Frauenbauch

femi-biotische Themen querbeet

Transfer minus unendlich

Der erste Versuch endete also nach drei Tagen Schmierblutung mit der Menstruation in ihrer ganzen Pracht! Trotz Utrogest und Temperatur in Hochlage. Da am Wochenende niemand im Kiwu-Zentrum zu erreichen ist, habe ich heute mit denen telefoniert. „Sie haben also so richtige Blutungen?“ Ja, so richtig. Mit Schleimfäden, die sich beim Pinkeln ins Klo abseilen. Aber wer weiß, vielleicht drückt sich ja irgendwo in den unendlichen Weiten meiner Gebärmutter ein kleiner Zellhaufen an die Uteruswand und hofft, dass der Spuk bald vorbei geht…..? Quatsch mit Soße…im wahrsten Sinne. Da ist nüscht.

Morgen wollen mich die Damen zurückrufen, wie wir nun verbleiben. Für Donnerstag wurde mir in erwartungsfroher Hoffnungsdümpelei bereits ein Ultraschall-Termin aufs Auge gedrückt. Haben die echt gedacht, es würde so einfach sein? Der nächste Transfer könne, laut Telefon-Frau, auch im spontanen Zyklus stattfinden. Na dann, warten wir und harren der Dinge, die da kommen. Das kann sich ja nur noch um drei, vier, fünf Wochen handeln….

 

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Wasting my time in the waiting line

Gestern habe ich mir neue Schwangerschaftstest von Amazon liefern lassen. KTX7 von einer Britischen Firma made in China. Mit gut angestauten Mittagsurin durchgeführt, entwickelte sich tatsächlich eine hauchzarte zweite Linie. Abends hab ich mir die Bewertungen zu diesen Tests durchgelesen: Verdunstungslinien-Super-Gefahr! Heute Morgen wieder eine zweite Adleraugen-Linie, wieder in der Zeit. Am Mittag dann wieder sowas, diesmal aber etwas später sichtbar. Zwischendurch habe ich bei der Kiwu-Klinik angefragt, ob ich heute nach der Arbeit zum Bluttest vorbei kommen darf. Ja, könnte ich schon machen, aber, wenn der Test dann negativ ist, müsste ich eh am Montag noch mal kommen. Ich meinte dann so, dass es ja nicht normal sein kann, 14 Tage nach Eisprung (=PU) nichts im Blut zu sehen. Da schlagen selbst 25er Urin-Tests schon an…es sei denn man ist nicht schwanger. Die Dame am Telefon ließ sich jedoch nicht überzeugen. Also bin ich genauso dumm wie zuvor.

Die Schmierblutung ist nun auch wieder da. Heller und stärker als die Tage zuvor. Eigentlich ist mein Körper schon seit Montag am Menstruieren, nur ohne Blut. Das Progesteron hält das Ganze noch auf. Das Unterdrücken der Mens und die Zysten als Stimulationsüberbleibsel werden meinen nächsten Zyklus wahrscheinlich auf Monsterlänge ausdehnen. Wer weiß, wann der nächste Transfer stattfinden kann….

Bis dahin werde ich versuchen, mich zu entgiften. Vielleicht lass ich mir alpha-Liponsäure-Infusionen geben, um Schwermetalle unschädlich zu machen. Und vielleicht werde ich es sogar in Kauf nehmen, meine Haare nicht mehr zu blondieren. Das wäre zwar mein visueller Untergang….aber was solls. Dank der blonden Haare wirke ich 50% attraktiver, als ich in Wirklichkeit bin. Wenn es mich aber 50% unfruchtbarer macht, würde es sich fast lohnen, für eine gewisse Zeit davon Abstand zu nehmen.

 

Keinen Schimmer…(Pu+12, TF+7)

Hoffnung, habe ich in mir. Ganz im Gegensatz zu unserer KiWu-Klinik. Die scheinen sogar Pferde vor der Apotheke kotzen zu sehen. Seit Tagen -einschließlich heute- sind die Schwangerschaftstests weiß. Ich schwitze Nachts, hatte Montag Kopfweh und ein Regel-Gefühl im Bauch. Heute Morgen sank die Temperatur, Brüste sind wieder geschrumpft und schmerzlos, wieder Kopfweh und verfärbter Schleim. Eigentlich wollte ich heute zum Bluttest gehen, die Klinik sagt jedoch, frühestens Freitag sei sinnvoll. Und unbedingt die Medikamente weiter nehmen!

Was ist denn das bitteschön für ein Unsinn? Wenn der HCG-Wert heute noch nicht im Blut messbar ist, dann wird doch nie im Leben eine intakte Schwangerschaft daraus! Wozu also den ganzen Müll weiter in sich reinpumpen?

