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Es folgt: Die Fortsetzung

Ein paar neue Erkenntnisse hat der Besuch beim Gyn gebracht. Zuerst wurde ein CTG geschrieben auf dem ich immerhin einen schönen Wehenberg hatte, der auch gut nach vorn gezogen hat. Die Hebamme untersuchte mich anschließend äußerlich und war begeistert, wie wunderbar Kopf und Becken zusammenpassen würden und sich das kleene Froillein im Becken positioniert hat. Wenn es nach ihr ginge, würde das nur so flutschen. Na…ich bin gespannt. Größenmäßig wird es wohl eher eine zarte Madame. Ein geschmeidiger 3000-Gramm-Ziegelstein. Plus/minus 400 g versteht sich. Die vaginale Untersuchung durch Herrn Gyn zeigte dann auch, dass meine „Wehen“ sich bereits am Muttermund nützlich gemacht haben. Der ist zwar noch geschlossen, aber die Cervix nur noch als Wulst erhalten. Seine dehnbare Prognose: „Bis zur 42. SSW werden Sie wohl nicht kommen.“

Momentan sehe ich uns eher diese Nacht in die Klinik aufbrechen. Gegen Nachmittag haben die „Wehen“ wieder zugenommen und ich puste alle 10-20 Minuten was weg, von dem ich nicht weiß, ob es „Wehe“ oder WEHE ist. Mein Mann meinte dann beim Abendbrot, solche Vorwehen sollen ruhig genutzt werden, um das Erlernte aus dem Geburtsvorbereitungskurs zu festigen. Ähm…nun ja….ich habe nicht mehr das Gefühl zu üben, sondern das Bedürfnis so zu atmen. Ich frag mich, ob das jetzt ernsthaft die nächsten anderthalb Wochen, jeden Abend, jede Nacht so weiter gehen wird, bis es irgendwann richtig stürmt oder, ob sich noch die kommenden 48 Stunden etwas tun wird.

Es bleibt spannend…

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Es geht wohl los, oder wat?

Seit der letzten Akupunktur am vergangenen Donnerstag, die meinen Muttermund geschmeidig machen soll,  habe ich wieder jeden Tag harte Bäuche, vermehrt in den Abendstunden, aber auch tagsüber häufig genug. Im Laufe der Woche gesellte sich dann so drei Mal täglich ein kräftiges Ziehen hinzu, was in meiner Vorstellung richtigen Wehen schon nahe kommt. Da ich mal dokumentieren wollte, ob die Mini-Wehen bereits in einem regelmäßigen Abstand an- und ablasen, habe ich mir sogar eine Wehenschreiber-App runtergeladen und die plärrte gleich am Montag irgendwas von baldigen Geburtsbeginn. Von regelmäßigen Abständen war und bin ich zwar weit entfernt, dafür halten die Kontraktionen beinahe jedes Mal über eine Minute an. Grund genug für eine App, die bevorstehende Niederkunft zu prophezeien.

Diese Nacht gegen 4Uhr30 wurde ich dann von Krämpfen geweckt und bin erst Mal auf Toilette. Wie im Lehrbuch und wie ich es bereits von 15 Jahren Periode kenne: Durchfall. Ok…das hat mich dann doch stutzig gemacht. Aber die Müdigkeit besiegte die Sorgen und ich legte mich wieder schlafen. Bis 7 hatte ich dann etwa halbstündlich diese seltsamen Kontraktionen, mit schön Ziehen nach vorn und hinten, weshalb ich mir dachte, jetzt kannst du den Herrn Gemahl ein wenig wuschig machen. Bei der nächsten Kontraktion und Rumrollen im Bett lief mir dann Flüssigkeit unten raus. Es war nicht viel und so blieb ich bis halb Neun liegen. Die Abstände schienen sich zu vergrößern, das Ziehen blieb. Beim Aufstehen lief dann wieder eine durchsichtige Flüssigkeit das Bein runter. Keine Ahnung, ob es vielleicht ein hoher Blasensprung war…Schwangere laufen ja eh kontinuierlich aus…da ich heute ohnehin einen CTG-Termin habe, die Kleine ordentlich tritt und weder weitere Flüssigkeit abgegangen ist, noch die „Wehen“ stärker geworden sind, habe ich mich entschlossen, nach Rücksprache mit meiner Hebamme, abzuwarten und zu schauen, was der Gyn sagt. Bei einem Blasensprung müsste ich ja auf jeden Fall eine Antibiose bekommen und dann sollten auch möglichst bald richtige Eröffnungswehen einsetze. Aber wie sicher kann man das nachweisen? Meist wird ein pH-Test in die Scheide gehalten. Durch das Milchsäure-Milieu stellt sich dieser aber sowieso wieder nach einer Weile auf sauer ein. Die Fruchtwassermenge per US zu bestimmen, macht ebenfalls wenig Sinn, da die vorherigen Werte unbekannt sind und ein halbes Schnapsglas kaum ins Gewicht fällt. Als letzte Möglichkeit fällt mir ein, dass sie schauen können, ob die Blase vorm kindlichen Kopf noch steht. Vorausgesetzt die Eihüllen sind an dieser Stelle geplatzt. Das würde auch die geringe Menge erklären. Denn wenn der Kopf bereits so tief im Becken steht, verschließt er den Ausgang wie ein Stöpsel und es läuft kaum was nach. Ich bin gespannt, was wir in einer Stunde gesagt bekommen. Am Schluss quäle ich mich hier immernoch mit Senkwehen herum und habe eine außerordentlich Produktive Vaginalschleimhaut…und das kleene Froillein kommt 10 Tage nach Termin *augenrollrollrollrollroll*

Ansonsten fühle ich mich total kraftlos, müde und durstig. Mein Bauch grummelt, mir ist ein bisschen schlecht, Hunger bzw. Appetit habe ich trotzdem noch. Oh man…und hin und wieder überkommt mich Panik….

Fortsetzung folgt…..

Das CTG

Das Baby sitzt im wahrsten Sinne des Wortes in den Startlöchern. Ein paar Senkwehen vergangene Woche haben das kleine Froillein mit dem Kopf voran ins Becken rutschen lassen. Nun warten wir -mal mehr, mal weniger geduldig- ab und harren der Dinge, die da kommen.

