwahrloster Beckenboden begünstigt ihn. Zudem nehme ich an, dass eine trockene Scheide ebenfalls Tür und Tor für einströmende Luft öffnet. Schließlich sorgt das Sekret durch Kohäsionskräfte zum Verschluss des Eingangs. Mein Plan ist nun, zu Hause meinen Beckenboden zu kräftigen, bis ich wieder die volle Kontrolle über meine weibliche Körperöffnung erlang habe. Erst dann kann ich mich zur Rückbildungsgymnastik anmelden. Aber wer weiß, vielleicht sehe ich das auch zu kritisch und Rückbildungskurse sind in Wirklichkeit eine Gruppe fröhlich dreinpupsender Muschis…äh Muttis, die immer kichern, wenn ihnen einer entwischt und dann auf ihr Baby zeigen und rufen: „Der kleine Timmi wars!“

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Milchstau

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte über den gefürchteten Milchstau verlieren. Mich hat es bereits zwei Mal im Abstand von einer Woche erwischt. Das erste Mal entwickelte sich eine knotig harte, schmerzende Brust während der Nacht, als die Kleine ca. 8 Wochen alt war und das erste Mal vier Stunden am Stück geschlafen hat. Laut Frau Stadelmann findet zu dieser Zeit ein zweiter Milcheinschuss statt, der dann schon mal, wie eine Reise auf der Autobahn zu Ferienbeginn, in einem Stau enden kann. Das zweite Mal trat dieses Problem auf, als der gutmeinende Besuch zum Babygucken kam. Wenn eure Brust knotig, gerötet, heiß und schmerzend ist, ruft am besten immer bei eurer Hebamme an. Tritt dazu noch Fieber auf, wendet euch bitte sofort an einen Arzt und/oder eine Hebamme. Ich möchte an dieser Stelle nur von meinen Erfahrungen berichten und was mir geholfen hat.

Das beste ist natürlich, der Milchstau tritt gar nicht erst auf. Vorbeugend sollte frau sich alles vom Hals halten, was noch mehr Arbeit macht. Ein Besuch, der Essen kocht, einkaufen geht, die Wohnung saugt und morgen um Sechs aufsteht, um das Kind bis 9 zu beschäftigen, ist gerne gesehen. Besuch, der das Kind betatscht, es der Mutter ungefragt aus den Armen reist und rumzerrt, sollte dagegen ausgeladen und mit einem Anne-Geddes-Kalender vertröstet werden, wenn er so auf putzige Babys abfährt. Natürlich kann auch ohne die liebe Ver- und Bekanntschaft ein Milchstau vorkommen. Das Kind sollte daher regelmäßig im Wechsel jede Brust leer trinken. Enge Oberteile und BHs können ebenfalls die Milchgänge abdrücken und so den Fluss behindern.

Manchmal reicht aber schon eine durchgeschlafene Nacht, dass frau mit einer knotigen, steinharten Brust aufwacht. Manchmal ist nur ein Quadrant der Brust am Fluss gehindert, manchmal kommt aus einer oder beiden Brüsten kein Tropfen Milch mehr. Ist die Brust also bereits in den Brunnen gefallen, hilft es, die betroffene Seite vorm Anlegen zu wärmen. Bei mir erwies sich dabei die Rotlichtlampe als effektivsten. Andere Möglichkeiten sind ein Kirschkernkissen, eine Wärmflasche, eine warme Dusche, am besten mit Massagestrahl, oder einfach ein warmer Waschlappen. Während des Trinkens oder davor kann die Brust massiert werden. Anleitungen dafür finden sich im Internet, zum Bsp hier Brustmassage. Ein kleiner Geheimtipp ist die Verwendung eines Vibrators, um die knotigen Stellen direkt auszumassieren. Wer so etwas nicht in der Nachttischschublade findet, sollte sich ersten einen zulegen und kann zweitens auch andere vibrierende Dinge verwenden, die sich im Haushalt finden. (Aber besser nur für die Brustmassage) Manche Rasierapparate vibrieren beispielsweise, oder eine elektrische Zahnbürste tut es zur Not auch. Dann solltet ihr das Kind so anlegen, dass der Unterkiefer des Babys die gestaute Stelle ausmassieren kann. Am besten funktioniert das im Vierfüßlerstand, während euer Kind auf dem Rücken liegt. So könnt ihr beliebig in jede Richtung anlegen. Das sieht verdammt komisch aus und ist nicht gerade Öffentlichkeitstauglich. Danach könnt ihr eure Brust mit Kohlblättern, Quarkwickeln, TK-Kost oder Kühlakkus erfrischen. Manche Hebammen empfehlen, die betroffene Brust zu kühlen, während an der anderen getrunken wird. Ich habe jedoch die böse Seite abgepumpt, während das Kind die andere bearbeitet hat. Bei Frauen, die sehr viel Milch haben, kann das jedoch die Problematik verschlimmern.

