Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “Mai, 2014”

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein ausführlicher und langer Bericht über die Geburt unserer Tochter folgen. Aber ich musste feststellen, dass lange Beiträge mit Kind einfach nicht möglich sind. Zumindest nicht in den ersten Wochen. Nun fasse ich mich kurz und schreibe zusammenfassend, was alles nach „Mittwoch“ – als ich eine Fortsetzung versprach- geschah.

  • Die Geburt

Tatsächlich ging ich am Mittwoch Abend mit wehendem Bauch ins Bett. In der Nacht, gegen drei Uhr beschlossen mein Mann und Ich in die Klinik zu fahren, da ich die Schmerzen nur noch laut veratmen konnte und wir unsere Nachbarn nicht unbedingt am Geschehen teilhaben lassen wollten. Im Kreißsaal hielten wir dann schließlich vier Schichten auf Trapp. Erst am Donnerstag gegen 21 Uhr habe ich mit letzten Kräften die Kleine zur Welt gebracht. Die Geburt war echt ein Höllentripp und entsprach alles in allem meinen Befürchtungen. Selbsterfüllende Prophezeihung oder kenne ich mich einfach zu gut? Wie ich es mir hätte denken können, hatte ich eine Wehenschwäche. Irgendwie typisch für mich. Schließlich haben meine körpereigenen Hormone schon immer geschwächelt. Nach 12 Stunden kam der Oxytropf zum Einsatz und wer bereits einen Wehentropf bekommen hat, weiß, dass diese Art von Wehen übler Natur sind. Vor der Kreißsaaltüre lungerte bereits die Oberärztin mit gewetzten Messern und reservierte den OP für uns. Zum Glück haben die Herztöne der Kleinen durchgehalten. Ein Dammschnitt, der definitiv NICHT auf dem Höhepunkt der Wehe geschniten wurde, blieb mir ebenfalls nicht erspart und mit ihrer Schulter hat mir mein Klöpschen den Rest gegeben und mir noch einen Labienriss beschert. Nach der Entbindung entsprach mein körperlicher Zustand in etwa Pflegestufe 3. Ich konnte mich kaum im Bett aufsetzen, geschweige denn laufen.

  • Erste Tage und Nächte mit Kind

Logischer Weise bin ich in der Klinik geblieben. Lächerlich, dass ich überhaupt über eine ambulante Geburt nachgedacht habe. In diesem Zustand nach Hause? Unmöglich. Zu unserem Glück konnten mein Mann, die Schnegge und ich ein Familienzimmer beziehen. Die ersten Tage war der pflegerische Einsatz meines Liebsten enorm wichtig für uns, vom seelischen Beistand mal ganz abgesehen. Denn natürlich läuft vieles Anfangs überhaupt nicht so, wie es sich das Klinikpersonal vorstellt, auch wenn es vielleicht von der Natur so vorgesehen ist. Dabei spreche ich hauptsächlich vom Stillen.

