Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Archiv für den Monat “August, 2013”

Surprise, surprise

Nun hatte ich mich schon damit arrangiert mich diesen Zyklus ausschließlich mit der Arbeit an meiner Masterthesis zu befassen, statt mit der Arbeit an meiner Fruchtbarkeit, da kommt von irgendwoher kein Lichtlein, aber eine Packung Gonal und Menogon geflogen.

Gestern waren wir zum Gespräch und müssen bei der Frau Doktor wegen des vermasselten Antrags bei der Kasse eine ordentliche Portion Schuldgefühl verursacht haben, denn plötzlich kam sie auf die Idee in der Praxis nach übrig gebliebenen Hormonen für mich zu suchen. Nach einem Tauchgang in die unendlichen Weiten des Arzneischranks wurde ich also mit zwei verschiedenen Eierstockstimulanzien versorgt. Ganz so einfach wie es sich hier liest, war es dann doch nicht. Ihrem Geistesblitz ging eine fast halbstündige Diskussion voraus, in der ich ihr versuchte nahezulegen, dass ich mir vorstellen könnte, diesen Zyklus spontan und ohne jegliche Hormongabe für eine Selbstzahler-IUI zu nutzen. Zuerst glaubte sie, ich wolle es generell nur noch mit unstimulierten Inseminationen versuchen und redete mir ins Gewissen.  Als sie dann aber verstanden hatte, dass ich die nächsten Wochen einfach nicht ungenutzt verstreichen lassen will, bis der Antrag durch ist, kam ihr die Idee aus dem unstimulierten Selbstzahler-IUI-Zyklus einen stimulierten Selbstzahler-IUI-Zyklus mit geschenkten Medikamenten zu machen.

Ich bin gespannt, ob das alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Schließlich habe ich gestern (Zyklustag 6) erst mit Spritzen begonnen. Am Montag ist Kontrolle und dann werden wir sehen, wie es weitergeht.

Mein Progesteronwert lag bei der letzten Kontrolle übrigens bei etwas über 20 (Einheit?). Frau Doktor meinte, dieser Wert spräche für eine Eizelle, die den Sprung in die große weite Welt gewagt hätte. Obwohl ich nicht gerade ein Mehrling-Fan bin, finde ich es etwas enttäuschend, dass es von drei potentiellen Kandidatinnen nur eine geschafft hat.

So, nun aber zu den harten Fakten:

Alles über den Behandlungsplan

  • Wie sieht sowas aus?

Es handelt sich um einen überwiegend roten Din A4 Zettel mit Durchschlag

  • Woher bekomme ich den?

Der wird einem vom behandelnden Arzt in die Hand gedrückt.

  • Was muss ich vorher tun?

Heiraten… Kohle scheffeln… dann müssen beide Partner in Anwesenheit des Arztes der Durchführung der Behandlung zustimmen und dies mit ihrer Unterschrift bestätigen. Außerdem muss die gesamtschuldnerische Haftung übernommen werden, d.h. für die Kosten, die entstehen und von der Krankenkasse nicht übernommen werden, muss das Paar aufkommen. Die Gesundheitskarte beider Partner muss im aktuellen Quartal eingelesen werden.

  • Wie heiß ist der Preis?

In unserem Fall entstehen folgende Kosten für eine „Insemination nach hormoneller Stimulation“:

Summe ärztliche Behandlung:                   ♀ 152,87€               ♂ 16,65€

Medikamentenkosten:                                 ♀ 973€                     ♂ –

Sachkosten und Sprechstundenbedarf: ♀ 7,05                     ♂ 1,50

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Gesamtsumme (pro Zyklusfall):                 ♀ 1132,92€       ♂ 18,15€

Die Kosten werden jeweils zur Hälfte von uns und der Krankenkasse übernommen. Wenn ich das richtig verstanden habe, handelt es sich bei den Medikamentenkosten um die maximale Höhe anfallender Kosten. Für 900 I.E. Puregon müsste man beispielsweise um die 500€ berappen, wenn man es auf Privatrezept kaufen würde. Diese Dosis würde -sofern ich weiterhin in diesem Maße auf die Stimulation anspreche- für beinahe 2 Zyklen reichen.

  • Wohin mit dem Pamphlet?

Das muss vom Patienten nun zur Krankenkasse geschickt werden. Man kann es persönlich vorbei bringen, dann geht die Bearbeitung wohl schneller oder mit der Post schicken.

Wie Sie sehen…

…sehen Sie nichts!

