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Archiv für den Monat “März, 2014”

Heparin ohne Blaue Flecken

Heute möchte ich mich mal an einem kleinen Online Tutorial versuchen. Ein DIY sozusagen für alle, deren Gerinnung es Notwendig macht, sich täglich die kleine Spritze zu setzen. Ich vermute, fast jeder Zweite wird im Laufe seines Lebens mal in die Situation kommen, sich für ein paar Wochen oder sogar Monate selbst Heparinisieren zu müssen, sei es wegen eines Unfalls mit einhergehender Immobilisierung oder eben aufgrund erhöhter Thromboseneigung während einer Schwangerschaft. Fakt ist, alles Jammern und Zaudern hilft nichts, das Spritzen muss sein und vorallem muss man lernen sich zu überwinden, die Spritzen selbst zu setzen. Schon oft habe ich gehört und gelesen, dass die Aufgabe vom Partner übernommen wird. Das mag vielleicht noch funktionieren, solange es sich um ein, zwei Wochen handelt, in denen man sich vor Blutgerinnseln schützen muss. Über einen Zeitraum von Monaten wird es jedoch schwierig werden, jeden Tag zur selben Zeit jemanden aufzutreiben, der einen bereitwillig massakriert. Daher mein erster Tipp:

  • Lernt, euch selbst zu spritzen! Heparin sollte nach Möglichkeit jeden Tag zur selben Zeit gespritzt werden. Das kann nur gewährleistet werden, wenn ihr nicht von anderen abhängig seid. Einen Pflegedienst zu beauftragen, wäre die andere Option…aber möchtet ihr das?

Die gängigen Heparin-Präparate machen es einem wirklich nicht schwer, die Spritze richtig zu setzen. Obwohl es im Krankenhaus ab und an vorkommen kann, dass das Mittel von Hand aufgezogen werden muss, gibt es für zu Hause perfekt vorbereitete Fertigspritzen. Das Heparin ist dann schon in der optimalen Dosierung in der Spritze vorhanden. Die Nadel sitzt mit einer Kappe fest installiert oben auf. Bei vielen Spritzen wird durch komplettes Durchdrücken des Kolbens ein Mechanismus ausgelöst, der eine Plastikhülse vorschnellen lässt und die gebrauchte Kanüle dadurch unschädlich macht. Trotzdem müsst ihr euer Spritzenabenteuer ein wenig vorbereiten, bevor es losgeht. Legt euch alles bereit, was ihr braucht:

  • Fertigspritze, Alkoholtupfer zur Desinfektion, Taschentücher falls es danach blutet, ein Gummibärchen für hinterher

Nun müsst ihr euch entscheiden, an welcher Stelle eures Körpers ihr die Spritze platzieren wollt. Riesig ist die Auswahl hierbei nicht, denn für subkutane Injektionen – also spritzen unter die Haut, eignen sich am besten die Regionen unterhalb des Bauchnabels und die äußeren Seiten der Oberschenkel. Frauen in der Schwangerschaft bevorzugen wegen der Nähe zwischen Bauchdecke und Kind oft den Piekser in die Oberschenkel. An dieser Stelle sei noch mal erwähnt, dass die Nadeln auf den Fertigspritzen wirklich nur bis zu den unteren Hautschichten bzw. der Fettschicht darunter durchdringen können. Keine Angst, auch wenn es so wirkt, die Nadel kommt nicht auf der anderen Seite wieder heraus.

Wenn ihr euch zwischen Bauch und Oberschenkeln entschieden habt, sucht euch eine passende Stelle:

  • Die Injektionsstelle sollte frei von Pickeln, blauen Flecken oder Besenreißern sein
  • Es sollte sich problemlos eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger bilden lassen
  • Mir ist aufgefallen, dass die Injektion schmerzhafter ist, wenn man eine Stelle erwischt, die beim Zusammenkneifen Cellulite-Dellen bekommt

Nun reißt ihr die Umverpackung -falls vorhanden; der Fertigspritze auf und holt den Alkoholtupfer aus seinem Kuvert. Auch die Kappe muss noch von der Kanüle gezogen werden. Wenn  ihr es macht, bevor ihr desinfiziert, dann müsst ihr mit der scharfen Spritze in der rechten Hand die Injektionsstelle desinfizieren (Alternativ dazu kann die Kappe auch nach der Desinfektion mit den Zähnen abgezogen werden, denn die linke Hand hält ja bereits die Hautfalte.) An der Injektionsstelle jetzt mit der linken Hand  eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger bilden und mit einer Wischbewegung desinfizieren. Nun:

  • Unbedingt warten bis das Desinfektionsmittel verdampft ist, sonst brennt es
  • Befindet sich die Luftblase direkt vorm Ausgang, klopfe ich sie vor Injektion nach oben. Aber keine Angst, so geringe Mengen Luft verursachen keine Luftembolie!
  • Sollte an der Kanüle bereits ein Tropfen hängen, dann streiche ich den an einer Ecke des benutzten Alkoholtupfers ab., das Verhindert m.E. unnötiges Brennen. Da sich unser Spritzenabenteuer zu Hause abspielt, muss es zwar hygienisch aber nicht so steril zugehen, wie im Krankenhaus.

Als nächstes tief einatmen und beherzt im 90 ° Winkel einstechen. Wichtig:

  • Während der gesamten Injektionsdauer unbedingt die Hautfalte belassen!
  • Die Nadel muss bis zum Anschlag in der Hautfalte stecken. Wer sich schon mal versehentlich zwischen die Hautfalten gespritzt hat, wird das sicher nie wieder tun.
  • Den Kolben gaaaaaaaaanz langsam herunter drücken oder sogar kleine Klopfbewegungen mit dem Zeigefinger auf den Kolben ausüben. Dadurch gelangt das Mittel nur Tröpfchenweise in das Gewebe und verursacht weniger Brennen und blaue Flecken.
  • Hautfalte belassen und Spritze raus ziehen.
  • Hautfalte loslassen. Spritze entschärfen bzw. sicher verwahren und entsorgen.
  • Wenn es blutet, sofort mit einem Taschentuch drauf drücken.

Wer über sehr lange Zeiträume Heparin spritzen muss, der wird früher oder später kleine, schmerzhafte Knubbel an den Injektionsstellen unter der Haut spüren. Es handelt sich dabei vermutlich um eine kleine Unverträglichkeits- oder Abwehrreaktion des Körpers und ist meist harmlos. Dabei muss der Körper gar nicht spezifisch auf das Mittel  reagieren, als vielmehr auf die Tatsache, dass da überhaupt was unter die Haut appliziert wird, was da eigentlich nicht hingehört. Da der Verlauf der Heparingabe in regelmäßigen Abständen durch Blutuntersuchungen beim Arzt kontrolliert wird, kann eine Allergie ausgeschlossen bzw. frühzeitig erkannt werden. Außerdem treten echte Unverträglichkeiten in den ersten Wochen nach Beginn der Heparinisierung auf. Daher wird ganz zu Anfang auch drei Mal im Abstand weniger Tage Blut abgenommen. Das heute verwendete Heparin ist zudem besser verträglich, auch wenn es nach wie vor vom Schwein stammt. Geht zum Arzt, wenn:

  • Das Spritzen plötzlich starke Schmerzen verursacht
  • Starke, evtl. unstillbare Blutungen aus der Injektionsstelle austreten
  • (Vermehrtes) Nasenbluten auftritt
  • Ihr plötzlich schnell blaue Flecken bekommt

Eure gepiesakten Oberschenkel bzw. Bäuche haben nun ein bisschen Pflege verdient. Meine Beobachtung hat gezeigt, dass blaue Flecken schneller verschwinden, wenn man die Hautstellen unter der Dusche gut abbürstet. Die ganz Harten können sich auch kalt abbrausen. Beides fördert die Durchblutung und hilft, das ins Gewebe gespülte Blut (denn nichts anderes ist ein blauer Fleck) abzutransportieren. Auch Massagen mit Öl oder Lotion können wohltuend sein.

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass diese Anleitung hier nur eine Ergänzung zu der Anleitung sein soll, die euch euer Arzt, Apotheker bzw. der Hersteller des Medikamentes gegeben hat. Ich will euch damit meine Methode näher bringen, wie ich versuche hässliche blaue Flecken und fiese Schmerzen zu vermeiden. Bei sehr schlechtem Bindegewebe, helfen wahrscheinlich alle Tipps der Welt nix. Dann heißt es nur noch, warten auf heparinfreie Zeiten.

