Frauenbauch

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Archiv für den Monat “Januar, 2014”

Es muss nicht immer Schambein sein

Am Montag habe ich mich aufgrund der mysteriösen Bewegungsschmerzen aufgemacht, ihre Ursachen zu erkunden. Mein erster Weg führte mich zu meinem Hausarzt. Dort ist es immer schön leer, man kommt fix dran und er nennt sich schließlich „Sportmediziner“. Nun, nach meinem Besuch, ist mir zwar umso klarer geworden, weshalb es dort immer so schön leer ist, was ihn jedoch veranlasst hat, sich „Sportmediziner“ zu nennen, bleibt mir nach wie vor ein Rätsel. Wahrscheinlich, weil er mir jedes Mal, wenn ich mit Schmerzen im Bewegungsapparat zu ihm komme, dazu rät, mich sportlich zu betätigen. Über konkrete Übungen schweigt er sich im Allgemeinen aus und ich bin  nie sicher, ob sich die sportiven Aktivitäten auf Biathlon im Ersten beschränken oder der Patient selbst tätig werden soll. Mein Mann geht jedenfalls gerne zu ihm und scheint seine Hinweise so zu interpretieren, wie die meisten Männer sich ihr tägliches Sportprogramm vorstellen. So habe ich also die Praxis mit der Information verlassen, ich solle ein bisschen Schwimmen gehen und Schwangerschaftsgymnastik machen. Ansonsten sei für da unten rum eher meine Gynäkologin zuständig, zumal ich ja sowieso schwanger bin. Zu Hause habe ich dann auch bei ihr angerufen und sie riet mir, mein Schambein einem Orthopäden vorzustellen. Dann habe ich erst mal ein bisschen geheult. Denn so langsam habe ich von dem ständigen Rumgehänge in Arztpraxen die Schnauze gestrichen voll. Gut, ich bin ja selber Schuld. Schließlich könnte ich die Schmerzen einfach ignorieren. Noch besitzen sie eine Intensität, die durchaus erträglich ist. Meine Gedanken reichen jedoch ein wenig weiter, als bis zur nächsten Häuserecke und so gerate ich ein wenig in Panik, wenn ich an Symphysenlockerung, Bettruhe, Symphysenriss und Kaiserschnitt denke. Dass das Heparin, was ich täglich spritzen muss, zur Auslösung von Calcium aus meinen Knochen beitragen kann, macht es nicht besser. Daher habe ich mich am nächsten Morgen im Dunkel des winterlichen Morgengrauens zum Orthopäden begeben. Vorher habe ich mich mental auf ewiges Rumsitzen und Warten eingestellt. Ich packte mir also ein paar Bonbons gegen den Hungertod ein und lud mir noch eine kurzweilige Spiele-App aufs Handy. Schließlich soll es schon Schwangere gegeben haben, die im 6. Monat zum Orthopäden fuhren und mit Baby im Arm die Praxis wieder verlassen haben. Umso erstaunter war ich dann, als ich nach gerade einmal 15 Minuten (!!!) aufgerufen wurde. So kurz habe ich in Hamburg selbst mit Termin noch nie im Wartezimmer gesessen. Ich hatte noch nicht mal die Freundin bis zu Ende durchblättern können. Jetzt weiß ich immer noch nicht, welcher Mascara mit Katzenpussy-Haaren meine Wimpern voller erscheinen lässt!

Der Herr Orthopäde drückte dann hier und da an mir rum und ich musste auch selbst nach hier und da drücken. Schlussendlich kam er zu der Diagnose: Adduktorentendopathie! So eine phonetisches Horrorwort lässt mein kleines Hypochonderherz höher schlagen. Grob übersetzt handelt es sich bei mir also nicht um eine Symphysenlockerung, sondern um eine Überlastung der Sehne des linken Oberschenkels, die am Schambein ansetzt. Dagegen bekomme ich jetzt Physiotherapie. Auch die Physiotherapeutin hat meine Symphyse noch einmal getestet und konnte keine Lockerung feststellen. Jetzt bin ich erst mal beruhigt.

