Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “April, 2014”

Präeklampsie und Vitamin D

Kein Angst ihr Lieben, bisher verläuft meine Schwangerschaft komplikationslos. Blutdruck, Pipi und Allgemeinbefinden sind im grünen Bereich und dennoch möchte ich mich heute einem Thema widmen, was ich lange aufgeschoben habe: Dem Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und dem Risiko an einer Präeklampsie zu erkranken.

Mein Gerinnungsspezialist hat mich bereits zu Beginn der Schwangerschaft darauf hingewiesen, dass meine Vitamin-D-Werte im Keller sind und mir nahe gelegt, von nun an jeden Tag 1000 mg Vitamin D zu mir zu nehmen. An dieser Stelle komme ich nicht umhin, darauf hin zu weisen, in welchem Monat es bei uns geschnackselt hat. Der September wars! Und da sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass die Speicher dank frischer Luft und Sonnenlicht aufgefüllt sind. Doch allem Anschein nach, ist mein Vitamin-D-Metabolismus nicht gerade der Fleißigste und so musste ich eben wieder mit künstlichen Mittelchen aufstocken, wie ich es bereits während der Kinderwunschbehandlung getan habe.

Früher nannte man die Präeklampsie „Schwangerschaftsvergiftung“, da die typischen, krankhaften Symptome Bluthochdruck und Eiweißausscheidung erst während der Schwangerschaft auftreten und man daher schlussfolgerte die Schwangerschaft würde vom Körper nicht verkraftet werden und führte zu „Vergiftungserscheinungen“. Obwohl die Präeklampsie mit einem Auftreten von 3-10% weltweit zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen gehört,  ist die tatsächliche Ursache für das Auftreten einer Präeklampsie bis heute unklar. Sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Forscher wurde in den vergangenen Jahren dem Vitamin-D-Status der Schwangeren gewidmet. Gerade in den USA sind zahlreiche Studien erschienen, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Serum-Vitamin-D und Präeklampsie herstellen konnten. So wird der Verdacht gehegt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Präeklampsie zunimmt, wenn der 25 (OH)D-Gehalt im Blutserum ein Level von 50 nmol/L  unterschreitet. Dabei ist noch nicht geklärt, in welchem Stadium der Schwangerschaft die niedrigen Vitamin-D-Werte von Bedeutung sind. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung vorallem im zweiten Trimester von Bedeutung ist.

Inwiefern nun Vitamin-D die Entstehung einer Präeklampsie verhindern kann, ist zwar bisher nicht dargelegt, dennoch scheint die Aufgabe des Vitamins für das Aufrechterhalten einer gesunde Schwangerschaft logisch. Denn zum Einen greift es in die Regulation unseres Blutdruckes ein, indem es das in der Niere gebildete und blutdrucksteigernde Renin unterdrückt und die glatte Muskulatur der Blutgefäße beeinflusst. Daneben wirkt es auf Insulinhaushalt und  Blutgerinnung.

Die Entstehung einer Präeklampsie erfolgt in zwei Phasen. Zuerst zeigt sich an der Plazenta eine unzureichende Durchblutung, die mitunter durch fehlerhafte Einnistung der Eizelle zu Beginn der Schwangerschaft zustande kommen kann. Um diesem pathologischen Zustand entgegen zu wirken, werden daraufhin in der zweiten Phase  Stoffe produziert, die das Signal für weitere Maßnahmen des Organismus geben, diesem pathologischen Zustand entgegen zu wirken. So werden die Nierengefäße zu Veränderungen veranlasst, die sich letztlich in einer Ausscheidung von Eiweißen (Proteinurie) äußert. Häufig kommen aufgrund der veränderten Nierenfunktion Ödeme hinzu, die allerdings im Vergleich zu den immens hohen Blutdrücken, die Betroffene entwickeln, das geringste Problem darstellen. Da die aktivierte Form des Vitamins 1,25 (OH)2D auf molekularer Ebene zur Regulation gewisser Gene beiträgt, die maßgeblich an einer normalen Plazentation und Entwicklung des Mutterkuchens beteiligt sind, liegt die Vermutung nahe, dass unzureichende Vitamin-D-Level einen negativen Einfluss auf die gesunde Entwicklung einer Schwangerschaft haben können.