Als kleinen Zeitvertreib möchte ich euch heute ein paar Fakten über das Gerät näher bringen, mit dem die meisten Schwangeren mehr Zeit verbringen, als mit ihrem Toaster: Dem CTG-Gerät! Die Abkürzung CTG steht für Cardiotokografie, was nichts anderes bedeutet, als dass Herzfrequenz (cardio) und Wehentätigkeit (toko) aufgezeichnet werden. Während für das Verständnis der Herzfrerquenzregistrierung ein paar Physikkenntnisse erforderlich sind, lässt sich der Wehenschreiber recht einfach erklären. Es handelt sich dabei nämlich lediglich um einen Druckmesser, der die Spannung der Bauchdecke registriert und in ein schreibbares Signal umwandelt. Bei der Interpretation ist jedoch Vorsicht geboten, da der Tokoknopf nur relative Werte ausspuckt. Es wird also immer nur die Abweichung zum Grundtonus der Bauchdecke registriert, weshalb Hebamme oder Arzt nach Anlegen immer diesen Eichknopf am Gerät drücken, wodurch auf dem Display bei ruhiger Gebärmutter meist Zahlen um die 20 erscheinen. Die wahre Intensität und Auswirkungen einer Wehentätigkeit bleiben also trotz aller technischer Errungenschaften mehr oder weniger der Einschätzung der Frau vorbehalten. Gerade bei Frauen, die viel Unterhautfettgewebe besitzen, zeichnet der Wehenschreiber nichts oder nur kleine Hügelchen auf. Wohingegen schlanke Damen selbst bei Übungskontraktionen schon ein ordentliches Hochgebirge vorweisen können. Wer den Wehenschreiber richtig anlegen möchte, platziert ihn rechts oben auf dem höchsten Punkt der Gebärmutter, auch Fundus uteri genannt. Von dort starten die Wehen nämlich ihre wallende Reise durch den Bauch. Eine fertig geschriebene Wehe sieht dann in aller Regel wie ein Hügel aus. Und das entspricht ja auch meist der Wahrnehmung. Sie fängt langsam an, steigert sich stetig bis zu einem Höhepunkt und fällt dann in der selben Intensität ab, wie sie gekommen ist. Kleine Zacken auf dem Tokogramm- was sich übrigens fast immer im unteren Bereich des aus dem Gerät herausquellenden Papiers  befindet- stammen hingegen meist von Boxkämpfen und Tritten eures Kindes mit der Gebärmutterwand.

Die Aufzeichnung und Interpretation der kindlichen Herztöne ist schon weitaus komplexer und erfolgt mittels Ultraschall-Doppler-Verfahren. Dabei werden nicht nur die Bewegungen der kindlichen Herzklappen registriert und damit die Geschwindigkeit des Herzschlags ermittelt, sondern auch Kindsbewegungen aufgezeichnet. Für eine realistische Interpretation des CTGs ist es wichtig, einen Ausschnitt von mindestens 30 Minuten zu erfassen. Zudem sollte die Aufzeichnung von guter Qualität sein. Gerade in frühen Schwangerschaftswochen schwimmen die Kleinen den Ultraschallwellen davon und es entstehen Lücken im CTG. Am vielen Geräten könnt ihr dann beobachten wie das Lämpchen von grün auf gelb und dann auf rot springt und häufig hört ihr dann statt der beruhigenden Lokomotive nur noch ein kosmisches Rauschen. Das ist kein Grund zur Sorge! Das Herz eures Kindes schlägt trotzdem noch, nur nicht im Erfassungsbereich des Ultraschallkopfes. Damit jedes CTG vergleichbar ist, wurde für CTG-Schreibungen vor der Geburt ein Punktesystem zur Interpretation geschaffen. Tja, noch nicht einmal auf der Welt, müssen unsere Kinder schon ordentliche Punktzahlen nach Hause bringen. Dieses Bewertungsschema wird „Fischer-Score“ genannt und zieht 5 verschiedene Kriterien in Betracht, die jeweils mit bis zu 2 Punkten bewertet werden können:

  • Baseline oder Niveau: Hierbei wird der Mittelwert der Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum beobachtet. Praktisch gesehen legt man also eine gedachtes Lineal durch die geschriebene Kurve. Der Norm entsprechen Werte zwischen 110-150 Schläge pro Minute (spm), wofür es 2 Punkte geben würde. Nun erschreckt aber bitte nicht, wenn euer im Mutterleib tobendes Kind Zahlen von 170 o.ä. am Gerät produziert. Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Akzelerationen, die meist durch Kindsbewegungen oder manchmal durch Wehentätigkeit verursacht werden. Von einer erhöhten Herzfrequenz (Tachykardie) spricht man, wenn das Herz über 10 Minuten schneller rast als 150 spm. Bei verlangsamter Herzfrequenz (Bradykardie) ist man da meist strenger. Nicht länger als 5-10 Minuten sollte das Grundniveau auf unter 110 spm abfallen. Wird eine Bradykardie beobachtet, sollte kontrolliert werden, ob die Frau auf dem Rücken liegt. Gerade in der fortgeschrittenen Schwangerschaft drückt das Gewicht von Uterus und Kind auf die Bauchvene und führt zum Vena-Cava-Kompressionssyndrom, was nichts anderes heißt, als dass die Blutversorgung des Feten verschlechtert wird. Auch ein Seitenwechsel der liegenden Frau kann mitunter helfen.
  • Oszillationsamplitude (Bandbreite) und Oszillationsfrequenz (Nulldurchgänge): Nun wird es wirklich kompliziert! Ohne ein Bild lässt sich das kaum erklären, aber ich versuche es einmal. Vielleicht hat euer Kind schon einmal während des CTGs geschlafen. Dann dürfte euch aufgefallen sein, dass auf dem Display immer wieder die selben Zahlen erschienen sind: 125, 124, 126, 123, 125, 124….usw. Die geschriebene Kurve sieht dann sehr eingeengt aus, mit kleinen Zacken, bei denen sich Berg und Tal kaum in der Höhe unterscheiden. Wenn dies so ist, spricht man vom eingeengt undulatorischen oder silenten Oszillationstyp. Die Bandbreite variiert also in Bereichen von maximal 10 bis unter 5 spm. Auch das ist nicht weiter schlimm, solange es auf den Schlaf- oder Ruhezustand des Kindes zurückzuführen ist. Obwohl wir unseren Bauchzwergen gerne eine Mütze Schlaf gönnen, sollte ein Weckreiz erfolgen. Dazu könnt ihr euch entweder mit ordentlich Schwung auf die andere Seite drehen oder mal ein klingelndes Handy an den Bauch halten oder an selbigen wackeln. Wenn alles in Ordnung ist, reagiert das Kind auf den Weckreiz mit einer kurzen Beschleunigung des Herzschlages und Kindsbewegungen bzw. einem ordentlichen Tritt in die Leber. Völlig anders zeigt sich das Bild eines saltatorischen CTGs. In diesem Fall springt die Herzfrequenz über 25 spm von oben nach unten. In diesem Fall befindet sich das Herz-Kreislaufsystem in einem „Zustand der Kompensation“, d.h. nach Anstrengungen, wie Uterus-Karate, also heftigen Kindsbewegungen muss das Herzchen erstmal die Anstrengung verarbeiten und sich langsam runterfahren.
  • Akzelerationen: Diese bis zu 10 Minuten andauernde Beschleunigung der Herzfrequenz von über 15 spm sind in aller Regel ein gutes Zeichen und durchaus gewünscht. Gerade die sporadisch auftretenden Akzelerationen während Kindsbewegungen oder Anstupsen der Kleinen, sind gewünschte Reaktionen auf Stress und machen ein schönes CTG aus. Etwas skeptisch werden hingegen periodische Akzelerationen gesehen, die im Zusammenhang mit der Wehentätigkeit auftreten. In diesem Fall versucht das kindliche Herz einen Sauerstoffmangel durch Beschleunigung der Frequenz zu kompensieren.
  • Dezelerationen: Alles in allem ist ein Abfall der kindlichen Herzfrequenz um mehr als 15 spm immer als Obacht-Zeichen zu sehen. Das einzige, was man euch noch durchgehen lassen wird, sind sporadisch auftretende Dezelerationen, die nicht länger als 30 sec andauern. Diese „Spikes“ oder „Dip 0“ sehen in der Kurve aus, wie lange, dünne Speerspitzen nach unten. Die Ursachen sind häufig harmloser Natur, wie das Spiel eures Kindes mit der Nabelschnur oder Schluckauf. Ungünstiger sind Dezelerationen, die im Aussehen einer Badewanne ähneln.  Hier fallen die Herztöne, wegen einer Dauerkontraktion des Uterus, Rückenlage der Mutter oder einer vollständigen Nabelschnurkompression für mehr als 3 min ab. Periodische Dezelerationen hingegen haben ihre Ursache immer in der Wehentätigkeit und sind daher fast immer unter der Geburt zu beobachten. Inwiefern sie als Zeichen für eine Gefährdung eures Kindes zu sehen sind, werden Hebamme oder Arzt entscheiden.

