Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “Januar, 2017”

50:50 ?

Was mich an unserer Kinderwunsch-Storie manchmal nervt, sind die Ursachen, die keiner so richtig zu ergründen vermag. Am Freitag war ich also zur Blutenetnahme und habe dann von 10 bis 12 versucht in der KiWu-Klinik durchzukommen. Ich sollte anrufen und fragen, wie wir nun weiterverfahren. Als ich endlich jemanden an der Strippe hatte, durfte ich mir auch noch slebst aussuchen wie es weitergehen soll. „Das ist eigentlich egal, wann Sie zur Insemination kommen. Entweder heute zum abgemachten Termin oder morgen Vormittag.“ Ahhhhhh….woher soll ich das bitte wissen? Sie sind doch die Experten? Ich bin nur die Bruthöhle! Ich klapperte kurz mein Gedächtnis nach Erinnerungen an die erste, erfolgreiche IUI ab. Damals wurde am 13. Zyklustag morgens inseminiert, am Abend vorher hatte ich mir Brevactid gespritzt. Samstag würde der 12. Zyklustag sein und ausgelöst hatte ich zum Zeitpunkt unseres Telefonats noch nicht. Also entschied ich mich für Samstag und für das Auslösen mit Brevactid. Denn auch das konnte ich mir aussuchen! Unfassbar. Welcher meiner Abschlüsse berechtigt mich zu Entscheidungen solcher Tragweite? Mein PKW-Führerschein?

Am nächsten Tag fand ich mich dann zur IUI ein, die von einer sehr netten Ärztin durchgeführt wurde. Das Spermiogramm meines Mannes soll übrigens fantastisch ausgesehen haben. Nachdem sie die flinken Flitzer in meinen Uterus eingebracht hatte, konnten wir sogar sehen, wohin die Kerle und Damen geschwommen sind. Denn während der Aufbereitung der Spermaprobe werden die Drüsensekete weitestgehend entfernt und durch eine Nährlösung ersetzt, die dann per Ultraschall sichtbar gemacht werden kann. Das hat mich total überrascht und ich konnte mich gar nicht mehr erinnern, das bei Frolleins Entstehung gesehen zu haben. Neben der sich vorkämpfenden Spermien, wurden außerdem zwei sprungreife Follikel links und rechts gesichtet. Beruhigend zu hören, denn ich hatte aufgrund meiner Temperaturkurve schon Bedenken, dass wir zu spät dran sind. Angeblich hätten meine Blutwerte auch keine Anzeichen für einen sich verselbstständigenden Eisprung geliefert. Weshalb ich mir dann aber aussuchen durfte, ob ich Brevactid spritze oder nicht, verstehe ich nicht ganz…

Wieso es bei uns auf natürlichen Weg nicht klappt, das weiß keiner so recht. Das Spermiogramm sah gut aus. Meine Werte aus dem unstimulierten Zyklus zuvor schienen auch ganz ordentlich zu sein. Ich habe relativ regelmäßige Zyklen von 28-32 Tagen. Am Tag des Eisprungs ist mein Zervikalsekret spinnbar. Sind es die männlichen Hormone, die die Eizellreifung stören? Habe ich Killer-Vaginalsekret, das die Schwimmer abmurkst, noch bevor sie überhaupt „Eizelle“ denken können?

Sollte es einzig und allein an Letzterem liegen, dann haben wir diesen Zyklus wenigstens mal eine fifty-fifty Chance.

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Boak Boak Boak

Beim Kontrollultraschall am 9. Zyklustag wurden zwei Eier von ca. 16 mm Größe gesichtet. Morgen früh muss ich dann wieder zur Blutentnahme und dann wird wohl anhand meiner Werte entschieden, ob morgen die Besamung stattfindet. Ich bin die letzten Tage extra mit Sitzheizung gefahren, damit mein Unterleib auf ordentiche Bruttemperaturen kommt. Trotzdem könnte es sein, dass die Insemination erst am Wochenende stattfindet. Nun ja, das Huhn legt bekanntlich jeden Tag ein Ei und Sonntags sogar zwei, nicht wahr?

Im übrigen war ich gestern ein wenig verunsichert, da ich schon so massenhaft, fast spinnbaren Zervikalschleim hatte, ein Ziehen im Bauch und meine Basaltempertur so niedrig ist. Die Ärztin meinte jedoch, dass es bei den hohen Östrogenwerten oft zu solchen körperlichen Überreaktionen kommen kann. Der LH-Wert war nämlich noch unspektakulär niedrig. Also bräuchte ich mir keine Gedanken zu machen, dass sich das Ei ungefragt auf den Weg macht. Eigentlich müsste man doch meinen, ich hätte Erfahrung im ärztlich gesteuerten Reproduzieren…tatsächlich weiß ich überhaupt nichts mehr von „damals“. War ich 2013 auch so müde durch die Hormonspritzen? Hat es im Bauch auch so gezogen und gedrückt? Vielleicht konnte ich das zu der Zeit besser wegstecken, weil ich mich noch im gechillten Studentenleben befunden habe. Eine Temperaturkurve zu führen, war, bedingt durch die siebentägige Wochenend-Aufstehzeit, in jedem Fall einfacher als jetzt. Nun liegen die Werte von Samstag und Sonntag immer deutlich über denen der Arbeitstage. Und das, obwohl ich nicht das Gefühl habe, gegen 7 ausgeschlafen zu haben. Was die Organisation der Termine in der Kiwu betrifft, ist es jetzt als Berufstätige wirklich eine Herausforderung. Keine Ahnung, wie das Frauen machen, die sich den invasiven Eingriffen für IVF und ICSI unterziehen müssen. Jedenfalls könnte ich mir nicht vorstellen, meinen Vorgesetzten einzuweihen. Schon allein, weil jede schwangere Mitarbeiterin ja für die meisten Firmen eine Zumutung darstellt.