Seit gestern geht es mir emotional richtig schlecht. Für mich ist jetzt klar, dass es an mir und meinem verschissenen Körper liegen muss, dass ich nicht schwanger werden kann. Von mir aus kann das KiWu-Zentrum den ganzen Eizelldreck in die Tonne kloppen. Das wird in diesem Leben eh nichts mehr. Wenn die Einnistung gestört ist, dann gibt es so gut wie keine Möglichkeiten das zu behandeln. Schießt der Mann nur Platzpatronen ab, hilft oft TESE und ICSI. PCO-Syndrom lässt sich mit Hormonen und Metformin oft gut in den Griff bekommen. Aber gestörte Einnistung? Das ist der weiße Fleck im Reproduktions-Atlas. Und woran sollte es sonst bei uns liegen? 11 von 15 Eizellen befruchtet, Spermiogramm nicht weltklasse aber ok, 5 IUIs erfolglos, ein Blastozysten-Transfer gescheitert….

Fick dich, du verfickte Scheißwelt!  Ende

Miese Stimmung (TF+3)

Der Transfer am Mittwoch verlief unspektakulär. Wie vermutet blieben von den 4 Blastozysten zwei brauchbare übrig. Eine wurde mir eingesetzt, die andere auf Eis gelegt. Ein wenig Blut-Utrogest-Geschmiere hatte ich danach im Schlüppi. Wahrscheinlich von der Ektopie. Die geringste Störung reicht aus, dass mein Gebärmuttermund zu bluten beginnt.

Am nächsten Tag begleitete mich mein Chef zu meiner großen Freude mit auf meine Ärzte-Tour (kurz zur Erklärung: Ich arbeite als Pharmareferentin). Obwohl wir uns gut verstehen, bedeutet das für mich immer Stress pur. Schließlich möchte ich keine schlafenden Hunde wecken durch auffällig schlechtes Arbeiten. Über meinen „ärztlichen Eingriff“ von Freitag hat er kein Wort verloren. Zum Glück. Und ich war auch froh, nicht geflunkert zu haben. Vor einem Jahr war das Krankmelden wegen der Punktion noch eine der größten Hürden, die mich davon abgehalten hat, einen Schritt weiter zu gehen. Was ist, wenn er zwei Tage vorher anruft und Bescheid sagt, dass er mitkommen will? Einfach am Morgen der Punktion krank melden wegen Magen-Darm-Infekt? Aber auf der Krankmeldung steht ja eine gynäkologische Praxis drauf…Ich hab´s im Kopf tausendfach hin und her gedreht und gewendet. Als ich den genauen Termin für die Punktion hatte, habe ich dann einfach eine Mail geschrieben. Ärztlicher Eingriff am Freitag, Nachkontrolle am Mittwoch. Innerlich habe ich mich auf Nachfragen eingestellt. Es kam aber glücklicher Weise keine. Falls doch, hätte ich ihm von Zystenpunktion erzählt. Falls er irgendwann Mal im Laufe unseres gemeinsamen Arbeitslebens danach fragen sollte, wäre ich doch bereit, mit der ganzen Geschichte rauszurücken. Aber erst, wenn das Thema entweder für uns abgeschlossen ist oder wir mit Kind nach Hause gehen.

Tja…und mein schlechtes Gefühl sagt mir, dass es noch ne Weile dauern wird…oder sogar nie mehr passiert. Bis gestern hatte ich noch ein wenig Ziehen im Bauch und auch meine gewaltigen Eierstöcke haben sich bemerkbar gemacht. Heute ist gar nichts mehr. Die Utrogest-Sauerei ist seit heute auch gelblich verfärbt, was nichts Gutes verheißt. Brüste werden weicher. Temperatur heute ein wenig geringer als gestern. Und Nachts wird mir extrem heiß. Und meine Stimmung ist einfach sehr, sehr schlecht. Das hat all die Jahre immer bedeutet, dass ich in einer Woche meine Mens bekomme. Wirklich verwunderlich wäre es nicht. Es muss ja schließlich eine Ursache für unsere Sterilität geben. Und womöglich ist es dann doch die Einnistung. Dass es beim kleenen Froillein damals mit der ersten IUI geklappt hat, war vielleicht und ja eigentlich sowieso ein großes Wunder….obwohl, wer sie kennt, der wundert sich über gar nichts mehr. Wahrscheinlich hat sie meine Gebärmutter so lange angebrüllt, bis sie sie einfach dort hat wohnen lassen: „ICH! WILL! JETZT! HIER! EINZIEHEN! SOFORT!“

Die KiWu-Ärzte und Angestellten scheinen da allerdings optimistischer zu sein. Am Mittwoch haben wir schon einen Termin für Ultraschall und Schwangerschaftstest ausgemacht. Ich dachte mir nur, ähm ok…können wir ja machen, aber ich irgendwie glaube ich nicht, dass wir das brauchen. Morgen werde ich einen Urintest machen. Am Donnerstag Abend (PU+5) habe ich einen zum Vergleich gemacht. Vom Brevactid 5000 war nichts mehr zu erkennen. Nun ja, wenn aber morgen nichts zwickt und zwackt, dann wird es sich erledigt haben….

