Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “November, 2013”

Guten Morgen Übelkeit

Die ersten zwölf Wochen Schwangerschaft sind geschafft und eigentlich könnte ich dem Thema schwangerschaftsbedingte Übelkeit die kalte Schulter zeigen. Dennoch hat mich eine Forendiskussion dazu gebracht, mich der Studienlage zu diesem üblen Leiden zu widmen. Nicht zuletzt, weil mein Zugang zu wissenschaftlicher Literatur in Bälde der Vergangenheit angehören wird. Im Forum fragte eine besorgte Schwangere, ob es denn stimmen würde, dass morgendliche Übelkeit eine stabile Schwangerschaft anzeigen würde. Besorgt war sie deshalb, weil es ihr einfach zu gut ging und sie fürchtete, bald einen Abort zu erleiden. Die Information hatte sie wohl aus dem sog. „Mami Buch“. Auch wenn der Titel des Buches irgendwie nach Hausfrauenweisheiten und Babystuhlorakel klingt, kam mir die Sache doch irgendwie bekannt vor. Tatsächlich haben sich im Jahr 2000 eine paar Wissenschaftler die Mühe gemacht einen Zusammenhang zwischen morgendlicher Übelkeit und Schutz des Embryonen herzustellen. Vielleicht taten sie das, um ihre schwangeren Frauen aufzumuntern, die sich die Seele aus dem Leib reiherten.

Immerhin leiden 80 % aller Schwangeren an morgendlicher Übelkeit, manche mit, manche ohne Erbrechen. Dabei trifft es die Bezeichnung „morgendlich“ ganz und gar nicht. Vielmehr sollte es Ganztagsübelkeit genannt werden. Lediglich während der Schlafenszeit lässt die Plage einen Großteil der Frauen in Ruhe. Die Spitze des Eisberges wird übrigens zwischen der 10. und 15. SSW erreicht. In dieser Zeit leiden die meisten Frauen unter Übelkeit. Danach dürften die meisten von ihnen aufatmen und ihr Leben wieder genießen. Vor allem Lebensmittel der Kategorie Fisch, Fleisch und Eier lassen schwangeren Frauen die Haare zu Berge stehen. Süßigkeiten -wer hätte das gedacht- werden hingegen nur selten ausgeschlagen, genauso wie Getreideprodukte, Gemüse und Früchte. Ebenso wie das meiden bitterer oder stark riechender Lebensmittel, verfolgen diese Aversionen das Ziel giftige oder bakterienverseuchte Lebensmittel zu verschmähen und somit Mutter und Embryo zu schonen. Auffällig ist ebenfalls, dass die Übelkeit im ersten Drittel der Schwangerschaft in der Regel am stärksten ausgeprägt ist. In dieser Zeit werden die Organe des Ungeborenen angelegt, weshalb Störungen durch Infektionen oder Toxine meist zum Abort führen. Anhand der Daten, die beide Wissenschaftler ausgewertet haben, wurde ein Zusammenhang zwischen Übelkeit und Abortrate ersichtlich. Demnach ist die Wahrscheinlich für Frauen, die mit der bloßen Übelkeit zu kämpfen haben, ein früher Abgang weitaus unwahrscheinlicher. Noch geringer ist sie für Frauen, die sich tatsächlich übergeben müssen. Dennoch müssen Frauen, denen es blendend geht, jetzt nicht in Panik verfallen. Über die „Stabilität“ einer Schwangerschaft kann anhand der Kotzbereitschaft keinerlei Aussage getroffen werden. Vielmehr sorgt ein empfindlicher Magen während des ersten Trimenons dafür, Nahrungsmittel zu essen, die weniger durch Bakterien, Pilze, Parasiten oder pflanzliche Giftstoffe belastet sind. Daher ist die Wahrscheinlichkeit eines Schadens, ausgelöst durch belastete Lebensmittel unwahrscheinlicher. Daneben bestünde laut dieses Papers kein Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsübelkeit und einer späteren Totgeburt oder dem plötzlichen Kindstod.

