Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “August, 2014”

Wutbeulen

Vergangene Woche haben wir uns das erste Mal auf eine kleine Reise mit Kind begeben. Drei bis vier Stunden Autofahrt gen Norden zu der Mutter meines Mannes. Obwohl es in für uns gewohnte Gefilde gehen sollte, hat es mir mächtig vor den Tagen gegraut. Kurz zuvor hat es sich mein Kind nämlich abgewöhnt Nachts ihre fünf bis acht Stunden durchzuschlafen. Stattdessen wachte sie nun wieder zwischen null und eins und gegen drei Uhr morgens auf. Wenn man die allwissende Madame Google zu solchen Schlafphänomenen kleiner Kinder befragt, spuckt sie allerhand Erfahrungsberichte aus, aus denen hervorgeht, dass es wohl ab den vierten Monat mit Durchschlafen vorbei sein kann, selbst wenn das Kind Zeit seiner Geburt geschlafen hat wie ein Murmeltier. Im vierten Monat machen die Kleinen nämlichen einen gewaltigen Entwicklungssprung: Greifen, Drehen, Krabbeln, Brabbeln, Gucken sind alles Dinge die zwar noch lange nicht einwandfrei in ihrer Ausübung funktionieren, aber von nun an jeden Tag geübt werden. Und tatsächlich mussten die unruhigen Nächte auf diese Metamorphose zurückzuführen sein. Unser Gremmlin nimmt seit einigen Wochen den Klimbim, der am Spielbogen baumelt ordentlich in die Mangel. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass, je hässlicher das Spielzeug in den unwissenden Augen Erwachsener erscheint, desto beliebter ist es bei der Schnucke. Die in dezenten Creme- und Pastelltönen gehaltenen Bärchen und Bällchen, die eigentlich zu diesem „Activity-Center“ gehören, werden eiskalt ignoriert, während so ein klobiger rot-blau-gelber Klimperelefant mit tumorös erweiterter Schwanzspitze zu den Lieblingsobjekten gehört. Ästheten sind Babys wahrlich nicht. Außer dem gezielten Greifen, versucht sie sich in ihrem Babykäfig eifrig zu drehen. Vom Bauch auf den Rücken mag ihr das auch schon hin und wieder gelingen. Dabei guckt sie immer total überrascht. Viel besser klappen die Bewegungsabläufe übrigens, wenn sie komplett windelfrei rumliegt. Da wir mit Stoff wickeln hat sie vorallem mit Wollüberhose einen riesigen Windelpo, der sie in Bauchlage regelrecht aufbockt. Wenn sie kräftiger ist, wird sie auch dieses Hindernis sicher gut überwinden können. Momentan macht ihr das pofreie Liegen jedoch mehr Spaß. Ihre Interaktionsfähigkeit hat in den vergangenen Wochen auch mächtig zugelegt. Wir führen nun auf der Wickelkommode kleine Dialoge. Am meisten steht sie drauf, wenn ich Klingonisch mit ihr spreche. Da quiekt sie regelrecht vor Freude. Wer den Newsletter des Babycenters abonniert hat, der sollte den nicht unbedingt ungelesen in den virtuellen Mülleimer befördern. Dort gibt es nämlich jede Woche Tipps, welche Spiele sich gerade für die Kleinen eignen. Wer von Newslettern verschont bleibt, der kann sich auch direkt Anregungen holen: Babycenter, Wir spielen!

Wenn ich mir also vorstelle, was das kleine Froillein so alles in kürzester Zeit lernt, kann ich verstehen, wenn sie des Nachts nicht zur Ruhe kommt. Während unseres Kurztripps hat sich das Schlafverhalten jedoch wieder ganz gut eingependelt. In Anbetracht der unzähligen neuen Eindrücke, ist es wirklich Erstaunlich, wie gut sie das alles weggesteckt hat. An einem Tag sind wir mit ihr in die Therme nach Soltau gefahren. Die Bedingungen schienen mir ideal. Die Kleine liebt Baden, ist nun schon über drei Monate alt und die Wassertemperatur dort liegt bei 35°C. Und ich glaube, sie hat es wirklich genossen. Wir waren mit ihr zwei mal für je 10 Minuten im Wasser. Zwischendurch hat sie ein ordentliches Nickerchen gemacht. Insgesamt hat sie fast drei Stunden am Stück nicht gebrüllt. Ein Traum!

