Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für die Kategorie “Babyzeit”

Das Geld zum Fenster

Bevor ich in meinem Vollzeitjob versumpfe, versuche ich zu Hause noch einmal klar Schiff zu machen. Da hab ich mir für die letzten zwei Wochen Hausfrauenzeit so einiges vorgenommen. Obwohl ich dieses Jahr bereits zwei (!!!) Mal Fenster geputzt habe, müsste ich es eigentlich schon wieder tun. Denn so wie es sich für Hausfrauenarbeiten gehört, wird auch diese von meinen beiden menschlichen Mitbewohnern korrumpiert. Statt über Streifenfreiheit und kristallklare Sicht zu staunen, hebt mein Mann das kleene Froillein ans frisch geputzte Fenster und lässt sie mit ihren speichelfeuchten Händen die Scheiben zu schmieren. An den Balkontüren braucht sie den Papalift nicht, da kann sie auch vom Boden aus Scheibenknutscher spielen. Sehen die Fenster dann aus, als hätten die Stubenfliegen eine wilde Orgie darauf gefeiert, interessiert dann plötzlich niemanden mehr die Fernsicht. Außer vielleicht das in die Jahre gekommene Nachbarsvolk, was ja eh nix anderes zu tun  hat, als den jungen Frauen Schlamperei vorzuwerfen. Also widme ich mich lieber dem Verstauen und Archivieren nicht mehr genutzter Sachen, allen voran Dinge, die sich während Froilleins Babyzeit angesammelt haben. Dabei fiel mir auf, wie hoch der Anteil an sinnlosen Investionen ist, die ich im vergangenen Jahr getätigt habe. Es ist also an der Zeit sich kurz zurück zu entsinnen, um andere werdende und frisch gebackene Mütter vor derlei Geldvernichtung zu warnen.

Auf Platz eins der verschwendeten Moneten und Hoffnung steht eindeutig die Babyhängematte. In der Hoffnung das Kind möge darin seinen Schlaf finden von einem anderen Elternpaar erstanden,  wurde sie von unserer Tochter alsbald mit vehementen Geschrei als mangelhaft befunden. Tatsächlich hätte man ein Kind wie unseres darin niemals unbeaufsichtigt lassen können. Bereits mit wenigen Wochen hätte sie sich damit überschlagen. Außerdem eignet sich solch eine Hängematte wirklich nur für sehr warme Gefilde. Gut, die letzten Wochen hätte man sie tatsächlich gut einsetzen können. In jedem anderen deutschen Sommer, würden die Kleinen in dem Ding jedoch zu schnell auskühlen.

Dann habe ich die Schnullersammlung weggepackt. Mindestens zehn Stück umfasste sie zuletzt. Kein einziger davon, ob mit oder Silikon, zahnfreundlich, öko oder nicht, konnte unserem Kind genügen. Nur Mamas Nippel gelang es, ihr den Mund zu stopfen. Die Schnullerfee konnten wir jedoch getrost vor der Türe stehen lassen. Wer nie abhängig war, braucht auch keine Entziehung.

Aus der Heilwolle wollte ich schon längst irgendwelche Filzmännchen gebastelt haben, bevor die Motten rein gehen. Die hat uns nämlich nie sonderlich viel genützt. Vielleicht hätte sie vorbeugend gute Dienste getan, wer weiß. War das Kind jedoch erst einmal in den Brunnen gefallen und der Po puderrot und pustelig, half nur noch föhnen, warten, Linola und Bebanthen. Ich mochte die Heilwolle nie besonders, weil sie überall in der Rosette wie bleiches A***haar hing und….ach lassen wir das…ich mag sie einfach nicht. Nur zum basteln.

Der Lauflernwagen kann eigentlich auch in die Garage. Damit laufen gelernt hat das Froillein jedenfalls nicht. Stattdessen ist sie damit mehrmals umgekippt und hat ihn als Toilette benutzt. Vielleicht kommt sie später noch auf den Geschmack eine Puppenmutti sein zu wollen und schiebt damit meine Platikenkel rum. Bisher geht sein Nutzen jedoch gen null.

Ein ebenso unbeliebtes Spielzeug ist die Schaukel-Biene. Sie war ein lieb gemeintes Geschenk unserer Nachbarn. Jetzt wo dieses platzraubende Monstrum auf dem Schrank steht, zweifle ich daran, ob es wirklich lieb gemeint war…Das Froillein hat sich gerne darauf gesetzt. Statt zu wippen, nahm sie jedoch die Fühler der Riesen-Maja in den Mund und ketschte den Speichel zahlloser Nachbarkind-Generationen aus den Knubbeln heraus.

Kinderstühle haben wir nun bereits vier gekauft. Noch in der Schwangerschaft, als wir ahnungslos kindlicher Bedürfnisse gegenüber waren, erstanden wir einen ranzigen Stokke-Verschnitt, der nun als der Weisheit letzter Stuhl dient. Wenn ein Baby jedoch noch nicht sitzen kann, Mama sich aber gerne wieder ein Brötchen zum Frühstück schmieren möchte, braucht man etwas mit verstellbarer Rückenlehne. Für diesen Zweck kauften wir erst eine Babywippe und später den Polly Magic. In der Babywippe liegt nun der Kater meiner Eltern. Der Polly Magic musste aus Platz- und Saubermachgründen einem IKEA-Stuhl weichen. Der hätte es eigentlich auch noch eine Weile getan, wenn sich das Froillein daran nicht wie verrückt geraupt hätte (Siehe Eintrag „Die Raupe“).