 

Event-Birthing

Zu meinem Erstaunen hat sich der Geburtsvorbereitungskurs für mich zum wöchentlichen Krampf entwickelt, der mir mindestens 24 Stunden schlechte Laune beschert. Was die Theorie um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett betrifft, ist es zwar für Leute ohne fachlichen Hintergrund wirklich hilfreich, für mich führt es jedoch eher zu Langeweile und Gähnattacken, wenn an der Schwimmhaut zwischen Daumen und Zeigefinger der dehnende Nutzen einer Dammmassage demonstriert wird. Nun wäre das für mich durchaus hinnehmbar, schließlich gibt es noch andere Aspekte, wie die bereits erwähnten ungewollt humoristischen Einlagen aller Teilnehmer, mich inkludiert. Doch so langsam bekomme ich dieses Gefühl vom Elternsein in der Neuzeit, vor dem es mir seit dem Erstkontakt zu solchen graut. Wenn ich in Familienforen gelesen oder gewordene Eltern in meinem Umfeld beobachtet habe, schwante es mir schon unheilvoll, dass dieses „Elternsein“ einer Religion mit sektenhaften Strukturen gleichkommt. Jeder, der es wagt, eine von den „Eltern“ anerkannte Vorgehensweise durch Wahl einer Alternative in Frage zu stellen, wird erst freundlich zum Ablegen von Rechenschaft gezwungen, um dem Abweichler anschließend mit der Vorschlagskeule auf den rechten Weg zurückzubringen.

Und dieser penetrante Eltern-Druck macht sich bereits in der Schwangerschaft breit und kein besserer Ort bietet ihm soviel Nährboden, wie ein Geburtsvorbereitungskurs. Neben allerlei Fakten zur Beckenanatomie und Atemübungen bietet so ein Kurs nämlich auch jede Menge Raum und Zeit für Palaver. Dort wird dann deutlich, wie festgefahren und planvoll strukturiert sich die Teilnehmer ihre lebenslängliche Elternzeit vorstellen. Schwangerschaft und Geburt sind ein Happening zu dem massighaft Extras hinzugebucht werden können. Yoga, Bauchtanz, Großelternkurse, Ultraschallflatrates in der Schwangerschaft. Die Geburt soll dann „schön“ werden. Heimelich, mit plätschernder Musik untermalt, einem Orgasmus gleich. Für mich ist eine „schöne Geburt“ ein Oxymoron. Da werden mir womöglich Schmerzen begegnen, die ich so noch nie erfahren habe. Auf jeden Fall glaube ich daran, dass eine Entbindung eine Frau stolz machen kann, sie mit Glücksgefühlen oder einfach Erleichterung überschüttet wird. Es kann jedoch auch sein, dass sich danach Erschöpfung, vielleicht auch ein wenig Gleichgültigkeit aus der Überwältigung heraus einstellt. Für mich ist es das erste Kind und es fällt mir wirklich verdammt schwer, eine Vorstellung zu entwickeln, wie Geburt und Wochenbett bei mir ablaufen werden. Sich Gedanken über den für sich passenden Ort der Geburt zu machen, halte ich für wichtig. Doch mindestens genauso wichtig ist es, sich im Hinterkopf immer mit einem Plan B anzufreunden. Es ist super, wenn man sich Hebamme Susi für seine Geburt ausgesucht hat. Nicht zu vergessen ist jedoch, dass auch die fleißigste Hebamme an diesem Tag frei haben könnte. Auch die Möglichkeit ins Geburtshaus zu gehen, finde ich klasse. Es kann aber auch passieren, dass man die Entbindung in einer großen Klinik zu ende bringen muss. Damit das nicht zum lebensbegleitenden Trauma wird, würde ich mir von unserem Kurs wünschen, mehr Realismus zu verbreiten. Stattdessen wird so eine anheimelnde Atmosphäre geschaffen, in der jeder Gedanke an Komplikationen durch „wir müssen nur positiv denken wollen“ abgewürgt wird. Damit wird in meiner Wahrnehmung vermittelt, wer seine gesetzten Ziele, außerhalb der Klinik zu entbinden, zu stillen, eine entspannte Mutter zu sein, nicht erfüllen kann, der ist am Schluss auch noch selbst dran Schuld, weil er zu verkrampft, zu ängstlich war, falsch gedacht hat oder einfach nicht richtig wollte.

Statt sich von den „Eltern“ verunsichern zu lassen, wie Elternsein zu sein hat, werde ich wohl meine Eltern anrufen, wenn mir im Wochenbett die Nippel brennen, mich mein Damm plagt und ich einfach nicht mehr wollen will.

Aktionen für den Erhalt der Hebammengeburtshilfe

Eine Petition unterschreiben kann jeder. Jetzt heißt es: Auf die Straße gehen und sichtbar werden! Zeigt euch und unterstützt unsere Hebammen, ihren Berufsstand zu retten!