  • Stillen

Noch im Kreißsaal wurde mir die Kleine auf die Brust gelegt und fing sofort wie eine Wilde an, nach der Milchquelle zu fahnden. Das war echt großartig, wie sie so frisch auf der Welt sofort zu trinken anfing und ich war guter Ding, dass das Laufen wird, wie am Schnürchen. Einen Tag später hatte sie jedoch schon so viel ihres Geburtsgewichts verloren, dass sie haarscharf an der 10%-Grenze kratzte. Und dann fing der Stress an: Wiegeprobe um die Trinkmenge zu ermitteln, Abpumpen damit der Milchfluss in Gang kommt, Zufüttern mit abgepumpter Milch und HA-Nahrung…natürlich alles ganz Babyfreundlich mit Bechermethode, Sonde am Nippel und Sondenfütterung per Finger…blos keine Saugverwirrung verursachen. Mir stands echt bis „hier“ und ich habe geheult und geflucht: „Kann denn nicht mal was funktionieren? Wozu habe ich diese nutzlosen Dinger? Erst kriegt es mein Körper nicht hin, schwanger zu werden, dann schaffe ich es nicht ohne hormonelle Unterstützung zu gebären und dann versage ich auch noch bei der Milchproduktion.“ Dabei weiß ich doch, dass sich der Milcheinschuss in der Regel 48-72 Stunden Zeit lässt. Irgendwas muss sich die Natur doch dabei gedacht haben. Frau Stadelmann spricht in der Hebammensprechstunde vom „Fasten“ des Kindes nach der Geburt. Als sich meine Möppis schließlich nach und nach mit Milch füllten, hat die Kleine meine Brüste wie von der Tarantel gestochen angeschrien. „Na super, jetzt haste Milch, aber das Kind will nicht mehr trinken.“ Und auch dieses unzufriedene Gebaren der Kinder ist typisch für die Zeit des Milcheinschusses. Hab ich alles mal gelernt. Konnt ich dann aber nicht mehr glauben, wenn die Schwester sich hinstellt und mich mit Kommentaren, wie: „die Muddi ist so unentspannt, das spürt das Baby“ abspeist. Klar war ich unentspannt. Das Kind verlor Gewicht, ich musste zufüttern, meine Nippel haben geblutet! Aber was nützt mir so ein überflüssiges Gerede, außer, dass ich noch unentspannter werde?

Nun gut, am Sonntag sind wir dann so langsam klar gekommen, mit den Brüsten, dem Abpumpen, dem Geschrei und Zufüttern. Gut Ding will Weile haben. Ein Mantra für alle Menschen mit Kinderwunsch, Babybauch oder Kind aufm Arm. Zur Entlassung haben wir ein Pumpenrezept mitbekommen. Die Milchpumpe steht nun glücklicher Weise unbenutzt in der Ecke. Die Brustwarzen sind mittlerweile verheilt und die Kleine brüllt die Brüste auch nicht mehr an. Manche Dinge lösen sich von selbst, wenn frau erst einmal zu Hause ist.

Hier meine Tipps zum Thema Stillen:

Durchhalten und Zähne zusammen beißen! Es lohnt sich einfach, wenn man ohne Fläschchen, Vaporisator und pi pa po unterwegs sein kann.

Richtiges Anlegen – lasst es euch in aller Ruhe von einer Fachfrau zeigen. Wunde Brustwarzen sind häufig eine Folge falschen Anlegens.

MultiMam-Kompressen – Gegen wunde Brustwarzen ein gutes, kühlendes Mittel.

Still-BH – kann ich gar nicht ab. Sobald ich sowas trage, schnürt es mir alle Milchkanäle ab und ich bekomme richtige Schmerzen. Derzeit laufe ich unter dem Motto: „Brüste raus- wir schreiben eine Klassenarbeit“ durch die Wohnung.

Viel Trinken – zusätzlich zu Wasser am besten Stilltee, Malzkaffee, Ovomaltine oder das gute alte Malzbier (ohne Alkohol versteht sich)

Gut essen – Diäten sind vielleicht was für Superstars, die 24 Stunden nach der Entbindung wieder auf der Bühne stehen müssen und ihr Kind von einer Nanny großziehen lassen, aber nix für Stillende.

  • Der Dammschnitt

Dieses Thema plagt mich bis heute, allerdings scheine ich nun doch etwas gefunden zu haben, was mir Linderung verschafft. Ich habe mich überwunden und das Sitzbad von der Frau Stadelmann besorgen lassen. Zwei mal habe ich mein Untergestell erst in die ätherische Salzlösung gehalten und habe tatsächlich den Eindruck es würde besser werden. Zuvor habe ich mit einer Lösung aus Kamillan und Mercurialis perennis gespült, was zwar nach dem Toilettengang angenehm ist, jedoch keine Besserung an der Naht brachte. Dazu kann ich nur empfehlen, soviel es geht ohne Binden und Schlüppi rum zu liegen. Am besten natürlich auf einem Handtuch, um die Sauerei so gering wie möglich zu halten.