Aus meinem kranken Ehrgeiz heraus, das Kind mit 12 Monaten trocken zu legen, kaufte ich einst einen Plätscher-Topf zur Konditionierung. Nachdem das Froillein ihm jedoch durch Fußtritte in seine Hartplastikteile den Gar ausgemacht hat, war kein Geplätscher mehr zu hören und das Ding ging zurück ins Versandhaus. Nun macht sie ihr Geschäft am Morgen in einen weniger intelligenten Topf, dessen Erfinder jedoch schlau genug war, sich auch um die tropffreie Entleerung Gedanken zu machen.

to be continued…

 

Advertisements

Die Raupe

Ein „Souvenir“ der besonderen Art hat sich das kleene Froillein aus Sardinien mitgebracht: Wir nennen es die Raupe. Eigentlich habe ich diese originelle Form der Selbstregulation bereits vor vielen Monaten beobachtet. Damals hatte ich das kleene Froillein gerade zu Bett gebracht. Allen guten Ratschlägen von Kinderärzten und Erziehern zum Trotz, drehte sie sich prompt auf den Bauch und fing sogleich an raupenartige Bewegungen durchzuführen. Kurz leugnete ich noch meinen Verdacht. Die eigenen Eltern und Kinder haben schließlich kein Sexualleben. Nein, nein, nein! Doch als sie dann so verdächtig begann zu atmen, war mir klar, das Baby hat gerade eine nette Methode zum Einschlafen gefunden. Na, wenns hilft. Und so verließ ich das Zimmer in der Hoffnung, dass mein Kind von nun an immer sofort ein- und die Nacht durchschläft. In Wirklichkeit hatte sie ein paar Tage später wohl schon wieder vergessen, wie sie sich selbst in den Schlaf raupen kann. Erst auf Sardinien hat sie ihre Raupe wiedergefunden. Dort wurde uns vom Vermieter unserer Ferienwohnung ein Hochstuhl zur Verfügung gestellt, der am Tisch festgeschraubt wird. In diesem Hochstuhl rutschte das Froillein jedoch recht weit nach vorn….und seit dem wird jede Mahlzeit von einer kleinen Raupe Nimmersatt begleitet. Als wohl informierte, aufgeklärte Mutter weiß ich, dass das ja vööööööööööllig normal ist und wir keinesfalls darauf eingehen sollen. Einfach machen lassen. Aber es ist echt total nervig! Eine Zeit lang hat sie sogar das Essen verschmäht, weil sie besseres zu tun hatte. Bei der letzten Impfung habe ich die Kinderärztin darauf angesprochen. Die fand das wahnsinnig komisch, wie wir so am Frühstückstisch sitzen…Ja, ist es ja auch…irgendwie. Nur mit dem Unterschied, dass wir als Eltern nicht darüber lachen dürfen. Das könnte ja tiefgreifende Schäden verursachen. Wahrscheinlich wird es so enden, dass ich den vierten Hochstuhl kaufe. Diesmal einen ohne Halterung zwischen den Beinen.

Im Internet gibt es etliche Foren-Einträge, in denen besorgte Mütter von den Selbstbefri***ungsaktionen ihrer Kinder berichten. Dabei fällt auf, dass es bei Mädchen wohl als besonders „schlimm“ empfunden wird, wenn sie es tun und das nicht am Esstisch. Manche Mütter haben Angst, ihre Töchter könnten süchtig danach sein und nicht genug Schlaf bekommen. Woran liegt es, dass Masturbation bei Jungs und Männern scheinbar mehr akzeptiert wird? Obwohl sich unsere Generation für unglaublich aufgeklärt und lässig hält, habe ich doch sehr viele weibliche Bekannte, die zwar allesamt einen Dildo in der Nachttischschublade liegen haben, mit dem Thema aber letztlich nichts anfangen können. Ohne Partner geht bei denen nix. Ich war immer dankbar, dass ich sehr gut mit mir selbst auskommen kann. Das hat mich über die vielen einsamen Jahre meiner Pubertät hinweg getröstet, als ich gerne einen Freund mit allem drum und dran gehabt hätte, die Typen aber nur am dran interessiert waren und nicht am drumherum.

Tatsächlich hat sich die Wissenschaft auch diesem Thema gewidmet. In einer Studie aus dem Jahr 1991 wurden zwei verschiedene Gruppen Frauen untersucht. In der einen befanden sich Frauen, die masturbieren und dadurch auch einen Orgasmus erlangen. Die andere Gruppe bestand aus Frauen, die noch nie einen Orgasmus durch Masturbation erreicht hatten. Die Masturbations-Frauen hatten mehr Orgasmen, ein größeres sexuellen Verlangens, mehr Selbstvertrauens, brauchten weniger Zeit bis zur Erregung und waren sexuell Befriedigt.

Das sind ja mal schöne Nachrichten, auch wenn es aus dem Jahr 1991 nicht die neuesten sind. Merkwürdig hingegen ist, was ich zur infantilen Masturbation gefunden habe: Da widmen sich viele wissenschaftliche Studien auch aus neuerer Zeit der Differenzialdiagnostik zwischen epileptischen Anfällen und Masturbation bei Kindern. „Masturbationsanfälle“ oder auch „Grafication disorder“ haben vielen Eltern und Kinderärzten schlaflose Nächte bereitet. Dabei kommt es beim Kind zu folgenden „Symptomen“: Zusammenpressen von Beinen, Gesichtsröte, vor sich hinstarren, Stöhnen, Nichtansprechbarkeit. Häufig wird dieses „Krankheitsbild“ bei Mädchen im Säuglingsalter beobachtet. Dass ein völlig normaler Zustand pathologisiert wird und sogar seinen eigenen Gruselnamen bekommen hat, ist beispielhaft für die Verleugnung der Sexualität unserer Kinder. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass eines Tages wohl ein pickeliger Teenager in Boxershorts aus dem Zimmer unserer Tochter kommen wird und fragt, ob noch was zu essen da ist.