Hier habe ich mal ein Zusammenfassung über die CTG-Auswertung als pdf erstellt: Punktesystem CTG Alle Angaben habe ich aus dem Lehrbuch „Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf“, Geist, Harder, Stiefel, 3. Auflage, 2005, Hippokrates Verlag, Stuttgart nach bestem Wissen zusammengefasst. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die Richtlinien zur Auswertung und Interpretation ständig ändern und dem neusten Stand der Wissenschaft angepasst werden. Es soll euch nur einen kleinen Einblick in das Bewertungssystem geben, falls ihr euch über die Punktzahlen wundert.

Wie ihr seht, ist die Auswertung der kindlichen Herztöne eine Wissenschaft für sich und bedarf sehr viel Erfahrung. Angehende Hebammen und Ärzte müssen meist hunderte Cardiotokogramme zur Hand nehmen, um sich einen groben Überblick über Grenzen und Möglichkeiten dieser Kurven zu verschaffen. Und selbst erfahrenen Geburtshelfern gelingt es nicht immer eindeutige Rückschlüsse auf das Wohlergehen des Kindes zu ziehen. Daher halte ich die Anschaffung von Geräten, wie dem Angelsound für sehr fragwürdig. Sobald man das Kind spürt, ist es völlig unnütz für den Laien, die Herzfrequenz des Ungeborenen abzuleiten. Wenn ihr euer Kind zu lange nicht gespürt habt, dann wackelt ein wenig am Bauch, kitzelt an den Spitzen Teilen, die sich gegen die Bauchdecke drücken oder lasst die Hüften kreisen. Kommt eine Antwort, könnt ihr erst mal beruhigt sein und dann immer noch zu den Profis fahren, wenn euch der Nachwuchs zu träge erscheint.

Präeklampsie und Vitamin D

Kein Angst ihr Lieben, bisher verläuft meine Schwangerschaft komplikationslos. Blutdruck, Pipi und Allgemeinbefinden sind im grünen Bereich und dennoch möchte ich mich heute einem Thema widmen, was ich lange aufgeschoben habe: Dem Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und dem Risiko an einer Präeklampsie zu erkranken.

Mein Gerinnungsspezialist hat mich bereits zu Beginn der Schwangerschaft darauf hingewiesen, dass meine Vitamin-D-Werte im Keller sind und mir nahe gelegt, von nun an jeden Tag 1000 mg Vitamin D zu mir zu nehmen. An dieser Stelle komme ich nicht umhin, darauf hin zu weisen, in welchem Monat es bei uns geschnackselt hat. Der September wars! Und da sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass die Speicher dank frischer Luft und Sonnenlicht aufgefüllt sind. Doch allem Anschein nach, ist mein Vitamin-D-Metabolismus nicht gerade der Fleißigste und so musste ich eben wieder mit künstlichen Mittelchen aufstocken, wie ich es bereits während der Kinderwunschbehandlung getan habe.

Früher nannte man die Präeklampsie „Schwangerschaftsvergiftung“, da die typischen, krankhaften Symptome Bluthochdruck und Eiweißausscheidung erst während der Schwangerschaft auftreten und man daher schlussfolgerte die Schwangerschaft würde vom Körper nicht verkraftet werden und führte zu „Vergiftungserscheinungen“. Obwohl die Präeklampsie mit einem Auftreten von 3-10% weltweit zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen gehört,  ist die tatsächliche Ursache für das Auftreten einer Präeklampsie bis heute unklar. Sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Forscher wurde in den vergangenen Jahren dem Vitamin-D-Status der Schwangeren gewidmet. Gerade in den USA sind zahlreiche Studien erschienen, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Serum-Vitamin-D und Präeklampsie herstellen konnten. So wird der Verdacht gehegt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Präeklampsie zunimmt, wenn der 25 (OH)D-Gehalt im Blutserum ein Level von 50 nmol/L  unterschreitet. Dabei ist noch nicht geklärt, in welchem Stadium der Schwangerschaft die niedrigen Vitamin-D-Werte von Bedeutung sind. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung vorallem im zweiten Trimester von Bedeutung ist.

Inwiefern nun Vitamin-D die Entstehung einer Präeklampsie verhindern kann, ist zwar bisher nicht dargelegt, dennoch scheint die Aufgabe des Vitamins für das Aufrechterhalten einer gesunde Schwangerschaft logisch. Denn zum Einen greift es in die Regulation unseres Blutdruckes ein, indem es das in der Niere gebildete und blutdrucksteigernde Renin unterdrückt und die glatte Muskulatur der Blutgefäße beeinflusst. Daneben wirkt es auf Insulinhaushalt und  Blutgerinnung.

Die Entstehung einer Präeklampsie erfolgt in zwei Phasen. Zuerst zeigt sich an der Plazenta eine unzureichende Durchblutung, die mitunter durch fehlerhafte Einnistung der Eizelle zu Beginn der Schwangerschaft zustande kommen kann. Um diesem pathologischen Zustand entgegen zu wirken, werden daraufhin in der zweiten Phase  Stoffe produziert, die das Signal für weitere Maßnahmen des Organismus geben, diesem pathologischen Zustand entgegen zu wirken. So werden die Nierengefäße zu Veränderungen veranlasst, die sich letztlich in einer Ausscheidung von Eiweißen (Proteinurie) äußert. Häufig kommen aufgrund der veränderten Nierenfunktion Ödeme hinzu, die allerdings im Vergleich zu den immens hohen Blutdrücken, die Betroffene entwickeln, das geringste Problem darstellen. Da die aktivierte Form des Vitamins 1,25 (OH)2D auf molekularer Ebene zur Regulation gewisser Gene beiträgt, die maßgeblich an einer normalen Plazentation und Entwicklung des Mutterkuchens beteiligt sind, liegt die Vermutung nahe, dass unzureichende Vitamin-D-Level einen negativen Einfluss auf die gesunde Entwicklung einer Schwangerschaft haben können.