Schmerzen in Schambeingegend müssen also nicht zwangsläufig mit einer übermäßigen Symphysenlockerung einhergehen. Wer dennoch betroffen ist, kann auch einmal ein homöopathisches Mittel probieren, auf das ich in einem Forum gestoßen bin. Es nennt sich Cartilago comp und unterstützt – anders als das häufig empfohlene Symphytum; bindegewebige, knorpelige Strukturen.

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Von Brüsten und Symphysen

Als mir vergangene Woche mein erst zu Beginn der Schwangerschaft gekaufter BH böse Druckstellen auf die Brust gezeichnet hat, habe ich mir ein Herz gefasst und mir wieder ein paar neue Büstenhalter bestellt. Diesmal wollte ich das ganze ein wenig professioneller angehen und habe zum ersten Mal zum Maßband gegriffen, um meine tatsächliche Körbchengröße zu ermitteln. Denn tatsächlich werden 90 % aller Busen von ihren Trägerinnen unter miserablen Umständen, in viel zu engen Behausungen, gehalten und gequält. Dabei hat jede Titte ein Recht auf einen bequemen, gut sitzenden BH. Während der Schwangerschaft sogar umso mehr, da die Zwillingsschwestern schließlich eine gewaltiges Milchbar-Upgrade durchlaufen. Nichts ist da kontraproduktiver als einschneidende Träger, pieksende Bügel und quetschende Verschlüsse!

In der Tat hat sich an meinen beiden besten Stücken ganz schön was getan. 91 cm Überbrustumfang! Das sind zwei Zentimeter Zugewinn seit Zeugung! Und laut einer Tabelle kratze ich damit bereits an Körbchengröße C! Wow! Da warte ich schon 28 Jahre auf Brust und plötzlich ist sie da!

Nun hätte das Ganze ein Eintrag über meinen schwellenden Busen und Umstandskleidung werden sollen, da sucht mich doch seit ein paar Tagen so ein fieser Schmerz im Becken heim. Der Schmerz tauchte zum ersten Mal nach meinen ausgiebigen Hundespaziergängen auf und ist dort lokalisiert, wo sich die Symphyse befindet. Wenn eine Schwangere Glück hat, hört sie zum ersten Mal von diesem mysteriösen Gebilde aus den tiefen des knöchernen Beckens im Geburtsvorbereitungskurs. Wenn sie Pech hat, dann meldet sich das olle Ding irgendwann in der Schwangerschaft mit Schmerzen, um an seine Existenz zu erinnern.

  • Doch wer oder was ist die Symphyse?

Das Wort Symphyse sagt lediglich aus, dass zwei Knochen durch einen Faserknorpel verbunden sind. Im Becken werden dadurch die beiden Beckenhälften im vorderen Bereich zusammen gehalten. Auf deutsch nennt man sie Schambeinfuge. Wer seine Symphyse noch nicht zu spüren bekommen hat, sie aber dennoch ertasten möchte, der greife sich dort hin, wo die großen Schamlippen bauchwärts zusammengewachsen sind. Da müsste unter einer kleinen mehr oder weniger haarigen Speckschicht etwas Hartes zu tasten sein. Glückwunsch, Sie haben eine Symphyse!

  • Wozu ist eine Symphyse gut?

Die Symphyse verleiht dem scheinbar starren Becken eine gewisse Elastizität. Wie gesagt handelt es sich um einen Faserknorpel, der unter Einfluss von Östrogen aufgelockert werden kann und das Becken weiter stellt. Es ist somit eine ideale Anpassung an den Geburtsvorgang. In der Tat wird unser Becken nach der Schwangerschaft und Entbindung vermutlich nie wieder dieselben Maße besitzen, wie vorher. Wenn die Lieblingshose auch Monate nach der Geburt trotz Idealgewicht nicht mehr passt, dann liegt das an der Erweiterung des Beckenrings. Die Modelkarriere kann man dann also getrost vergessen.