Riesensauerei

Bald ist es ein Jahr her, dass sich mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, dass ich an die Grenzen meiner Belastbarkeit geraten bin, dass meine Partnerschaft beginnen musste, sich neu zu definieren, dass ich von einer Krise in die nächste gestürzt bin, dass ich begonnen habe, ungeahnte Kräfte zu entwickeln, dass ich Mutter geworden bin.

Die Schlafprobleme haben wir größtenteils hinter uns gelassen….Meistens jedenfalls. Und das ist auch nur eine Momentaufnahme. Wer weiß schon, wie es in einem Monat, einer Woche oder bereits heute Abend aussieht? Aber prinzipiell sind wir routinierter geworden, sodass unser kleiner überspannter Bogen auch mal kleine Veränderungen vom Tagesablauf verkraftet, ohne gleich vor Anspannung zu explodieren. Dafür müssen wir nun neuen „Herausforderungen“ begegnen. Erziehung zum Beispiel. Das kleene Froillein ist eine durchaus gute Esserin und noch dazu durchsetzungstark, wie eh und je. Da bekommt der Ausspruch, sie lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen, gleich eine neue Bedeutung. Selbst vor der Butter der anderen schreckt sie nicht zurück. Das führt regelmäßig zu kleineren Konflikten am Esstisch oder -was ich als äußerst unangenehm empfinde- auf dem Spielplatz. Dort krabbelt sie nämlich gerne zu anderen Familien auf die Picknick-Decken und futtert den Kindern das gute Bio-Obst und die sorgfältig ausgewählten Dinkelkekse weg. Wenn  der Nahrungsstrom unterbrochen wird, quittiert sie das mit einem energischen „Mrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr“ und wenn dann aber nicht sofort für Nachschub gesorgt wird, geht die Sirene an. Ihre Eltern kann sie damit nicht beeindrucken. Wir sind ja schlimmeres gewohnt. Den Spielplatz-Muddis treibt das jedoch den Angstschweiß auf die Stirn und sie werfen dem knurrenden Löwen noch ein weiteres Steak vor, bevor er sich an den Ohren ihrer Kinder satt isst. Als Besitzerin eines fressdummen Labradors kenne ich, welchen Effekt das füttern durch Fremde hervorruft. Nur hätte ich nicht damit gerechnet bei meiner Tochter auf ähnliche Probleme zu stoßen. Zu Hause machen die beiden dann auch noch gemeinsame Sache. Während der Hund viel zu gutmütig ist, uns um des Essen Willens anzuknurren und sich eher durch Penetranz als Aggressivität im Bettelverhalten auszeichnet, übernimmt Madame den kampfeslustigen Part und ergaunert sich so Happen, die sie dann ganz elegant fallen lässt, wo der Hund schon parat steht, sie aufzunehmen. Damit versaut sie mir die jahrelange strenge Erziehung innerhalb einer Mahlzeit. Also wird der Hund zum Essen nach draußen verbannt und Madame kann den Boden mit angelutschten Brot, ausgezutschten Tomaten und durchgekauten Paprika pflastern. Ich mutmaße, dass das Werfen mit Nahrungsmitteln bei meiner Tochter exponentiell mit ihrem Sättigungsgrad zunimmt. Daher wird das Essen nun beendet, sobald das Brot zum dritten Mal fliegen lernt. Trotzdem sieht es hinter her aus, wie nach dem 18. Geburtstag meines Bruders. Im übrigen habe ich meine Ambitionen, dass das Kind von Anbeginn und ausschließlich aus dem Becher lernt zu trinken, über Board geworfen. Das vertage ich mal auf den Sommer. Dann lass ich das Kind den ganzen Tag nackt durch den Garten rennen und am Abend wird sie in der Dusche einfach nur kurz abgespült. Das trinken aus den riesigen schwedischen Cocktailgläsern klappt hingegen ganz ausgezeichnet (natürlich mit Wasser befüllt und nicht mit Caipi). Die krallt sie sich nämlich gerne, wenn wir sie auf dem Wohnzimmertisch nicht abgeräumt haben.

Nun, diesen kleine Sauereien kann ich mit Lappen und Spülmittel begegnen. Gegen die Riesensauerei, dass ich keinen Job finde, bin ich hingegen absolut machtlos. Ich habe das Gefühl, meine Bewerbungen werden gleich auf den „Vernichtungsstapel“ gelegt, sobald die lesen, dass ich in Elternzeit bin. Viele melden sich gar nicht oder erst nach Monaten mit einer Absage. Ich bin bald dreißig und absolut perspektivlos. Als ich begonnen habe zu studieren, wollte ich Wissenschaftsjournalistin werden. Im Bachelor großartig Praktika in einer Redaktion machen oder gar ein Volontariat? Absolut undenkbar. Ich konnte das Prüfungsamt mit Ach und Krach davon überzeugen für 10 Wochen in die USA zu gehen. Auf Nebenjobs mit redaktionellen Hintergrund habe ich mich oft beworben und bin nie genommen worden. Mit Mitte Zwanzig gehörte ich halt schon zum alten Eisen. Mit den ganzen Kindern, die mit 17 oder 18 aus den Schulen an die Unis strömen, konnte ich schon damals nicht mithalten. Die haben sich ja bereits in der Grundschule für irgendein berufliches Profil entschieden, sprechen Englisch wie ihre zweite Muttersprache, haben den halben Erdball als Backpacker bereist als sie gerade laufen konnten und spätestens im Kindergarten ihr eigenes Buch veröffentlicht. Den Traum, vom Schreiben leben zu dürfen, habe ich längst begraben. Selbst als Bloggerin habe ich miserable Klicks. Meine Brigitte-Mom-Likes stagnieren seit Monaten. Aber wen wunderts. Selbst diese Sparte reißen diese großen, schönen, blonden Mütter mit den Katalogkindern, ihren Designerhäusern und skandinavischen Möbeln an sich. Die werden gehypt von der Brigitte-Redaktion. Sind Blog-LIeblinge. Themenmäßig natürlich immer nah dran: Die haben alles. Träge Eileiter, Wochenbettdepressionen, Mütterkoller, Karriereknick, Angst vorm Altern. Hab ich auch. Aber mich liest keiner. Zehn Jahre früher hätte ich mit meiner großen Klappe, Indiskretion und dem Ansprechen von Flüsterthemen noch was reißen können. Mittlerweile ist das Leben weitestgehend enttabuisiert, Charlotte Roche hat die Kotzgrenze um Meilen überschritten und unter dieser Blogschwemme ertrinken selbst die smartesten Ergüsse. An die Oberfläche schaffen es nur jene, die über entsprechende Kontakte verfügen. Da kann ich einfach nicht mithalten und ich habe keine Lust mehr drauf, Dinge zu schreiben, die keinen erreichen. Das ist wie eine Beziehung ohne Sex. Ganz nett, aber nicht annähernd befriedigend.

