Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “Juni, 2015”

Die Raupe

Ein „Souvenir“ der besonderen Art hat sich das kleene Froillein aus Sardinien mitgebracht: Wir nennen es die Raupe. Eigentlich habe ich diese originelle Form der Selbstregulation bereits vor vielen Monaten beobachtet. Damals hatte ich das kleene Froillein gerade zu Bett gebracht. Allen guten Ratschlägen von Kinderärzten und Erziehern zum Trotz, drehte sie sich prompt auf den Bauch und fing sogleich an raupenartige Bewegungen durchzuführen. Kurz leugnete ich noch meinen Verdacht. Die eigenen Eltern und Kinder haben schließlich kein Sexualleben. Nein, nein, nein! Doch als sie dann so verdächtig begann zu atmen, war mir klar, das Baby hat gerade eine nette Methode zum Einschlafen gefunden. Na, wenns hilft. Und so verließ ich das Zimmer in der Hoffnung, dass mein Kind von nun an immer sofort ein- und die Nacht durchschläft. In Wirklichkeit hatte sie ein paar Tage später wohl schon wieder vergessen, wie sie sich selbst in den Schlaf raupen kann. Erst auf Sardinien hat sie ihre Raupe wiedergefunden. Dort wurde uns vom Vermieter unserer Ferienwohnung ein Hochstuhl zur Verfügung gestellt, der am Tisch festgeschraubt wird. In diesem Hochstuhl rutschte das Froillein jedoch recht weit nach vorn….und seit dem wird jede Mahlzeit von einer kleinen Raupe Nimmersatt begleitet. Als wohl informierte, aufgeklärte Mutter weiß ich, dass das ja vööööööööööllig normal ist und wir keinesfalls darauf eingehen sollen. Einfach machen lassen. Aber es ist echt total nervig! Eine Zeit lang hat sie sogar das Essen verschmäht, weil sie besseres zu tun hatte. Bei der letzten Impfung habe ich die Kinderärztin darauf angesprochen. Die fand das wahnsinnig komisch, wie wir so am Frühstückstisch sitzen…Ja, ist es ja auch…irgendwie. Nur mit dem Unterschied, dass wir als Eltern nicht darüber lachen dürfen. Das könnte ja tiefgreifende Schäden verursachen. Wahrscheinlich wird es so enden, dass ich den vierten Hochstuhl kaufe. Diesmal einen ohne Halterung zwischen den Beinen.

Im Internet gibt es etliche Foren-Einträge, in denen besorgte Mütter von den Selbstbefri***ungsaktionen ihrer Kinder berichten. Dabei fällt auf, dass es bei Mädchen wohl als besonders „schlimm“ empfunden wird, wenn sie es tun und das nicht am Esstisch. Manche Mütter haben Angst, ihre Töchter könnten süchtig danach sein und nicht genug Schlaf bekommen. Woran liegt es, dass Masturbation bei Jungs und Männern scheinbar mehr akzeptiert wird? Obwohl sich unsere Generation für unglaublich aufgeklärt und lässig hält, habe ich doch sehr viele weibliche Bekannte, die zwar allesamt einen Dildo in der Nachttischschublade liegen haben, mit dem Thema aber letztlich nichts anfangen können. Ohne Partner geht bei denen nix. Ich war immer dankbar, dass ich sehr gut mit mir selbst auskommen kann. Das hat mich über die vielen einsamen Jahre meiner Pubertät hinweg getröstet, als ich gerne einen Freund mit allem drum und dran gehabt hätte, die Typen aber nur am dran interessiert waren und nicht am drumherum.

Tatsächlich hat sich die Wissenschaft auch diesem Thema gewidmet. In einer Studie aus dem Jahr 1991 wurden zwei verschiedene Gruppen Frauen untersucht. In der einen befanden sich Frauen, die masturbieren und dadurch auch einen Orgasmus erlangen. Die andere Gruppe bestand aus Frauen, die noch nie einen Orgasmus durch Masturbation erreicht hatten. Die Masturbations-Frauen hatten mehr Orgasmen, ein größeres sexuellen Verlangens, mehr Selbstvertrauens, brauchten weniger Zeit bis zur Erregung und waren sexuell Befriedigt.