  • Wozu ist eine Symphyse nicht gut?

Probleme bereitet die Auflockerung der Schambeinfuge, wenn sie zu locker wird. Dann geraten eventuell beide Beckenhälften in Bewegung und verursachen mitunter Schmerzen im gesamten Becken. Das kann direkt auf Höhe der Symphyse auftreten, über das linke und rechte Schambein in den Oberschenkel ausstrahlen oder aber den Kreuzbeinbereich zum Kreuz während der Schwangerschaft werden lassen. Die Probleme können im Prinzip zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten. Das hängt davon ab, wie stark das Gewebe auf Östrogen reagiert. Je mehr sich der Geburtstermin nähert, um so größer sind Gewicht und Druck auf das Becken von Innen, was die Symptomatik verstärken kann. Viele Frauen mit Symphysenlockerung haben große Probleme Treppen zu steigen, manche können kaum noch laufen. Nachts können sich viel auch kaum erholen, da jede Bewegung und manchmal schon das Liegen zu Qual wird.

  • Was tun bei Symphysenlockerung?

Sobald die Symphyse Probleme bereitet, sollte man sich seiner/m Gynäkologen/in oder seiner Hebamme anvertrauen. Denn ist das Kind einmal in den Brunnen gefallen und die Schmerzen unerträglich, hilft nur noch strenge Bettruhe. Aber soweit muss es nicht kommen, wenn man rechtzeitig auf die Lockerung reagiert. Tatsächlich wird zwar empfohlen seinen Körper zu schonen, dennoch kann der Beckenboden gezielt trainiert werden. Jedoch sollten betroffene Frauen auf ihre Bewegungsabläufe achten: Schieben, tragen und ziehen schwerer Gegenstände muss unbedingt vermieden werden. Ebenso sollten Spreizbewegungen der Beine unterlassen werden. So wird empfohlen kein Brustschwimmen zu absolvieren, im Bett die Knie beim Schlafen und jeder Drehbewegung angewinkelt zu lassen und jede Bewegung zu vermeiden, bei der beide Beine unterschiedlich stark belastet werden. Zusätzlich kann ein orthopädischer Beckengurt Linderung verschaffen.

Wir werden sehen, was mir die Frau Doktor morgen raten wird. Ich hoffe, ich bekomme ein paar Stunden Physiotherapie und keine strenge Bettruhe verordnet.

 

Mit dem Herzen sieht´s sich besser

Die vergangene Woche muss meinem Untermieter vorgekommen sein, wie ein Ausflug auf den Düsenjet-Übungsplatz. Zwei Mal hat es die volle Dröhnung Ultraschall abbekommen, was in der Fruchtblase eine Lärmbelastung  von ca. 100 dB erzeugt. Wahrscheinlich hat es sich die Ohren mit Käseschmiere zugestopft! Der zweite Ultraschall wurde im Rahmen der von der Krankenkasse seit Neustem bezahlten „erweiterten Basisdiagnostik“ von den Profis der Pränataldiagnostik durchgeführt. Obwohl es hinsichtlich Fehlbildungen keinen Anlass zur Sorge gibt, wollte ich doch Klarheit haben, ob zumindest keine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder andere Fehlbildungen zu sehen sind, die es nahe legen würden, die Entbindung in einer Klinik mit optimaler Neugeborenen Versorgung anzugehen. Außerdem hat mir mein Haemo…äh…stasio…äh… also Gerinnungsspezialist empfohlen, die Durchblutung in meinen und den plazentaren Gefäßen checken zu lassen. Damit war die Ärztin noch nicht gänzlich zufrieden. Bei der Doppler-Untersuchung meiner Uterus Arterien zeigte sich ein sogenanntes „Notching“, was sich mit einer Einkerbung nach dem Pulsschlag bemerkbar macht.