Gerade für Frauen, die sich aufgrund des PCO-Syndroms oder anderweitiger hormoneller Störungen einer Kinderwunschbehandlung unterzogen haben, halte ich es für wichtig, die Vitamin-D-Versorgung auch bei Eintreten einer Schwangerschaft im Auge zu behalten. Das selbe würde ich Frauen empfehlen, die ein erhöhtes Risiko haben, eine Präeklampsie zu entwickeln. Vorallem Hebammen stehen der Versorgung mit künstlichen Vitaminpräparaten -mitunter zu Recht- kritisch gegenüber. Immer wieder wird zum Thema Vitamin-D argumentiert, dass es ausreichen würde, den Unterarm 20 Minuten in die Sonne zu halten, um seinen Tagesbedarf zu decken und wahrscheinlich trifft das auf die Mehrheit der Bevölkerung auch zu. Bei wem die Werte jedoch wiederholt, trotz ausgiebiger Spaziergänge an der frischen Luft zu niedrig waren, sollte mit seinem Arzt über die zusätzliche Einnahme von Vitamin-D während Kinderwunsch und Schwangerschaft sprechen.

Meine Literaturquelle: M. Tabesh, A. Salehi-Abargouei, M. Tabesh, A. Esmaillzadeh: „Maternal Vitamin D Status and Risk of Pre-Eclampsia: A Systemic Review and Meta-Analysis“ J Clin Endocrinol Metab 98: 3165-3173, 2013

Sellerie, Sellera und Bienenstich

Bauch in der 32. SSW

Bauch in der 32. SSW

Mein schwangerer Körper hat sich einen neuen Spleen ausgedacht: Ich nenne ihn die verderbliche Sellerie-Lust. Seit unserer Einweihungsparty, zu der wir verschiedene Gemüse als Dipp-Snack zurecht geschnibbelt hatten, treibt mich der Heißhunger auf die köstlichen, zarten, grünen Stangen um. Nun könnte man ja meinen, der Körper versucht sich mit solchen Signalen zu holen, was ihm fehlt oder die Mär von den natürlichen Instinkten aufbeten…da meine sogenannten „Instinkte“ jedoch schon während meiner Lakritz-Phase total fehlgeleitet waren und ich derzeit gerne an allem schnüffeln würde, was seinen Ursprung in einem Chemiewerk hat, habe ich lieber mal Madame Google um Rat gefragt, was es denn mit meinem neuen Gaumenfreund auf sich hat. Und natürlich habe ich mit meiner Auswahl wieder einmal voll ins Schwarze getroffen! Sellerie enthält, wie viele Doldenblütler eine Menge ätherischer Öle, darunter das sogenannte Apiol, was im Mittelalter zum Schwangerschaftsabbruch verwendet wurde. Diese Substanz ist übrigens auch der Grund, weshalb Schwangere geraten wird, auf den übermäßigen Verzehr von Petersilie zu verzichten.

In Wirklichkeit ist es grober Unfug, dass der bloße Verzehr von Petersiliengarnierung zu einem Abort führen könnte. Die Engelmacher des Mittelalters haben das Apiol in hochkonzentrierten Mengen angewandt, um vorzeitige Wehen herbei zu führen. Selbst mit einem Süppchen aus Petersilienwurzeln, kann die Hobbyköchin vermutlich keine Geburt einleiten, sofern sie nicht literweise geschlürft wird. Klar, wer ohnehin schon unter vorzeitiger Wehentätigkeit leidet, sollte die Finger davon lassen.

Meinen Selleriekonsum habe ich dennoch heruntergefahren. Aber nicht, weil sich die harten Bäuche zurückgemeldet haben, sondern vielmehr, weil ich dann noch mehr Zeit im Badezimmer verbracht habe. Sellerie wirkt nämlich wunderbar harntreibend und verdauungsfördernd. Für die Hartleibigen -und damit meine ich nicht die Wehenden, also eine Möglichkeit dem harten Stuhlgang den Kampf mit dem grünen Lichtschwert der Doldenblütler anzusagen.

Bienenstich ist übrigens -abgesehen von seinen unzähligen Kalorien, auch für Schwangere erlaubt. Wie es sich jedoch mit den Stichen von Bienen in der Schwangerschaft auf sich hat, darüber habe ich mir bis vor Kurzem keine Gedanken gemacht. Nun trug es sich aber zu, dass ich von einer unserer Bienen (wir Imkern) in einem unachtsamen Moment gestochen wurde. Mein letzter Bienenstich ist solange her, dass ich mich gar nicht mehr richtig erinnern kann (wir imkern noch nicht sehr lange). Ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt. Und mit Sicherheit habe ich geheult…denn ich habe oft geheult als Kind. Der Stich an sich tat kaum weh und ist auch nur minimal angeschwollen. Wenn ich da so an die Pestbeulen denke, die viele Pflanzenschutzmittel verpestete Mücken hinterlassen, war es optisch kaum der Rede wert. Dennoch kam ich nicht umhin mir Sorgen um das Baby zu machen. Immerhin hängt es ja an mir dran und könnte das Bienengift weniger gut wegstecken als ich. In der Tat wird Schwangeren ja mittlerweile sogar vom Verzehr von Erdnüssen abgeraten, wenn in der Familie gehäuft Erdnussallergien vorkommen. Um sicher sagen zu können, weder ich noch mein Partner sind von der Bienengiftallergie betroffen, sind wir einfach noch nicht häufig genug gestochen wurden. Sowas entwickelt sich ja meist erst später. Nun appliziert so ein Insekt jedoch gerade einmal eine geringe Giftmenge von ca. 0.1 mg. Mit jedem Griff in die Flippstüte würde man also mehr Allergen aufnehmen. Daneben verursacht der Bienenstich eine lokale Entzündungsreaktion und wirkt nicht systematisch, wie verschiedene Nervengifte, die beispielsweise bei einem Schlangenbiss in die Wunde gelangen. Ob das Bienengift also bis zum Ungeborenen vordringt, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Wer so einen Bienenstich also selbst gut wegsteckt, sollte sich um sein Baby im Bauch keine allzu großen Sorgen machen brauchen. Die Kleine war danach jedenfalls so mopsfidel wie zuvor.