Das sind ja mal schöne Nachrichten, auch wenn es aus dem Jahr 1991 nicht die neuesten sind. Merkwürdig hingegen ist, was ich zur infantilen Masturbation gefunden habe: Da widmen sich viele wissenschaftliche Studien auch aus neuerer Zeit der Differenzialdiagnostik zwischen epileptischen Anfällen und Masturbation bei Kindern. „Masturbationsanfälle“ oder auch „Grafication disorder“ haben vielen Eltern und Kinderärzten schlaflose Nächte bereitet. Dabei kommt es beim Kind zu folgenden „Symptomen“: Zusammenpressen von Beinen, Gesichtsröte, vor sich hinstarren, Stöhnen, Nichtansprechbarkeit. Häufig wird dieses „Krankheitsbild“ bei Mädchen im Säuglingsalter beobachtet. Dass ein völlig normaler Zustand pathologisiert wird und sogar seinen eigenen Gruselnamen bekommen hat, ist beispielhaft für die Verleugnung der Sexualität unserer Kinder. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass eines Tages wohl ein pickeliger Teenager in Boxershorts aus dem Zimmer unserer Tochter kommen wird und fragt, ob noch was zu essen da ist.

Die Wahrheit übers Bahnfahren mit Kind

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Meine Freundin hat mir aus gegeben Anlass diesen Artikel geschickt. Vergangene Woche habe ich nämlich meine Eltern besucht, die ja nun dank unseres Umzugs nach Freiburg sechs Zugstunden entfernt Wohnen. Wie nach jeder Fahrt als Mutter mit der Bahn, habe ich mir geschworen, nie wieder mit einem Kind einen Zug zu betreten. Zumindest nicht in diesem Land.

Also liebe Ricarda, die wahrscheinlich für die PR-Abteilung der Deutschen Bahn arbeitet, mit einem Kleinkind Bahn zu fahren kann, was den Stressfaktor einer solchen Unternehmnung betrifft, nur von Bahnfahren mit zwei Kleinkindern getoppt werden. Ich bin nun keine routinierte Zugfahrerin, weshalb meine Erfahrungen nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Vorkommnisse darstellen, aber sie entsprechen jeglichen Horrorvorstellungen, die frau sich vor Antritt einer solchen Reise nur ausmalen kann. Natürlich habe ich schon vor Ricardas Statement von den hochwohl gepriesenen Kleinkindabteilen der Deutschen Bahn gehört. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass es richtige Kleinkindabteile mit Babykostwärmern, sicheren Steckdosen, kleiner Spiellandschaft und Platz für Kinderwagen nur in bestimmten ICEs gibt, die wohl nur zwischen Lummerland und Saltkrokant verkehren und das auch nur am 30. Februar. Ich selbst habe so ein Abteil noch nie zu Gesicht bekommen. Irgendwo in der unendlichen Weite des Netzes finden sich jedoch Augenzeugen dieser fabulösen Erfindung. Immerhin bin ich schon so bahnerprobt, dass ich bescheiden geworden bin. Ich gäbe mich ja bereits mit freundlichen und hilfsbereiten Zugpersonal, Platz für den Kinderwagen und einem Wickeltisch im Klo zufrieden. Also habe ich, als ich noch naiv und gutgläubig an die Sache ran gegangen bin, bei der Platzreservierung auf den Button „Kleinkindabteil“ gedrückt. Bei meiner ersten Fahrt von Leipzig nach Freiburg suchte ich vergeblich nach unseren reservierten Plätzen. Der Zug wurde getauscht, die Platzkarten waren ungültig. Ich landete im Fahrradabteil, wo ich dank einer glücklichen Fügung eine Bekannte mit ihrem kleinen Sohn traf. Dort gab es genug Platz zum Rumkrabbeln und Spielen für die Kleinen. Außer uns, war kaum jemand im Abteil, was wohl das Allerbeste ist, das Eltern passieren kann. Denn wie ich später noch berichten werde, machen einem allen voran die Mitreisenden Stinkstiefel das Leben schwer. Nach Umstieg in Frankfurt folgte meiner anfänglichen Euphorie die Ernüchterung. Meine Platzkarten schickten das Froillein und mich in das Flüsterabteil. Ausgerechnet mit Schreikind in die Höhle der Ruhebedürftigen und Arbeitswütigen…das kann ja heiter werden. Doch ich und das restliche Großraumabteil hatten Glück. Madame machte ganz viel die Augen zu und schlief. Während meiner wenigen Bahnfahrten -es waren genau fünf- habe ich in immerhin zwei Zügen eine Wickelvorrichtung finden können. Nie konnte ich den Kinderwagen in die Nähe unseres Sitzplatzes stellen und kein einziges Mal gab es fürs Froillein warme Kost. Zum Glück stellt sie sich da nicht so an und verspeist ihren Brei auch zimmerwarm.