  • Die Psyche

Das Tabuthema schlechthin! Wie fühlt sich eine junge Mutter tatsächlich in den ersten Tagen nach der Geburt? Ganz klar ist die Geburt eines Kindes ein riesen Einschnitt in unserem Leben. Obwohl wir ja 40 Wochen Zeit haben uns darauf vorzubereiten, läuft dann vieles doch anders als gedacht. Auch gefühlsmäßig durchleben wir ganz unterschiedliche Welten. Die ersten Tage nach der Entbindung war meine Grundstimmung noch ganz gut, begleitet von Euphorie, ein wenig Stolz und Überwältigung. Verzweiflung kam auf, wenn es mit Stillen nicht klappte. Zu Hause, etwa am vierten, fünften Tag überkam mich vorallem Abends eine Art Wehmut. Ich war traurig, nicht mehr schwanger zu sein, vermisste meine Tochter in meinem Bauch und dachte viel über ihre Zukunft nach. Wird sie es mal gut haben? Wie werden sich die weltweiten Konflikte entwickeln? Wird sie einen Krieg miterleben müssen? Dazu forderte der Schlafmangel seinen Tribut. Das zehrt an den Nerven und manchmal war ich mit einem Anflug von Panik konfrontiert, ob wir das alles schaffen, alles richtig machen. Und dann habe ich sie manchmal angesehen und einfach nur so geweint, weil sie so hübsch ist und mich gefragt, wie wir das hinbekommen haben. Diese ganzen Gefühle haben mir auch Angst gemacht, weshalb ich mit meiner Hebamme darüber gesprochen habe. Sie wird nun ein besonderes Augenmerk auf meine psychische Konstitution haben. Seit ein paar Tagen fühle ich mich Abends allerdings deutlich besser. Wahrscheinlich pendeln sich die Hormone langsam ein und Körper und Geist finden sich in der neuen Rolle als Mutter. Wahrscheinlich braucht es auch einfach Zeit, sich selbst in dieser Situation kennenzulernen un seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Wer Nachts keinen Schlaf findet, muss halt so viel es geht tagsüber ruhen. Die Wohnung wird nun auch für die nächsten Wochen nicht mehr wie gestriegelt aussehen und gebloggt wird nur, wenn das Baby schläft und Mama die Augen offen halten kann 🙂

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal, wann auch immer das sein wird.

 

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Es folgt: Die Fortsetzung

Ein paar neue Erkenntnisse hat der Besuch beim Gyn gebracht. Zuerst wurde ein CTG geschrieben auf dem ich immerhin einen schönen Wehenberg hatte, der auch gut nach vorn gezogen hat. Die Hebamme untersuchte mich anschließend äußerlich und war begeistert, wie wunderbar Kopf und Becken zusammenpassen würden und sich das kleene Froillein im Becken positioniert hat. Wenn es nach ihr ginge, würde das nur so flutschen. Na…ich bin gespannt. Größenmäßig wird es wohl eher eine zarte Madame. Ein geschmeidiger 3000-Gramm-Ziegelstein. Plus/minus 400 g versteht sich. Die vaginale Untersuchung durch Herrn Gyn zeigte dann auch, dass meine „Wehen“ sich bereits am Muttermund nützlich gemacht haben. Der ist zwar noch geschlossen, aber die Cervix nur noch als Wulst erhalten. Seine dehnbare Prognose: „Bis zur 42. SSW werden Sie wohl nicht kommen.“

Momentan sehe ich uns eher diese Nacht in die Klinik aufbrechen. Gegen Nachmittag haben die „Wehen“ wieder zugenommen und ich puste alle 10-20 Minuten was weg, von dem ich nicht weiß, ob es „Wehe“ oder WEHE ist. Mein Mann meinte dann beim Abendbrot, solche Vorwehen sollen ruhig genutzt werden, um das Erlernte aus dem Geburtsvorbereitungskurs zu festigen. Ähm…nun ja….ich habe nicht mehr das Gefühl zu üben, sondern das Bedürfnis so zu atmen. Ich frag mich, ob das jetzt ernsthaft die nächsten anderthalb Wochen, jeden Abend, jede Nacht so weiter gehen wird, bis es irgendwann richtig stürmt oder, ob sich noch die kommenden 48 Stunden etwas tun wird.