Manchmal kann es auch vorkommen, dass ein Milchkanal durch ein Häutchen blockiert ist. In diesem Fall bildet sich ein gelblich, weißer Punkt auf der Brustwarze. Diese „Saugbläschen“ (so nennt es Frau Stadelmann) kann eure Hebamme mit einer sterilen Kanüle aufpieksen.

Der ganz normale Wahnsinn

„allerdings waren meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht so geordnet wie deine. Hut ab! Das Tagebuch und die Art wie ihr mit der Situation umgeht finde ich klasse!“

Liebe Nadja, dass meine Gedanken so geordnet erscheinen, kommt nicht von ungefähr. Wir ich bereits erwähnt hatte, haben wir uns auf Empfehlung meiner Hebamme an das Zentrum für frühe Interaktionsstörungen gewandt. Diese Einrichtung ermöglicht Müttern, sich mit ihren Kindern in einer Tagesklinik betreuen zu lassen, sofern eine Interaktionsstörung vorliegt. Bei uns war das jedoch so eindeutig nicht der Fall. Wir haben nun schon einige Gesprächstermine mit einer Psychologin hinter uns und sind zu dem Schluss gelangt, dass ich wohl einfach mit dem Schlafentzug und der Anpassung an einen Mutti-Tagesablauf Schwierigkeiten habe. Eine gestörte Bindung zu meiner Tochter liegt jedoch nicht vor. Bestärkt wurde unser „Fazit“ durch ein Gespräch mit einer Psychiaterin. Diese, selbst Mutter, kennt den ganz normalen Wahnsinn, den eine Frau beim ersten Kind durchlebt. Ich habe ihr geschildert, wie es mir so geht und mit welchen Gedanken und Gefühlen ich mich so konfrontiert sehe. Sie hörte sich das alles an und meinte schließlich, aber das ist doch ganz normal!

Es ist schon erstaunlich, wie ein Kind das Leben von heute auf morgen umkrempelt. Dabei habe ich doch gedacht, mir bzw. uns würde es am allerwenigsten schwer fallen, uns auf ein Leben mit Kind einzustellen. Wir gehen selten abends aus, Treffen mit Freunden finden in einem familiären Rahmen statt, unsere Hobbys und Freizeitaktivitäten schienen mir ebenfalls kinderfreundlich zu sein. Und dann ist das Kleine auf der Welt und plötzlich muss ich feststellen, dass ich selbst zu meinem Langweilerdasein nicht mehr komme. Das Kind schreit natürlich genau dann, wenn etwas interessanten in der Glotze läuft. Es kotzt in dem Moment, wenn man mal kein Spucktuch über der Schulter trägt. Es wird urplötzlich wach, wenn man mit seinem Partner „kuscheln“ will. Meine Hände sind von nun an dazu da, das Kind zu halten, zu streicheln, zu trösten, anstatt Staub zu wischen oder was Kleines zu nähen. Meine Brüste sind keine erogene Zone mehr -sofern sie das je waren, sondern die Nahrungsquelle meiner Tochter. Statt Rockhymnen auf der Gitarre zu schmettern, singt meine Stimme leise Lieder zur Nacht und formt Brabbellaute um die Kleine bei Laune zu halten. Ganz klar, an so eine Umstellung muss sich wohl jede(r) erst einmal gewöhnen. Die Eine ist darin schneller, die andere, so wie ich, tut sich an manchen Tagen damit schwerer. Und letztlich haben wir ja auch viel Zeit uns aufeinander einzustellen.