Meine Übelkeit ist seit ein paar Wochen gänzlich verschwunden und meine Essgewohnheiten normalisieren sich so langsam. Nach einer Mandel-, Lakritz-, Mortadella und Cornflakesphase bin ich jetzt wieder auf dem einigermaßen normalen Level angekommen. Meiner Meinung nach, gibt es eine familiäre Häufung, was die Übelkeit betrifft. Unsere Frauen waren davon nie besonders schlimm betroffen. Vielleicht liegt es daran, dass wir von Kindesbeinen an im Dreck gewühlt haben und daher schon alle möglichen Infektionen durch hatten. Wer sich langweilt, könnte dazu ja mal ein wenig forschen.

Zum Nachlesen hier noch das Paper: S.M. Flaxman, P.W. Shermann 2000. Morning Sickness: A Mechanism for Protecting Mother and Embryo. The Quarterly Review of Biology 75:113-148

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9., 10. und 11. SSW

Hier habe ich noch zwei Ultraschallaufnahmen aus der 9. und 10. SSW für euch. Bei 8+5 war die Perle 21 mm groß und hat während des Schallens mit dem Kopf gewackelt und gewunken. Wahrscheinlich wird es ein Headbanger, wie sein Vater. Eine Woche später ist es bei 10+5 schon 29 mm lang. Bei den Bildern wird deutlich, wie verschieden die Qualität bei unterschiedlichen Ärzten ist. Seit vergangener Woche darf ich zu meiner Gynäkologin gehen und wurde mit den besten Wünschen aus der Kiwu entlassen. Ich hoffe, ich sehe die Leute dort so schnell nicht wieder! 

SSW 8+5; SSL ca 21 mm

SSW 8+5; SSL ca 21 mm

SSW 9+5, SSL 29 mm

SSW 9+5, SSL 29 mm

10. SSW: Einen Tag bevor ich den Termin bei meiner Gyn hatte, waren plötzlich alle Anzeichen verschwunden. Keine Übelkeit, kein Brustspannen. Mir ging es blendend. Wiedereinmal habe ich Panik geschoben und mir die schlimmsten Szenarien ausgemalt. Mein Mann hat mir vorgeschlagen, die Ärztin zu bitten, mich einen Tag früher dran zu nehmen, wenn ich mir solche Sorgen mache. Ich habe mich dann erst mal gesammelt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es vollkommen sinnlos ist, den Ultraschall vorzuziehen. Wenn etwas mit dem Kind nicht in Ordnung ist, das Herz also aufgehört hat zu schlagen, dann kann kein Arzt der Welt mehr etwas retten. So ist es nun mal. Vielmehr sollte ich lernen mich selbst zu beruhigen, statt auf Sicherheit durch ein technisches Gerät zu setzen. Ich weiß auch nicht, was es bringt, sich ein Herztonempfänger (Angel Sound u.ä.) für zu Hause zu besorgen. Was macht man denn, wenn man keine Herztöne findet? Als ich noch im Kreißsaal gearbeitet habe, hatten wir in so einem Fall drei Minuten Zeit das Kind zu holen. Unmöglich das von zu Hause zu schaffen. 

11. SSW: Am Sonntag wurde ich doch tatsächlich von einer Migräneattacke heimgesucht. Volles Programm mit Augenflimmern und Kopfschmerzen. Ich war total geschockt, weil ich geglaubt habe, in der Schwangerschaft würde ich davon verschont bleiben. Schließlich war bei mir meist der Eisprung mit seinem Östrogenpeak oft ein Garant für einen Kotztag. Tatsächlich ist es aber so, dass während des 1. Trimenons dahingehend kaum eine Verbesserung zu erwarten ist. Eher im zweiten und letzten Drittel dürfen Migränikerinnen auf Besserung hoffen. Ansonsten lassen die anderen Schwangerschafts“beschwerden“ – das flaue Gefühl und der Dauerhunger mit Unterzuckerung, langsam nach. Nachts muss ich nach wie vor auf Toilette und mein gesamtes Muskelskelett fühl sich an, als hätte jemand zu viel Gelatine reingerührt. Ich bin ein Qualle auf zwei Beinen.