Es bleibt spannend…

Es geht wohl los, oder wat?

Seit der letzten Akupunktur am vergangenen Donnerstag, die meinen Muttermund geschmeidig machen soll,  habe ich wieder jeden Tag harte Bäuche, vermehrt in den Abendstunden, aber auch tagsüber häufig genug. Im Laufe der Woche gesellte sich dann so drei Mal täglich ein kräftiges Ziehen hinzu, was in meiner Vorstellung richtigen Wehen schon nahe kommt. Da ich mal dokumentieren wollte, ob die Mini-Wehen bereits in einem regelmäßigen Abstand an- und ablasen, habe ich mir sogar eine Wehenschreiber-App runtergeladen und die plärrte gleich am Montag irgendwas von baldigen Geburtsbeginn. Von regelmäßigen Abständen war und bin ich zwar weit entfernt, dafür halten die Kontraktionen beinahe jedes Mal über eine Minute an. Grund genug für eine App, die bevorstehende Niederkunft zu prophezeien.

Diese Nacht gegen 4Uhr30 wurde ich dann von Krämpfen geweckt und bin erst Mal auf Toilette. Wie im Lehrbuch und wie ich es bereits von 15 Jahren Periode kenne: Durchfall. Ok…das hat mich dann doch stutzig gemacht. Aber die Müdigkeit besiegte die Sorgen und ich legte mich wieder schlafen. Bis 7 hatte ich dann etwa halbstündlich diese seltsamen Kontraktionen, mit schön Ziehen nach vorn und hinten, weshalb ich mir dachte, jetzt kannst du den Herrn Gemahl ein wenig wuschig machen. Bei der nächsten Kontraktion und Rumrollen im Bett lief mir dann Flüssigkeit unten raus. Es war nicht viel und so blieb ich bis halb Neun liegen. Die Abstände schienen sich zu vergrößern, das Ziehen blieb. Beim Aufstehen lief dann wieder eine durchsichtige Flüssigkeit das Bein runter. Keine Ahnung, ob es vielleicht ein hoher Blasensprung war…Schwangere laufen ja eh kontinuierlich aus…da ich heute ohnehin einen CTG-Termin habe, die Kleine ordentlich tritt und weder weitere Flüssigkeit abgegangen ist, noch die „Wehen“ stärker geworden sind, habe ich mich entschlossen, nach Rücksprache mit meiner Hebamme, abzuwarten und zu schauen, was der Gyn sagt. Bei einem Blasensprung müsste ich ja auf jeden Fall eine Antibiose bekommen und dann sollten auch möglichst bald richtige Eröffnungswehen einsetze. Aber wie sicher kann man das nachweisen? Meist wird ein pH-Test in die Scheide gehalten. Durch das Milchsäure-Milieu stellt sich dieser aber sowieso wieder nach einer Weile auf sauer ein. Die Fruchtwassermenge per US zu bestimmen, macht ebenfalls wenig Sinn, da die vorherigen Werte unbekannt sind und ein halbes Schnapsglas kaum ins Gewicht fällt. Als letzte Möglichkeit fällt mir ein, dass sie schauen können, ob die Blase vorm kindlichen Kopf noch steht. Vorausgesetzt die Eihüllen sind an dieser Stelle geplatzt. Das würde auch die geringe Menge erklären. Denn wenn der Kopf bereits so tief im Becken steht, verschließt er den Ausgang wie ein Stöpsel und es läuft kaum was nach. Ich bin gespannt, was wir in einer Stunde gesagt bekommen. Am Schluss quäle ich mich hier immernoch mit Senkwehen herum und habe eine außerordentlich Produktive Vaginalschleimhaut…und das kleene Froillein kommt 10 Tage nach Termin *augenrollrollrollrollroll*

Ansonsten fühle ich mich total kraftlos, müde und durstig. Mein Bauch grummelt, mir ist ein bisschen schlecht, Hunger bzw. Appetit habe ich trotzdem noch. Oh man…und hin und wieder überkommt mich Panik….