Das vergangene Wochenende war eine Katastrophe. Emotional betrachtet. Natürlich konnte ich es nicht lassen und habe doch so eine Art Testreihe angelegt. Da war dann auch schnell klar, dass es wieder nicht hat sollen sein. Und als ob das nicht schon alles Kacke genug wäre, bekam ich an ES+11/12 bereits meine Tage. Laut Lehrbuch, ist die Länge der zweiten Zyklushälfte noch im Rahmen. Nichts desto trotz finde ich es seltsam, unter Behandlung mit sonstwas für Hormonfirlefanz eine kürzere 2. Zyklushälfte zu haben, als für mich üblich. Meine Progesteron- und Östradiol-Werte müssten auch im akzeptablen Bereich gewesen sein, denn sonst -so wurde es vereinbart- hätte mich die Kinderwunsch-Praxis angerufen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Allerdings….würde es mich so ganz und gar nicht wundern, wenn das -upps- vergessen wurde. So wie es -upps- vergessen wurde, uns den Behandlungsplan für die Krankenkasse mitzugeben. Diesen Monat geht es also nicht weiter. Eine Stimulation ohne Insemination macht für mich unter diesen Umständen keinen Sinn. Da stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis. Der Aufwand sind das erhöhte Krebsrisiko, die Müdigkeit, die Übellaunigkeit, die Appetitlosigkeit, die immens große Hoffnung und der Sturz ins Bodenlose, wenn es wieder nichts gebracht hat. Der Nutzen ist ein Strohhalm, der zerbricht, sobald ich mich daran versuche festzuklammern.

Testreihe August

Flutsch flutsch hurra

Seit Sonntag bin ich -biochemisch gesehen- schwanger. Gegen neun Uhr morgens habe ich mir Brevactid gespritzt und genau, wirklich fast auf die Minute genau, hat es 36 Stunden später in den Leisten angefangen zu ziehen. Das nenne ich mal perfektes Timing! Allem Anschein nach funktioniere ich genau nach Anleitung. Von Schwangerschaftsbeschwerden merke ich übrigens nicht die Bohne etwas. Keine Übelkeit, kein Heißhunger. Ich bin -ganz im Gegenteil- sogar richtig gut drauf. Seit dem ich kein Puregon mehr spritze, zieht es mir vor Müdigkeit auch nicht mehr den Boden unter den Füßen weg und das Brustspannen hat sich seit gestern ebenfalls deutlich gebessert.

Einen Ovulationstest habe ich am Sonntag Nachmittag gemacht. Wie es nicht anders zu erwarten war, hat der natürlich fett positiv angezeigt. Nun könnte ich noch jeden Tag einen Schwangerschaftstest machen, um zu schauen, ab wann das gespritzte hCG aus meinem Körper verschwunden ist. Angeblich besitzt Brevactid eine Halbwertszeit von 24-36 Stunden, d.h. alle 24-36 Stunden halbiert sich der Gehalt an hCG im Urin. Bis es unterhalb der Nachweisgrenze liegt, könnten also ca. 10 Tage vergehen. Wenn es geklappt haben sollte, müsste er ab da an auch wieder stärker positiv werden. Dafür sind mir momentan jedoch Nerven und Geld zu schade.

Nun möchte ich mich allerdings dem Thema meiner Überschrift widmen:

Gleitgel

Während des Kinderwunsches spielt die Wahl des Gleitgels nämlich eine nicht ganz untergeordnete Rolle. Dabei gibt es zwei verschiedene Gründe sich für ein Kiwu-Gleitgel zu entscheiden: Manche Frauen sind einfach darauf angewiesen, weil sie mit Scheidentrockenheit zu kämpfen haben, andere greifen nach diesem Strohhalm, um das Beste aus einem eingeschränkten Spermiogramm heraus zu holen. In beiden Fällen darf das Gel den Spermien natürlich keinesfalls schaden. Dies und noch viel mehr versprechen etliche Gleitgele, die meist über das Internet in Deutschland erhältlich sind. Ich habe bisher PreSeed und Conceive ausprobiert. Vor einiger Zeit habe ich mir PreSeed bei Amazon bestellt. Dort kosten 40g bzw. 9×4 g 23-26€. Ein Schnäppchen ist was anderes. Im Preis inbegriffen sind 9 Applikatoren, die mit dem Gel befüllt und vor dem Verkehr in die Scheide eingeführt werden können, um das Gel direkt vor dem Muttermund zu platzieren.

Bei den  Inhaltsstoffe handelt es sich um gereinigtes Wasser, Sodiumchlorid, Hydroxyethylcellulose, Pluronic, Arabinogalactan, Sodium Phosphat, Carbomer, Methylparaben, Sodium Hydroxid, Potassium Phosphat, Propylparaben. Die Verwendung von Parabenen als Konservierungsmittel hat mich jedoch stutzig gemacht. Laut Wikipedia gibt es Hinweise darauf, dass Parabene -vor allem Propylparaben, aufgrund ihrer chemischen Struktur eine östrogenartige Wirkung haben können. Da gerade das PCO-Syndrom und viele Zyklusstörungen mit einer Östrogendominanz einher gehen, halte ich den Einsatz von Parabenen in fruchtbarkeitsfördernden Gleitgels für beinahe sittenwidrig.

Also habe ich es mal mit Conceive versucht. 75 ml ohne Applikatoren kosten ca. 18€. Mit Applikatoren kostet es mehr als doppelt so viel: 18€ für 32ml. Wer sparsam sein möchte, kann sich einfach eine ein paar 2ml-Spritzen aus der Apotheke holen. Damit lässt es sich ebenfalls aufziehen und in der Scheide platzieren. Die Konsistenz von Conceive ist flüssiger und ich finde, es riecht nach Baby-Creme. Auf der Verpackung sind folgende Inhaltsstoffe aufgelistet: Wasser, Hypromellose, Sodium Chlorid, Methylparaben, Glycerol, Sodium Phosphat, Potassium Chlorid, Sodium Dihydrogenphosphat, Magnesium Chlorid, Calcium Chlorid.