Kita-Eingewöhnung Woche vier: 72 Stunden Fieber

Ich habe mich schon gewundert, als ich vergangenen Montag meine Tochter aus der Kita abgeholt habe und mir gesagt wurde, sie hätte anderthalb Stunden geschlafen. Haben die Erzieher etwa aufgehört Madame im Schlaf auf den Rücken zu drehen? Am Nachmittag wird mir dann klar, was los ist. C. stellt ihren persönlichen Fieberrekord mit 39,6 °C auf. Super, also fällt die Kita am Dienstag auf jeden Fall aus. Anders, als bei der Hand-Mund-Fuß-Seuche ist sie allerdings recht gut drauf. Sie isst, trinkt und meckert wenig. Also abwarten und zur Nacht Zäpfchen geben. Dienstag und Mittwoch das selbe Programm. Das Fieber schwankt zwischen 38 und 39,6°C. Am Mittwoch gehen wir dann doch zur Notaufnahme ins St. Joseph Spital, weil sie erst beim Füttern würgt und schließlich ihr Abendbrot wieder ausspuckt. Obwohl ich bisher auf das Drei-Tage-Fieber getippt habe, bin ich mir nun nicht mehr sicher. Könnte ja auch ne Angina sein….oder…oh Gott…Masern???? Bei der zur Zeit in Berlin grassierenden Epidemie kann man schon mal Paranoia schieben. Es ist ja auch nur noch eine Frage der Zeit bis es hier in Anthroposovistan ankommt. Tatsächlich hat Freiburg die schlechteste Impfquote in ganz Baden-Württemberg und ist sogar deutschlandweites Schlusslicht der Masernimmunisierung. Beim letzten Ausbruch an einer hiesigen Waldorfschule -wo sonst, wurden Impfpasskontrollen am Eingang der Schulen durchgeführt.

Die Kinderärztin in der Notfallsprechstunde meinte jedoch, die Kleine hätte einen fiebrigen Infekt, wie er nun mal bei Babys in dem Alter vorkommt. Ich soll das Fieber weiter senken, Nasentropfen geben und in zwei Tagen zum Kinderarzt gehen, wenn es nicht besser wird.

Am Donnerstag, fast auf die Stunde genau 72 Stunden nachdem das Fieber aufgetaucht war, ist die Temperatur gefallen und es zeigte sich der wohl typische Ausschlag. Also wohl doch das Drei-Tage -Fieber.

Eine Rest Verunsicherung blieb jedoch noch. Auf Kinderärzte im Netz kann habe ich mich über die Masern informiert und dabei festgestellt, wie ahnungslos ich doch tatsächlich bin. Was ich gar nicht wusste ist, dass Masern in zwei „Schüben“ verlaufen. Während des Vorläuferstadiums bekommen die Kinder mäßig hohes Fieber, haben Husten, Schnupfen, eventuell Halsschmerzen und einige bekommen weiße Punkte auf der Wangenschleimhaut. Bis auf die weißen Punkte hat Madame alle Symptome gezeigt. Nach einigen Tagen sinkt das Fieber wieder, um nach kurzer Zeit auf über 40°C anzusteigen und erst dann tritt der typische Masernausschlag auf. Das ist in der Tat problematisch, zum einen, weil viele Eltern glauben, ihr Kind wäre wieder gesund und es hochansteckend auf die Allgemeinheit loslassen und zum anderen sehen sich die Hautausschläge der Masern und des Drei-Tage-Fiebers sehr ähnlich.

Mein Kind ist jedoch bis heute fieberfrei geblieben. Hoffen wir, dass es hier masernfrei bleibt, bis sie endlich geimpft werden kann.

Woche vier in der Kita ist also praktisch ausgefallen. Ich bin gespannt, wie unsere Bilanz am Ende des Jahres aussehen wird. Mehr Zeit krank zu Hause oder in der Kita?