Der darauffolgende Tag war allerdings weniger Traumhaft. Noch vorm Frühstück war Madame übelster Laune und hat trotz des Einsatzes der Oma Zeter und Mordio geschrien. Um wenigstens in Ruhe meinen Kaffee (natürlich ohne Koffein) trinken zu können, habe ich sie gleich wieder angelegt. Trotz Brust im Mund – und das bedeutet nichts Gutes -ging das Gebrüll weiter. Also habe ich ihr die Windel ausgezogen, weil mir das Szenario schon bekannt vorkam. Das letzte Mal, als sie so untröstlich geweint hat, hatte sie sich nämlich den Bauchnabel rausgedrückt, was natürlich alles nur noch schlimmer machte. Diesmal hatte sich auf der rechten Seiten ihres Schamhügels ein ungefähr dattelgroßer Knubbel gebildet. Also wieder ein Bruch, diesmal in der Leiste. Nachdem ich sie hoch genommen habe, ist der Bruch wieder zurückgerutscht und sie hörte mit Weinen auf. Trotzdem sind wir noch am Vormittag mit ihr in die Klinik, da wir vor hatten am selben Tag noch nach Hause zu fahren und sie während der Autofahrt im MaxiCosi häufig sehr unzufrieden ist. Die Ärztin konnte natürlich nicht viel machen. Sie meinte nur, sollte das häufiger vorkommen, müsste der Bruch operativ geschlossen werden. Ansonsten sei es relativ unproblematisch, solange sich die Beule von selbst zurückzieht. Sollte das nicht der Fall sein, hätten wir immerhin drei Stunden Zeit mit unserer Wutbeule ins Krankenhaus zu fahren, bevor eine Darmschlinge, die unter Umständen in so einem Bruch abgeklemmt wird, schweren Schaden nimmt. Das war dann für mich doch so halbwegs tröstlich und wir konnten die Heimreise antreten.

Bis jetzt hat sich nichts wieder ausgestülpt, obwohl Prinzessin von der Beule schon wieder so einige, heftige Schreiattacken hatte. Hoffen wir, dass es so bleibt oder noch besser, die Wut weniger wird und einfach keine Beulen mehr schlägt.

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Muschi out of control

Obwohl wir in einer aufgeklärten Welt leben, in der es scheinbar kein Thema gibt, das indiskret genug wäre, um es tot zu schweigen, hinterlässt eine Schwangerschaft am weiblichen Körper Veränderungen, die weder im Mutter-Tochter-Gespräch noch im Geburtsvorbereitungskurs erwähnt worden sind. Dass die Brüste eine Etage tiefer rutschen, anschwellen bis die Haut zu reißen beginnt, die Brustwarzen zu Salamischeiben mutieren, die Hosen nach Entbindung nicht mehr zu gehen sind ja weitestgehend bekannte Tatsachen und werden auch gemeinhin akzeptiert. Schließlich diente unser Körper erst als Vollpension für den kleinen Bauchzwerg, später dann als externe Nahrungsquelle. Was jedoch im Untergeschoss so los ist, davon redet keiner.

Was ich bereits nach den ersten, schmerzhaften Versuchen meinem Mann wieder näher zu kommen, geahnt habe, brachte mein Gynäkologe bei der Abschlussuntersuchung (6 Wochen nach Entbindung) auf den Punkt: „Tja, das sieht hier alles….ich würde sagen, ein wenig runtergewirtschaftet aus. Ihre Schleimhaut befindet sich wegen des Östrogenmangels derzeit auf dem Stand einer 70 Jährigen.“ Nun, wo er recht hat….