Angedeutetes Notching in der Uterus Arterie

Angedeutetes Notching in der Uterus Arterie

Das deute wohl nach Aussage der Ärztin bisher auf noch nichts dramatisches hin. Wenn sich eine Schwangerschaft einstellt, dann müssen sich die Gefäße der Mutter weit stellen, um die Plazenta und die Gebärmutter optimal zu versorgen. Dafür haben sie allerdings bis zur 27. SSW Zeit. Ich bin gerade in der 21. SSW und daher liegt dieser erhöhte Gefäßwiderstand noch im Bereich des Akzeptablen. Allerdings muss das Ganze nach vier Wochen kontrolliert werde, da sich damit auch eine Präeklampsie ankündigen kann. Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, weist mein Blut sehr hohe Lipoprotein A-Werte auf. Das ist eine angeborene „Fettstoffwechselstörung“ gegen die man bisher nicht viel machen kann. Bei einer ungünstigen Konstellation von „guten“ (HDL-)  und „bösen“ (LDL-) Cholesterin und anderen, unbekannten Faktoren kann das Gefäßverschlüsse begünstigen. Das ist auch der Grund, weshalb ich Heparin spritze. Denn an einer verkrusteten Gefäßwand bleiben Thromben besser hängen. Zudem gibt es wohl auch einen Zusammenhang zwischen hohen Lipoprotein A-Werten und Präeklampsie. Ich versuche mich von diesen unheilvollen Prognosen jetzt nicht allzu nervös machen zu lassen. Auch wenn die Pharmaindustrie bisher noch nichts auf den Markt geworfen hat, was uns gestörten Fettverstoffwechslern helfen könnte, kann man es mal mit weißen oder grünen Tee probieren. Gerade in der Schwangerschaft eignet sich weißer Tee, da er weniger Koffein enthält als seine grünen und schwarzen Verwandten. Daneben sollte man auf gesunde, also mehrfach ungesättigte Fette, wie Leinöl setzen. Das kann dazu beitragen, dem guten Cholesterin den nötigen Aufschwung zu verpassen.

Auch wenn all diese Untersuchungsmethoden, mit denen Fehlbildungen oder pathologische Schwangerschaftsverläufe frühzeitig erkannt werden können, mitunter dazu beitragen, Leben zu retten oder einfach nur Sicherheit zu vermitteln, bleibt mir bei der ganzen Vertechnisierung das Gefühl auf der Strecke. Jedes Mal, wenn mein Kind von Kopf bis Fuß durchgeschallt, von da nach dort geschoben wurde, gehe ich mit schlechter Laune nach Hause. Am Morgen lag ich noch als glücklichster Mensch der Welt mit beiden Händen auf dem Bauch im Bett und habe mich über jedes Zucken und Blubbern gefreut. Nach dem Ultraschall halte ich zwar irgendein 2D- oder 3D-Bild in den Händen, das Gefühl dafür, wie es meinem Baby geht, ist stattdessen abhanden gekommen. Gerade von meiner Frauenärztin erwarte ich, dass sie sich nicht allein auf die technischen Details meiner Schwangerschaft konzentriert. Mittlerweile glaube ich, es liegt an der Anwesenheit meines Mannes. Seit er dabei ist, sind zwar die kuriosen Regelungen der Krankenkassen Thema, wie es mir geht, scheint aber niemanden zu interessieren. Folglich werde ich ihn in Zukunft nicht mehr zu jeden Termin mitnehmen. Anfangs war er mir wegen meiner Ängste eine echte Stütze und ich dachte, wenn er sein Kind auf dem Bildschirm sieht, fühlt er sich stärker involviert. Mittlerweile habe ich jedoch begriffen, dass man Bindung nicht über Fernsehen aufbauen kann. Am Abend auf der Couch liegen und gemeinsam dem Blubbern unter meiner Bauchdecken mit den Händen lauschen – das ist wahres Babykino!

 

Besondere Umstände erfordern besondere…

Maßnahmen!