Am 8. März finden Bundesweit Aktionen statt. Als Teilnehmer sind eigentlich Alle gefragt, egal ob Schwangere, Mutter, Vater, großer Bruder, kleine Schwester, Tante, Onkel…geht auf die Straße und werdet laut, wenn euch Frauen- und Kindergesundheit am Herzen liegen!

Am Samstag den 08.03.2014 um 10 Uhr findet in Ravensburg eine Demonstration in der Herrenstraße 43 statt. Treffpunkt ist der Kinderspielplatz neben dem Café Miteinander am Gänsbühl.

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in München eine Demonstration an der Uni München statt. (direkt Ubahn Universität)

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in Köln eine Kundgebung / Demonstration auf der Kölner Domplatte statt. Bitte bringt wenn möglich einen kleinen Taschenschirm mit.

Am Stamstag den 08.03.2014 um 12 Uhr findet in Hamburg eine Demonstration auf dem Rathausmarkt statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 15 Uhr findet in Bremen eine Demonstration direkt am Domshof statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 16 Uhr findet in Karlsruhe eine Demonstration auf dem Schloßplatz statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 15 Uhr findet auch in Stuttgart eine Demonstration am kleinen Schloßplatz  statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in Frankfurt eine ErMahnwache an der Hauptwache Frankfurt in der Innenstadtstatt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 10 Uhr findet in Nürnberg eine ErMahnwache an der Lorenzkirche statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 11.55 Uhr findet in Hannover eine ErMahnwache am Kröpke statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 10 Uhr findet in Jena eine Demonstration am Holzmarkt statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 14 Uhr findet in Leipzig eine Mahnwache auf dem Nikolaikirchhof statt.

Am Samstag den 08.03.2014 um 12 Uhr findet in Vreden eine Demonstration am Marktplatz statt.

Am Samstag den 8.3.2014 findet in Oldenburg eine Demo/Mahnwache statt. Von 11-14 Uhr in der Innenstadt (Lefferseck) wird demonstriert um dann nach Bremen weiterzuziehen und dort ab 15 Uhr zu sein.

 Alle weiteren Infos findet ihr auf http://www.hebammenunterstuetzung.de/aktionen

Vorbereitung ist alles

Für manche Männer ist es der Alptraum schlechthin, für die meisten Erstgebärenden gehört er zur Schwangerschaft dazu wie morgendliche Übelkeit: Der Geburtsvorbereitungskurs. Die Motivation einen solchen Kurs zu belegen ist ganz unterschiedlich. Viele -und auch ich gehöre dazu, sehen das als Möglichkeit ihre Männer stärker in die Schwangerschaft zu integrieren. Daneben lernt man andere Paare kennen und kann sich über Ängste, Sorgen oder Alltagsdinge austauschen. Was allerdings nicht zu verachten ist, ist der hohe Gehalt an komödiantischen Einlagen, die so ein Kurs eher ungewollt zu bieten hat. Unser Kurs scheint jedes Mal mit einer kleiner Vorstellungsrunde zu beginnen. Während wir uns vergangene Woche noch über Beruf, Lebenssituation, Anzahl der Kinder und biometrische Daten der Teilnehmer ausgetauscht haben, sollten wir gestern erzählen, wie unsere Woche war. Dabei macht sich dann schon bemerkbar, aus welchem Holz die einzelnen Leute geschnitzt sind. So scheint der bei einem jungen Start-up tätige Hosenträgerhippster den Kurs mit einer Therapiestunde zu verwechseln und lässt nicht davon ab, seinen Innersten Gefühlen Sprachraum zu geben. Der durch das Alpenglühen verhindert gewesene Solariumgänger hingegen, entschuldigt sich und verspricht, beim nächsten Mal wird er wissen, wie seine Woche gewesen ist, da er nun schließlich weiß, dass er darüber im Kurs erzählen soll. Ohne Apres-Ski könnte das tatsächlich leichter fallen.  Und wenn ich dann in die Gesichter der verschiedenen Frauen blicke, sehe ich ein bisschen Mitleid vermischt mit einer Spur Erleichterung, die ausdrücken will: „Zum Glück ist das nicht Meiner.“ So sind am Ende des Abends hoffentlich alle glücklich, ihren Partner und nicht den anderen zum Vater ihres Kindes erwählt zu haben.