Fortsetzung folgt…..

Das CTG

Das Baby sitzt im wahrsten Sinne des Wortes in den Startlöchern. Ein paar Senkwehen vergangene Woche haben das kleine Froillein mit dem Kopf voran ins Becken rutschen lassen. Nun warten wir -mal mehr, mal weniger geduldig- ab und harren der Dinge, die da kommen.

Als kleinen Zeitvertreib möchte ich euch heute ein paar Fakten über das Gerät näher bringen, mit dem die meisten Schwangeren mehr Zeit verbringen, als mit ihrem Toaster: Dem CTG-Gerät! Die Abkürzung CTG steht für Cardiotokografie, was nichts anderes bedeutet, als dass Herzfrequenz (cardio) und Wehentätigkeit (toko) aufgezeichnet werden. Während für das Verständnis der Herzfrerquenzregistrierung ein paar Physikkenntnisse erforderlich sind, lässt sich der Wehenschreiber recht einfach erklären. Es handelt sich dabei nämlich lediglich um einen Druckmesser, der die Spannung der Bauchdecke registriert und in ein schreibbares Signal umwandelt. Bei der Interpretation ist jedoch Vorsicht geboten, da der Tokoknopf nur relative Werte ausspuckt. Es wird also immer nur die Abweichung zum Grundtonus der Bauchdecke registriert, weshalb Hebamme oder Arzt nach Anlegen immer diesen Eichknopf am Gerät drücken, wodurch auf dem Display bei ruhiger Gebärmutter meist Zahlen um die 20 erscheinen. Die wahre Intensität und Auswirkungen einer Wehentätigkeit bleiben also trotz aller technischer Errungenschaften mehr oder weniger der Einschätzung der Frau vorbehalten. Gerade bei Frauen, die viel Unterhautfettgewebe besitzen, zeichnet der Wehenschreiber nichts oder nur kleine Hügelchen auf. Wohingegen schlanke Damen selbst bei Übungskontraktionen schon ein ordentliches Hochgebirge vorweisen können. Wer den Wehenschreiber richtig anlegen möchte, platziert ihn rechts oben auf dem höchsten Punkt der Gebärmutter, auch Fundus uteri genannt. Von dort starten die Wehen nämlich ihre wallende Reise durch den Bauch. Eine fertig geschriebene Wehe sieht dann in aller Regel wie ein Hügel aus. Und das entspricht ja auch meist der Wahrnehmung. Sie fängt langsam an, steigert sich stetig bis zu einem Höhepunkt und fällt dann in der selben Intensität ab, wie sie gekommen ist. Kleine Zacken auf dem Tokogramm- was sich übrigens fast immer im unteren Bereich des aus dem Gerät herausquellenden Papiers  befindet- stammen hingegen meist von Boxkämpfen und Tritten eures Kindes mit der Gebärmutterwand.