Nun aber zum eigentlich Knackpunkt. Ob eine Reise mit Kind gut oder katastrophal wird, hängt zum großen Teil von den Mitreisenden ab. Ich habe da sehr verschiedene Situationen erlebt und meine Statistik bestätigt mich in dem Verdacht, dass Ossis Kinder und allen voran deren Mütter hassen. „Wenn du den Kinderwagen nicht allein schleppen kannst, warum hast du dann nicht abgetrieben? Das ist doch heutzutage kein Problem mehr.“ Hat nie jemand zu mir gesagt. Stattdessen folgende Szenen:

Ich komme abgehetzt am Anschlusszug an, da den Bahn-Verantwortlichen kurz vor Einfahrt in den Bahnhof Frankfurt einfiel die Weiterreisenden nach Leipzig hier aussteigen zu lassen, statt in Fulda. Grund war, wie üblich eine Verspätung. Da guckste nicht schlecht, als Mutter mit Kind, wenn du genau zwei Minuten Zeit hast, den Kinderwagen zusammenzubauen, Sachen zusammen packen und Reisegepäck anlegen musst und dann noch von Gleis 3 nach Gleis 7 hetzen musst. Ohne Hilfe eines Mitreisenden wäre das nicht möglich gewesen (Danke Rocker-Opa). Den Zug erreiche ich also und frage die Schaffnerin, ob ich noch genug Zeit habe bis zu meinem reservierten Abteil rennen zu können oder lieber gleich hier einsteigen soll. Die labert mit ihrem schnippischen Berlinerisch, dass ich das nicht mehr schaffe und hier einsteigen soll. Da stehe ich also mit meiner Tasche auf dem Rücken, die so groß und schwer ist, wie ich, dem Baby im Buggy, vollgestopft mit allem, was ich vor Ausstieg nicht wegpacken konnte. Und was macht sie? NIX. Ich frage sie dann also freundlich, ob sie mir nicht helfen könnte. Sie rollt mit den Augen und sagt: „Ja, ja det jet aber nich, wenn se so rum stehen. Jetzt drehn se das Jefährt doch mal anners…“ Danke. Bitch.

Noch besser ging es im Abteil weiter. Ich scheiß auf meine Platzkarten und setze mich mit Baby auf zwei freie Plätze an einem Tisch. Ich merke, die Blicke und kann förmlich die Gedanken der anderen hören…nicht ausgerechnet hier hin mit Kind. Ich wundere mich, und vergewissere mich noch einmal, dass es sich auch wirklich nicht um das Flüsterabteil handelt. Das Froillein ist heute genervt von dem ganzen Stress. Sie meckert. Der Mann mir gegenüber, alter Sack mit Schmärbauch und Halbglatze, der irgendwelche Chat-Nachrichten in sein Smartphone schmiert, stöhnt genervt, kramt nach seinen Kopfhörern und stopft sie sich wutentbrannt in die Ohren. Ich fühle mich großartig. Endlich konnte ich mit meinem Kind wieder jemanden seinen  Wellnessaufenthalt in der zweiten Klasse der Deutschen Bahn versauen. Hoffentlich weint mein Baby so laut, dass es bis in das Flüsterabteil gegenüber vordringt und dort jemand sein Projekt nicht beenden kann und wegen uns entlassen wird. Das wäre das Größte! Verdient hättet ihr es alle mal, ihr kinderhassenden Vollwichser. (Ironie off off) Kurz vor Endstation Leipzig grient meine Tochter den Ollen an. Sie ist halt nicht nachtragend. Da sagt er: „Na, wenn sie lacht, ist sie ja wirklich niedlich. Aber wenn sie weint….! Das ist nicht schön!“

Weitere Dinge, die ich erlebt habe, aber nicht detailliert ausführen kann, da ich jetzt zur Kita spurten muss:

Zwei ältere Damen betreten den Zug, schauen in unser Abteil, wo sie offensichtlich Plätze reserviert haben und sagen: „Orr nee, hier ist n Kind. Lass uns woanders hin gehen.“

Das Froillein guckt im Großraumabteil zwischen den Sitzen hindurch nach hinten und lacht einen Mann jüngeren Alters an. Der hat wahrscheinlich Angst, dass sie Papa ruft und dreht sich energisch und stöhnend weg zum Fenster. Seine mp3-Musik stellt er daraufhin so laut, dass er das ganze Abteil beschallt.

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