Pu+3

Gestern Abend saßen mein Mann und ich beim Tatort und spekulierten über unseren höchst persönlichen Krimi. Wie viele Eizellen werden wohl reif gewesen sein? Ob sich überhaupt was befruchten ließ? Sind schon alle abgestorben? Wir überlegten, ob wir nicht hätten einen Anruf bekommen sollen. Hatte die Ärztin gesagt, wir würden nur dann informiert werden, wenn der Transfer am Mittwoch nicht stattfindet? Wirklich? Seltsam….dann googelte ich noch eine Weile „Anruf von Kiwu nach Punktion“ und offensichtlich rufen die meisten Kliniken einen Tag nach Pu an und geben einen kurzen Bericht durch. Also fasste er den Entschluss, heute zum Telefonhörer zu greifen (gibt es eigentlich noch Telefonhörer?). Vorher bekam er die Anweisung, mich nicht während der Arbeit mit schlechten Nachrichten zu konfrontieren. Macht so gar keinen Spaß beim Kunden mit verheulten Augen und Schniefnase zu sitzen. Trotzdem rief er mich an und berichtete folgendes: Von 15 Eizellen ließen sich 11 befruchten, sieben 2-PN-Zellen (pro-nucleus-Zellen) wurden bereits gefrostet, vier werden nun zu Blastozysten weiterkultiviert. Zwei davon sollen sich angeblich recht gut machen, während die anderen beiden etwas lahm daher kommen. Das sind -würde ich alter Pessimist sagen- doch erst mal ganz gute Nachrichten. Nun müssen wir nur noch bangen, dass am Mittwoch noch etwas zum transferieren übrig ist. Eine Statistik, die besagt, wenn es die „Viel“-Zeller bis dahin geschafft haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit so und so hoch, dass eine Blastozyste entsteht, würde mich an dieser Stelle beruhigen. Kenn aber grad keine. Ich habe mich gefragt, ob es Sinn macht, nur eine eintźige Blastozyste einzufrieren. In Forenbeiträgen vergangener Jahre sprechen viele Frauen davon, dass ihnen davon abgeraten worden sei, da die Chance auf Weiterentwicklung für eine Blastozyste relativ gering sei. Zwei sollten es schon sein. In unserer Kiwu wurde dagegen von keiner Einschränkung gesprochen.

Körperliche Beschwerden habe ich übrigens kaum welche. Gestern Morgen hatte ich eine Migräne-Attacke mit Aura, die sich aber schnell wieder verkrümelt hat. Irgendwie hatte ich schon damit gerechnet, da die Basal-Temperatur hoch gegangen ist, was ich als Östrogenabfall interpretiert habe (nicht zu verwechseln mit „Östrogenabsacker“, der in der zweiten Zyklushälfte auftritt). Auf schwankende Östrogenwerte reagiere ich oft mit Migräne. Eine Ibuprofen hat gute Dienste getan und mir auch die Bauchbeschwerden bis zum Mittag genommen. Abends werden die Bauchschmerzen stärker, sind aber tendenziell eher rückläufig. Ich trinke weiterhin, wie ein Kamel Wasser und zwei Mal täglich eine Proteinshake. Am Ende der Woche werde ich wohl jede Arzt-Toilette in ganz Südbaden kennen. Mein Bauch ist zum Glück nicht auffällig geschwollen. Für mich sieht er zwar etwas deformiert aus, bisher hat mich aber niemand gefragt, ich welchem Monat ich bin.

Hier noch mein Zyklusblatt:

Erster IVF-Zyklus

 

Was ist Emanzipation und wenn ja, wieviele?