Nächste Woche, wenn alles gut ausschaut gibt´s endlich den Mutterpass. Wird ja auch mal Zeit! 🙂

Jetzt schnell noch Karriere machen

Neben Fruchtbarkeitsbehandlung und ersten Wochen Schwanger sein, habe ich ganz nebenbei mein Studium abgeschlossen. Nun stehe ich da, kurz vorm Berufseinstieg und bin schwanger. Eigentlich ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt und es scheint wieder einmal bewiesen, dass sich (drohende) Arbeitslosigkeit günstig auf die Fruchtbarkeit auszuwirken scheint. Ab Januar sind wir dann beide -auch mein Mann, ohne Job. Jetzt sitze ich über einem Stapel Jobanzeigen, wenn man das bei drei in Frage kommenden Stellen überhaupt so nennen kann, und hoffe, noch vorm Herausploppen meines Bauches eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu bekommen. Und ich frage mich ernsthaft, ob es moralisch verwerflich ist, sich in meinem Zuuuuuustand zu bewerben. Denn eins ist klar, mit der Tatsache schwanger zu sein , werde ich ganz sicher nicht hausieren gehen. Kein Arbeitgeber der Welt würde mich dann gegen Vertrag und Entgelt beschäftigen. Um den Gewissenskonflikt so klein wie möglich zu halten, werde ich mich bei Firmen bewerben, die in ihrer Unternehmenskultur vorrangig auf Ausbeutung setzen. Wer seine Mitarbeiter eh im 6-Monate-Intervall kündigt, um sie für miesere Konditionen erneut einzustellen, dem kann frau auch getrost ihre Schwangerschaft verheimlichen. Bei der späteren Beichte meiner anderen Umstände wird es sich ganz gut machen, von einem lange Zeit unbemerkten Unfall zu sprechen: „Auf der Suche nach einer Toilette habe ich mich in die Kinderwunschklinik verlaufen. Plötzlich bin ich gestolpert und auf einer gefüllten Inseminationsspritze gelandet.“ Das leugnen des Kinderwunsches und heraufbeschwören eines Unfalls hat sich schon seit Jahrhunderten als gesellschaftlich anerkannte Version des Schwangerwerdens durchgesetzt. Wenn man all diesen Geschichten Glauben schenkt, sind 99% aller Erdenbürger ein Versehen und der Pearl-Index von Gummi, Pille und Co müsste bei 100 liegen. Es wäre schön wenn wir Frauen (und auch Männer) endlich sagen dürften: „Dieses Kind ist sowas von gewollt und ich scheiß drauf, wie gut oder schlecht der Zeitpunkt für meine Karriere gerade ist!“

Ergänzend muss ich noch hinzufügen, dass es für die meisten Menschen „DIE Karriere“ gar nicht gibt. Der SPON und all die anderen Käse-Blätter, die uns Einzelschicksale als allgemeingültige Realität verkaufen wollen, reden immer nur von „Kind oder Karriere“. Für Viele sollte es besser heißen: „Kind und Broterwerb“. Ich persönlich wäre froh, nach fünf Jahren Studium mit Masterabschluss einfach eine nette Anstellung zu finden, die genug abwirft, dass eine kaputte Waschmaschine keinen finanziellen Ruin bedeutet. Um Spaß oder Verwirklichung geht es dabei schon lange nicht mehr. Dafür gibt es das Wochenende.

Daher lautet meine Devise: Leute, bekommt Kinder, solange eure Gonaden noch im Saft stehen, eure Bandscheibe es zulässt euch zu bücken, eure Knie eine Stunde im Sandkasten aushalten und ihr im Osten Deutschlands noch nicht mit Oma/Opa angesprochen werdet.

 

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