Kita Eingewöhnung Woche Drei: Das Kind, das niemals schlief

Ab dieser Woche wird es spannend. Das kleine Froillein soll nun über Mittag in der Einrichtung bleiben. Normalerweise würde man nun erst mit der Teilnahme am Mittagessen beginnen und erst ein paar Tage später das Kind dort auch schlafen legen. Ich konnte die Erzieherin allerdings überreden, gleich mit beiden „großen Schritten“ auf einmal in die neue Woche zu starten. Meine Güte, als ich die Krippe kam, wurde ich morgens um halb sieben einer Fremden an der Tür in die Hand gedrückt und 17 Uhr von meiner voll berufstätigen Mutter wieder abgeholt. Ob ich das nun gut fand oder nicht, hat keinen interessiert. Natürlich steht es außer Frage, dass eine sanfte Eingewöhnung langfristig gesehen auf jeden Fall besser ist. Ich habe, bis ich fünf war jeden morgen geflennt, wenn mich meine Mutter in den Kindergarten gebracht hat, was sicher der Nicht-Eingewöhnung geschuldet war. So darf es freilich nicht ablaufen. Ein wenig Flexibilität im Eingewöhnungprogramm sollte jedoch immer drin sein. Meine Tochter hat sich bisher wirklich gut gemacht und meiner Meinung nach, hätte sie schon zum Ende der ersten Woche mit essen und schlafen können. Das wäre mir -nein, eigentlich uns beiden- stark entgegengekommen. Denn ich habe sie dann gegen halb zwölf, wenn sie normalerweise zu Hause Mittag bekommt, mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, woraufhin sie in der Karre eingepennt ist. Zu Hause angekommen habe ich sie dann versucht schlafend ins Babybett zu überführen. Manchmal hat das sogar für eine Stunde funktioniert, allerdings hatte ich kein gutes Gefühl dabei, das Kind mit Winteroverall schlafen zu legen, denn Ausziehen hätte ja zwangsläufig zum Aufwachen geführt. Jedenfalls ist unser hart antrainierter, optimal strukturierter Tagesablauf völlig durcheinander geraten. Das kleene Froillein war gegen Abend übermüdet und quenglig und ich hätte mich in Ermangelung meiner Mittagspause am liebsten auch heulend auf den Fußboden geschmissen.

Ab Woche drei verbringen meine Tochter also die Mittagszeit in der Einrichtung. Ich darf mich jetzt immerhin schon den Vormittag über auf eine Entfernung von 15 Minuten davon machen. Das nutze ich sofort und geh erst mal ausgiebig shoppen. Viel für das Kind, immerhin ein wenig für Mama. Ein Anruf zur kritischen Mittagszeit bleibt aus. Erst gegen halb zwei klingelte das Handy. Als ich Madame dann abhole, wird mir mitgeteilt, sie hätte eine halbe Stunde geschlafen und ist jetzt schon wieder eine Stunde wach. Und ich freue mich wie bolle auf den Nachmittag. Tatsächlich sind die Augen meiner Tochter blau umrandet und als ich sie auf den Arm nehme sinkt ihr Köpfchen gegen meine Brust. Im Fahrradanhänger schläft sie sofort ein. Die nächsten Tage läuft es ähnlich ab, bis auf den Unterschied, dass ich nun zu Hause bleiben darf und mein Mann sie morgens in der Krippe abliefert.

Die Vormittage sind wunderbar. Ich kann Duschen ohne, dass mir ein kleiner Gnom den Duschvorhang wegreißt, ins Wanken gerät und gegen die Badkommode knallt. Ich kann auf dem Klo in Ruhe Zeitung lesen, wie es seit neun Monaten nur noch meinem Mann vergönnt ist. Ich kann den Geschirrspüler ohne Eile, Fingerklemm- und Messerschneidgefahr einräumen. Ich kann Aufräumen und Saubermachen ohne ein Neunkilogewicht auf dem Rücken zu transportieren. Ich kann. Muss ich aber nicht. Bis auf Erstgenanntes widme ich mich erst mal meinen Hobbys. Und die To-do-without-Baby-Liste ist so lang, dass Madame mindestens zehn  Jahre in die Kita gehen muss, damit ich das alles abarbeiten kann.

Die Nachmittage sind dann eher ätzend. Das kleene Froillein schläft maximal 40 Minuten in der Kita. Zu Hause findet sie ebenfalls kaum zur Ruhe. Insgesamt häuft sie sich über den Tag ein Schlafdefizit von 2 Stunden an. Statt 13 Stunden, die sie dringend braucht, um ein nettes Kind zu sein, kommt sie meist nur noch auf 11 Stunden Schlaf pro Tag.

Am Freitag erzählt mir eine der Erzieherinnen dann, dass sich mein Kind ja ständig auf den Bauch rollt im Schlaf. „Wir drehen sie dann aber immer zurück. Bei uns sollen die Kleinen auf den Rücken schlafen.“ Hand gegen die Stirn klatsch! Ich sage nur hm hm….und wundere mich nicht mehr, weshalb Madame hier so schlecht schläft. Seit einiger Zeit rollt sie sich nämlich zum Schlafen immer auf die Seite oder den Bauch. Als ich am Montag darauf das „Problem“ anspreche, wird mir empfohlen, etwas zu unterschreiben, dass mein Kind auf dem Bauch schlafen darf. Verrückte Welt.

Kita Eingewöhnung Woche Zwei: Maßstäbe setzen

Ab dieser Woche darf ich mich endlich zurückziehen. Ich verabschiede mich von Madame, als würde ich zur Arbeit gehen. In Wirklichkeit ist mein Aufenthaltsort für die nächsten zwei Stunden das Personalzimmer der Kita, sodass ich im Zweifeslfall sofort zur Stelle sein kann, wenn mein Kind Mamiweh verspürt. Dort darf ich an einer Wandzeitung über das Leben meines Kindes arbeiten. Eine Woche lang habe ich ja kaum was anderes getan als die fertigen Plakate über die anderen Kinder anzustarren, die da in abreißfreundlicher Höhe für kleine Kinderhände im Gruppenraum hängen. Das kleine Froillein hat sich auch gleich daran gemacht, die Kunstwerke der anderen Bastelmamis zu zerstören.

