Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “Dezember, 2013”

„Ihr Baby ist so groß wie ein Ingwer“

Das kleine Wesen in meinem Bauch hat -wenn man der App Glauben schenken soll, in dieser Woche eine Transformation von der Avocado zum Ingwer hingelegt! Viel spannender als diese Gemüsevergleiche finde ich jedoch, dass ich das Menschlein seit ein paar Tagen von außen, wie von innen spüre. Nun ist der Unterschied zwischen Pups im Darm und Kindsbewegungen eindeutig auszumachen. Am besten merke ich es, wenn ich mich flach auf den Rücken lege und beide Hände unterhalb des Bauchnabels platziere. Meist liegt es dann gebettet auf meiner Harnblase und tritt mich in die Leisten. Jetzt weiß ich auch, was da unten immer mal so ziept. Mit dem Holzstethoskop konnte mein Mann allerdings bisher noch nichts hören. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass seine Festival-geschädigten Ohren so ein zartes Herzchen blubbern hören können. Mit dem handelsüblichen Onkel-Doktor-Stethoskop, was ich ja aufgrund seiner Flexibilität selbst zum Aushorchen benutzen kann, waren unsere Bemühungen auch nicht von Erfolg gekrönt. Die Dinger sind viel zu empfindlich und lassen einen alles mögliche Hören, nur das Herzchen nicht. Zumindest nicht in dieser Schwangerschaftswoche.

Der Bauch nimmt nun auch so langsam Form und Größe an. Allerdings ist er noch nicht eindeutig als Schwangerschaftsmurmel zu erkennen, sodass noch nicht eingeweihte Freundinnen wohl überlegen: „Ist sie einfach nur fett oder schwanger?“. Nachdem ich sie aufgeklärt habe, macht die Kugel dann in deren Augen eine Verwandlung vom Schmer- zum Babybauch durch. Wieder ein Beweis, wie Erfahrung und Wissen unsere Wahrnehmung beeinflussen. Und es gibt mir einen Hinweis darauf, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, einen Job zu finden. Ab Ende Januar wird es vermutlich schwierig werden, den Bauch unter einem bewerbungstauglichen Blazer zu verstecken. Auf dem Arbeitsamt wollte man mir übrigens erzählen, dass ich sowieso gekündigt werden würde, sobald der Arbeitgeber von der Schwangerschaft erfährt. Schließlich sei ich dann noch in der Probezeit und eine Kündigung ohne Angabe von Gründen möglich. Nun, ein kurzer Blick in die Google Suchergebnisse liefert ja schon die Antwort: „Wenn es in einem Unternehmen zu betrieblichen Kündigungen kommt, müssen laut dem Gesetzgeber die Mitarbeiter auf Probezeit zuerst entlassen werden. Geschützt werden nur Schwangere – diese sind bis einen Monat nach der Geburt des Kindes unkündbar.“ (Quelle: absolventa.de) Wie das Ganze jedoch in der Praxis umgesetzt wird, ist mir natürlich nicht bekannt. Im schlimmsten Fall muss man wohl sein Recht vor Gericht erstreiten. Nun gut, morgen ist erst mal Weihnachten und bis zum Ende des Jahres wird sich von Seiten der potentiellen Arbeitgeber nicht mehr viel tun.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein frohes Fest und besinnliche Feiertage!

Thanks God, it´s a….

Vergangene Woche wurde der bauchbewohnende Zwerg wieder ultraschallmäßig erfasst: Es hat einen Magen, eine Harnblase, n bissel Grips, Finger und Zehen in ausreichender Anzahl….und schlussendlich konnte die Gyn sogar einen schallwelligen Blick auf die Intimszone werfen. Nun wissen wir zu 85 % was es wird. Geneigte Leser können ja einfach mal ihren fachmännisch- und fraulichen Blick auf das Foto werfen, was bei dieser Untersuchung entstanden ist und raten, welches Geschlecht unser Kind wohl haben wird.

Outing in der 16+4 SSW

Outing in der 16+4 SSW

Natürlich kann man hier so einiges erkennen, jedoch nicht, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Dazu musste die Ärztin das Kind dazu bringen, sein Becken zu präsentieren. Von unten waren dann die typischen 4 hellen Linien zu erkennen. Und das spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein MÄDCHEN!