Die Aufzeichnung und Interpretation der kindlichen Herztöne ist schon weitaus komplexer und erfolgt mittels Ultraschall-Doppler-Verfahren. Dabei werden nicht nur die Bewegungen der kindlichen Herzklappen registriert und damit die Geschwindigkeit des Herzschlags ermittelt, sondern auch Kindsbewegungen aufgezeichnet. Für eine realistische Interpretation des CTGs ist es wichtig, einen Ausschnitt von mindestens 30 Minuten zu erfassen. Zudem sollte die Aufzeichnung von guter Qualität sein. Gerade in frühen Schwangerschaftswochen schwimmen die Kleinen den Ultraschallwellen davon und es entstehen Lücken im CTG. Am vielen Geräten könnt ihr dann beobachten wie das Lämpchen von grün auf gelb und dann auf rot springt und häufig hört ihr dann statt der beruhigenden Lokomotive nur noch ein kosmisches Rauschen. Das ist kein Grund zur Sorge! Das Herz eures Kindes schlägt trotzdem noch, nur nicht im Erfassungsbereich des Ultraschallkopfes. Damit jedes CTG vergleichbar ist, wurde für CTG-Schreibungen vor der Geburt ein Punktesystem zur Interpretation geschaffen. Tja, noch nicht einmal auf der Welt, müssen unsere Kinder schon ordentliche Punktzahlen nach Hause bringen. Dieses Bewertungsschema wird „Fischer-Score“ genannt und zieht 5 verschiedene Kriterien in Betracht, die jeweils mit bis zu 2 Punkten bewertet werden können:

  • Baseline oder Niveau: Hierbei wird der Mittelwert der Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum beobachtet. Praktisch gesehen legt man also eine gedachtes Lineal durch die geschriebene Kurve. Der Norm entsprechen Werte zwischen 110-150 Schläge pro Minute (spm), wofür es 2 Punkte geben würde. Nun erschreckt aber bitte nicht, wenn euer im Mutterleib tobendes Kind Zahlen von 170 o.ä. am Gerät produziert. Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Akzelerationen, die meist durch Kindsbewegungen oder manchmal durch Wehentätigkeit verursacht werden. Von einer erhöhten Herzfrequenz (Tachykardie) spricht man, wenn das Herz über 10 Minuten schneller rast als 150 spm. Bei verlangsamter Herzfrequenz (Bradykardie) ist man da meist strenger. Nicht länger als 5-10 Minuten sollte das Grundniveau auf unter 110 spm abfallen. Wird eine Bradykardie beobachtet, sollte kontrolliert werden, ob die Frau auf dem Rücken liegt. Gerade in der fortgeschrittenen Schwangerschaft drückt das Gewicht von Uterus und Kind auf die Bauchvene und führt zum Vena-Cava-Kompressionssyndrom, was nichts anderes heißt, als dass die Blutversorgung des Feten verschlechtert wird. Auch ein Seitenwechsel der liegenden Frau kann mitunter helfen.
  • Oszillationsamplitude (Bandbreite) und Oszillationsfrequenz (Nulldurchgänge): Nun wird es wirklich kompliziert! Ohne ein Bild lässt sich das kaum erklären, aber ich versuche es einmal. Vielleicht hat euer Kind schon einmal während des CTGs geschlafen. Dann dürfte euch aufgefallen sein, dass auf dem Display immer wieder die selben Zahlen erschienen sind: 125, 124, 126, 123, 125, 124….usw. Die geschriebene Kurve sieht dann sehr eingeengt aus, mit kleinen Zacken, bei denen sich Berg und Tal kaum in der Höhe unterscheiden. Wenn dies so ist, spricht man vom eingeengt undulatorischen oder silenten Oszillationstyp. Die Bandbreite variiert also in Bereichen von maximal 10 bis unter 5 spm. Auch das ist nicht weiter schlimm, solange es auf den Schlaf- oder Ruhezustand des Kindes zurückzuführen ist. Obwohl wir unseren Bauchzwergen gerne eine Mütze Schlaf gönnen, sollte ein Weckreiz erfolgen. Dazu könnt ihr euch entweder mit ordentlich Schwung auf die andere Seite drehen oder mal ein klingelndes Handy an den Bauch halten oder an selbigen wackeln. Wenn alles in Ordnung ist, reagiert das Kind auf den Weckreiz mit einer kurzen Beschleunigung des Herzschlages und Kindsbewegungen bzw. einem ordentlichen Tritt in die Leber. Völlig anders zeigt sich das Bild eines saltatorischen CTGs. In diesem Fall springt die Herzfrequenz über 25 spm von oben nach unten. In diesem Fall befindet sich das Herz-Kreislaufsystem in einem „Zustand der Kompensation“, d.h. nach Anstrengungen, wie Uterus-Karate, also heftigen Kindsbewegungen muss das Herzchen erstmal die Anstrengung verarbeiten und sich langsam runterfahren.
  • Akzelerationen: Diese bis zu 10 Minuten andauernde Beschleunigung der Herzfrequenz von über 15 spm sind in aller Regel ein gutes Zeichen und durchaus gewünscht. Gerade die sporadisch auftretenden Akzelerationen während Kindsbewegungen oder Anstupsen der Kleinen, sind gewünschte Reaktionen auf Stress und machen ein schönes CTG aus. Etwas skeptisch werden hingegen periodische Akzelerationen gesehen, die im Zusammenhang mit der Wehentätigkeit auftreten. In diesem Fall versucht das kindliche Herz einen Sauerstoffmangel durch Beschleunigung der Frequenz zu kompensieren.
  • Dezelerationen: Alles in allem ist ein Abfall der kindlichen Herzfrequenz um mehr als 15 spm immer als Obacht-Zeichen zu sehen. Das einzige, was man euch noch durchgehen lassen wird, sind sporadisch auftretende Dezelerationen, die nicht länger als 30 sec andauern. Diese „Spikes“ oder „Dip 0“ sehen in der Kurve aus, wie lange, dünne Speerspitzen nach unten. Die Ursachen sind häufig harmloser Natur, wie das Spiel eures Kindes mit der Nabelschnur oder Schluckauf. Ungünstiger sind Dezelerationen, die im Aussehen einer Badewanne ähneln.  Hier fallen die Herztöne, wegen einer Dauerkontraktion des Uterus, Rückenlage der Mutter oder einer vollständigen Nabelschnurkompression für mehr als 3 min ab. Periodische Dezelerationen hingegen haben ihre Ursache immer in der Wehentätigkeit und sind daher fast immer unter der Geburt zu beobachten. Inwiefern sie als Zeichen für eine Gefährdung eures Kindes zu sehen sind, werden Hebamme oder Arzt entscheiden.