Nun sitze ich vor einem Din A2 Bogen bunten Bastelkartons und überlege, was ich draus mache. Zuerst einmal klebe ich das mitgebrachte Foto unseres Familienhundes auf. Da ich die Unordentlichkeit unserer Wohnung ringsrum abgeschnitten habe, sieht der Ausschnitt nun aus, wie ein Hügel…Also male ich einen Maulwurfshaufen drum herum aus dem ein blinder Maulwurf rausguckt. Mein Plan ist nun einen kleinen Garten zu gestalten, in dem alle Lieblingsmenschen meiner Tochter Platz finden sollen. Omas und Opas schweben in kleinen Schäfchenwolken durch den Himmel, Papa wird von einer Biene von Blüte zu Blüte getragen. In mitten des emsigen Insektentreibens Königin C., von der es ein Bild gibt, auf dem sie in ihrem quietschpinken Hochstuhl thront, als würde sie dem gemeinen Pöbel eine Audienz gestatten. Wunderbar! Die kommenden Tage soll ich merken, was ich mir da vorgenommen habe. Meine Freundin H. würde wohl mit dem Kopf schütteln und mich schelten, dass ich nicht immer Dinge tun soll, die ich eigentlich nicht kann. In diesem Fall Zeichnen. Am Schluss wird es trotzdem ein ganz lustiges Plakat. Nur bei den Wolken-Großeltern bin ich etwas verunsichert, ob dieses Symbol nicht impliziert, sie wären alle tot. Nun, ich wäre nicht die erste Künstlerin, die missverstanden wird. Ich muss zugeben, dieses Meisterwerk wird die anderen Eingewöhnungs-Mütter ganz schön unter Druck setzen. Aber ich sage immer, man muss Maßstäbe setzen. Erst Recht, wenn man wie ich keinen Job hat.

Kita-Eingewöhnung Woche Eins: Watch and wait

Da ich in letzter Zeit nicht zum Schreiben gekommen bin, hier ein paar kurze Berichte über unsere erste Zeit in der Krippe. Selbstverständlich sind alle Namen der Kinder durch die Redaktion geändert.

Das Eingewöhnungsprogramm unserer Kita sieht es vor, dass Mami in der ersten Woche mit im Gruppenraum rum sitzt und ihrem Kind beim Spielen, Machen, Tun zu sieht, sich dabei absolut zurück nimmt, im Zweifelsfalle jedoch ihre Starke Schulter zum Anlehnen reicht. In unserem Fall wurde diese Option allerdings weniger durch mein eigenes Kind genutzt. Das kleene Froillein krabbelte vom ersten Tag an munter drauf los und konnte es kaum erwarten, bis die anderen Kinder vom Frühstück in den großen Spielraum geströmt kamen. Obwohl wir die erste Woche immer nur ein bis anderthalb Stunden in der Einrichtung verweilten, war ich heilfroh, wenn ich da wieder raus durfte. Noch mehr als das Geplärr der Kinder machte mich die Desorganisation der Erzieher fertig. Jeden Morgen die gleiche überflüssige Diskussion darüber, wer nun die Küche macht und wer das große Geschäft vom kleinen Elias weg macht, während die kleine Emma der kleinen Sophie beherzt in den Arm beißt. Zwischendrin beobachte ich, wie die kleine, aber immerhin schon zweieinhalb Jährige Mia errötend und mit hervorquellenden Augen das Gesicht zum Kacken ballt und ich weiß jetzt schon, dass mein Kind in dieser Einrichtung wohl nie Trocken werden wird. Dann kommt die kleine Chloe zu mir und erzählt mir, dass ihr Pferd Pipi heißt und schaukelt der Luise mit Pipi über die Finger. Vier Erzieher auf zehn Kinder sind nun gänzlich am Rande ihrer Kapazitäten angelangt. Das kleene Froillein interessiert das alles nicht und übt mit dem Plastikherd als Gehhilfe das Laufen bis dieser ihrer Power nicht mehr standhalten kann und einfach umfällt.

So vergeht die erste Kita Woche mit immer ähnlichen Abläufen und ich hoffe, dass der übertriebene Sicherheitswahn mancher Erzieher hinsichtlich der oralen Phase meiner Tochter nur meinem Beisein geschuldet ist. Ständig nimmt man ihr das Spielzeug weg, weil sie daran lutscht…selbst die eigens dafür angeschafften Beißringe. Das verstehe ich nicht und bevor ich aggressiv werde, versuche ich lieber mit der schweigsamen kleinen Oxana aus Russland ein Gespräch zu beginnen. Es bleibt sehr einseitig.

Hand-Mund-Fuß….-Krankheit

Jetzt geht der Wahnsinn mit Kind erst richtig los. Der Nestschutz durch meine Immunglobuline scheint verflogen. Mein Blut, das einst durch Froilleins Adern rauschte ist verbraucht. Gestillt wird nur noch vorm Schlafengehen. Da muss ein so kleiner Körper schon Einiges leisten, bombardiert durch tausend Keime. Und ich mach es ihr auch nicht gerade leicht. Seit dem wir in Freiburg wohnen, sind wir dauererkältet. Ich konnte es halt nicht lassen und hab auf der verzweifelten Suche nach Anschluss unter anderem einen Babytreff besucht. Dort war dann gerade mal eine einzige Frau mit Kind und zwei Betreuerinnen. Das Kind war total verrotzt und fiebrig. Nicht gerade Traumbedingungen, um sein Kind auf andere loszulassen. Aber ich gehe mal davon aus, dass die Mama nicht mit weiteren Besuchern gerechnet hatte. Sie war wohl dort um sich bezüglich der Krankheit ihres Kindes Rat zu holen. Fünf Tage später begann es dann bei uns und ist bis heute nicht abgerissen. Alle Zwei Wochen streckt es uns seit dem nieder. Mal hat die Kleine Fieber, mal ich. Meist triefen unsere Nasen und wahrscheinlich haben wir schon mehrere Hektar Wald in Form von Zellstoff verschneuzt. Letzte Woche kam dann auch noch die Hand-Mund-Fuß-Krankheit dazu. Begonnen hat es am Mittwoch bei der Kleinen mit Fieber und wieder rotzig-schleimiger Nase. Da hatte sie bereits zwei kleine rote Punkte am Mund. Aber ich dachte, das käme vom Zahnen oder ihrem unstillbaren Appetit auf Orangen. Sie hat häufig leichten Ausschlag um den Mund herum. Am Abend war dann der Po ebenfalls total wund. Aber auch das ist nichts neues. Insgeheim habe ich meinen Mann und die zwei oberen Schneidezähne dafür verantwortlich gemacht. Am nächsten Morgen war das Fieber verschwunden, die roten Punkte im Gesicht nun jedoch zu Flecken herangewachsen. Auch der Po sah nicht hübscher aus. Kurz die allwissende Frau Google nach „Ausschlag Po Gesicht“ befragt und schon lieferte sie mir die Diagnose. Nachdem ich mir die Hände genauer angeschaut hatte, konnte ich dem Internet nur beipflichten. Während wir auf unseren Kinderarzttermin warteten bildeten sich dann auch noch weitere Blasen auf der Zunge. Die Ärztin rief uns dann auch schon auf drei Metern Entfernung „Das ist Hand-Mund-Fuß“ entgegen. Ausgestattet mit Ibuprofen-Zäpfchen sahen wir den nächsten Tagen entgegen.