Gerade für Frauen, die sich aufgrund des PCO-Syndroms oder anderweitiger hormoneller Störungen einer Kinderwunschbehandlung unterzogen haben, halte ich es für wichtig, die Vitamin-D-Versorgung auch bei Eintreten einer Schwangerschaft im Auge zu behalten. Das selbe würde ich Frauen empfehlen, die ein erhöhtes Risiko haben, eine Präeklampsie zu entwickeln. Vorallem Hebammen stehen der Versorgung mit künstlichen Vitaminpräparaten -mitunter zu Recht- kritisch gegenüber. Immer wieder wird zum Thema Vitamin-D argumentiert, dass es ausreichen würde, den Unterarm 20 Minuten in die Sonne zu halten, um seinen Tagesbedarf zu decken und wahrscheinlich trifft das auf die Mehrheit der Bevölkerung auch zu. Bei wem die Werte jedoch wiederholt, trotz ausgiebiger Spaziergänge an der frischen Luft zu niedrig waren, sollte mit seinem Arzt über die zusätzliche Einnahme von Vitamin-D während Kinderwunsch und Schwangerschaft sprechen.

Meine Literaturquelle: M. Tabesh, A. Salehi-Abargouei, M. Tabesh, A. Esmaillzadeh: „Maternal Vitamin D Status and Risk of Pre-Eclampsia: A Systemic Review and Meta-Analysis“ J Clin Endocrinol Metab 98: 3165-3173, 2013

Sellerie, Sellera und Bienenstich

Bauch in der 32. SSW

Bauch in der 32. SSW

Mein schwangerer Körper hat sich einen neuen Spleen ausgedacht: Ich nenne ihn die verderbliche Sellerie-Lust. Seit unserer Einweihungsparty, zu der wir verschiedene Gemüse als Dipp-Snack zurecht geschnibbelt hatten, treibt mich der Heißhunger auf die köstlichen, zarten, grünen Stangen um. Nun könnte man ja meinen, der Körper versucht sich mit solchen Signalen zu holen, was ihm fehlt oder die Mär von den natürlichen Instinkten aufbeten…da meine sogenannten „Instinkte“ jedoch schon während meiner Lakritz-Phase total fehlgeleitet waren und ich derzeit gerne an allem schnüffeln würde, was seinen Ursprung in einem Chemiewerk hat, habe ich lieber mal Madame Google um Rat gefragt, was es denn mit meinem neuen Gaumenfreund auf sich hat. Und natürlich habe ich mit meiner Auswahl wieder einmal voll ins Schwarze getroffen! Sellerie enthält, wie viele Doldenblütler eine Menge ätherischer Öle, darunter das sogenannte Apiol, was im Mittelalter zum Schwangerschaftsabbruch verwendet wurde. Diese Substanz ist übrigens auch der Grund, weshalb Schwangere geraten wird, auf den übermäßigen Verzehr von Petersilie zu verzichten.

In Wirklichkeit ist es grober Unfug, dass der bloße Verzehr von Petersiliengarnierung zu einem Abort führen könnte. Die Engelmacher des Mittelalters haben das Apiol in hochkonzentrierten Mengen angewandt, um vorzeitige Wehen herbei zu führen. Selbst mit einem Süppchen aus Petersilienwurzeln, kann die Hobbyköchin vermutlich keine Geburt einleiten, sofern sie nicht literweise geschlürft wird. Klar, wer ohnehin schon unter vorzeitiger Wehentätigkeit leidet, sollte die Finger davon lassen.

Meinen Selleriekonsum habe ich dennoch heruntergefahren. Aber nicht, weil sich die harten Bäuche zurückgemeldet haben, sondern vielmehr, weil ich dann noch mehr Zeit im Badezimmer verbracht habe. Sellerie wirkt nämlich wunderbar harntreibend und verdauungsfördernd. Für die Hartleibigen -und damit meine ich nicht die Wehenden, also eine Möglichkeit dem harten Stuhlgang den Kampf mit dem grünen Lichtschwert der Doldenblütler anzusagen.