Wenn mich nun jemand fragen würde, wie so ein Kurs abläuft, dann muss ich gestehen, dass es keine allgemeingültigen Schemata gibt. In der Ausbildungszeit habe ich bereits an Geburtsvorbereitungskursen als Beobachterin teilgenommen und damals schon bemerkt, wie stark der Ablauf von der anleitenden Hebamme und den Teilnehmern abhängig ist. Manche Hebammen setzen eher auf theoretische Inhalte zur Geburt. Da wird der Weg des Kindes durch das Becken lehrbuchmäßig abgearbeitet. Das gemeinsame „Hecheln“ und mit illustren Bildern untermalte Beckenbodenübungen werden dann häufig weggelassen um die Männer nicht zu vergraulen. Andere legen ihren Fokus auf psychologische Betreuung. Es wird viel geredet, meist gibt es eine Schwangere im Kurs, bei der auf der letzten Etappe Komplikationen auftreten, die dann ohne Rücksicht auf aufkeimende Ängste der Anderen durchgekaut werden. In unserem Kurs ist es bisher wenig sentimental geworden. Negative Aspekte der Geburt oder gar Komplikationen wurden bisher mit keiner Silbe erwähnt. Es ist viel von selbstbestimmter Geburt die Rede und von einem Berg, den wir gemeinsam mit unserem Partner besteigen. Kommentare dazu, wie es in einer Klinik tatsächlich ablaufen kann, habe ich mir mal verkniffen. Uns wurden im Kurs viele verschiedene Gebärpositionen als Alternative zur Rückenlage gezeigt. Im Kreißsaalalltag kann es aber durchaus vorkommen, dass die Hebamme sowas von überhaupt keinen Bock darauf hat, auf den Knien rum zurutschen. Dann heißt es, die Herztöne des Kindes sind schlecht, Sie müssen liegen. Genauso wird bei Kreißsaalbesichtigungen die Gebärwanne als besonderes Schmankerl angepriesen: Seht her, auch die Klinik kann alternativ. In Wirklichkeit wird Frauen der Wunsch in der Wanne zu entbinden so lange abgeschlagen, bis es dafür zu spät ist. Die Gründe dafür sind ganz pragmatischer Natur. Handschuhe mit langen Schaft sind teuer und manchmal nicht auffindbar, ohne Handschuhe ist eklig und mit 50 ist der Rücken eben auch nicht mehr für solche Aktionen gemacht. Ganz abgesehen davon, dass manche Hebammen beim Überbeugen aufgrund eines Missverhältnisses zwischen Gravitation und Bodenhaftung gleich mit baden gehen würden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich hier nur von meinen Erlebnissen in einer bestimmten Klinik berichten kann. Vielleicht haben sich die Hebammen dort in den letzten sechs Jahren geändert…

Ich glaube, es macht wenig Sinn, sich in eine feste Vorstellung über die Geburt zu verbeißen. Gerade als Erstgebärende habe ich keine Ahnung, was mir unter Wehen gut tun wird. Klar, wünsche ich mir, mit wenig medikamentöser Unterstützung in einer angenehmen Umgebung ohne Hektik zu entbinden. Doch am Schluss müsste ich auch mit PDA, Vollnarkose, Zange, Saugglocke und/oder Kaiserschnitt zurecht kommen.

28. SSW Zeit für Nestbautrieb

Die neue Wohnung ist bezogen. Die alte Bude erfolgreich und in ordnungsgemäßen Zustand abgegeben. Nun sind noch gefühlte 50 Kartons auszupacken und 300 Dübellöcher zu bohren, was bekannter Maßen im Altbau kein Zuckerschlecken ist. Wer Kieselsteine braucht, wende sich an uns: Unsere Wand produziert Kiesel in allen erdenklichen Größen und Formen beim Bohren, wie eine Legehenne im Dauerlicht.

Während mein Mann mit aller Gelassenheit seine CDs einsortiert und die Anlage anschließt, werde ich fast verrückt, dass das potentielle Kinderzimmer immernoch einem Schlachtfeld gleicht. Mein gehemmter Nestbautrieb verdirbt mir regelrecht die Laune. Und ich sehe es schon kommen, dass ich bald Zweige, Äste und Stroh zusammentrage und mir ein Lager unterm Hollerbusch im Garten einrichte, wenn ich nicht endlich dazu komme die Wickelkommode zu streichen, eine Krabbeldecke zu nähen und kitschige Vorhänge ans Fenster hängen kann!