Zum Thema schlaflose Nächte, kann ich mich heute nur lobend über unsere Kronprinzessin äußern. Diese Nacht hat sie zum ersten mal von 22Uhr bis 6Uhr morgens geschlafen. Acht Stunden dürften ja dann als durchgeschlafen gelten! Nun bin ich mir allerdings nicht sicher, ob ihr Schlafverhalten eine Folge der gestrigen Sechsfach-Impfung oder schon ein erster Schritt weg von den „dummen 3 Monaten“ ist. Sollte es nur eine Impfreaktion sein, nehme ich sie gerne, statt des angedrohten Fiebers und der Unruhe. Tatsächlich sind die vergangenen Tage wirklich sehr ruhig und angenehm verlaufen, nachdem die Hübsche vor etwa zwei Wochen begann, uns wieder mit viel Geschrei und lebhaften Nächten zu quälen. Zu der Zeit hatten wir Besuch und waren viel unterwegs, was die Kleine total aufgerieben hat. Nach ein paar Tagen war der Besuch von Dannen gezogen, aber das schreiende Kind und ein fetter Milchstau blieben. Bis dahin schlief die kleine Madame übrigens immernoch in meinem Bett. Nach einer Nacht mit einer Pobacke auf 10 cm Matratze und der anderen auf dem Holz, habe ich sie dann einfach in ihr eigenes Bett gelegt. Und seit dem sind wir beide viel zufriedener. Sie kann sich jetzt des Nachts austoben, ohne mich ständig anzustupsen. Wenn sie grunzt wie ein kleines Schweinchen, mach ich mir einfach Ohropax rein.

Manchmal,aber nur manchmal kann es so einfach sein 🙂

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Schreikind

Unfassbar, ich finde ein paar Minuten der Freihändigkeit und Stille, um an meinem Blog zu schreiben! Das ist selten geworden in letzter Zeit. Unser Kind ist nun beinahe 7 Wochen alt und denkt noch gar nicht daran das Schreien einzustellen. Wir haben uns durch die gängige Elternliteratur nach Erklärungsversuchen gewühlt. Mein Mann steht dann plötzlich im Zimmer, während ich das untröstliche Kind in meinen Armen wiege, und hat jede Woche eine neue Begründung für ihr Schreien gefunden. In Woche eins waren es die Koliken, also massierten wir ihren Bauch. In Woche zwei waren die Blockaden die Übeltäter und ich machte einen Termin beim Osteopathen. In Woche drei war es das schwüle Wetter, was ihr vermeintlich den Schlaf raubte und sie grantig machte, wogegen wir herzlich wenig auszurichten vermochten. In Woche vier glaubte er mit den vielen Eindrücken, die sie überfordern eine Erklärung gefunden zu haben, weshalb wir versuchten, sie häufiger ins Tragetuch zu stecken. In der 5. Woche kam mein Mann auf die Idee, die Kleine könnte nicht satt werden, also gab ich ihr vorübergehend zwei Brüste pro Mahlzeit. In Woche sechs kauften wir ihr eine Hängematte, da die Stimulation des Gleichgewichtssinns dazu beitragen soll, das Kind zu beruhigen. Nun sind wir in der siebten Woche angelangt und kehren zurück zu den Ursprüngen: Laut meines Mannes sind es doch Koliken. Nun haben wir Blähungszäpfchen von Wala und Kümmelöl mit denen wir den quälenden Gasen den Kampf ansagen wollen.

Von Drei-Monats-Koliken zu sprechen, ist dabei eine galante Bezeichnung, da jedes Kind pupst und die Ursache somit schnell gefunden ist und Koliken ja auch etwas sind, die tief verborgen im Inneren des Kindes vor sich gehen. In Wirklichkeit ist es wohl ganz einfach so, dass es für das Schreien keinen Grund gibt. So steht es auch in den meisten Ratgebern zum Thema Schreikinder. Doch gerade mit dieser Grundlosigkeit, die in gewissen Maße auch ein Ausgeliefertsein in sich birgt, will sich so recht keiner abfinden. Der erste Weg -und so ist es ja auch richtig, führt die meisten Eltern zum Kinderarzt. So wie das Kleine schreit, muss es doch Schmerzen haben. Der kennt das schon, macht den Klopftest, aus dem Bauch klingt es hohl und dumpf, wie aus einer reifen Melone. Um die Eltern ruhig zu stellen, verschreibt der Arzt einen Entschäumer (Lefax, Espumisan, SabSimplex usw), denn auch er weiß, dass Eltern vorallem eins wollen: was tun können! Genauso sind Eltern halt heutzutage: gibt es ein Problem, muss eine Lösung her. Kommt das Kind in der Schule nicht mit, wird es halt mit Nachhilfe behandelt bis der Kopf platzt. Vielleicht können wir aus der Schreiphase unserer Kinder jedoch auch etwas anderes lernen. Manche Dinge müssen wir einfach akzeptieren. Das Kind schreit nun mal, weil es vielleicht gerne schreit, weil es irgendwie zu unserem Kind gehört. Da Erwachsene mit Schreien immer Schmerz und Qual verbinden, ist es schwer das Schreien hinzunehmen und sich nicht schuldig zu fühlen. Doch mal im Ernst, wir haben alles erdenkliche getan, damit es unserem Kind gut geht. Es gestillt, gewindelt, im Arm gewogen, ihm etwas vorgesungen, sind mit ihm den Walzer durch die Wohnung getanzt. Als erstes ist es wohl einfach unabdingbar, sich von jeglicher Schuld freizusprechen. Und möglicherweise trägt die eigene Entspannung dazu bei, die ständige Rückkopplung zwischen genervten Kind und genervten Erwachsenen zu unterbrechen. Ansonsten habe ich vor ein paar Tagen begonnen, ein Schreitagebuch zu führen. Im Buch „Babyjahre“ von Remo H. Largo ist ein Vordruck eines solchen Wochenplans drin. Nachdem ihr jeden Tag die Schrei- Wach- und Schlafphasen eures Kindes eingetragen habt, könnt ihr ersehen, wie häufig das Kind tatsächlich schreit. Damit könnt ihr außerdem schauen, ob sich bereits ein Tagesrythmus beim Kind eingestellt hat. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass ihr die guten Tage schwarz auf weiß gebannt vor euch liegen habt, euch dieser erinnert und vielleicht schon Licht am Ende des Tunnels seht. Mir fällt nun auf, dass die Kleine immer häufiger wach ist, ohne zu schreien. Sich solcher Momente zu entsinnen, wie sie einen dann anlächelt, quiekt und quakt, hilft ungemein die abendlichen Schreistunden zu überstehen.