Wer von einer Biene gestochen wird -egal ob schwanger oder nicht, sollte den Stachel sofort mit dem Fingernagel rauskratzen. Anders als bei Wespen, bleibt der Stachel in der Haut stecken und wird samt Giftdrüse aus dem Hinterteil der Biene gerissen. Während das Tier seinen mehr oder weniger ehrvollen Tod stirbt, pulsiert die Giftblase weiter und sondert noch fleißig Sekret ab. Also raus damit und zwar ohne drauf zu drücken, denn dann entlehrt sich noch mehr Gift in die Haut. Danach ist das beste Mittel der Wahl die Stelle sofort zu erwärmen. Denn bei Temperaturen über 40°C werden die Eiweiße aus denen das Bienengift hauptsächlich besteht, zerstört. Im Internet, der Apotheke oder im Imkereibedarf gibt es batteriebetriebene Stichheiler in Stiftform, die Wärme erzeugen und auf den Stich gedrückt werden. Da es, als mich die Biene stach, gerade Muttis Hühnersuppe gab, habe ich den Löffelstiel in die heiße Suppe getaucht und einige Minuten auf die Schwellung gehalten. Ein Stichheiler wäre praktischer gewesen und wird wohl demnächst Einzug in die Hausapotheke halten.

 

Kreißsaal-Hopping

Eigentlich müssten wir nun perfekt vorbereitete, geschulte werdende Eltern sein. Der Geburtsvorbereitungskurs ist endlich vorbei, wir haben Bücher über das Schwanger-Sein und Papa-Werden gelesen, gemeinsam auf vergrisselte Ultraschallaufnahmen gestarrt, uns für eine Kinderbettmatratze, einen Kinderwagen und eine Babyschale entschieden und dennoch nimmt der Entscheidungs- und Vorbereitungswahnsinn einfach kein Ende. Als nächstes müssen wir uns nun überlegen, in welchem Kreißsaal unser Kind das Licht der Welt erblicken soll. Es sei denn die Entscheidung wird uns durch unplanmäßige Komplikationen abgenommen, die einen sehr wahrscheinlich in die Uniklinik bringen würden. Nun hat Leipzig eine Menge an Möglichkeiten zu bieten, wo frau niederkommen kann. Neben Hausgeburt und Geburtshaus, gibt es auf Leipziger Grund und Boden drei Kliniken, die Kreißsäle betreiben. Zusätzlich machen es die günstigen Verkehrsanbindungen möglich, zum Gebären rasch ins Leipziger Umland zu fahren. Und so wie es sich im Zeitalter der Informationsflut gehört, bietet jede Klinik regelmäßig stattfindende Infoabende an,  an denen sich Schwangere die Räumlichkeiten ansehen können.

Bisher haben wir uns drei verschiedene Kliniken angeschaut. Begonnen haben wir unseren Kreißsaal-Marathon im St. Elisabeth Krankenhaus. Dort kann man sich gleich an drei Terminen pro Woche Kreißsaal und Wochenstation anschauen. Jeden Mittwoch um 17, 18 und 19 Uhr öffnet das Krankenhaus im Stadtteil Connewitz für Dickbäuche und ihre Begleiter seine Pforten. Wie man anhand der Zeiten schon ahnen kann, dauert die Besichtigung gut eine Stunde. Dass so viele Termine angeboten werden, hat durchaus seinen Grund: Das „Elli“ erfreut sich größter Beliebtheit unter den Gebärenden und wird seit einiger Zeit förmlich überrannt. Das machte sich dann auch während der Tour bemerkbar, bei der kein freies Wöchnerinnenzimmer gezeigt werden konnte. Obwohl ich die Räumlichkeiten des Kreißsaals als ganz atmosphärisch empfunden habe, finde ich den Gedanken, nach der Entbindung in einem Drei-Bettzimmer zu landen oder gar mein Kind vor Platzmangel auf dem Gang zu bekommen, einfach grauenvoll.

Also machten wir uns auf ins Leipziger Umland in die Helios Klinik Skeuditz. Dort habe ich während meiner Ausbildung auf der Gynäkologischen Station, die sich räumlich gleich an Wochen- und Entbindungsstation anschließt, gearbeitet und habe den Kreißsaalalltag damals immer als recht entspannt empfunden. Der Informationsabend findet wöchentlich an einem Donnerstag um 18 Uhr statt. Viel Zeit und Standfestigkeit muss man nicht mitbringen. Die Hebamme informierte uns kurz und knapp über die wichtigsten Punkte, wie  Kreißsaalausstattung, kinderärztliche Versorgung Stationsablauf und Bettenkapazitäten. Nach einer halben Stunde waren wir wieder draußen. Verwundert hat mich allerdings das Verhalten einiger Besichtigungsteilnehmer, die einen solchen Termin im kompletten Familienclan mit Oma, Muddi und Geschwistern absolvieren. Bei der Vorstellung, dass ich mir das Zimmer nach der Entbindung mit so einem „Familienmenschen“ teilen muss, bei der von früh bis spät die bucklige Verwandschaft auf der Matte steht und mir auf meine laktierenden Brüste starrt, dann krieg ich jetzt schon ne Wochenbettpsychose!

Nächster Anlaufpunkt war die ehemalige Helios Klinik Borna, die nun zu der Gruppe „Kliniken Leipziger Land“ gehört. Der Info-Abend findet zweiwöchentlich an jedem 1. und 3. Dienstag im Monat um 20 Uhr statt. Und wer nach Borna fährt, sollte sich was zu Essen mitnehmen, um das abendfüllende Programm zu überstehen. Als erstes wurden wir in einen Konferenzraum geführt, in dem zu meinem Erschrecken bereits die gut einstündige PowerPointPräsentation aufgebaut war. Immerhin konnten wir uns während der Ausführungen über Anzahl der Geburten, Elternschule und alle weiteren Informationen, die sich bei Bedarf auch auf der Internetpräsenz nachlesen lassen, am Getränkebuffett mit Apfelsaft und Wasser bei Bewusstsein halten. Nachdem sich Oberärztin und leitende Hebamme genug haben reden hören, durften wir einen Blick auf Wochenstation und Kreißsaal erhaschen. Meist nur aus der zehnten Reihe…Gegen zehn waren wir wieder zu Hause. Und ich bedient!

Mein Fazit ist, dass ich jetzt erst Recht keine Ahnung mehr habe, wohin ich mit meiner wehenden Kugel gehen soll. Ich gehöre wohl zu denen, deren Unsicherheit proportional zur Informationsmenge steigt. Vor drei Jahren, als wir begonnen haben und am Wunschkind zu versuchen, hätte ich klipp und klar gesagt, ich geh ins Geburtshaus. Nun, nach Sterilitätsbehandlung, Bangen und Hoffen, Risikoschwangerschaft und Ärztemarathon hat sich meine Einstellung geändert. Ich trau meinem Körper nicht mehr über den Weg und seh mich an schlechten Tagen sogar schon im OP.

Noch haben wir ja ein paar Wochen Zeit, eh es losgeht. Und wer weiß, vielleicht ist es mir in dem Moment, wo es losgeht auch egal, wohin es geht und ich lass einfach den Bauch entscheiden.