Machen könne man da recht wenig, meinte er. Da ich voll stille, wird das Östrogen durch Prolaktin unterdrückt. Selbst Milchsäurebakterien von außen zu zu führen würde wenig bringen, da diese ohne Östrogen nicht wachsen können. Also schrieb er mir ein Gleitgel auf, mit dem ich mich untenrum ein wenig erfrischen und es auch beim Verkehr anwenden könne. Wenn es mich sehr stören würde, dann solle ich noch mal wieder kommen, denn Notfalls könne er mir auch ein östrogenhaltiges Gel aufschreiben, was lokal wirkt und daher auch bei stillenden Frauen verwendet werden darf.

Bis jetzt liegt das Rezept immer noch hier rum, denn da unten ist noch so einiges mehr im Argen, als nur eine abgegraste Fauna. Mein Beckenboden muss ebenfalls enorm gelitten haben. Kurz nach der Geburt hatte ich schon das Gefühl, mein Uterus würde herauskatapultiert werden, sobald ich niesen musste. Eine Physiotherapeutin gab mir daraufhin den Tipp über die Schulter zu niesen. Für husten sollte das Gleiche gelten. Also habe ich nicht lange gefackelt und bereits wenige Tage nachdem wir zu Hause waren mit Rückbildungsübungen begonnen. Dabei habe ich mich vorher mit meiner Hebamme besprochen, was ich denn alles machen darf. Beim durchturnen des Yoga-Zoos, wie wir es im Schwangeren-Yoga gemacht haben, wurde mir dann bewusst, dass nichts mehr ist, wie es mal war. Ich bin mir sicher, dass jede Frau mindestens einmal in ihrem Leben davon heimgesucht wurde: Muschipüpse! Dass dieses Phänomen keine Seltenheit sein kann, beweist die Existenz eines Wikipedia Eintrags zum Flatus vaginalis.

Das erste Mal Opfer dieser ungeahnten Körperfunktion wurde ich beim Sex mit meinem ersten Freund. Wie das kommt, wird sich jede/r denken können. Falls nicht, lest in oben erwähnten Artikel nach. Ich sag nur Pumpe-Kolben-Prinzip. Seit der Entbindung sucht mich der fiese Muschipups jedoch bei allen erdenklichen sportlichen Übungen heim. Selbst wenn ich einfach nur im Bett auf der Seite liege und ein Bein anziehe, merke ich, wie sich das Gewölbe im Souterrain öffnet und Luft reingesogen wird. Da das Entweichen unwillkürlich bei der nächsten Bewegung ein Geräusch verursacht, brauch ich ja nicht zu erklären in welch prekäre Lage einen das bei sportlichen Aktivitäten in aller Öffentlichkeit bringen kann! Nun habe ich ein wenig recherchiert und obwohl es bisher noch an wissenschaftlichen Untersuchungen zum Flatus vaginalis mangelt, ist sich die Internetgemeinde einig: Ein verwahrloster Beckenboden begünstigt ihn. Zudem nehme ich an, dass eine trockene Scheide ebenfalls Tür und Tor für einströmende Luft öffnet. Schließlich sorgt das Sekret durch Kohäsionskräfte zum Verschluss des Eingangs. Mein Plan ist nun, zu Hause meinen Beckenboden zu kräftigen, bis ich wieder die volle Kontrolle über meine weibliche Körperöffnung erlang habe. Erst dann kann ich mich zur Rückbildungsgymnastik anmelden. Aber wer weiß, vielleicht sehe ich das auch zu kritisch und Rückbildungskurse sind in Wirklichkeit eine Gruppe fröhlich dreinpupsender Muschis…äh Muttis, die immer kichern, wenn ihnen einer entwischt und dann auf ihr Baby zeigen und rufen: „Der kleine Timmi wars!“

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