Anhand des Schreitagebuchs wird auch ersichtlich, wieviel das Kind schläft. Angeblich sollen Säuglinge diesen Alters an die 18 Stunden pro Tag schlafen. Wir sind meist bei 13, maximal 15 Stunden. Da die Kleine zu wenig schläft, kommt sie häufig in einen Zustand der Übermüdung. Gerade gegen Abend, wenn das Schlafdefizit am höchsten ist, schreit sie sich dermaßen in Rage, dass sie wiederum nicht einschlafen kann. Mein Plan lautet daher, Schreien durch mehr Schlaf reduzieren.

Als kleine Anregung und auf dem Weg zur Erkenntnis, dass eigentlich nichts hilft, eine Liste unserer Versuche und Verzweiflungstaten und -käufe das Kind zu beruhigen:

  • SabSimplex kaufte ich auf Empfehlung unserer Kinderärztin. Das Resultat war, dass sich die Stuhlgangzeiten unserer Kleinen in die Nacht verlagerten und sie schlechter denn je schlief. Nach fünf Tagen setzten wir das Zeug wieder ab und haben seitdem Nachts nur noch Pipi-Windeln.
  • Osteopathie. Eine Blockade im Hals-Nackenbereich hielt ich aufgrund der langen Geburt mit feststeckender Schulter für wahrscheinlich und als Ursache für Babys Übellaunigkeit. Tatsächlich stellte der Osteopath Verspannungen in der Schulter und im Hals fest. Nach der zweiten Sitzung waren diese angeblich auch gelöst. Eine Verbesserung der Schreianfälle konnten wir nicht verzeichnen, dafür trank die Kleine gleich nach der ersten Behandlung besser an der Brust.
  • Fenchel-Anis-Kümmel-Tee für die Mama. Seitdem sie auf der Welt ist, bekommt sie das Gebräu indirekt über die Milch, ob die Blähungen ohne Tee schlimmer wären, kann ich also nicht beurteilen.
  • Ernährung. Bis auf Zwiebeln, da ich das Zeug einfach nicht mag, esse ich wieder alles. Wer sich ein wenig über Schreikinder und die angeblichen Drei-Monats-Koliken belist, wird bald auch wieder ohne Schuldgefühle Bohnen essen.
  • Tragetuch. Das war für uns in den vergangenen Wochen oft die letzte Rettung. Im Tuch wird sie ruhig und sackt nach wenigen Schritten schlafend in  sich zusammen. Laut Largo sollen Kinder mindestens drei Stunden am Tag getragen werden, damit die Schreiphase um ein paar Wochen verkürzt wird. Mittlerweile ist das Tuch jedoch nur noch ein Garant für guten Schlaf, wenn sich der Tragende bewegt. Der Vorteil ist, dass man auf diese Weise die Hände frei hat und wenigstens ein paar Dinge im Haushalt schafft.
  • Kinderwagen. Anfangs funktionierte die Fahrt über das Ostdeutsche-Hubbel-Pflaster noch ganz wunderbar. Jetzt können wir uns aber auch auf die einschläfernde Wirkung der hiesigen Huckelpisten auch nicht mehr verlassen und müssen es in Kauf nehmen mit schreienden Kind im Wagen durch die Gegend zu rennen. Böse Blicke älterer Damen und der kalte Schweiß im Nacken inklusive.
  • Verdunklungsrollos. Eine Investition die sich bisher ausgezahlt zu haben scheint. Seitdem es im Schlafzimmer auch morgens noch dämmrig ist, steht Madame nicht schon mit den Lerchen auf. Wer länger als bis fünf schlafen kann, hat auch mehr Kraft den Tag zu bewältigen und steckt die Schreistunden besser weg.
  • Hängematte. Das war mein Traum: Kind in die Matte legen, ein wenig schaukeln und schon fallen die Äuglein zu. Die Realität sieht leider anders aus. Manchmal lässt sie sich damit beruhigen. Die Verschnaufpause hält jedoch nur wenige Minuten an, danach geht es munter weiter. Außerdem wird das Kind von unten in einer Hängematte schnell kalt, wenn man nicht die entsprechenden Auflagen mit erworben hat.