 

Heparin ohne Blaue Flecken

Heute möchte ich mich mal an einem kleinen Online Tutorial versuchen. Ein DIY sozusagen für alle, deren Gerinnung es Notwendig macht, sich täglich die kleine Spritze zu setzen. Ich vermute, fast jeder Zweite wird im Laufe seines Lebens mal in die Situation kommen, sich für ein paar Wochen oder sogar Monate selbst Heparinisieren zu müssen, sei es wegen eines Unfalls mit einhergehender Immobilisierung oder eben aufgrund erhöhter Thromboseneigung während einer Schwangerschaft. Fakt ist, alles Jammern und Zaudern hilft nichts, das Spritzen muss sein und vorallem muss man lernen sich zu überwinden, die Spritzen selbst zu setzen. Schon oft habe ich gehört und gelesen, dass die Aufgabe vom Partner übernommen wird. Das mag vielleicht noch funktionieren, solange es sich um ein, zwei Wochen handelt, in denen man sich vor Blutgerinnseln schützen muss. Über einen Zeitraum von Monaten wird es jedoch schwierig werden, jeden Tag zur selben Zeit jemanden aufzutreiben, der einen bereitwillig massakriert. Daher mein erster Tipp:

  • Lernt, euch selbst zu spritzen! Heparin sollte nach Möglichkeit jeden Tag zur selben Zeit gespritzt werden. Das kann nur gewährleistet werden, wenn ihr nicht von anderen abhängig seid. Einen Pflegedienst zu beauftragen, wäre die andere Option…aber möchtet ihr das?

Die gängigen Heparin-Präparate machen es einem wirklich nicht schwer, die Spritze richtig zu setzen. Obwohl es im Krankenhaus ab und an vorkommen kann, dass das Mittel von Hand aufgezogen werden muss, gibt es für zu Hause perfekt vorbereitete Fertigspritzen. Das Heparin ist dann schon in der optimalen Dosierung in der Spritze vorhanden. Die Nadel sitzt mit einer Kappe fest installiert oben auf. Bei vielen Spritzen wird durch komplettes Durchdrücken des Kolbens ein Mechanismus ausgelöst, der eine Plastikhülse vorschnellen lässt und die gebrauchte Kanüle dadurch unschädlich macht. Trotzdem müsst ihr euer Spritzenabenteuer ein wenig vorbereiten, bevor es losgeht. Legt euch alles bereit, was ihr braucht:

  • Fertigspritze, Alkoholtupfer zur Desinfektion, Taschentücher falls es danach blutet, ein Gummibärchen für hinterher

Nun müsst ihr euch entscheiden, an welcher Stelle eures Körpers ihr die Spritze platzieren wollt. Riesig ist die Auswahl hierbei nicht, denn für subkutane Injektionen – also spritzen unter die Haut, eignen sich am besten die Regionen unterhalb des Bauchnabels und die äußeren Seiten der Oberschenkel. Frauen in der Schwangerschaft bevorzugen wegen der Nähe zwischen Bauchdecke und Kind oft den Piekser in die Oberschenkel. An dieser Stelle sei noch mal erwähnt, dass die Nadeln auf den Fertigspritzen wirklich nur bis zu den unteren Hautschichten bzw. der Fettschicht darunter durchdringen können. Keine Angst, auch wenn es so wirkt, die Nadel kommt nicht auf der anderen Seite wieder heraus.

Wenn ihr euch zwischen Bauch und Oberschenkeln entschieden habt, sucht euch eine passende Stelle:

  • Die Injektionsstelle sollte frei von Pickeln, blauen Flecken oder Besenreißern sein
  • Es sollte sich problemlos eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger bilden lassen
  • Mir ist aufgefallen, dass die Injektion schmerzhafter ist, wenn man eine Stelle erwischt, die beim Zusammenkneifen Cellulite-Dellen bekommt

Nun reißt ihr die Umverpackung -falls vorhanden; der Fertigspritze auf und holt den Alkoholtupfer aus seinem Kuvert. Auch die Kappe muss noch von der Kanüle gezogen werden. Wenn  ihr es macht, bevor ihr desinfiziert, dann müsst ihr mit der scharfen Spritze in der rechten Hand die Injektionsstelle desinfizieren (Alternativ dazu kann die Kappe auch nach der Desinfektion mit den Zähnen abgezogen werden, denn die linke Hand hält ja bereits die Hautfalte.) An der Injektionsstelle jetzt mit der linken Hand  eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger bilden und mit einer Wischbewegung desinfizieren. Nun:

  • Unbedingt warten bis das Desinfektionsmittel verdampft ist, sonst brennt es
  • Befindet sich die Luftblase direkt vorm Ausgang, klopfe ich sie vor Injektion nach oben. Aber keine Angst, so geringe Mengen Luft verursachen keine Luftembolie!
  • Sollte an der Kanüle bereits ein Tropfen hängen, dann streiche ich den an einer Ecke des benutzten Alkoholtupfers ab., das Verhindert m.E. unnötiges Brennen. Da sich unser Spritzenabenteuer zu Hause abspielt, muss es zwar hygienisch aber nicht so steril zugehen, wie im Krankenhaus.

Als nächstes tief einatmen und beherzt im 90 ° Winkel einstechen. Wichtig:

  • Während der gesamten Injektionsdauer unbedingt die Hautfalte belassen!
  • Die Nadel muss bis zum Anschlag in der Hautfalte stecken. Wer sich schon mal versehentlich zwischen die Hautfalten gespritzt hat, wird das sicher nie wieder tun.
  • Den Kolben gaaaaaaaaanz langsam herunter drücken oder sogar kleine Klopfbewegungen mit dem Zeigefinger auf den Kolben ausüben. Dadurch gelangt das Mittel nur Tröpfchenweise in das Gewebe und verursacht weniger Brennen und blaue Flecken.
  • Hautfalte belassen und Spritze raus ziehen.
  • Hautfalte loslassen. Spritze entschärfen bzw. sicher verwahren und entsorgen.
  • Wenn es blutet, sofort mit einem Taschentuch drauf drücken.