Wie alle vor Ungeduld platzenden Paare, haben auch wir  versucht, das Geschlecht anhand irgendwelcher abstruser Methoden, die der Fundus des Aberglaubens so hergibt, vorherzusehen. Schlussendlich hat fast alles auf einen Jungen hin gedeutet. Aus Spaß zähl ich mal ein paar Dinge auf, was wir so beobachtet, ausprobiert oder durchgerechnet haben:

  • Chinesischer Empfängniskalender: Hier wird anhand des Datums der Empfängnis und Alter der Mutter das Geschlecht vorausgesagt. Bei uns hieß es, es würde ein Junge. Wer es ausprobieren will, kann dies z.Bsp. unter diesem Link tun.
  • Pendeln: Ein Pendel mit einem persönlichen Gegenstand wird über den Bauch gehalten. Kreisbewegungen deuten wohl auf ein Mädchen, hin und her Bewegungen auf einen Jungen….naja…in manchen Internetquellen, wird es auch umgekehrt beschrieben…Bei uns kreiste das Pendel jedenfalls.
  • Linke Brust vs. rechte Brust: Ist die rechte Brust größer, als die Linke, wird es ein Junge. Offenbar nicht bei mir. Es sei denn, die Linke holt noch auf…das wär ja auch nicht schlecht.
  • Kopfschmerzen: Vermehrt Kopfschmerzen während der Schwangerschaft würden auf einen Jungen deuten. Autsch….nein…scheinbar nicht!
  • „Blutwechesel“: Keine Ahnung, wie sich diese Methode tatsächlich nennt und ich bin noch nicht mal mehr sicher, wo genau wir davon gehört haben. Ich glaube, es war im Fernsehen. Jedenfalls geht dieser Aberglauben davon aus, dass sich das Blut bei Frauen alle drei und bei Männern alle vier Jahren wechselt. Der, dessen Blut sich bei der Empfängnis zuletzt gewechselt hat, bestimmt das Geschlecht des Nachwuchses. Das hat bei uns sogar gestimmt.
  • Behaarung: Weniger Behaarung deutet demnach auf ein Mädchen hin. Nun  ja, wäre es mehr geworden, dann bräuchte ich keine Wintersachen mehr…
  • Süß gegen Salzig: Wer Süßes bevorzugt bekommt angeblich ein Mädchen. Bei mir sieht das Abendprogramm so aus: Linke Hand hält einen Schokiweihnachtsmann, die Rechte Salzstangen. Wird das nun ein Transgender?

Auf der Website von babycenter.de gibt es eine unendlich lange Liste mit allen anderen „Hinweisen“ auf das Geschlecht des Babys. Kein einziger hat davon bei mir zugetroffen. Es sei denn, wir gehen davon aus, dass sich die Ärztin verguckt hat.

 

Der schwangere Mann

Heute morgen hat es auf dem Flur verdächtig geraschelt. Trotzdem habe ich mich noch einmal auf die Seite gerollt und eine letzte halbe Stunde in den warmen Federn genossen. Nach dem Aufstehen blieb mein Blick sofort auf dem Schuhregal haften. Auch ohne geputzte Schuhe waren die Stiefel randvoll mit Schoki gefüllt und dieses Jahr scheint der Nikolaus den Buchhandel unterstützen zu wollen, denn wir haben beide ein Buch zum Thema Schwangerschaft geschenkt bekommen! Während es für mich die obligatorische „Hebammensprechstunde“ von der guten Ingeborg Stadelmann gegeben hat, bekam mein Mann das „Papa-Handbuch“ von GU. Daran hat sogar ein Herr Doktor mitgeschrieben.