  • Schaukelstuhl. Der gute alte Schaukelstuhl tuts noch am besten und ist meine Geheimwaffe für den Abend. Wenigstens muss man dann nicht die ganze Zeit stehen und rumlaufen.
  • Schnuller. Wir sind nun auch stolze Besitzer einer gigantischen Nuckelsammlung jeglicher Größen und Formen, die von unserem Kind allesamt kategorisch abgelehnt werden. Vielleicht sollte ich meinen Nippel in Kautschuk gießen lassen, denn nur an denen kann sie sich in den Schlaf saugen.
  • Mal so, mal anders. Manche Dinge, die an einem Tag nichts gebracht haben, führen plötzlich am nächsten Tag zum Erfolg…und leider auch umgekehrt. Es gibt Abende da lieg ich mit dem schreienden Kind im Bett, nehme sie nach dem Stillen in den Arm, singe ihr „Der Mond ist aufgegangen“ vor und wiege sie ein wenig hin und her und schon schläft sie ein. Tags darauf hilft das alles nichts und sie lässt sich nur mit Brust im Mund beruhigen.

Also weiterhin Zähne zusammen beißen und durchhalten!

 

Darf ich trotzdem heulen?

Im Mai ist unser Kinderwunsch drei Jahre alt geworden. Hätte mir jemand vor einem Jahr erzählt, ich würde in „nur“ drei Monaten schwanger sein und in 12 Monaten ein quietschfideles Baby auf dem Arm halten, hätte ich ihn als unverbesserlichen Optimisten und Träumer verunglimpft. Nun habe ich alles, was ich mir gewünscht habe…und doch könnte ich beinahe jeden Tag heulen. Natürlich habe ich gewusst, wie Säuglinge so sind. Drei Neffen habe ich schließlich in ihren schrillsten, von Koliken geplagten Stunden erlebt und unzählige Neugeborene während der Ausbildung in den Nächten auf Station versucht in den Schlaf zu wiegen. Wenn es jedoch das eigene Kind ist, das schreit, als wolle es Glas zum bersten bringen, ist das noch mal ne ganz andere Nummer. Es war mir durchaus bewusst, wie anstrengend das Wochenbett mit all seinen Tücken werden würde. Die Realität übertrifft jedoch an einigen Tagen alle Schreckensszenarien, die ich mir so ausgemalt habe. Und ich bin ein oller Pessimist! Was der Schlafentzug mit einem anstellt, ist kaum vorstellbar. Die letzte Nacht, die ich durchgeschlafen habe, war vom 13. auf den 14. Mai. Danach folgte eine Nacht voller Wehen und dann war das Kind da. Seitdem mutiere ich mit jeder Nacht mehr zum Übermüdungszombie. An eine Stilldemenz glaube ich übrigens nicht. Ich würde es eher als Schlafentzugsverblödung bezeichnen. Mit mir hochwertige Gespräche über gesellschaftspolitische oder philosophische Fragestellungen zu führen, ist völlig zwecklos. In meinem Kopf ist Rauschen und Blubbern. Die Sinne geschärft auf jedes Glucksen und Schnorcheln der kleinen Zwergenfrau. Das ist übrigens auch ein Grund, weshalb ich nicht schlafen kann. Aus stilltechnisch-pragmatischen Gründen schläft sie neben mir. So richtig neben mir, auf 80% der Matratze. In ihrem eigenen Bett oder zu weit Weg vom Mutti-Mief wird sie unruhig, rudert mit den Armen und grunzt und prustet wie ein Walross. Also stopfe ich mir Ohropax in die Ohren, damit ich nicht von jedem Seufzer wach werde. Aber keine Angst, so rabenmütterlich, wie das jetzt klingen mag, ist es nicht. Ich bekomme trotzdem noch alles mit, was sie akustisch so produziert. Die Fachwelt nennt dieses Phänomen Ammenschlaf. Ich finde, Amok-Schlaf triffts eher. Nach solch einer Nacht sind die Reserven für den Tag schon aufgebraucht, bevor man sie auffüllen konnte und dann wird eben der Kaffee (decof versteht sich) schon salzig von Tränen.