Gerade bin ich über einen Artikel (Bertha Stein, „Narzissten für Deutschland“ )gestolpert, der mein in sonntäglicher Bräsigkeit wallendes Blut ein wenig in Rage gebracht hat. Die Autorin ist offensichtlich der Meinung, die Regierung hätte die Absicht uns Frauen zu steuerzahlenden Gebärmaschinen zu machen…mit Hilfe von Kleinkindbetreuung, Frauenqoten und Ganztagsschulen. Meine Lebensrealität konnte ich in diesem Artikel nicht wiederfinden. Wenn ich mich hier so umschaue, dann bin ich weit und breit die einzige Frau, die mit Kind Vollzeit arbeiten geht. Schaue ich aus dem Fenster, sehe ich Mutter Nummer 1 mit zwei Kindern im Grundschul- und Teenie-Alter, die spätestens seit Geburt des Zweiten nicht mehr arbeiten war. Ein Blick aus dem anderen Fenster zeigt mir Mutter Nummer zwei mit zwei Kindern im Grundschul- und Kleinkindalter, die ebenfalls nichts mehr in unsere Sozialkassen eingezahlt hat, seit dem Kind Nummer Zwei auf der Welt ist. Beide haben -soweit ich weiß- einen höheren akademischen Abschluss. Aus dem näheren Umfeld kenne ich etliche Frauen, viele studiert mit Kindern über 10 Jahren, die ihre Erfüllung darin finden, den Nachwuchs von einem Termin zum anderen zu kutschieren. Viele haben sogar eine Tochter, die dann auf die Privatschule geschickt wird, mehrere Spachen lernt, ein Musikinstrument sowieso Karate zur Selbstverteidigung. Natürlich sollen die Kindern Abitur machen und später studieren. Auch die Mädchen. Die Frauen, aber auch der Steuerzahlen haben viel Zeit und Geld in die Ausbildung der studierten Mütter investiert, denn studieren in Deutschland kostet. Und das nicht nur die Studenten, sondern uns alle. Sinn und Zweck der Übung ist es, das Geld später von den Akademikern zurück zu bekommen, über Sozialabgaben und Steuern. Leider fallen diese Ganztagsmütter oft auf Lebenszeit als Verdiener aus. Der Mann verdient gut und zum Glück hat Omi das Haus vererbt, in dem nun alle mietfrei wohnen. Die Familienversicherung deckt Vater, Mutter und 2+X Kinder ab. Ein wahres Schnäppchen.

Mir stellen sich nun verschiedene Fragen: Ist es nicht unlogisch seiner Tochter die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen und gleichzeitig ein völlig widersprüchliches Model zu leben? Wäre das Mädchen dann nicht besser auf einer Hauswirtschaftsschule aufgehoben? Oder dient die Akademisierung nur dem Zweck einen wohlhabenden Mann kennen zu lernen? Mit Fremdsprachen und geisteswissenschaftlichen Thematiken kann man den Herren sicher lange bei guter Laune halten. Vielleicht soll das Mädchen aber auch später kinderlos bleiben und Karriere machen.

Wie sicher sind sich diese Frauen, dass die Ehe hält? Prinzipiell ist die Statistik gegen Vollpension beim Ehemann. Die Scheidungsquote liegt bei ca. 40%, eine Ehe hält im Schnitt etwas weniger als 15 Jahre. Wenn ich also hier die Straße entlang gehe und die Häuser abzähle, dann würde ich der einen oder andere doch raten, sich wieder nach einem Job umzusehen.

Selbst wenn sie zu den Glücklichen gehört, die nicht von ihrem Gatten vor die Tür gesetzt wird oder sie einfach nur die Zähne zusammen beißt, weil sie weiß, dass eine Scheidung ihr finanzieller Ruin wäre, wie werden sich die 2+X Kinder später finanzieren? Nur wenige Eltern schaffen es mit nur einem Einkommen, ihr Eigenheim zu Lebzeiten abzubezahlen. Wenn es dann nicht für die Finanzierung der Pflege „umgesetzt“ werden muss, wird es spätestens nach dem Tod der Alten verkauft, damit das Erbe durch 2+X geteilt werden kann. Je nach Wohngegend kann ein hübsches Sümmchen für jeden übrig bleiben. Sich davon allerdings selbst eine Altersvorsorge schaffen? Schwierig bis unmöglich! Die meisten Alleinverdiener-Eltern werden jedoch kaum was zu vererben haben. Da werden die Kinder dann zur Kasse gebeten, wenn es in die letzte Runde geht. Was machen die Töchter dieser Generation? Sie werden wohl oder übel selbst arbeiten gehen müssen. Wie ist das für eine Frau ohne weibliches Vorbild, den Alltag als arbeitende Mutter zu meistern? Oder werden sie gar keine Mütter, weil für sie die berufstätige Mutter ein Oxymoron ist? Ich weiß es nicht, weil ich es so nie kennen gelernt habe. Jede Frau aus meiner Familie ist einer Arbeit nachgegangen ist.