Ich weiß nicht, ob wir Schwangeren dieses Jahrtausends besonders weinerlich und schwach angerührt sind oder, ob wir einfach zu viel geben wollen und dann enttäuscht sind, wenn wir bereits im 5. Monat nicht mehr an die Fußspitzen ran kommen. Fakt ist jedenfalls, dass mir meine Körper jegliche Form körperlicher oder emotionaler Anstrengung im Handumdrehen heim zahlt. Zwei Arzttermine am selben Tag mit einer Fahrradstrecke zur S-Bahn reichen bereits aus, um mir am Abend und in der Nacht fiese Kontraktionen zu bescheren. Eine Fahrt zum Supermarkt mit meinem über andere Verkehrsteilnehmer geifernden Mann genügen, damit ich bereits am Tiefkühlregal einen harten Bauch nach dem anderen bekomme. Wie soll das bloß in ein paar Wochen werden, wenn der große Umzug aus dem hässlichen Hamburg ins schöne Leipzig ansteht?

Am Mittwoch muss ich wieder zum Kontrolltermin, da wird sich zeigen, ob diese harten Bäuche Veränderungen am Muttermund herbei geführt haben. Bisher habe ich tagsüber weitestgehend Ruhe. Und wenn ich wirklich auf mich Acht gebe und es schaffe meinen Ärger zu veratmen, dann werde ich sogar von den Abendbrotkontraktionen verschont. Nur Nachts oder zum frühen Morgen hin, treten sie fast immer auf. Eine gewisse Anzahl dieser „Übungswehen“ sollen ja durchaus im Rahmen liegen, ja sogar für eine gute plazentare Durchblutung sorgen und dem Uterus beim Wachsen helfen. 10 Stück pro Tag seien völlig normal. Ich frage mich nur, ob ich denn jede Einzelne mitbekomme.

Meine Schwägerin, die immerhin schon drei Kinder ausgetragen hat, kannte dieses Problem der frühen Kontraktionen aus ihrer ersten Schwangerschaft nur zu gut. Wenn man in den Foren liest, dann fällt außerdem auf, dass es bei Erstgebärenden und sehr schlanken Frauen eher zu solchen harten Bäuchen zu kommen scheint. Liegt wohl daran, dass der Uterus in der ersten Schwangerschaft einfach noch ungeübt -und -gedehnt ist. Dazu merkt natürlich eine Frau mit geringerer Isolationsschicht jede einzelne Veränderung am Bauch. Wenn ich den harten Bauch nicht von außen spüren würde, käme ich womöglich auf die Idee, dieser leichte Druck und das sanfte Ziehen käme von einem verirrten Pups.

Beim letzten Gyn-Besuch hat mir die Ärztin zu Magnesium geraten. Also nehme ich derzeit 800 mg Magnesium aus der Drogerie. Das ist schon eine ziemlich hohe Dosis, aber mich hat über die Feiertage ein wenig die Panik gepackt und mein Verdauungsapparat hat sich bisher auch nicht beschwert. Eine Überdosis Magnesium kann nämlich auch zu Durchfall führen, was wiederum wehenfördernd wirkt. Daneben folge ich dem Rat der guten Frau Stadelmann und nehme 3x täglich 5 Globuli Bryophyllum. Das hat mir bisher -mit Verzicht auf alle möglichen Weihnachtsgewürze, am meisten Linderung verschafft. Nicht desto trotz nützen all die gut gemeinten Ratschläge nichts, wenn frau sich jeden Tag zu viel fordert. Das ist jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt, um Heldin zu spielen. Vielmehr ist es DIE Chance für unsere Göttergatten ihren Heldenstatus zurück zu erlangen!