Wer über sehr lange Zeiträume Heparin spritzen muss, der wird früher oder später kleine, schmerzhafte Knubbel an den Injektionsstellen unter der Haut spüren. Es handelt sich dabei vermutlich um eine kleine Unverträglichkeits- oder Abwehrreaktion des Körpers und ist meist harmlos. Dabei muss der Körper gar nicht spezifisch auf das Mittel  reagieren, als vielmehr auf die Tatsache, dass da überhaupt was unter die Haut appliziert wird, was da eigentlich nicht hingehört. Da der Verlauf der Heparingabe in regelmäßigen Abständen durch Blutuntersuchungen beim Arzt kontrolliert wird, kann eine Allergie ausgeschlossen bzw. frühzeitig erkannt werden. Außerdem treten echte Unverträglichkeiten in den ersten Wochen nach Beginn der Heparinisierung auf. Daher wird ganz zu Anfang auch drei Mal im Abstand weniger Tage Blut abgenommen. Das heute verwendete Heparin ist zudem besser verträglich, auch wenn es nach wie vor vom Schwein stammt. Geht zum Arzt, wenn:

  • Das Spritzen plötzlich starke Schmerzen verursacht
  • Starke, evtl. unstillbare Blutungen aus der Injektionsstelle austreten
  • (Vermehrtes) Nasenbluten auftritt
  • Ihr plötzlich schnell blaue Flecken bekommt

Eure gepiesakten Oberschenkel bzw. Bäuche haben nun ein bisschen Pflege verdient. Meine Beobachtung hat gezeigt, dass blaue Flecken schneller verschwinden, wenn man die Hautstellen unter der Dusche gut abbürstet. Die ganz Harten können sich auch kalt abbrausen. Beides fördert die Durchblutung und hilft, das ins Gewebe gespülte Blut (denn nichts anderes ist ein blauer Fleck) abzutransportieren. Auch Massagen mit Öl oder Lotion können wohltuend sein.

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass diese Anleitung hier nur eine Ergänzung zu der Anleitung sein soll, die euch euer Arzt, Apotheker bzw. der Hersteller des Medikamentes gegeben hat. Ich will euch damit meine Methode näher bringen, wie ich versuche hässliche blaue Flecken und fiese Schmerzen zu vermeiden. Bei sehr schlechtem Bindegewebe, helfen wahrscheinlich alle Tipps der Welt nix. Dann heißt es nur noch, warten auf heparinfreie Zeiten.

 

Event-Birthing

Zu meinem Erstaunen hat sich der Geburtsvorbereitungskurs für mich zum wöchentlichen Krampf entwickelt, der mir mindestens 24 Stunden schlechte Laune beschert. Was die Theorie um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett betrifft, ist es zwar für Leute ohne fachlichen Hintergrund wirklich hilfreich, für mich führt es jedoch eher zu Langeweile und Gähnattacken, wenn an der Schwimmhaut zwischen Daumen und Zeigefinger der dehnende Nutzen einer Dammmassage demonstriert wird. Nun wäre das für mich durchaus hinnehmbar, schließlich gibt es noch andere Aspekte, wie die bereits erwähnten ungewollt humoristischen Einlagen aller Teilnehmer, mich inkludiert. Doch so langsam bekomme ich dieses Gefühl vom Elternsein in der Neuzeit, vor dem es mir seit dem Erstkontakt zu solchen graut. Wenn ich in Familienforen gelesen oder gewordene Eltern in meinem Umfeld beobachtet habe, schwante es mir schon unheilvoll, dass dieses „Elternsein“ einer Religion mit sektenhaften Strukturen gleichkommt. Jeder, der es wagt, eine von den „Eltern“ anerkannte Vorgehensweise durch Wahl einer Alternative in Frage zu stellen, wird erst freundlich zum Ablegen von Rechenschaft gezwungen, um dem Abweichler anschließend mit der Vorschlagskeule auf den rechten Weg zurückzubringen.

Und dieser penetrante Eltern-Druck macht sich bereits in der Schwangerschaft breit und kein besserer Ort bietet ihm soviel Nährboden, wie ein Geburtsvorbereitungskurs. Neben allerlei Fakten zur Beckenanatomie und Atemübungen bietet so ein Kurs nämlich auch jede Menge Raum und Zeit für Palaver. Dort wird dann deutlich, wie festgefahren und planvoll strukturiert sich die Teilnehmer ihre lebenslängliche Elternzeit vorstellen. Schwangerschaft und Geburt sind ein Happening zu dem massighaft Extras hinzugebucht werden können. Yoga, Bauchtanz, Großelternkurse, Ultraschallflatrates in der Schwangerschaft. Die Geburt soll dann „schön“ werden. Heimelich, mit plätschernder Musik untermalt, einem Orgasmus gleich. Für mich ist eine „schöne Geburt“ ein Oxymoron. Da werden mir womöglich Schmerzen begegnen, die ich so noch nie erfahren habe. Auf jeden Fall glaube ich daran, dass eine Entbindung eine Frau stolz machen kann, sie mit Glücksgefühlen oder einfach Erleichterung überschüttet wird. Es kann jedoch auch sein, dass sich danach Erschöpfung, vielleicht auch ein wenig Gleichgültigkeit aus der Überwältigung heraus einstellt. Für mich ist es das erste Kind und es fällt mir wirklich verdammt schwer, eine Vorstellung zu entwickeln, wie Geburt und Wochenbett bei mir ablaufen werden. Sich Gedanken über den für sich passenden Ort der Geburt zu machen, halte ich für wichtig. Doch mindestens genauso wichtig ist es, sich im Hinterkopf immer mit einem Plan B anzufreunden. Es ist super, wenn man sich Hebamme Susi für seine Geburt ausgesucht hat. Nicht zu vergessen ist jedoch, dass auch die fleißigste Hebamme an diesem Tag frei haben könnte. Auch die Möglichkeit ins Geburtshaus zu gehen, finde ich klasse. Es kann aber auch passieren, dass man die Entbindung in einer großen Klinik zu ende bringen muss. Damit das nicht zum lebensbegleitenden Trauma wird, würde ich mir von unserem Kurs wünschen, mehr Realismus zu verbreiten. Stattdessen wird so eine anheimelnde Atmosphäre geschaffen, in der jeder Gedanke an Komplikationen durch „wir müssen nur positiv denken wollen“ abgewürgt wird. Damit wird in meiner Wahrnehmung vermittelt, wer seine gesetzten Ziele, außerhalb der Klinik zu entbinden, zu stillen, eine entspannte Mutter zu sein, nicht erfüllen kann, der ist am Schluss auch noch selbst dran Schuld, weil er zu verkrampft, zu ängstlich war, falsch gedacht hat oder einfach nicht richtig wollte.

Statt sich von den „Eltern“ verunsichern zu lassen, wie Elternsein zu sein hat, werde ich wohl meine Eltern anrufen, wenn mir im Wochenbett die Nippel brennen, mich mein Damm plagt und ich einfach nicht mehr wollen will.

Aktionen für den Erhalt der Hebammengeburtshilfe

Eine Petition unterschreiben kann jeder. Jetzt heißt es: Auf die Straße gehen und sichtbar werden! Zeigt euch und unterstützt unsere Hebammen, ihren Berufsstand zu retten!

Am 8. März finden Bundesweit Aktionen statt. Als Teilnehmer sind eigentlich Alle gefragt, egal ob Schwangere, Mutter, Vater, großer Bruder, kleine Schwester, Tante, Onkel…geht auf die Straße und werdet laut, wenn euch Frauen- und Kindergesundheit am Herzen liegen!

Am Samstag den 08.03.2014 um 10 Uhr findet in Ravensburg eine Demonstration in der Herrenstraße 43 statt. Treffpunkt ist der Kinderspielplatz neben dem Café Miteinander am Gänsbühl.