Hier habe ich mal ein Zusammenfassung über die CTG-Auswertung als pdf erstellt: Punktesystem CTG Alle Angaben habe ich aus dem Lehrbuch „Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf“, Geist, Harder, Stiefel, 3. Auflage, 2005, Hippokrates Verlag, Stuttgart nach bestem Wissen zusammengefasst. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die Richtlinien zur Auswertung und Interpretation ständig ändern und dem neusten Stand der Wissenschaft angepasst werden. Es soll euch nur einen kleinen Einblick in das Bewertungssystem geben, falls ihr euch über die Punktzahlen wundert.

Wie ihr seht, ist die Auswertung der kindlichen Herztöne eine Wissenschaft für sich und bedarf sehr viel Erfahrung. Angehende Hebammen und Ärzte müssen meist hunderte Cardiotokogramme zur Hand nehmen, um sich einen groben Überblick über Grenzen und Möglichkeiten dieser Kurven zu verschaffen. Und selbst erfahrenen Geburtshelfern gelingt es nicht immer eindeutige Rückschlüsse auf das Wohlergehen des Kindes zu ziehen. Daher halte ich die Anschaffung von Geräten, wie dem Angelsound für sehr fragwürdig. Sobald man das Kind spürt, ist es völlig unnütz für den Laien, die Herzfrequenz des Ungeborenen abzuleiten. Wenn ihr euer Kind zu lange nicht gespürt habt, dann wackelt ein wenig am Bauch, kitzelt an den Spitzen Teilen, die sich gegen die Bauchdecke drücken oder lasst die Hüften kreisen. Kommt eine Antwort, könnt ihr erst mal beruhigt sein und dann immer noch zu den Profis fahren, wenn euch der Nachwuchs zu träge erscheint.

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