Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “Oktober, 2013”

Goodbye Leberwurst

Seitdem ich schwanger bin, habe ich das Gefühl einer streng-religiösen Sekte beigetreten zu sein, die sich die Entsagungen aller Glaubensrichtungen auf die Fahnen geschrieben hat. Noch nie in meinem Leben habe ich mich durch Verbote derart eingeschränkt gefühlt und einschränken lassen. Dass rohe Tierprodukte, Alkohol und Kippen tabu sind, ist mir klar gewesen. Dass die Liste an Lebensmitteln, die eine Schwangere nicht zu sich nehmen darf, jedoch ein 3. Testament füllen könnten, hat mich ungelogen überrascht. Eigentlich kann ich mich nur noch von Bananen und Trockenbrot ernähren. Da bin ich wenigstens auf der sicheren Seite. Da ist kein rohes Ei versteckt, da hat kein Listerientier drauf gekackt. Nun wurde mir vom Weisheit spendenden Internet auch noch die Leberwurst verboten. Und warum? Ja, weil da Leber drin ist. Dussel! Das sagt ja schon der Name: L-E-B-E-R-Wurst! Und Leber ist voll gepackt mit bösen Vitamin A! Ja, genau! Auch Vitamine können böse sein! Denn der kleine Bauchbewohner kann von zuviel Vitamin A Missbildungen bekommen. Außerdem ist dieses Ding die Müllkippe unseres Körpers, die ASSE unter den Organen. Hier landet alles, womit der Körper nichts anfangen kann und sollte, zum Beispiel Schwermetalle. Also was bleibt da groß übrig für das Abendbrotschnittchen? Käse! Käse? Ist in Ordnung und reich an Calcium, was für heparinspritzende Schwangere umso besser ist. ABER nur, solange er aus pasteurisierter Milch und ohne Schmierfilm-Bakterien hergestellt ist. Camembert gehört daher ebenfalls zu den Rote-Liste-Käsesorten! Ebenso wie Harzer Roller und Tilsiter. Tilsiter!!! Die Welt ist schlecht! Mortadella war mein wurstiger Strohhalm an den ich mich die letzten Wochen geklammert habe. Doch auch mit dem kann eine Schwangere untergehen. Denn Mortadella ist in Wirklichkeit eine Fettadella. Und wie mir meine App jeden Tag predigt, ist es unabdingbar, sich gesund zu ernähren und nicht zu viel Fett und Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Ohne meine Schüssel Cornflakes am Nachmittag oder sogar zur Nacht könnte ich allerdings keinen einzigen Blogeintrag mehr schreiben. Ich läge sonst als hirntoter Zombie im hypoglykämischen Zustand irgendwo im Wald. Vielleicht hätte mich mein Hund aufgegessen oder irgendein mutterloses Bambi zerfleischt. Viel Kohlenhydrate sind derzeit nämlich immer noch zu wenig. Sobald ich für zwei Stunden nichts zwischen die Kiemen bekomme, wird es mir hundeelend und ich muss zusehen, die nächste Zuckertankstelle zu finden. Mittlerweile gehe ich nur noch mit Banane, Schokoriegel oder Dextropur bewaffnet aus dem Haus. Ohne wirds kritisch.

So langsam frage ich mich, wie es die Menschheit überhaupt bis ins Zeitalter von Sagrotan und Hygieneamt geschafft hat. Allein der Gang einer schwangeren Frau durch eine mittelalterliche Gasse, in der soeben die Nachttöpfe entleert wurden, müsste dem Ungeborenen nachhaltig geschadet haben. Und woher kommen eigentlich die Abermillionen Inder?

Im übrigen können Schwangere ihr Trinkwasser unter Vorlage ihres Mutterpasses hier in Hamburg vom Wasserversorger kostenlos auf Blei überprüfen lassen. Das könnte bei den hiesigen 70er Jahre Schrottbauten durchaus von Nutzen sein.