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in München eine Demonstration an der Uni München statt. (direkt Ubahn Universität)

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in Köln eine Kundgebung / Demonstration auf der Kölner Domplatte statt. Bitte bringt wenn möglich einen kleinen Taschenschirm mit.

Am Stamstag den 08.03.2014 um 12 Uhr findet in Hamburg eine Demonstration auf dem Rathausmarkt statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 15 Uhr findet in Bremen eine Demonstration direkt am Domshof statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 16 Uhr findet in Karlsruhe eine Demonstration auf dem Schloßplatz statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 15 Uhr findet auch in Stuttgart eine Demonstration am kleinen Schloßplatz  statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in Frankfurt eine ErMahnwache an der Hauptwache Frankfurt in der Innenstadtstatt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 10 Uhr findet in Nürnberg eine ErMahnwache an der Lorenzkirche statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in Hannover eine ErMahnwache am Kröpke statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 10 Uhr findet in Jena eine Demonstration am Holzmarkt statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 14 Uhr findet in Leipzig eine Mahnwache auf dem Nikolaikirchhof statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 12 Uhr findet in Vreden eine Demonstration am Marktplatz statt.

Am Samstag den 8.3.2014 findet in Oldenburg eine Demo/Mahnwache statt. Von 11-14 Uhr in der Innenstadt (Lefferseck) wird demonstriert um dann nach Bremen weiterzuziehen und dort ab 15 Uhr zu sein.

 Alle weiteren Infos findet ihr auf http://www.hebammenunterstuetzung.de/aktionen

Vorbereitung ist alles

Für manche Männer ist es der Alptraum schlechthin, für die meisten Erstgebärenden gehört er zur Schwangerschaft dazu wie morgendliche Übelkeit: Der Geburtsvorbereitungskurs. Die Motivation einen solchen Kurs zu belegen ist ganz unterschiedlich. Viele -und auch ich gehöre dazu, sehen das als Möglichkeit ihre Männer stärker in die Schwangerschaft zu integrieren. Daneben lernt man andere Paare kennen und kann sich über Ängste, Sorgen oder Alltagsdinge austauschen. Was allerdings nicht zu verachten ist, ist der hohe Gehalt an komödiantischen Einlagen, die so ein Kurs eher ungewollt zu bieten hat. Unser Kurs scheint jedes Mal mit einer kleiner Vorstellungsrunde zu beginnen. Während wir uns vergangene Woche noch über Beruf, Lebenssituation, Anzahl der Kinder und biometrische Daten der Teilnehmer ausgetauscht haben, sollten wir gestern erzählen, wie unsere Woche war. Dabei macht sich dann schon bemerkbar, aus welchem Holz die einzelnen Leute geschnitzt sind. So scheint der bei einem jungen Start-up tätige Hosenträgerhippster den Kurs mit einer Therapiestunde zu verwechseln und lässt nicht davon ab, seinen Innersten Gefühlen Sprachraum zu geben. Der durch das Alpenglühen verhindert gewesene Solariumgänger hingegen, entschuldigt sich und verspricht, beim nächsten Mal wird er wissen, wie seine Woche gewesen ist, da er nun schließlich weiß, dass er darüber im Kurs erzählen soll. Ohne Apres-Ski könnte das tatsächlich leichter fallen.  Und wenn ich dann in die Gesichter der verschiedenen Frauen blicke, sehe ich ein bisschen Mitleid vermischt mit einer Spur Erleichterung, die ausdrücken will: „Zum Glück ist das nicht Meiner.“ So sind am Ende des Abends hoffentlich alle glücklich, ihren Partner und nicht den anderen zum Vater ihres Kindes erwählt zu haben.

Wenn mich nun jemand fragen würde, wie so ein Kurs abläuft, dann muss ich gestehen, dass es keine allgemeingültigen Schemata gibt. In der Ausbildungszeit habe ich bereits an Geburtsvorbereitungskursen als Beobachterin teilgenommen und damals schon bemerkt, wie stark der Ablauf von der anleitenden Hebamme und den Teilnehmern abhängig ist. Manche Hebammen setzen eher auf theoretische Inhalte zur Geburt. Da wird der Weg des Kindes durch das Becken lehrbuchmäßig abgearbeitet. Das gemeinsame „Hecheln“ und mit illustren Bildern untermalte Beckenbodenübungen werden dann häufig weggelassen um die Männer nicht zu vergraulen. Andere legen ihren Fokus auf psychologische Betreuung. Es wird viel geredet, meist gibt es eine Schwangere im Kurs, bei der auf der letzten Etappe Komplikationen auftreten, die dann ohne Rücksicht auf aufkeimende Ängste der Anderen durchgekaut werden. In unserem Kurs ist es bisher wenig sentimental geworden. Negative Aspekte der Geburt oder gar Komplikationen wurden bisher mit keiner Silbe erwähnt. Es ist viel von selbstbestimmter Geburt die Rede und von einem Berg, den wir gemeinsam mit unserem Partner besteigen. Kommentare dazu, wie es in einer Klinik tatsächlich ablaufen kann, habe ich mir mal verkniffen. Uns wurden im Kurs viele verschiedene Gebärpositionen als Alternative zur Rückenlage gezeigt. Im Kreißsaalalltag kann es aber durchaus vorkommen, dass die Hebamme sowas von überhaupt keinen Bock darauf hat, auf den Knien rum zurutschen. Dann heißt es, die Herztöne des Kindes sind schlecht, Sie müssen liegen. Genauso wird bei Kreißsaalbesichtigungen die Gebärwanne als besonderes Schmankerl angepriesen: Seht her, auch die Klinik kann alternativ. In Wirklichkeit wird Frauen der Wunsch in der Wanne zu entbinden so lange abgeschlagen, bis es dafür zu spät ist. Die Gründe dafür sind ganz pragmatischer Natur. Handschuhe mit langen Schaft sind teuer und manchmal nicht auffindbar, ohne Handschuhe ist eklig und mit 50 ist der Rücken eben auch nicht mehr für solche Aktionen gemacht. Ganz abgesehen davon, dass manche Hebammen beim Überbeugen aufgrund eines Missverhältnisses zwischen Gravitation und Bodenhaftung gleich mit baden gehen würden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich hier nur von meinen Erlebnissen in einer bestimmten Klinik berichten kann. Vielleicht haben sich die Hebammen dort in den letzten sechs Jahren geändert…

Ich glaube, es macht wenig Sinn, sich in eine feste Vorstellung über die Geburt zu verbeißen. Gerade als Erstgebärende habe ich keine Ahnung, was mir unter Wehen gut tun wird. Klar, wünsche ich mir, mit wenig medikamentöser Unterstützung in einer angenehmen Umgebung ohne Hektik zu entbinden. Doch am Schluss müsste ich auch mit PDA, Vollnarkose, Zange, Saugglocke und/oder Kaiserschnitt zurecht kommen.

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