Und ich glaube, das ist auch die Normalität. Wenn man sich auf der Welt so umsieht, dann sieht man in jeder Kultur arbeitende Frauen. Meine Großmutter war nicht festangestellt bei einer Firma, sie arbeitete in ihrem eigenen kleinen landwitschaftlichen Betrieb, versorgte neben einem Haushalt ohne Geschirrspüler, Waschmaschine und Vileda-Wischmopp noch einen Haufen Hühner und Schafe, baute Tabak, Obst und Gemüse an. Trotzdem hatte sie zwei Kinder daheim. Während meine Oma Rüben verzog, saßen mein Vater und mein Onkel auf dem Feld und haben die Steinchen aus dem Acker geholt oder aus der feuchten Erde Klumpen geformt. Jedenfalls hat meine Oma mit ihnen keine PEKIP-Gruppe und kein Babyschwimmen besucht. Wenn mein Vater später zum Turnen wollte, dann musste er sich aufs Rad schwingen und zur Turnhalle fahren. Für das betreute Leben, wie es unsere nicht-arbeitenden Mütter heute ihren Kindern auf dem silbernen Tablett servieren, war schlicht und ergreifend keine Zeit. Und ich fürchte, das war auch gut so.

Heute glaubt jeder, ihm würde ein Urlaub in der Ferne und zwei mal die Woche Fitnessstudio zustehen. Dazwischen sollte noch Zeit sein, mit einem guten Buch und einem Latte Macchiato in der Sonne zu brutzeln, während die Kinder ihre neunte und zehnte Stunde bei der Mathenachhilfe verbringen. Nein Mädels! Auch, wenn ihr es euch noch so sehr wünscht, die meisten von euch leben ein Luxusleben, was leider für eure Kaste nicht vorgesehen ist. Die Zeit, die ihr vergeudet, euren fast erwachsenen Kindern auf den Geist zu gehen, solltet ihr lieber damit verbringen, eure Schäfchen ins Trockene zu bringen! Versucht wieder ins Berufsleben zu kommen, legt euer Geld vernünftig an, beschäftigt euch mit Anlagestrategien und Altersvorsorge. Wer weiß, wie lange es Flaschenpfand noch geben wird! Und sicher ist es schön, wenn man von eurem Küchenboden essen kann, aber das müssen nur Leute, die sich keinen Tisch leisten können. Und auch der Alte wird nicht verhungern, wenn er Mal keine warme Mahlzeit am Abend bekommt. Auch eure Kinder werden keine post-traumatische Belastungsstörung entwickeln, wenn sie den Bus zum Training nehmen müssen. Falls doch, gibt es sehr gute Therapeuten, denen sie das alles erzählen können. Ich rechne sogar damit, dass sie heilfroh sein werden, von der Schule in ein leeres Heim zu kommen, die Füße hoch zu legen, Musik anzumachen und einfach nichts tun zu müssen. Vielleicht reduziert sich dann auch der Konsum an Nurofen und Paracetamol in eurer Familie.

Natürlich wäre es wunderbar, wenn es eine Wahlfreiheit gäbe. Arbeiten mit Kind: Entweder oder. Aber die gibt es für die meisten von uns nicht und die hat es auch nie gegeben.

Weißes Rauschen

Nun liegt es nicht mehr in meiner Hand. 15 Eizellen konnten am Freitag entnommen werden. Einige davon werden mit Sicherheit unreif sein und sich nicht befruchten lassen, da die Follikel noch sehr klein waren (ich nehme an, unter 16 mm).

Vielleicht stolpert ja die eine oder andere über diesen Blog, die wissen möchte, wie eine Punktion abläuft. Daher hier meine Schilderung des Prozederes:

Sechs Stunden vorher darf nichts gegessen oder getrunken werden. Sogar Kaugummi kauen und das benutzen parfümierter Cremes oder Parfum war untersagt. Eine halbe Stunde vor der eigentlichen Punktion sollten wir spätestens im Kinderwunschzentrum sein. Das Sperma durfte in unserem Fall von zu Hause mitgebracht werden. Mein Mann entschied sich allerdings für die Gewinnung vor Ort. Nach Anmeldung an der Rezeption, wird man in den OP-Bereich vorgelassen. Dort durfte ich mich umziehen. Empfohlen wurde, ein Nachthemd oder langes T-Shirt zu tragen. Hauptsächlich geht es wohl darum, etwas zu haben, was den Hintern bedeckt und den Zugang zu den weiblichen Kronjuwelen trotzdem ohne Umstände zulässt. Nach der Umzieh-Schleuse durfte ich mich in mein Bett begeben. Die Betten stehen in unserer KiWu-Klinik nebeneinander, durch Vorhänge voneinander getrennt, aufgereiht. Es waren auch etliche Männer zugange, weshalb sich ein langes T-Shirt tatsächlich als angenehmer erwies. Ein wenig erinnerte mich die ganze Situation an eine Legebatterie im Hühnerstall. Platzmäßig und was die Intimsphäre betrifft, war es aber schon besser, als Käfighaltung. Kurz darauf kam die Anästhesistin, legte einen venösen Zugang und fragte nach Allergien und Vorerkrankungen. Dann wurde ich mitsamt Bett in den OP-Raum geschoben. Dort verabschiedete ich mich kurz von meinem Mann, der seine Schuldigkeit während meiner Wartezeit in seinem Wichs-Verlies bereits getan hatte. Mann müsste frau sein. Die bekommen irgendwie immer die leichteren Aufgaben im Leben…Danach musste ich auf den üblichen Gyn-Stuhl klettern. Die Schwester klemmte mir ein Puls-Oxy-Meter an den Zeigefinger und setzte im nächsten Moment schon eine Spritze an den Zugang. Weil ich noch nix merkte, fragte ich, was das war. Sie sprach von Schmerzmittel und zückte danach die große, weiße Propofol-Spritze. Kaum angesetzt, wurde ich auch schon ganz matschig im Kopf. Das letzte woran ich mich erinnere ist, dass ich fragte, was da so komisch riecht und die Anästhesistin meinte, das käme vom Propofol, das schmecke wohl so komisch. Danach hörte ich meinen Puls noch schneller werden piep–piep-piep-pieppeiepepiepiep—-und dann lag ich wieder in meinem Bett und ich hatte die Zahl 15 im Kopf. Und es überkam mich plötzlich Traurigkeit und mir liefen die Tränen. Und dann war ich auch schon fast ganz da. Ich kenne diese Propofol-Narkosen von etlichen Darmspiegelungen und frage mich jedesmal, was Michael Jackson daran so super fand, dass er dafür sogar gestorben ist. Beim Aufwachen muss man tierisch aufpassen, nicht viel zu reden. Am besten hält man die Fresse, bis man wieder aufrecht sitzen kann. Denn sonst läuft man Gefahr in Endlosschleife immer wieder dieselben Dinge zu erzählen, die gerade eben im weißen Rauschen der propofol-umnebelten Gehirnwindungen noch mega viel Sinn gemacht haben. Gerade bei der ersten Propofol-Narkose kommt mitunter dieses euphorische Gefühl und ein starker Mitteilungsdrang auf. Ich muss wohl mitlerweile diesen Stoff so rapide abbauen, dass ich nach kurzer Zeit schon wieder -nach meinen Möglichkeiten- normal war und mir alles gemerkt habe, was mir nach dem Aufwachen erzählt wurde. Die Ärztin sagte mir, dass es also tatsächlich 15 Eizellen waren, einige jedoch wahrscheinich unreif sind. Außerdem bekam ich als zusätzliches Schmerzmittel Diclofenac als Zäpfchen.  Ich solle mich nicht wundern, wenn am Abend ein wenig Blut mit Schleim vermischt im Schlüpfer wäre. Das sei normal. Dann durfte ich endlich Essen und Trinken. Insgesamt sollte ich nach der Punktion noch zwei Stunden zur Beobachtung dort bleiben. In der Zeit schaffte ich es sogar auf Toilette zu gehen. Darauf wurde viel Wert gelegt, um zu schauen, wie der Kreislauf reagiert und wie stark die Blutung ist. Beim Pullern kam dann ein wenig hellrotes Blut. Das wurde als normal eingestuft und ich durfte dann bald mit einem Rezept für Utrogest 200 nach Hause. Auto- und Fahrradfahren sind für 24 Stunden nicht erlaubt. (Tatsächlich schaffte ich es, 25 Stunden später mein Auto rückwärts gegen die Plastikbeleuchtung eines Baumarktes zu setzen.)

Ich soll nun viel trinken, proteinreich essen und mich möglichst schonen. Eigentlich wollte mich die Ärztin bis nächsten Mittwoch krankschreiben. Ich meinte aber, dass ich am Montag wieder los muss. Termine! Termine! Termine! Schmerzmäßig hält es sich derzeit in Grenzen. Ich merke halt jede Bewegung, die sich in mir zwischen Zwerchfell und Becken abspielt. Sei es nun das Entleeren der Blase oder ihres großen, stinkenden Bruders. Alles ziept und drückt ein bisschen. Der Bauch ist nur mäßig angeschwollen. Morgens habe ich noch meine Biki-Figur, zum Abend hin entwickelt sich dann eine kleine Blähkugel. Meinen Alltag kann ich derzeit normal bestreiten. Heute Morgen fühlte ich mich noch ein wenig müde und gereizt. Aber auch das kenne ich von anderen Propofol-Narkosen. Tagsdrauf bekommt man meist so einen Durchhänger mit leicht depressiver Grundstimmung.