Wie bereits erwähnt, macht sich meine Hebamme Sorgen um meinen seelischen Zustand. Nachdem sie sich das Trauerspiel zwei Wochen angesehen hat, empfahl sie mir, mich an eine Stelle für „Frühe Interaktionsstörungen“ zu wenden, um einer möglichen Wochenbettdepression schnellstmöglich zu begegnen. Dort habe ich mir nach langem hin und her überlegen auch einen Termin geben lassen. Ich bin gespannt, was dort auf uns zukommt. Denn meiner Meinung nach, können die mir nur helfen, indem sie sagen, Frau Frauenbauch, gehen Sie mit diesem Rezept zur Apotheke und leihen Sie sich dort eine Nanny mit laktierenden Brüsten aus. Und dann schlafen Sie sich mal so richtig aus!

Was ich damit sagen will ist, dass in meinen Augen der Schlafmangel an allem Schuld ist. Und wahrscheinlich auch die Tatsache, dass ich mich damit nicht abfinden kann. Trotz durchwachter Nächte möchte ich eben am Tage funktionieren, was es nicht leichter macht. Die vermeintlich „typischen“ Bindungsprobleme an mein Kind spüre ich hingegen nicht. Ich hatte nie das Gefühl ihr gegenüber zu wenig oder das Falsche zu empfinden.

Steht es ehemaligen Kinderwünschlerinnen eigentlich zu, trotz Kind traurig zu sein, zu fluchen und zu heulen? Ich denke, ja und ich glaube, ja erst recht. Schließlich hat die lange Zeit des unerfüllten Kinderwunsches das Vertrauen in unsere Fähigkeit Mutter zu sein stark erschüttert. Wenn das kleine Nervenbündel nun über Stunden schreit, alle Versuche, sie zu beruhigen gescheitert sind, dann fühl ich mich schon ein wenig unfähig. Und ich werde wütend auf mich, naiv genug gewesen zu sein, mir -ja ausgerechnet mir!- die Mutterrolle zugetraut zu haben. Tatsächlich ist der Anteil an Frauen, die unter einer post-natalen Depression leiden unter denen, die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen mussten, höher. Von der Information kann ich mir zwar auch keine gute Laune kaufen, aber es hilft meinen Zustand ein wenig besser zu verstehen.

Zum Abschluss empfehle ich allen heulenden Müttern, ganz gleich ob spontan oder artifiziell geschwängert, folgende Seite:

„15 Wahrheiten über frischgebackene Eltern“

 

 

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein ausführlicher und langer Bericht über die Geburt unserer Tochter folgen. Aber ich musste feststellen, dass lange Beiträge mit Kind einfach nicht möglich sind. Zumindest nicht in den ersten Wochen. Nun fasse ich mich kurz und schreibe zusammenfassend, was alles nach „Mittwoch“ – als ich eine Fortsetzung versprach- geschah.