Bienenstich ist übrigens -abgesehen von seinen unzähligen Kalorien, auch für Schwangere erlaubt. Wie es sich jedoch mit den Stichen von Bienen in der Schwangerschaft auf sich hat, darüber habe ich mir bis vor Kurzem keine Gedanken gemacht. Nun trug es sich aber zu, dass ich von einer unserer Bienen (wir Imkern) in einem unachtsamen Moment gestochen wurde. Mein letzter Bienenstich ist solange her, dass ich mich gar nicht mehr richtig erinnern kann (wir imkern noch nicht sehr lange). Ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt. Und mit Sicherheit habe ich geheult…denn ich habe oft geheult als Kind. Der Stich an sich tat kaum weh und ist auch nur minimal angeschwollen. Wenn ich da so an die Pestbeulen denke, die viele Pflanzenschutzmittel verpestete Mücken hinterlassen, war es optisch kaum der Rede wert. Dennoch kam ich nicht umhin mir Sorgen um das Baby zu machen. Immerhin hängt es ja an mir dran und könnte das Bienengift weniger gut wegstecken als ich. In der Tat wird Schwangeren ja mittlerweile sogar vom Verzehr von Erdnüssen abgeraten, wenn in der Familie gehäuft Erdnussallergien vorkommen. Um sicher sagen zu können, weder ich noch mein Partner sind von der Bienengiftallergie betroffen, sind wir einfach noch nicht häufig genug gestochen wurden. Sowas entwickelt sich ja meist erst später. Nun appliziert so ein Insekt jedoch gerade einmal eine geringe Giftmenge von ca. 0.1 mg. Mit jedem Griff in die Flippstüte würde man also mehr Allergen aufnehmen. Daneben verursacht der Bienenstich eine lokale Entzündungsreaktion und wirkt nicht systematisch, wie verschiedene Nervengifte, die beispielsweise bei einem Schlangenbiss in die Wunde gelangen. Ob das Bienengift also bis zum Ungeborenen vordringt, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Wer so einen Bienenstich also selbst gut wegsteckt, sollte sich um sein Baby im Bauch keine allzu großen Sorgen machen brauchen. Die Kleine war danach jedenfalls so mopsfidel wie zuvor.

Wer von einer Biene gestochen wird -egal ob schwanger oder nicht, sollte den Stachel sofort mit dem Fingernagel rauskratzen. Anders als bei Wespen, bleibt der Stachel in der Haut stecken und wird samt Giftdrüse aus dem Hinterteil der Biene gerissen. Während das Tier seinen mehr oder weniger ehrvollen Tod stirbt, pulsiert die Giftblase weiter und sondert noch fleißig Sekret ab. Also raus damit und zwar ohne drauf zu drücken, denn dann entlehrt sich noch mehr Gift in die Haut. Danach ist das beste Mittel der Wahl die Stelle sofort zu erwärmen. Denn bei Temperaturen über 40°C werden die Eiweiße aus denen das Bienengift hauptsächlich besteht, zerstört. Im Internet, der Apotheke oder im Imkereibedarf gibt es batteriebetriebene Stichheiler in Stiftform, die Wärme erzeugen und auf den Stich gedrückt werden. Da es, als mich die Biene stach, gerade Muttis Hühnersuppe gab, habe ich den Löffelstiel in die heiße Suppe getaucht und einige Minuten auf die Schwellung gehalten. Ein Stichheiler wäre praktischer gewesen und wird wohl demnächst Einzug in die Hausapotheke halten.

 

Kreißsaal-Hopping

Eigentlich müssten wir nun perfekt vorbereitete, geschulte werdende Eltern sein. Der Geburtsvorbereitungskurs ist endlich vorbei, wir haben Bücher über das Schwanger-Sein und Papa-Werden gelesen, gemeinsam auf vergrisselte Ultraschallaufnahmen gestarrt, uns für eine Kinderbettmatratze, einen Kinderwagen und eine Babyschale entschieden und dennoch nimmt der Entscheidungs- und Vorbereitungswahnsinn einfach kein Ende. Als nächstes müssen wir uns nun überlegen, in welchem Kreißsaal unser Kind das Licht der Welt erblicken soll. Es sei denn die Entscheidung wird uns durch unplanmäßige Komplikationen abgenommen, die einen sehr wahrscheinlich in die Uniklinik bringen würden. Nun hat Leipzig eine Menge an Möglichkeiten zu bieten, wo frau niederkommen kann. Neben Hausgeburt und Geburtshaus, gibt es auf Leipziger Grund und Boden drei Kliniken, die Kreißsäle betreiben. Zusätzlich machen es die günstigen Verkehrsanbindungen möglich, zum Gebären rasch ins Leipziger Umland zu fahren. Und so wie es sich im Zeitalter der Informationsflut gehört, bietet jede Klinik regelmäßig stattfindende Infoabende an,  an denen sich Schwangere die Räumlichkeiten ansehen können.