Diese Seuche, die ursprünglich aus Asien stammt, verläuft hierzulande meist „harmlos“. So sagen es jedenfalls die Medien und die Ärztin behauptete nichts Gegenteiliges. Für meine Tochter war es trotzdem kein Spaß. Sie hatte große Beschwerden beim Essen und Trinken. Einen Tag lang hat meine zehnköpfige Raupe nichts anrühren wollen. Nur das Fläschchen ging noch rein. Die Nächte waren natürlich auch furchtbar. Ohne Schmerzmittel hat sie tagsüber ununterbrochen geweint. Seit Freitagabend geht es jedoch bergauf. Gestern ist sie das erste mal wieder lachend aufgewacht. Nun harren wir der Dinge, die da noch auf uns zukommen werden. Die HMFK ist hochansteckend und wird mittlerweile durch verschiedene Virustypen ausgelöst. Mindestens zwei davon machen auch vor Erwachsenen nicht halt. Angeblich sind es wohl jene Viren, die auch Blasen an Knien und Po (wahlweise auch Genitalbereich) verursachen, die auch Großen arg zu schaffen machen können. Mit einem kranken Kind in der Fremde ohne Hilfe durch Freunde und Familie zu hocken, ist schon schlimm genug. Wenn es mich nun aber entschärft, dann weiß ich wirklich nicht, wie der Laden hier am Laufen gehalten werden soll. Mein Mann kann sich an Arbeit krank melden. Ich nicht. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie es ist mit Baby flach zu liegen hatte ich erst vor zwei Wochen.

Mich wundert es überhaupt nicht, dass Psychotherapeuten bis zum Lebensende ausgebucht sind, die Psychokliniken aus allen Nähten platzen und es tausende Frauen gibt, die mit gesenktem Haupt und schwarzer Wolke übern Kopf mit ihrem Baby durch den Park schieben. Kinder Aufziehen ist einfach ein Sippending.  Das schafft man nicht in trauter Zweinsamkeit. Zumindest nicht unter Erhalt seiner geistigen und körperlichen Gesundheit.

Einfach mal die Kresse falten

Meine Freundin hatte mich bereits vorgewarnt. Sie sagte einmal, wenn du ein Kind hast, wirst du dich vor unerbetenen Ratschläge nicht mehr retten können. Und tatsächlich von Beginn an, als ich mich das erste Mal mit meiner Tochter auf öffentliches Terrain wagte, wurde ich von Wildfremden mit Bemerkungen bezüglich meiner Mutterschaft bombardiert. Teilweise subtil, indem sich Omis in der Innenstadt besorgt nach meinem Kinderwagen mit Sirene umsahen und kopfschüttelnd ihre Erklärung für das brüllende Kind vor sich hin brabbelten. „Na, die hat doch Hunger“. Andere gehen ihrer aufklärerischen Mission ganz offensichtlich nach und sprechen einen Geradeaus auf das elterliche Versagen an. Natürlich immer mit den besten Absichten! So bin ich bereits in der Straßenbahn von einer schleußiger (=Leipziger Stadtteil mit starkem Bionaden-Biedermeier-Charakter) Übermutter auf mein armes gequältes Kind im Tragetuch angesprochen worden, dessen Beine sich offensichtlich nicht in idealer Spreiz-Anhock-Stellung befanden. Sie -natürlich selbst überzeugte Tragetuchträgerin- wollte nur das Beste. Nicht für mich. Nein, für mein Kind. Ich bedankte mich leider freundlich für die kostenlose Trageberatung, anstatt ihr ins Gesicht zu spucken. Und wäre am liebsten Im Boden versunken. Mein geliebtes Kind, für das ich ebenfalls immer nur das Beste will, hatte nämlich bis vor kurzem die unschöne Angewohnheit, sich bei jeder Unpässlichkeit durchzudrücken wie eine überreife Banane. Und sie war in ihrem bisherigen Leben sehr oft unpässlich. So auch im Tragetuch. Also habe ich sie jedes Mal, wenn sie sich im Tragetuch gewunden hat wie ein Wurm, zurück in eine super hüftschonende Spreiz-Anhock-Stellung korrigiert. Denn ich möchte ja eine Super-Mama sein und gebe mein Bestes,  wirklich immer alles richtig zu machen, liebe durch die Welt streifende Rächer der hüftdisplasiegeschädigten Kinder! Und ja, ich habe damals versagt. Denn anstatt mein Kind, als es endlich im Tragetuch Ruhe gab, in die korrekte Position zu bringen, habe ich mich in der Straßenbahn an einer Stange festgehalten. ES! TUT! MIR! LEID!