Meine Temperaturkurve sieht derzeit noch stark nach Östrogen-Dominanz aus. Trotz der 15 Follikel ist die Temperatur null angestiegen. Bin gespannt, ob das Utrogest ausreicht, den Östrogenabfall abzupuffern.

Nun heißt es warten…

Heute Punktion

Großartig kreative Ergüsse erwartet heute hoffentlich keiner von mir. Seit gestern Abend nüchtern mit einem Gelege Follikel im Bauch. Die letzte Frage, die sich mir stellt: Warum gehört zum Nüchternsein auch das Weglassen von Parfüm und parfümierten Cremes? Stört das den Maiglöckchenduft der Eizellen? Kein Plan.

Diese Nacht bin ich jedes Horroszenerio durchgegangen: 10+ Follikel und alle leer; keine Eizelle lässt sich befruchten; am Montag der Anruf, dass sich nichts weiternetwickelt hat. Hach, ich liebe meinen Realismus. Ein Schelm, der dabei an Pessimismus denkt!

Auf in den Kampf!

Die eierlegende Wollmilchsau

Der Osterhase hat in diesem Jahr ein ganz besonders dickes Nest versteckt: 15 potentielle Kandidaten wurden gestern beim Ultraschall entdeckt. Nun soll ich morgen zur nächsten Kontrolle kommen, dann wird entschieden, ob die Punktion am Donnerstag oder Freitag stattfinden kann. Obwohl das ein ganz stattliches Ergebnis für schlappe 75 I.E. Puregon ist, gibt es einen Wehrmutstropfen. Es könnte sein, dass der Transfer erst im nächsten Zyklus gemacht werden kann, um die Gefahr eines schweren Überstimulationssyndroms möglichst zu vermeiden. Abgesehen davon, dass meine Gesundheit natürlich Vorrang hat, wäre das für mich extrem ungünstig, da wir planen nach Pfingsten Urlaub zu machen. Dann wäre ich mit verzögerten Transfer erst in der 4.-6. SSW und es wäre kaum absehbar, wie sich das alles entwickelt. Ein Horror-Urlaub wäre also schon allein wegen der psychischen Anspannung vorprogrammiert. Da bliebe also nur die Option das Vorhaben -im wahrsten Sinne- auf Eis liegen zu lassen und erst Ende Juni zu transferieren. Nun gut, über ungelegte Eier soll man nicht reden und über unbefruchtete Eizellen schon gar nicht. Ich bin seit Jahren erfolgreicher Pessimist und daher halte ich es durchaus für möglich, dass die Mehrzahl der Follikel leer ist, die Eizellen eine schlechte Qualität haben oder sich nicht befruchten lassen oder sich nach Befruchtung nicht weiterentwckeln. Es gibt tausend Dinge, die schief gehen können. Und schließlich muss es ja einen Grund für unsere Sterilität geben.

Abgesehen von meinen vetrauten negativen Gedanken, plagen mich kaum körperliche Beschwerden. Es zieht hin und wieder links und rechts im Unterleib, wie ich es von der Zeit um den Eisprung herum kenne. Beim Essen versuche ich auf Laktose und Blähendes zu verzichten. Die beiden Tennisbälle in meinem Bauch brauchen schon genug Platz und jedes Gasblässchen fühlt sich an, als würde sich eine Dampfwalze durch meine Eingeweide zwängen. Ich gehe stark davon aus, dass sich das bis Ende der Woche kaum bessern wird. Zum Glück wirken die Hormone wie Appetitszügler, weshalb es keinerlei Ansrengung bedarf, mich dahingehend zusammen zu reißen. Als richtig fiese Mistdinger haben sich allerdings die Orgalutran-Spritzen heraus gestellt, die den Eisprung unterdrücken sollen. Da hat wohl jemand die Spitze bei den Nadeln vergessen?! Das Bedarf schon sehr viel Schwung und Überzeugung für die gute Sache, um die Nadeln in die Bauchfalte zu befördern. Hat man es einmal geschafft wird man mit langem Brennen an der Einstichstelle belohnt….und hoffentlich mit ein paar ordentlichen Eizellen!

Also dann: Auf in Legeposition! Fertig! Los!