Nun denn, mal sehen, was der Freitag so bringt.

1. Stimu-Zyklus Realoaded

Es ist Januar und der erste Stimu-Zyklus für Kind Nummer 2 hat begonnen. Eigentlich hatten wir vorgesehen, damit im Dezember zu beginnen. Meine Periode kam jedoch einen Tag später als erwartet, sodass mein Eisprung vermutlich mit den Betriebsferien unseres Reproduktionszentrums kollidiert wäre. Den Stress wollte ich mir kurz vor Weihnachten dann doch nicht geben. Und vielleicht ist es auch ganz gut im neuen Jahr mit neuen Vorhaben zu starten.

Weihnachten war dann noch mal ne harte Nummer mit der Familie und der ständig schwangeren Schwägerin. Kind Nummer vier soll dann auch das ersehnte Mädchen werden. So viel Glück, dass man  vor Freude nur noch kotzen möchte. Manchmal verstehe ich mich selbst nicht, warum es für mich immernoch schmerzhaft ist, wenn andere Frauen schwanger werden. Ich habe gehofft, durch die Geburt meiner Tochter würde ich von diesem Gefühl der Unzulänglichkeit geheilt werden. In Wahrheit sitzt diese Infertilität wie ein böser Stachel in meiner Seele. Nur eine spontane Schwangerschaft hätte mir mein Gefühl eine vollwertige Frau zu sein, zurück geben können. Es fällt mir lediglich leichter, mit der Kinderwunschbehandlung umzugehen. Ich versuche nicht groß über die Nebenwirkungen der Medikamente nachzudenken, über die Endlichkeit der Versuche und das, was danach kommt. Alles sehr rational. Spritzen, Termine machen, zu den Untersuchungen hetzen, dazwischen arbeiten. Ach ja, und dann gibt es ja noch meine Beziehung. Die letzten Jahre haben deutliche Spuren an der Beziehung zwischen mir und meinem Mann hinterlassen. Die Kinderwunschstory, die Umzüge, das Schreikind. Und nein, wir gehören nicht zu denen, die sich grinsend in den Armen liegen und behaupten, das alles hätte uns zusammengeschweißt. Ganz im Gegenteil. Diese -im Motivationstrainer-Sprech als Herausforderungen bezeichnete- Kackscheiße, hat uns zermürbt und kaputt gemacht. Es gab nur einen Grund, weshalb ich meine Sachen nicht gepackt habe und das waren weder mein Kind noch die schönen grünen Wälder. Nur wegen meines Jobs bin ich noch hier. Aber ich habe mich nun entschieden zu bleiben, wegen meines Mannes und meines Kindes. Und wir haben uns entschieden, noch ein zweites gemeinsames Kind zu haben. Wenn sich fertile Paare nicht verstehen und ein weiteres Kind bekommen, dann ist das halt passiert. Wenn sich infertile Paare nicht verstehen und zur Kinderwunschbehandlung gehen, dann schüttelt vermutlich jeder den Kopf drüber. Ich habe Anfang des vergangenen Jahres noch gehofft, wir würden zu denen gehören, bei denen es einfach so passiert. Leider war dem nicht so und ich habe den Anruf in der Kinderwunschklinik lange herausgezögert, da es zwischendurch immer wieder Tiefs gab, in denen es mir lächerlich vorkam, all die Zeit und das Geld in eine Schwangerschaft von einem Mann zu investieren, mit dem ich vielleicht gar nicht mehr zusammen sein möchte. Im Sommer sind wir dann zur Eheberatung gegangen. Schließlich wollte ich mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte es nicht versucht. Ein wenig hat sich unsere Beziehung dadurch stabilisiert und ich konnte guten Gewissens den Termin in der Repro machen. In den drei Monaten Wartezeit konnten wir dann noch viele Streitigkeiten ausfechten und ich habe nicht nur einmal überlegt, das Erstgespräch abzusagen. Momentan läuft es ganz gut zwischen uns und ich denke, wir sind zumindest genauso bereit für ein zweites Kind, wie ein kriselndes fertiles Paar 🙂 Mit Sicherheit werden wir uns früher oder später wieder in der Wolle haben, wir werden uns aber auch wieder vertragen und vielleicht werden wir irgendwann auch mal auseinander gehen, vielleicht bleiben wir aber auch für den Rest unseres Lebens zusammen. Und ich nehme mir jetzt mal das Recht einer fertilen Frau raus und lass es einfach passieren…die Stimu, die Insemination und so 😀

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