  • Die Geburt

Tatsächlich ging ich am Mittwoch Abend mit wehendem Bauch ins Bett. In der Nacht, gegen drei Uhr beschlossen mein Mann und Ich in die Klinik zu fahren, da ich die Schmerzen nur noch laut veratmen konnte und wir unsere Nachbarn nicht unbedingt am Geschehen teilhaben lassen wollten. Im Kreißsaal hielten wir dann schließlich vier Schichten auf Trapp. Erst am Donnerstag gegen 21 Uhr habe ich mit letzten Kräften die Kleine zur Welt gebracht. Die Geburt war echt ein Höllentripp und entsprach alles in allem meinen Befürchtungen. Selbsterfüllende Prophezeihung oder kenne ich mich einfach zu gut? Wie ich es mir hätte denken können, hatte ich eine Wehenschwäche. Irgendwie typisch für mich. Schließlich haben meine körpereigenen Hormone schon immer geschwächelt. Nach 12 Stunden kam der Oxytropf zum Einsatz und wer bereits einen Wehentropf bekommen hat, weiß, dass diese Art von Wehen übler Natur sind. Vor der Kreißsaaltüre lungerte bereits die Oberärztin mit gewetzten Messern und reservierte den OP für uns. Zum Glück haben die Herztöne der Kleinen durchgehalten. Ein Dammschnitt, der definitiv NICHT auf dem Höhepunkt der Wehe geschniten wurde, blieb mir ebenfalls nicht erspart und mit ihrer Schulter hat mir mein Klöpschen den Rest gegeben und mir noch einen Labienriss beschert. Nach der Entbindung entsprach mein körperlicher Zustand in etwa Pflegestufe 3. Ich konnte mich kaum im Bett aufsetzen, geschweige denn laufen.

  • Erste Tage und Nächte mit Kind

Logischer Weise bin ich in der Klinik geblieben. Lächerlich, dass ich überhaupt über eine ambulante Geburt nachgedacht habe. In diesem Zustand nach Hause? Unmöglich. Zu unserem Glück konnten mein Mann, die Schnegge und ich ein Familienzimmer beziehen. Die ersten Tage war der pflegerische Einsatz meines Liebsten enorm wichtig für uns, vom seelischen Beistand mal ganz abgesehen. Denn natürlich läuft vieles Anfangs überhaupt nicht so, wie es sich das Klinikpersonal vorstellt, auch wenn es vielleicht von der Natur so vorgesehen ist. Dabei spreche ich hauptsächlich vom Stillen.

  • Stillen

Noch im Kreißsaal wurde mir die Kleine auf die Brust gelegt und fing sofort wie eine Wilde an, nach der Milchquelle zu fahnden. Das war echt großartig, wie sie so frisch auf der Welt sofort zu trinken anfing und ich war guter Ding, dass das Laufen wird, wie am Schnürchen. Einen Tag später hatte sie jedoch schon so viel ihres Geburtsgewichts verloren, dass sie haarscharf an der 10%-Grenze kratzte. Und dann fing der Stress an: Wiegeprobe um die Trinkmenge zu ermitteln, Abpumpen damit der Milchfluss in Gang kommt, Zufüttern mit abgepumpter Milch und HA-Nahrung…natürlich alles ganz Babyfreundlich mit Bechermethode, Sonde am Nippel und Sondenfütterung per Finger…blos keine Saugverwirrung verursachen. Mir stands echt bis „hier“ und ich habe geheult und geflucht: „Kann denn nicht mal was funktionieren? Wozu habe ich diese nutzlosen Dinger? Erst kriegt es mein Körper nicht hin, schwanger zu werden, dann schaffe ich es nicht ohne hormonelle Unterstützung zu gebären und dann versage ich auch noch bei der Milchproduktion.“ Dabei weiß ich doch, dass sich der Milcheinschuss in der Regel 48-72 Stunden Zeit lässt. Irgendwas muss sich die Natur doch dabei gedacht haben. Frau Stadelmann spricht in der Hebammensprechstunde vom „Fasten“ des Kindes nach der Geburt. Als sich meine Möppis schließlich nach und nach mit Milch füllten, hat die Kleine meine Brüste wie von der Tarantel gestochen angeschrien. „Na super, jetzt haste Milch, aber das Kind will nicht mehr trinken.“ Und auch dieses unzufriedene Gebaren der Kinder ist typisch für die Zeit des Milcheinschusses. Hab ich alles mal gelernt. Konnt ich dann aber nicht mehr glauben, wenn die Schwester sich hinstellt und mich mit Kommentaren, wie: „die Muddi ist so unentspannt, das spürt das Baby“ abspeist. Klar war ich unentspannt. Das Kind verlor Gewicht, ich musste zufüttern, meine Nippel haben geblutet! Aber was nützt mir so ein überflüssiges Gerede, außer, dass ich noch unentspannter werde?

Nun gut, am Sonntag sind wir dann so langsam klar gekommen, mit den Brüsten, dem Abpumpen, dem Geschrei und Zufüttern. Gut Ding will Weile haben. Ein Mantra für alle Menschen mit Kinderwunsch, Babybauch oder Kind aufm Arm. Zur Entlassung haben wir ein Pumpenrezept mitbekommen. Die Milchpumpe steht nun glücklicher Weise unbenutzt in der Ecke. Die Brustwarzen sind mittlerweile verheilt und die Kleine brüllt die Brüste auch nicht mehr an. Manche Dinge lösen sich von selbst, wenn frau erst einmal zu Hause ist.