Mein erster Eindruck des Papa-Handbuchs ist ganz zufriedenstellend. Es scheint sehr männerfreundlich mit vielen Listen und Kästchen aufgebaut zu sein und widmet sich chronologisch Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und dem ersten Jahr mit Kind. Wirklich übersichtlich und nicht erschreckend umfangreich. Von der Dicke beträgt es vielleicht einem Viertel der Hebammensprechstunde. Damit kann man weder Einbrecher noch lesefaule Männer in die Flucht schlagen. Es erfüllt somit vollkommen seinen Zweck! Soweit ich das bisher überblicken konnte, wird an etlichen Stellen auch auf die Gefühlslage des im werden begriffenen Vaters und Veränderungen innerhalb der Beziehung eingegangen. Die co-schwangeren Herren bekommen darin sogar kleine Tipps, wie man „richtig“ Kommuniziert. Fraglich bleibt, wie der Lesende dies in der Praxis umsetzen wird… 

Ein Kritikpunkt ist mir beim Überfliegen der Kapitel allerdings aufgefallen: Als es um das Thema Geburt geht…also die richtige Geburt mit Wehen, Kotze, Blut und Kacke…da hab ich bisher (!) noch keinen Satz darüber gefunden, dass es durchaus in Ordnung ist, sich als Mann bei der Geburt des eigenen Kindes nicht im selben Raum aufzuhalten. Ich finde, die Entscheidung gegen die übliche Papa-wird-involviert-Geburt ist mittlerweile zum Tabuthema geworden. Männern, die sich von vornherein gegen eine dauernde Anwesenheit im Kreißsaal entscheiden, werden gleich zwei Stempel aufgedrückt: Rabenvater! Rabenpartner! Dabei kann der Zwang zum Hingucken und Aushalten mitunter schwerwiegende Konsequenzen für die Partnerschaft nach sich ziehen. Ekel und Schuldgefühle können die Folge sein. Das äußert sich mitunter in sexuellen Problemen zwischen Mann und Frau und kann mit einer Totalverweigerung des Mannes enden, um eine erneute Schwangerschaft sicher zu verhindern. Ich möchte auf keinen Fall die Kreißsaalphilosophie von vor 20, 30 Jahren propagieren, die Männer ohne Approbation obligatorisch aus den Geburtsräumen verbannt hat, und wünsche mir natürlich auch, meinen Partner zur Seite zu haben. Dennoch ist und bleibt eine Geburt ein körperlicher und emotionaler Ausnahmezustand, der ohne Rücksicht auf Ästhetik und Anstand, Kräfte und Körperflüssigkeiten freisetzt, die mitunter sehr verstörend wirken können. Ich kann mich an eine Szene aus dem Kreißsaal erinnern, da hat mir eine gebärende Frau im Vierfüßlerstand fast auf die Hand gekackt. Ihr Mann stand in bester Sicht- und Riechposition und hatte nur wenige Minuten zuvor die CD mit Mozarts Kleiner Nachtmusik in den CD-Player gelegt. In diesem Moment habe ich mich ernsthaft gefragt, wie er wohl damit umgehen würde. Sowas gehörte nicht zum alltäglichen Hebammenbetrieb und ist mir nur einmal während der Ausbildungszeit passiert. Aber das und viel mehr kann passieren. Und das sollte Mann und Frau bewusst sein. Und wie sie damit umgehen, sollten sie sich besser vorher überlegen. Auch ganz ohne inflationäre Ausscheidungen  kann es dem Mann plötzlich mitten in der Austreibungsphase den Boden unter den Füßen weg ziehen. Schließlich dauert so eine Geburt ne ganze Weile, es gibt wenig zu essen und zu trinken, die Luft im Kreißsaal ist oft stickig und verbraucht. Dann kann Papa die Nabelschnur vielleicht nicht durchschneiden, sondern wird gerade von einer Hebammenschülerin ins Diesseits zurückgeholt. Dann ist das eben so! Um uns vor allzu großen Enttäuschungen, was das Mega-Event Geburt betrifft, zu bewahren, sollten wir vielleicht mit unserem Partner über Ängst und auch Alternativen sprechen.  Das Kind wird vermutlich auch kommen, wenn Frau mit Hebamme, Schülerinnen und/oder Arzt allein ist. Ansonsten kann ja auch eine Freundin die Stellung halten, während der werdende Vater einen Spaziergang macht. Wenn wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass nicht immer alles im Hochglanzformat „aller anderen“ abläuft, dann hilft es vielleicht völlig ohne Druck zu überlegen, welche Herausforderungen wir unserer Beziehung zutrauen. Denn um die geht es. Und nicht um die anderen. 

 

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