Ohne Parabene scheint es nicht zu gehen. Immerhin ist kein Propylparaben enthalten…dafür wurden hier Magnesium- Und Calcium-Ionen beigemengt, die sich positiv auf die Beweglichkeit der Spermien auswirken sollen.

Abschließend lässt sich wohl zusammenfassen, dass beide Gleitgele ihren eigentlichen Zweck erfüllen und für ausreichend Feuchtigkeit sorgen. Eine Schwangerschaft ist bei mir weder mit noch ohne Gleitgel eingetreten.

Wer übrigens glaubt, eine trockene Scheide hinge mit schlechtem Zervikalsekret zusammen, den kann ich beruhigen. Das, was den Scheideneingang geschmeidig hält, wird von den Bartholindrüsen gebildet. Ob sie ihrer Arbeit im richtigen Moment nachkommen, hängt nicht unwesentlich von Stressfaktoren ab. Denn nur eine entspannte Frau ist eine flutschige Frau.

Wovon Männer träumen

Seit zwei Tagen fühle ich mich, als ob mein Körper all seine Kraft in die Produktion von Eizellen investiert…wie eine Legehenne auf Dauerlichtbetrieb. Ab Mittag bin ich hundemüde und werde vorm nächsten Frühstück auch nicht richtig wach. Und offensichtlich nicht umsonst: Tatsächlich hat die Ärztin heute im Ultraschall zwei vielversprechende Follikel gesichtet. Da sie die sprungreifen Traummaße von 1,7 cm noch nicht erreicht haben, soll ich bis Samstag weiterspritzen wie gehabt und am Sonntag mit Brevactid auslösen. Darin enthalten ist humanes Choriongonadotropin. Diesmal wurden allerdings keine chinesischen Hamster geopfert, um das Hormon zu gewinnen. Stattdessen stammt das hCG aus dem Urin schwangerer Frauen. Das nenn´ich effektive Kreislaufwirtschaft! Die Nebenwirkungen hören sich -und so soll es sein- alles andere als erquicklich an. Bis auf die Tatsache, dass Brevactid zum Anschwellen des Gliedes beim Mann führen kann. Ich glaube, ohne diese partnerschaftliche Wechselwirkung wäre der janze Uffwand völlig für umsonst 😀 Das Wochenende ist also bis in den Montag hinein ausgeplant.

Eine Insemination, auch privat bezahlt, wäre im Übrigen jetzt nicht mehr möglich. Da die Krankenkasse bereits das Stimulationshormon voll bezahlt hat, wäre das wohl Betrug. Auch wenn die Krankenkasse auf dem normalen Dienstweg davon nie etwas erfahren würde, führt der medizinische Dienst wohl in den Kiwu-Praxen stichprobenartige Kontrollen durch. Findet sich dann eine Akte aus der hervor geht, dass kassenfinanziert stimuliert, aber privat Inseminiert wurde -und damit meine ich nicht privat zu Hause mit dem gottgegebenen fleischfarbenen Inseminationsschlauch – dann gibt´s Kloppe…

 

 

 

Der pure Egon

Gestern habe ich es getan. Ich habe mir die erste Hormonspritze in die Bauchfalte gejagt. An meinen Plan, mir die Dosis morgens zu geben, habe ich mich tatsächlich gehalten…obwohl es beinahe Mittag geworden wäre, ehe ich mich überwinden konnte, mir das Ding in den Körper zu stecken. Dabei war der Einstich wirklich kaum zu merken und die Injektionsmenge ist derart gering, dass es rein gar nicht gebrannt hat. Da waren die Thrombose-Spritzen schon von einem anderen Kaliber. Trotzdem ist es mir damals leichter gefallen mir das Heparin zu spritzen, als mich nun mit Hormonen voll zu pumpen. Schließlich sollten die Spritzen mir dabei helfen wieder gesund zu werden. Nun bin ich gesund und muss mir Medikamente spritzen, die mich vielleicht krank machen. Eierstockskrebs, erhöhte Thrombose-Gefahr, Überstimulationssyndrom, Wasserbauch, Wasserlunge, Tod…das liest sich wie der Pschyrembel, aber nicht wie die Entstehungsgeschichte unseres Kindes.

Bezüglich der fehlenden Kanülen habe ich mit der Pharmafirma telefoniert, nachdem meine Email durch eine Abwesenheitsnotiz beantwortet wurde. Die nette Dame am Telefon hat versprochen, mir welche zuschicken zu lassen. Wahrscheinlich wird das Päckchen aber erst Mitte nächster Woche ankommen. Also heißt es wieder auf zu Kiwu-Klinik und dort nach Kanülen fragen. Als hätte ich nichts anderes zu tun!

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