Frauenbauch

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Archiv für den Monat “September, 2014”

Baby mit Pavian-Po

Da dachte ich nun, ich würde alles richtig machen, indem ich mit Stoffwindeln wickle und dann quälen wir uns doch mit einer vermaledeiten Windeldermatitis herum. Das letzte Mal habe ich es gut mit Lanolin und nackig strampeln wegbekommen. Diesmal scheint es sich um eine hartnäckigere Form zu handeln. Seit Anfang September sind Po und Mu meines kleinen Äffchens immer wieder von kleinen Pusteln befallen. In der Tagesklinik habe ich Nystadermsalbe gegen Pilzbefall bekommen und damit fleißig geschmiert und gecremt. Zwischenzeitlich hat sich das Hautbild auch tatsächlich mal gebessert (und nein, ich habe die Salbe deshalb nicht sofort abgesetzt), nun nimmt der Po jedoch allmählich pavianöse Zustände an. Als wir zwecks Impfung bei der Kinderärztin vorstellig waren, habe ich die Chance genutzt und ihr das „Untenrum“ meiner Tochter zur Begutachtung gezeigt. Sie schrieb mir daraufhin Infektosoor und Mirfulan auf. Ersteres sollte ich eine Woche anwenden und danach auf die pflegende Lebertrancreme umsteigen. Gebessert hat sich seit dem rein gar nix. Ganz im Gegenteil: Der Ausschlag hat sich heute bis unter den Bauchnabel und auf die Oberschenkel ausgebreitet. Außerdem scheint es derbe weh zu tun und zu jucken. Beim Windelnwechseln greift sich die Kleine ständig in den Windelbereich und fängt an zu weinen, sobald ich sie sauber mache (und ja, ich nehme derzeit nur klares Wasser). Nun kam mir der Verdacht, dass die Soor-Infektion von einer Art Zinkallergie abgelöst wurde. Daher habe ich beschlossen, vorerst mit den zinkhaltigen Salben aufzuhören. (Auch Mirfulan enthält als Hauptbestandteil Zink, weshalb ich mich wundere, dass deren heilende Eigenschaft immer auf den müffelnden Lebertran geschoben wird). Stattdessen föhne ich den Poppeles jetzt bei jedem Windelwechsel und probiere Linola Schutzcreme für den Windelbereich aus. Heute Abend sah das Ganze schon weniger desaströs aus.

Nun zweifle ich schon fast an meiner Wickelmethode. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Stoffwindelkinder seltener von solcherlei Problemen betroffen sind. Stoffwindeln lassen die Luft besser zirkulieren und heizen sich weniger auf, als Wegwerfwindeln. Außerdem sind Stoffwindelmütter meines Erachtens die fleißigeren Wechsler. Während man eine Pampers locker mit einer Kiste Wasser befüllen kann, ohne, dass es tropft, liegt das Fassungsvermögen einer Stoffwindel schätzungsweise bei einem Glas Wasser. Schon allein deshalb, müssen Stoffwindeln regelmäßig erneuert werden. Außerdem hat man bei Stoffwindeln nicht ständig das Kassengeräusch im Hinterkopf (*bling* und wieder 20 cent für den Arsch). Eine Windel mehr in der Maschine erhöht hingegen vielmehr den ökonomischen Wirkungsgrad.

Sobald mein VPN-Uni-Zugang wieder funktioniert (und das Baby mir ein paar ruhige Minuten lässt und die Hausarbeit plötzlich von allein verschwindet) werde ich das Web of Science mal nach ein paar Artikeln zum Thema „Windeldermatitis“ scannen.

 

Neunzehn Wochen

Neunzehn Wochen mit Baby vorm statt im Bauch sind nun vorüber. Der gruselige Wachstumsschub um die 19. Lebenswoche herum hat uns die vergangenen Tage ganz schön gebeutelt. Es gab dann wieder Nächte in denen Mamas Brust jede Stunde Programm war. Tagsüber ließ sie sich nur schwer hinlegen und hat sich beim übermüden Hin- und Herwerfen im Bett schön in Rage geschrien. Das problematische an solchen Phasen ist nicht deren Auftreten, sondern die Ungewissheit ihrer Dauer. Würde mir also jemand sagen:  „Hey Kopf hoch, in drei Tagen ist es vorbei.“ Dann würde ich mich mit einem guten Buch und einer schönen Tasse Tee neben mein eskaliertes Kind setzen, ihm den Kopf tätscheln und gut zureden. Auch die haarscharf umrissenen Zeitangaben über Wachstumsschübe in diverser Elternliteratur ist keine beträchtliche Hilfe. Seinen Höhepunkt erreicht dieser Schub wohl in der 19. Lebenswoche, er kann jedoch bereits in der 14. beginnen und sechs Wochen andauern. spätestens in der 24. Woche muss er wohl beendet sein, denn dann beginnt schon der nächste. Auch nicht gerade tröstlich. Aller Tränen und Schreiattacken zum Trotz, hat mein Kind die vergangene Woche wohl nicht nur zum Wachsen genutzt. Seit ein paar Tagen beherrscht sie nämlich die Rücken-zu-Bauch-Rolle. Da schwillt die stolze Mutterbrust zu unendlicher Größe.