Vulpes scotia – der schottische Fuchs

Ein Blick auf das Konto genügt und es wird klar: Ein neues Jahr hat begonnen! Weihnachtsgeschenke, Versicherungsprämien und die ungeliebte Nebenkostenabrechnung reißen alljährlich ein tiefes Loch in unser Haushaltsportmonnaie. Dass wir nun beide ohne Job sind, verbessert unsere finanzielle Situation nicht im Geringsten. Es gibt wahrlich keinen schlechteren Zeitpunkt nicht im Lotto zu gewinnen, als wenn man arbeitslos ein Kind erwartet. Gewisse Anschaffungen sind dann nun mal unumgänglich und der Gang zu den geläufigen Babyausstattern treibt einen weniger aus Rührung, als vielmehr aus purer Verzweiflung die Tränen in die Augen. Die umsichtigen Verkäuferinnen von Baby Walz drücken einem zu allem Überfluss eine mehrseitige Broschüre in die Hand, in der alle Artikel aufgelistet sind, die für das neue Familienmitglied angeschafft werden sollten. Ich habe mir das Ding vorgenommen und erst einmal angefangen zu streichen. Wozu zur Hölle braucht man Babywaschlappen? Babybadetücher? Ich glaube, womit man einen großen Hintern abtrocknen kann, bekommt man auch einen Babypo trocken… Eine Wattedose? Geht da nicht auch ne Tupperdose? Babywippe? Da denk ich an ADHS-Kinder mit Haltungsschaden. Also kurz um: diese Liste ist schlicht und ergreifend ermüdend lang, völlig überflüssig und dient nichts anderem, als dem Konsumverhalten von Eltern auf die Sprünge zu helfen. Daher ist es vielleicht ganz praktisch, weniger Geld zum Aus-dem-Fenster-schmeißen zu besitzen. Anstatt nun tränenschwer den Kontoauszug nass zu weinen und mit Rabeneltern-Gefühlen aus dem Baby Walz zu stürmen, haben wir uns entschlossen gute Dinge für wenig Geld gebraucht zu kaufen. Sich für gebrauchte Dinge zu entscheiden, hat einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind und die selbst geldschwere Eltern und andere Menschen dazu veranlassen sollten, sich im Kleinanzeigenmarkt umzuschauen:

  • Gebrauchtes ist oft schadstoffärmer. Schließlich hatten Kinderwagen, Wickelkommoden und Matratzen genug Zeit auszudampfen. Der chemische Dreck wurde also schon von anderen weggeatmet. Gerade Babyklamotten sind so oft gewaschen, dass kaum noch nachvollziehbar ist aus welchem bangladeschischen Chemiewerk die Bleiche kam.
  • Gebrauchtes ist nachhaltiger. Auch wenn dieses Argument den ewig gestrigen Wirtschaftlern Blut aus den Ohren laufen lässt…Fakt ist: Alles, was nicht neu hergestellt wird, schont unseren Planeten.
  • Gebrauchtes ist günstiger und somit doch ökonomisch…zumindest für uns, den kleinen Pöbel. Viele Sachen sind bereits kurz nach Anschaffung nur noch die Hälfte des ursprünglichen Verkaufspreises wert.
  • Gebraucht kaufen ist irgendwie sozial. Denn wenn man die Dinge persönlich abholt, ergibt sich vielleicht ein netter Plausch.

Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass wahre Sparfüchse am besten gar nichts kaufen. Auf viele Dingen, die heute als selbstverständlicher Bestandteil der Babyausstattung gesehen werden, kann vermutlich verzichtet werden. Anstelle einer Wickelkommode, könnte auch ein Tisch oder einer Kommode zum Wickelplatz umfunktioniert werden. Wer geschickt ist -oder jemanden kennt, der es ist, kann sich auch einen Wickelaufsatz bauen (lassen). Manche Eltern verzichten gar auf einen Kinderwagen und tragen ihr Baby ausschließlich. Andere lassen ihren Säugling mit im Elternbett schlafen, was dann allerdings oft so endet, dass Mama und Papa zusammengepfercht auf 70 cm versuchen zu schlafen, während der Thronfolger die restlichen 110 cm in Anspruch nimmt. Oder, warum sich das Bad mit einer sperrigen Plastikwanne vollmüllen, wenn man ein großes Waschbecken hat? Von Windeltwister und anderen plastastisch-bunten Undingen zum Fischer-Preis ganz zu schweigen…das braucht kein Kind.

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