Immerhin gehen wir nun wöchentlich zum Geburtsvorbereitungskurs, wo ich meiner Schwangerschaft frönen kann. Vergangenen Montag fand der erste Termin statt und wie ich bereits befürchtet hatte, bin ich tatsächlich die mit dem kleinsten Bauch. Nun bin ich zwar auch gemeinsam mit einem anderen Schwangeren eine der übereiligsten Teilnehmerinnen -die also erst Ende Mai dran sind, dennoch hätte ich gehofft, bei ihr sähe man ebenfalls so wenig. Mein Mann hat da ganz andere Probleme: Er ist mit 37 Jahren der älteste im Sein und Werden begriffene Vater. Das wäre ihm in Hamburg sicher nicht passiert…

Bevor ich nun mit meiner Mini-Kugel ins letzte Trimenon starte, möchte ich noch einmal meine Schwangerschaftszipperlein der letzten Wochen zusammen fassen. Kurz vor Weihnachten, in der 18. SSW, habe ich begonnen mein Kind regelmäßig und deutlich zu spüren. Trotz Vorderwandplazenta war ich damit für eine Erstgebärende recht zeitig dran. Bis heute spüre ich ihre Bewegungen hauptsächlich rechts (vermutlich weil die Plazenta eher links liegt), selten über dem Nabel. Manchmal fühlt es sich an, als würde mich Madame von Innen auskitzeln, ab und an, als benutzte sie meine Blase als Trampolin. Häufig habe ich auch Schmerzen in der rechten Seite und schon Angst bekommen, es könnte der Blinddarm sein. Temperatur innen aus außen waren jedoch in Ordnung, weshalb ich davon ausgehe, dass durch die bevorzugte Lage der Kleinen mein Innerstes etwas strapaziert ist.

Mit Beginn der spürbaren Kindsbewegungen gesellten sich dann auch die harten Bäuche auf meine No-Go-Liste. Mit viel Magnesium und Bryophyllum und Meiden gewisser Nahrungsmittel habe ich es bisher gut im Griff. Der Gedanke, dass die Gebärmutter diese Bewegungen -wie jeder Muskel, zum Wachsen braucht beruhigt mich zusätzlich. Als sich die harten Bäuche entspannten, bekam ich Schmerzen in der Symphysengegend. Auch das hat sich derzeit gut gebessert. Ob es nun an der Physiotherapie oder Cartilago gelegen hat, wer weiß?

Mein Blutdruck ist seit Beginn der Schwangerschaft unverändert niedrig. Morgens habe ich doch tatsächlich arge Kreislaufprobleme unter denen meine Standhaftigkeit an manchen Tagen sehr leidet. Schon häufiger musste ich die Beine hoch lagern, damit die Lichter an bleiben.

Gewichtsmäßig konnte ich nun die 60-Kilo-Marke knacken. Insgesamt habe ich damit bisher „nur“ 5 Kilo zugenommen, reicht aber aus, damit die Hosen nicht mehr passen und mein Hintern die Schlüpfer frisst. Ansonsten halten sich die körperlichen Veränderungen noch im Rahmen. Bis jetzt konnte ich noch keine Streifen entdecken und selbst die Pigmentierung meiner Mittellinie ist eher nordisch blass.

Und da wäre noch die Sache mit der Libido auf deren Erblühen ich seit Beginn des zweites Trimesters sehnsuchtsvoll gewartet habe. Vergeblich! Was so verheißungsvoll in jedem x-beliebigen Schwangerschaftsratgeber für das mittlere Drittel angekündigt wird, ist bei mir ausgeblieben. Ganz im Gegenteil, ist die Lust jetzt sogar geringer, als in den ersten 12 Wochen. So ganz habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht in den nächsten Wochen noch zum wollüstigen Weib zu transformieren. Wenn ich aber daran denke, wie es mir die letzten Male nach dem Coitus ergangen ist, dann verliere ich den Glauben daran. Ganz gleich, ob der Sex super-duper, gemütlich oder so naja war, danach habe ich das Gefühl mein Unterleib fällt auseinander. Der ganze Beckenboden scheint eine Liaison mit dem Erdboden eingehen zu wollen und alles zieht nach unten. Dazu bekomme ich für etliche Stunden ein Ziehen über beide Pobacken, dass Stehen und Laufen keine Freude mehr sind. Nur Sitzen und Liegen ist dann angenehm. Ist das schon ein Zeichen für eine Beckenbodeninsuffizienz? Wird mir mit 30 meine Gebärmutter beim Toilettengang Guten Tag sagen? Oder sind es womöglich Krampfadern?

 

 

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