Bisher haben wir uns drei verschiedene Kliniken angeschaut. Begonnen haben wir unseren Kreißsaal-Marathon im St. Elisabeth Krankenhaus. Dort kann man sich gleich an drei Terminen pro Woche Kreißsaal und Wochenstation anschauen. Jeden Mittwoch um 17, 18 und 19 Uhr öffnet das Krankenhaus im Stadtteil Connewitz für Dickbäuche und ihre Begleiter seine Pforten. Wie man anhand der Zeiten schon ahnen kann, dauert die Besichtigung gut eine Stunde. Dass so viele Termine angeboten werden, hat durchaus seinen Grund: Das „Elli“ erfreut sich größter Beliebtheit unter den Gebärenden und wird seit einiger Zeit förmlich überrannt. Das machte sich dann auch während der Tour bemerkbar, bei der kein freies Wöchnerinnenzimmer gezeigt werden konnte. Obwohl ich die Räumlichkeiten des Kreißsaals als ganz atmosphärisch empfunden habe, finde ich den Gedanken, nach der Entbindung in einem Drei-Bettzimmer zu landen oder gar mein Kind vor Platzmangel auf dem Gang zu bekommen, einfach grauenvoll.

Also machten wir uns auf ins Leipziger Umland in die Helios Klinik Skeuditz. Dort habe ich während meiner Ausbildung auf der Gynäkologischen Station, die sich räumlich gleich an Wochen- und Entbindungsstation anschließt, gearbeitet und habe den Kreißsaalalltag damals immer als recht entspannt empfunden. Der Informationsabend findet wöchentlich an einem Donnerstag um 18 Uhr statt. Viel Zeit und Standfestigkeit muss man nicht mitbringen. Die Hebamme informierte uns kurz und knapp über die wichtigsten Punkte, wie  Kreißsaalausstattung, kinderärztliche Versorgung Stationsablauf und Bettenkapazitäten. Nach einer halben Stunde waren wir wieder draußen. Verwundert hat mich allerdings das Verhalten einiger Besichtigungsteilnehmer, die einen solchen Termin im kompletten Familienclan mit Oma, Muddi und Geschwistern absolvieren. Bei der Vorstellung, dass ich mir das Zimmer nach der Entbindung mit so einem „Familienmenschen“ teilen muss, bei der von früh bis spät die bucklige Verwandschaft auf der Matte steht und mir auf meine laktierenden Brüste starrt, dann krieg ich jetzt schon ne Wochenbettpsychose!

Nächster Anlaufpunkt war die ehemalige Helios Klinik Borna, die nun zu der Gruppe „Kliniken Leipziger Land“ gehört. Der Info-Abend findet zweiwöchentlich an jedem 1. und 3. Dienstag im Monat um 20 Uhr statt. Und wer nach Borna fährt, sollte sich was zu Essen mitnehmen, um das abendfüllende Programm zu überstehen. Als erstes wurden wir in einen Konferenzraum geführt, in dem zu meinem Erschrecken bereits die gut einstündige PowerPointPräsentation aufgebaut war. Immerhin konnten wir uns während der Ausführungen über Anzahl der Geburten, Elternschule und alle weiteren Informationen, die sich bei Bedarf auch auf der Internetpräsenz nachlesen lassen, am Getränkebuffett mit Apfelsaft und Wasser bei Bewusstsein halten. Nachdem sich Oberärztin und leitende Hebamme genug haben reden hören, durften wir einen Blick auf Wochenstation und Kreißsaal erhaschen. Meist nur aus der zehnten Reihe…Gegen zehn waren wir wieder zu Hause. Und ich bedient!

Mein Fazit ist, dass ich jetzt erst Recht keine Ahnung mehr habe, wohin ich mit meiner wehenden Kugel gehen soll. Ich gehöre wohl zu denen, deren Unsicherheit proportional zur Informationsmenge steigt. Vor drei Jahren, als wir begonnen haben und am Wunschkind zu versuchen, hätte ich klipp und klar gesagt, ich geh ins Geburtshaus. Nun, nach Sterilitätsbehandlung, Bangen und Hoffen, Risikoschwangerschaft und Ärztemarathon hat sich meine Einstellung geändert. Ich trau meinem Körper nicht mehr über den Weg und seh mich an schlechten Tagen sogar schon im OP.

Noch haben wir ja ein paar Wochen Zeit, eh es losgeht. Und wer weiß, vielleicht ist es mir in dem Moment, wo es losgeht auch egal, wohin es geht und ich lass einfach den Bauch entscheiden.

 

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