Nachtrag: Peinlicher Fauxpas! Es sind natürlich Legionellen, die im Trinkwasser gefunden werden. Keine Listerien, wie ich in der 1. Version des Beitrages geschrieben habe! Und diese Legionellen sind nur dann gefährlich, wenn sie im Aerosol vorkommen und eingeatmet werden. Trinken kann  man sie, (fast) so viel man will. Für Schwangere ist es aber dennoch bedeutsam, möglichst legionellenfrei zu duschen 😉

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Baby im Kopfstand

Da bin ich wieder. Nach einer Woche Frankreich-Urlaub, ging es gestern wieder auf Ärzte-Tippel-Tappel-Tour. Und ehrlich gesagt, habe ich mittlerweile die Schnauze gestrichen voll von Arztpraxen und Wartezimmern. Dass uns die Kiwu bei jedem Termin zwischen 10 und 45 Minuten warten lässt, macht es nicht unbedingt leichter, gelassen zu bleiben. Wenigstens konnten wir gestern das Herz richtig schön schlagen sehen. Und ein neues Bild fürs Familienalbum gab es auch. Der Embryo ist nun 1,2 cm groß und entspricht damit wohl der EU-Norm für Embryonen in der 8. SSW. Bei der ersten Vermessung war er nur 1 cm groß. Als ich meinte, das sei aber mächtig klein, alle anderen Frauen hätten in dieser Woche schon größere Gummibären, hat die Ärztin den Ultraschallpimmel noch ein paar Mal hin und her bewegt, und siehe da, er ist gewachsen. Was nicht passt, wird eben passend gemacht. Also mal im Ernst, ich freue mich ja sehr, wenn mir meine App jeden Morgen auf dem Klo erzählt, wie es meinem Baby gerade geht, wie groß es ist und welche Organe gerade ihre Funktionstüchtigkeit erlangen, aber in Wirklichkeit macht mich das hypernervös. Vor unserem Urlaub – ich war gerade 6+1 SSW, wurde ebenfalls ein Ultraschall gemacht. Laut App sollte das Herz schlagen und der Embryo so groß, wie eine Linse sein. Auf dem Bildschirm konnte man – und ich erst recht, nichts von Herzschlag erkennen. Vielleicht war da so ein nervöses Zucken, aber das konnte auch ein Artefakt vom Tremor des Arztes sein. Für ihn sahen die Bilder übrigens prächtig aus. Mit 3 mm Größe war er auch sehr zufrieden. Ich hingegen hatte Linsen größer in Erinnerung und statt mit stolzgeschwollener Brust aus der Praxis zu spazieren, hatte ich den ganzen Tag Abortphantasien.

Tatsächlich ist es ja so, dass die Qualität der US-Bilder enorm vom Gerät, der Erfahrung des Schallenden und der Lage des Embryonen in der Gebärmutter abhängt. Auch wenn wir glauben, die Kiwu-Kliniken müssten bestens ausgestattet sein, dürfen wir nicht vergessen, dass von den horrenden Summen, die für Behandlungen anfallen, auch der BMW des Arztes und der Kandinski an der Wand finanziert werden muss. Außerdem sind die Baby-Take-Home-Raten längst nicht so berauschend, dass jeder Arzt die Chance hatte schon tausende Embryonen zu begutachten. Meistens messen sie ja nur Gebärmutterschleimhaut und Follikel aus. Ein niedergelassene Gynäkologe im Prenzlauer Berg hat da mit Sicherheit mehr Erfahrung.

Hier noch zwei Bilder aus der 7. und 8. SSW:

Embryo 3 mm groß in Fruchthöhle mit Dottersack in 6+1 SSW

Embryo 3 mm groß in Fruchthöhle mit Dottersack in 6+1 SSW

Embryo 1,2 cm groß liegt auf dem Kopf in 7+5 SSW

Embryo 1,2 cm groß liegt auf dem Kopf in 7+5 SSW

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