Endometritis

Wie gerade geschrieben, wurde bei mir eine chronische Entzündung der Gebärmutterschleimhaut festgestellt. Wie ich zu der Ehre komme, weiß ich selbst nicht genau. Fakt ist, dass Scheide und After nun mal sehr nah beieinander liegen und Frauen daher prinzipiell für alle Arten bakterieller oder pilzlicher Infektionen Untenrum prädestiniert sind. Auch eine Geburt oder Ausschabung kann sowas begünstigen. Inwiefern nun eine Insemination dazu beitragen kann, weiß ich nicht genau. Es erscheint mir allerdings logisch, dass jede Form von Manipulation, sei es nun eine Routineuntersuchung beim Frauenarzt oder das Benutzen eines Dildos Keime von außen nach Innen „schieben“ kann. Als erste Abwehrbastion treffen die Eindringlinge auf das saure Milieu unserer Scheidenflora, weiter oben dann auf den Zervikalschleim. Je „invasiver“ ein Eingriff erfolgt, desto wahrscheinlicher ist es natürlich auch, dass Keime bis in die Gebärmutterhöhle verschleppt werden. Auch wenn die Scheide beispielsweise beim Echovist desinfiziert wird, ist es nahezu unmöglich, sie „steril“ zu bekommen. Daher besteht also immer eine gewisse Infektionsgefahr.

Von dieser leichten chronischen Endometritis habe ich nichts gemerkt. Erst als ich mich darüber belesen habe, sind mir ein paar Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Manche Frauen spüren diese Entzündung als Schmerzen oder Druck im Unterbauch, haben komisch riechenden Ausfluss oder ähnliches, in schweren Fällen sogar Fieber. Das hatte ich alles nicht. Allerdings fand ich es schon immer eigenartig, dass meine Periode so ewig lange andauert. Unter 6-7 Tage bin ich nie davon gekommen. Vor der Diagnose hatte ich sogar 9 Tage lang Blutungen. Das kann ein Hinweis sein. Nach der ersten Woche Antibiose stoppte die Mens bereits nach 6 Tagen. Vielleicht nur ein Zufall?

Auf die Idee, dass hinter unserer Infertilität auch eine Endometritis stecken könnte, ist mein Mann gekommen. Während ich nach jedem erfolglosen Zyklus heulend in der Ecke sitze, schmeißt er die Suchmaschine an und forstet sich weltweit durch den Djungel medizinischer Publikationen. In einer Studie konnte sogar bei 75% der Frauen eine Endometritis gefunden weren, die unter einer idiopatischen Sterilität litten. Davon wurden ca. 80% innerhalb eines halben Jahres nach Behandlung ihrer chronischen Infektion schwanger. Die meisten davon allerdings per IVF/ICSI. In der KiWu-Klinik hatte die Ärztin für unser Anliegen ein offenes Ohr und hielt uns sofort einen Flyer unter die Nase, in dem für diese Selbstzahlerleistung „geworben“ wurde. Nun kann man sich wieder fragen, warum uns von Seiten der Ärzte niemand darauf aufmerksam gemacht hat, wenn doch die Studienlage recht vielversprechend klingt. Unter dem Aspekt, dass bei Vorliegen einer chronischen Endometritis jedwede Bemühung hisichtlich künstlicher Befruchtung wahrscheinlich für umsonst bzw. ein Erfolg unwahrscheinlicher ist, wäre es doch sinnvoll vor Beginn eines teuren IVF-Zyklus zumindest darüber aufzuklären.

Die Entnahme der Gebärmutterschleimhaut erfolgte spontan direkt im Anschluss ann das IVF-Aufklärungsgespräch, da ich mich sowieso gerade in der zweiten Zyklushälfte befand. Dabei wird ein Katheter durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und eine kleine Stanzung der Schleimhaut vorgenommen. Das Ganze tat mir absolut nicht weh und war innerhalb von zwei Minuten erledigt. Die Gewebeprobe wird dann in ein spezielles Labor geschickt. Dort wird die Probe aufbereitet und präpariert. Unter dem Mikroskop werden dann NK- (natürliche Killerzellen) und Plasmazellen gezählt. Die Anzahl der uterinen NK-Zellen gibt Aufschluss über das Vorliegen einer immunologischen Abwehrreaktion, die die Einnistung erschwert oder verhindert. Das Vorhandensein bestimmter uteriner Plasmazellen hingegen weist auf eine Entzündung hin. Bis der Befund auf dem Tisch liegt, vergehen 10-14 Tage. Danach folgen 14 Tage Antibiose mit 200 mg Doxicyclin bei auffälligen Plasmazellen. Erhöhten NK-Zellen versucht man mit Intralipid-Infusionen habhaft zu werden. Das traf bei uns jedoch nicht zu.

Zwei Tage nach der letzten Doxicyclin-Pille hatte ich meinen Eisprung. Heute ist Zyklustag 10 und natürlich blieb der SST blütenweiß. Zu einer natürlichen Empfängnis wird es also auch in meinem -hoffentlich- nun keimfreien Uterus nicht mehr kommen. Hätte mich auch gewundert, wenn es so einfach gewesen wäre.

 

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