Hier meine Tipps zum Thema Stillen:

Durchhalten und Zähne zusammen beißen! Es lohnt sich einfach, wenn man ohne Fläschchen, Vaporisator und pi pa po unterwegs sein kann.

Richtiges Anlegen – lasst es euch in aller Ruhe von einer Fachfrau zeigen. Wunde Brustwarzen sind häufig eine Folge falschen Anlegens.

MultiMam-Kompressen – Gegen wunde Brustwarzen ein gutes, kühlendes Mittel.

Still-BH – kann ich gar nicht ab. Sobald ich sowas trage, schnürt es mir alle Milchkanäle ab und ich bekomme richtige Schmerzen. Derzeit laufe ich unter dem Motto: „Brüste raus- wir schreiben eine Klassenarbeit“ durch die Wohnung.

Viel Trinken – zusätzlich zu Wasser am besten Stilltee, Malzkaffee, Ovomaltine oder das gute alte Malzbier (ohne Alkohol versteht sich)

Gut essen – Diäten sind vielleicht was für Superstars, die 24 Stunden nach der Entbindung wieder auf der Bühne stehen müssen und ihr Kind von einer Nanny großziehen lassen, aber nix für Stillende.

  • Der Dammschnitt

Dieses Thema plagt mich bis heute, allerdings scheine ich nun doch etwas gefunden zu haben, was mir Linderung verschafft. Ich habe mich überwunden und das Sitzbad von der Frau Stadelmann besorgen lassen. Zwei mal habe ich mein Untergestell erst in die ätherische Salzlösung gehalten und habe tatsächlich den Eindruck es würde besser werden. Zuvor habe ich mit einer Lösung aus Kamillan und Mercurialis perennis gespült, was zwar nach dem Toilettengang angenehm ist, jedoch keine Besserung an der Naht brachte. Dazu kann ich nur empfehlen, soviel es geht ohne Binden und Schlüppi rum zu liegen. Am besten natürlich auf einem Handtuch, um die Sauerei so gering wie möglich zu halten.

  • Die Psyche

Das Tabuthema schlechthin! Wie fühlt sich eine junge Mutter tatsächlich in den ersten Tagen nach der Geburt? Ganz klar ist die Geburt eines Kindes ein riesen Einschnitt in unserem Leben. Obwohl wir ja 40 Wochen Zeit haben uns darauf vorzubereiten, läuft dann vieles doch anders als gedacht. Auch gefühlsmäßig durchleben wir ganz unterschiedliche Welten. Die ersten Tage nach der Entbindung war meine Grundstimmung noch ganz gut, begleitet von Euphorie, ein wenig Stolz und Überwältigung. Verzweiflung kam auf, wenn es mit Stillen nicht klappte. Zu Hause, etwa am vierten, fünften Tag überkam mich vorallem Abends eine Art Wehmut. Ich war traurig, nicht mehr schwanger zu sein, vermisste meine Tochter in meinem Bauch und dachte viel über ihre Zukunft nach. Wird sie es mal gut haben? Wie werden sich die weltweiten Konflikte entwickeln? Wird sie einen Krieg miterleben müssen? Dazu forderte der Schlafmangel seinen Tribut. Das zehrt an den Nerven und manchmal war ich mit einem Anflug von Panik konfrontiert, ob wir das alles schaffen, alles richtig machen. Und dann habe ich sie manchmal angesehen und einfach nur so geweint, weil sie so hübsch ist und mich gefragt, wie wir das hinbekommen haben. Diese ganzen Gefühle haben mir auch Angst gemacht, weshalb ich mit meiner Hebamme darüber gesprochen habe. Sie wird nun ein besonderes Augenmerk auf meine psychische Konstitution haben. Seit ein paar Tagen fühle ich mich Abends allerdings deutlich besser. Wahrscheinlich pendeln sich die Hormone langsam ein und Körper und Geist finden sich in der neuen Rolle als Mutter. Wahrscheinlich braucht es auch einfach Zeit, sich selbst in dieser Situation kennenzulernen un seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Wer Nachts keinen Schlaf findet, muss halt so viel es geht tagsüber ruhen. Die Wohnung wird nun auch für die nächsten Wochen nicht mehr wie gestriegelt aussehen und gebloggt wird nur, wenn das Baby schläft und Mama die Augen offen halten kann 🙂

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal, wann auch immer das sein wird.

 

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