Am Donnerstag gab es die dritte, langersehnte Impfung für das kleene Froillein. Langersehnt deshalb, weil ihre einzige Impfreaktion bisher darin bestanden hat, mindestens zwei Nächte am Stück durchzuschlafen. Darauf hatte ich mich seit Wochen gefreut. Doch, wie es einen oft mit Kindern zu ergehen scheint, wurde ich eines besseren belehrt. Zum Durchschlafen hat es diesmal nicht gereicht. Dafür war sie ein wenig nörgelig und heute roch ihr Stuhl tatsächlich einmal nach Fisch. Ob das nun mit der Impfung zusammenhängt, ist unklar. Das Web spuckt zu diesem Phänomen auch nur wenige Erkenntnisse aus.

Da Madame zunehmend Interesse an festen Nahrungsmitteln zeigt, habe ich ihr vergangenes Wochenende ein paar Löffelchen Gläschenmöhren angeboten. Und in der Tat hat sie sich bereitwillig füttern lassen. Nun ist sie jedoch gerade einmal vier Monate alt geworden und ich bin noch unsicher, ob ich tatsächlich schon mit Beikost beginnen soll. Die WHO empfiehlt schließlich bis zum 6. Lebensmonat voll zu stillen. Eine Studie, die neulich mal im Spiegel durch die Presse gewalzt wurde, brachte jedoch angeblich hervor, dass es bezüglich Allergierisiken keinen großen Unterschied machen soll, ob und wie lange voll gestillt wird. Der neueste Schrei zum Thema „Beikost“ scheint übrigens Baby-led weaning (BLW) zu sein. Dabei wird es dem Baby überlassen, wann es mit fester Nahrung beginnen möchte und wieviel es davon zu sich nehmen mag. Praktisch kann man sich das so vorstellen, dass das Kind also mit am Tisch sitzt und nach gekochten Zeugs wie Karotten oder Kartoffeln greift und daran zu lutschen beginnt. Da in diesem Falle das meiste der Nahrung wohl unterm Tisch, statt im Kind landen wird, empfiehlt es sich vermutlich nebenher weiterhin voll zu stillen. In Zeiten, in denen es weder Karies noch inflationären Salzkonsum gab, hat Mama das Essen einfach vorgekaut und es dem Kleinen Mund-zu-Mund verabreicht. Wer blutdruckfreundlich kocht und keine Löcher in den Zähnen hat, kann es ja mal ausprobieren und mir dann von den Reaktionen seiner Mitmenschen berichten.

Am Ende der Kraft ist immer noch soviel Tag übrig

Lange habe ich mich nicht mehr gemeldet. Das hatte seine Gründe. Wir befinden uns mittlerweile „in treatment“. Ja, wir haben uns nach endlosen Gesprächen mit einer Psychologin, vielen guten und leider noch mehr schlechten Tagen und Nächten dazu entschlossen, es richtig anzugehen. Meine Tochter und ich gehen nun von Montag bis Freitag in eine Tagesklinik für beknackte Mütter. Seit anderthalb Wochen stehen wir nun jeden Tag zur selben Zeit auf. Zwischen den gemeinschaftlichen Mahlzeiten, die dem Tag Struktur geben sollen, legen alle ihre Kinder zum Schlafen hin. Wann und für wie lange geschlafen wird, entscheidet jedes Eltern für sich und das Kind. Ich spreche von Eltern, da es auch Vätern möglich ist, das Angebot der Tagesklinik zu nutzen. Daneben werden etliche Therapieformen angeboten, die sich jeder selbst zusammenstellen kann. Nur die Gespräche mit den Psychotherapeuten sind mehr oder weniger verpflichtend und werden nach Bedarf angepasst. Ab und an besteht die Möglichkeit, die Kinder von den Betreuern bespaßen zu lassen, um sich im Mehrzweckraum die Wut aus dem Bauch zu brüllen, eine Runde durch den Park zu joggen oder einfach mal gemütlich aufs Klo zu gehen.

Nun lege ich die Kleene also vormittags und Mittags in der Einrichtung hin, nachmittags schläft sie dann im Tragetuch oder Wagen während der Hunderunde. Obwohl wir noch Schwierigkeiten mit der Lautstärke der Mitpatientenkinder haben, klappt das Hinlegen über den Tag erstaunlich gut und ich frage mich, warum wir uns zu Hause bis dato so abgemüht haben. Ich glaube, das Geheimnis liegt zum Teil in der Gruppendynamik. Dadurch, dass alle ihre Kinder Schlafen legen, fällt es mir persönlich leichter wirklich konsequent durchzuhalten, bis die kleine Krähe allem Gezeter zum Trotz eingeschlafen ist. Tröstlich ist außerdem, zu sehen, dass andere junge Familien mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.

Nun müssen wir nur noch an unserem Miteinander arbeiten, denn ohne Frage sind Kinder der Spiegel ihrer Eltern und auch wenn ich lieber meinen Lakritzkonsum während der Schwangerschaft dafür verantwortlich machen würde, muss ich doch zugeben, dass ich eine absolut unentspannte Mutter bin. Und ohne professionelle Hilfe kommen wir aus unserer Anspannungs-Spirale einfach nicht raus.

 

 

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