Ich dachte dieses einschneidende Erlebnis sei bereits verarbeitet, bis mir heute etwas ähnliches widerfahren ist und all die verdrängten Hass- und Schuldgefühle wieder hochkochen. Andere Stadt, andere Situation, gleiche Unverfrorenheit. Ich laufe mit meinem schlafenden Kind in der Manduca zum Mütterzentrum. Plötzlich taucht ein ungepflegter Bartträger, Typ Körnerfresser, neben mir auf und fragt, ob ich ein Tragetuch habe. Ich verneine und sage, dass ich mein Baby gerade in einer Manduca trage. Die Besorgnis weicht für einen kurzen Moment aus seinem Gesicht. Erleichtert gibt er zu, dass er glaubte, ich würde mein Kind einfach SO (!) durch die Gegend tragen. Das wäre nämlich echt schlecht…Dann runzelt er wieder die Stirn und merkt an, dass es nichts besseres gibt als ein Tragetuch für so ein kleines (!) Baby. Für die Trage sei sie noch zu klein. Und wieder spucke ich ihm nicht ins Gesicht, sondern erkläre nüchtern, dass mein Kind fast sieben Monate alt ist und Kleidergröße 68 trägt.

What the Fuck? Was ist eigentlich mit manchen Leuten da draußen los? Wir leben im 21. Jahrhundert. Die Alphabetisierungsrate in Deutschland liegt bei über 95%. In 85% aller Haushalte wird das Internet zur Informationssuche genutzt. Warum erdreisten sich also ständig irgendwelche Besserwisser, wildfremden Menschen ungebetene Trage-, Still-, Ernährungs-, Säuglingspflege- oder sonst irgendeine -Beratung zu geben??? Selbst wenn mir jemand mit einem nach vorn blickenden, Baumelbein-Baby entgegen kommt, werd ich mich doch nicht anmaßen, den großen Contra-Katalog auszupacken. Ganz gleich, ob ich mein Kind im Kinderwagen, Tragetuch oder Hundeschlitten transportiere, es in Jutelappen wickel oder Polyester, es mit fünf Monaten oder fünf Jahren in den Kindergarten bringe, Mama wird sich schon ausreichend einen Kopf darum gemacht haben. Denn, auch wenn man es bei unseren gepeinigten Kindern kaum glauben mag, wir wollen wirklich nur das Beste!

Wirklich unheimlich schwer, gutes Personal zu finden

Über den Familienservice der Uni Freiburg habe ich versucht eine Babysitterin zu rekrutieren. Dort gibt es nämlich, eigens für diesen Zweck eingerichtet, eine Datenbank aus der man sich eine passende Anwärterin aussuchen kann. Also habe ich erst mal drei Damen angeschrieben, von denen sich prompt keine meldete. Nach ein  paar Tagen antwortete mir die „Katharina“ und wir vereinbarten einen Kennenlerntermin für Freitag, an dem sie dann auch absolut zuverlässig nicht erschien. Von „Katharina“ ward seither nichts mehr gehört. Und ich habe meinen ganzen Tag danach geplant. Danke „Katharina“! Hiermit verfluche ich dich, auf dass du Zwillinge bekommen wirst, die sich bis zu ihrem vollendeten ersten Lebensjahr in ihren Wachphasen beim Schreien abwechseln, sich fünf mal täglich in die Hose kacken und dich Nachts nie länger als zwei Stunden am Stück schlafen lassen. Have fun!

So, also Plan B ausgepackt und bei verschiedenen Kindertageseinrichtungen angerufen. Auf die Idee bin ich gekommen, als ich Madame Google nach „Krabbelgruppen Freiburg“ befragte, auf der Suche nach einer Möglichkeit die Kleine mit anderen Kindern zusammen zu bringen und nebenbei Mütter aus der Gegend kennen zu lernen. Hier heißt sowas jedoch Babytreff, Elterntreff oder Babycafé bzw. Elterncafé. Eine Krabbelgruppe in Südwestdeutschland ist hingegen eine Option sein Kleinkind oder Baby für einige Stunden am Tag, an einigen Tagen in der Woche in einer Einrichtung abzugeben, damit sich Mami mal in Ruhe die Nägel maniküren lassen kann…oder halt schlafen. Im wilden Osten bezeichnen wir das als Kindertagespflege. Das ist halt so wie mit den Schrippen, Brötchen, Semmeln, Wecken. Wenn ich Glück habe, kann uns eine Kita hier in der Nähe sogar für drei Nachmittage in der Woche einen Platz anbieten. Und wenn ich den Herrn am Telefon richtig verstanden habe, sollte das wohl knapp über 200€ im Monat kosten. Das wäre dann deutlich günstiger als eine Babysitterin einzustellen. Da das alles jedoch noch ungewiss ist und ich am liebsten für jetzt sofort jemanden hätte, damit ich die Familie zu Weihnachten mit selbsgebastelten Geschenken beglücken kann, habe ich noch eine Online-Anzeige geschaltet auf die sich noch mal sechs Frauen gemeldet haben. Ich habe jeder davon einen Kennenlerntermin angeboten und gerade mal zwei haben sich wieder gemeldet. Eine davon ist vom Fach und hat entsprechend hohe Gehaltsvorstellungen mit 10 bis 15 € die Stunde.

Ich finde es übrigens total schwierig herauszufinden, welche Vergütung angemessen ist. In den Foren finden sich ja die verschiedensten Summen. Manche zahlen einer Schülerin für die Nachtwache am Kinderbett vier Euro die Stunde, andere packen einen Zehner drauf. Auf dieser Karte werden die regionalen Unterschiede deutlich. Diese Seite berechnet die Vergütung anhand verschiedener Kriterien, weicht aber ganz ordentlich von der oben erwähnten Karte ab. Außerdem kann ich mir kaum vorstellen, dass in Leipzig nur 50 Cent weniger als in Freiburg gezahlt werden.

Das Baby ist wach. Adios

Beitragsnavigation